Ganz ganz entzückende Geschichte und herausragend besetzt bis in die kleinste Nebenrolle. Warum kriegen wir so was in Deutschland nicht hin?
Archiv des Autors: glamourdick
Maybe this time, maybe not.
Ich erlebe ja den Single-Status selten als Manko. In manchen Situationen, wenn sich eine Änderung abzuzeichnen schien, war es mir sogar schwer gefallen, mir vorzustellen, in einer Beziehung zu leben. Und auch in diesem Fall dachte ich mir, was die Defintion dessen sein könnte, einmal mehr the other Woman – eigentlich sehr praktisch. Der eigentliche Gatte weit weg, ich könnte den Berliner Bedarf abdecken, mehr muss auch nicht. Persönlich würde ich es unerträglich finden, in einer Beziehung betrogen zu werden, als Liebchen selbst mache ich mir keinerlei Sorgen. Ich nehme ja nichts weg, der Mann bleibt ja bei seinem Kerl, ich bin nur eine Addition. Außerdem war ich schon vorher da, so ca 10 Jahre ist es her. Und so konnte ich gut damit klarkommen, mit ihm kuschelnd Bilder seines Mannes anzuschauen. In den Arm genommen und fest gedrückt zu werden. Eine Verbundenheit zu fühlen, die auf gemeinsamer Erfahrung und individueller Weiterentwicklung beruht. Also schien es naheliegend, den nächsten Schritt zu tun, nur um festzustellen, dass die körperliche Nähe lediglich die Kompensation der physischen Abwesenheit seines Partners war. Das Blöde – nun, dass ich weiß, dass er auch noch treu ist, gefällt er mir noch besser.
Das ist die Kurzfassung, die Langfassung wird wohl Mal auf ein Lied runtergekürzt werden.
Sehen Sie jetzt Keaton Henson, ich schätze ihn sehr. Der hat es auch nicht immer leicht:
GLAM HEARTS MR DOUGLAS
shut/open: harm is in us.
AHS Freak Show, Episode 6 (Spoilers!)
Dass Elsa etwas mit Paul hat, hat mich so glücklich gemacht! Und dann lassen sie den parallel eine Affäre mit Meryl Streeps Tochter haben??? Murphy??? Was hast Du Dir dabei bloß gedacht… Ansonsten – poetry, ma petite!
Tagebuchbloggen
Der Text über Solomon zappelte schon seit Juli in mir herum, da hatte ich das Buch noch nicht einmal zur Hälfte durchgelesen. Samstag machte es dann PLOPP und ich fing an, zu schreiben. Vielleicht musste ich erst überprüfen, ob der neue Blick ein bleibender ist. Dem ist so. Auch im Gespräch am Sonntag ging es um empowerment und Identität und die Verantwortung, die man für seine Horizontalität und gleichermaßen konditionierte hat. Und, ja – S. 41 in „Ashby House“ hat sehr viel damit zu tun, für mich. Die Lesemädchen, die bei „50 Shades of Grey“ wohlig seufzen, sind schockiert und angewidert von ein wenig Arschfickerei unter Kerlen. Dass mich das nicht überrascht beweist nur, wie nötig S.41f sind.
Nach dem Überweisen der Steuer hatte ich gestern keine Lust mehr, irgendwas zu tun, was mit Geld ausgeben verbunden ist und gesellte mich nicht zu Herrn Schneck, Frau Koma, dem Grafen, Strikey und der wunderbaren N. Stattdessen verbrachte ich den Abend, sehr berührt hierbei:
Für Ryan Murphy eine sehr schlichte, würdige, dem Thema angemessene Regie und Produktion, die den Blick auf´s Wesentliche lenkt, die frühen Jahre des AIDS-Ausbruchs und die persönlichen und politischen Kämpfe um Aufmerksamkeit für die Epidemie. Mit einer brillanten Cast, vor allem Mark Ruffalo, Matthew Bomer und Julia Roberts. Nicht wundern also, wenn ich heute etwas verheult aussehe. (Beim Betrachten des HBO-Movies-und-Mini-Series-Tailers festgestellt, dass ich 80 Prozent der HBO-Produktionen der letzten 3, 4 Jahre gesehen und für herausragend befunden habe.)
ELEFANTENSCHRITTE oder HAST DU ETWAS ZEIT FÜR MICH?
Am 9.11.14 spätnachmittags, es ist schon dunkel, die Warschauer Brücke zu wählen, um vom Friedrichshain zurück nach Kreuzberg zu gelangen ist sicher nicht der schnellste Weg. Aber das Schritttempo passt recht gut zu meinem Innenleben und dem gerade Erlebten. Babysteps. In der folgenden Nacht träume ich prompt von einem Baby-Mini-Elefanten, der bei mir wohnt. Kleine Schritte. Aber ein mächtiges Vorhaben. Die Luftballons sind noch verankert, die Menschenmenge hat nichts Bedrohliches. Der Stau kommt nicht nur vom starken Verkehrsaufkommen sondern von den fahrenden Glotzern. Gute Glotzer in diesem Fall. Gmächlich fahren sie die Ballons entlang und schauen und driften vermutlich, wie ich, in Erinnerungen. Ost/West, Mauerfall – wenn es all das nicht gegeben hätte, dann wäre ich hier nicht unterwegs, dann käme ich auch gerade von irgendwo anders, nicht aus der B-Straße im F-Hain. Neue Chancen, Möglichkeiten, Neuanfänge geht´s mir durch den Kopf. Ich habe einen Spiegel weggegeben, auch das passt. Ich hab ihn an die richtige Adresse gebracht, er wohnt jetzt bei anderen schönen Rahmen und Bildern. Im wahren Leben habe ich mir aus praktischen Gründen keinen Elefanten angeschafft – das ist unpraktisch und vielleicht ein bisschen unfair dem Elefanten gegenüber, wenn man im 5. Stock wohnt. Dazu noch das Platzproblem. Und sie brauchen soviel Gras und der Görli hat so schon zu wenig davon. Aber so ein Mini-Elefant ist vielleicht der richtige Anfang. Für den Anfang. Und plötzlich einen Elefanten im Raum zu haben macht auch ein wenig nervös – die Verantwortung, die Verpflichtung – aber man muss sich auch mal was zutrauen, man kann die Mauer ja zum Fallen bringen, das wissen wir, und dann kann der Luftballon fliegen.
Andrew Solomon: FAR FROM THE TREE
Professor D. hatte das vor ca 20 Jahren geschafft. Mir ein Buch zu empfehlen, das meinen kulturellen Lebensweg prägen würde. Camille Paglias „Sexual Personae“ war das damals. Es hat mir eine Lesart mitgegeben, die mich viele Jahre begleiten sollte. Dass ich noch einmal ein Buch empfohlen bekommen würde, das meinen Blick auf die Dinge entscheidend verändern würde, damit hatte ich ebenso wenig gerechnet wie mit der Wahrscheinlichkeit, in meiner Lebenszeit Kate Bush live singen zu sehen. Aber auch dies geschah in diesem Jahr. Zwei Mal.
Mein Agent. Ein Mann vor dem ich Achtung habe, und den ich als Mensch schätze. Empfahl ein Buch, in dem es um Identitätsfindung innerhalb von Familien geht. Ich erkannte erst einmal nicht, warum mich das Thema (noch) tangieren sollte. Bis ich zu lesen begann. „Far from the Tree“ von Andrew Solomon sollte jeder lesen. Es öffnet Augen und Herzen. Seit der Lektüre betrachte ich Menschen mit der Vorgabe „Aber seine Mutter liebt sie/ ihn vermutlich“ und gehe mit weniger Mitleid und viel mehr Empathie durch die Welt. Natürlich gibt es auch Menschen, die nicht einmal von ihrer Mutter geliebt wurden/ werden, but and that just goes to show.
Solomon schreibt von der vertikalen und der horizontalen Identität. Vertikal ist alles, was die Eltern in ihrem Kind von sich wieder erkennen (was sie ihm quasi herabreichen) – Hautfarbe, Sprache, oft Religion, physische Ähnlichkeit, gemeinsame „Eigenarten“. Horizontal sind die Identitätsmerkmale, die nicht denen der Eltern entsprechen, in denen sie sich nicht wiedererkennen, und die somit eine Herausforderung darstellen; explizit – das ist anders, muss das weg? Das kann so etwas sein wie ein Teenie, der sich die Haare färbt und sich ein dutzend Piercings verschafft oder aber auch lebenslang unabänderliche Symptome/ Eigenschaften. Solomon hat über viele Jahre Familien begleitet, in denen mit horizontalen Identitäten umgegangen wird, um zu erfahren, wie Familien mit der Andersartigkeit einzelner Kinder erleben un damit umgehen. Stumm geborene Kinder sprechender Eltern, zwergwüchsige Kinder „normal“ großer Eltern. Schizophrene oder autistische Kinder, Kinder mit Down-Syndrom, Transgender, „Wunderkinder“, Behinderte, jugendliche Kriminelle. Er schreibt mit Wärme und Verständnis im Sinne des Wortes. In jedem Kapitel zu den gerade genannten Identitäten berichtet er von den Erfahrungen verschiedener Familien, die er über lange Zeiträume begleitet hat. Zustande kommt ein Gesamtbild, das nicht nur Mut macht, sondern auch den Blick auf Andersartigkeit als lebensbereichernde Herausforderung öffnet und Bewunderung schafft für die Eltern, die „am Ball bleiben“ auch wenn sie von ihrem Kind, aufgrund seiner Kondition, wenig zurück bekommen.
Die Thematik führt zu weitreichenden Fragen. Ab wann ist eine Kondition als krankhaft zu bezeichnen. (Eine Organisation namens Mad Pride setzt sich für den Begriff und die Anerkennung der „neurodiversity“ ein.) Macht Inklusion Sinn, wenn in vielen Fällen das Zusammensein mit Peers zu Selbst-Akzeptanz, Gemeinschaftsgefühl und Identität führt? (Solomon veranschaulicht das sehr eindrucksvoll am Beispiel von stummen Kindern sprechender Eltern, die das erste Mal mit Gebärdensprache in Berührung kommen und im Kreis von anderen Gebärdensprachlern Kommunikation erstmals mit Gleichsprachigen zu praktizieren und nicht mehr mit der Frustration leben, Sprache nicht als Sprechender zu erleben. Die Gebärdensprache verfügt über unglaubliche Nuancen und eine ihr eigene Grammatik. Im Kreis von Gebärdesprachlern wird Sprech-Sprache überflüssig, stumm sein ist kein Manko oder Mäkel mehr. Solomon beschreibt die Ankunft in der Gemeinde der Gebärdensprachler so, wie ich mit 20 meine Ankunft in der schwulen Szene erlebt habe – es öffnen sich Türen und Fenster, man ist endlich angekommen.)
Der medizinische Fortschritt stellt für diverse Communities eine Bedrohung dar. Wenn Eltern im Stadium der Schwangerschaft über mögliche „horizontale Herausforderungen“ in Kenntnis gesetzt werden können (wie es jetzt z.B. schon im Falle des Down-Syndrom möglich ist), ist es an ihnen, zu entscheiden, ob das Kind lebens-wert ist. Würde man ein Kind das taubstumm auf die Welt kommt verhindern? Ist ein Leben jenseits der „Normalität“ ein lebensunwürdiges Leben?
Irgendwann in der Lektüre kommt man bei der unbequemen Frage an: unter welchen Voraussetzungen ist ein Leben (noch) lebenswert? Solomon beantwortet diese nicht direkt, aber er lässt Eltern und Aufwachsende aus ihrer Erfahrung sprechen. Für mich konnte ich die Frage danach beantworten – solange jemand bei allem, was man von außen gegebenenfalls als „Leid“ oder Stigma betrachtet, zu Freude fähig ist. Nun ist es so, dass man nicht immer von außen beurteilen kann, was im Innern eines Menschen vorgeht, der nicht in der Lage ist, selbst zu beschreiben, was er fühlt oder was er will. Meine Hochachtung vor Menschen, Eltern, die sich mit Liebe auch um die Kinder kümmern, von denen sie aufgrund ihrer Kondition keine Gegenliebe erfahren (wie im Falle schwer autistischer Kinder.)
Bis in die 70er war es gang und gebe, Kinder mit Down-Syndrom oder Spastiker in Heime zu geben. Wer einen Eindruck davon bekommen möchte, wie es teilweise in diesen Institutionen vorging, dem empfehle ich die DVD-Doku „Unforgotten: 25 Years after Willowbrook“ . Hier kommen Patienten – eher Insassen – zu Wort, die den Ort, der Anregung für „American Horror Storys“ Klinik Briarcliff war, überlebt haben. Vor dem Betrachten empfehle ich ein leichtes Beruhigungsmittel. Es tut weh, zu zu hören, wie ein hochintelligenter Spastiker seine Erlebnisse, die „Behandlung“ die ihm widerfuhr (praktisch gar keine), schildert.
Dem Wert, den eine Community für Außenseiter/ Horizontale ausmacht sehe ich auch in AHS „Freakshow“ Tribut gezollt. So kommt für mich in diesem Herbst thematisch alles zusammen. „Far from the Tree“ sollte in Schulen zur Pflichtlektüre werden, denn es veranschaulicht praktizierte Ethik und Weltklugheit in einer Zeit der Vielfalt und lehrt mehr als ein paar Bibel-Kurse. Dies ist nicht nur der ausufernden Recherche geschuldet, sondern vor allem den unzähligen menschlichen Portraits unterschiedlichster Familien, die sich bereit erklärt haben, Einblicke in ihren Haushalt, aber vor allem ihren Gefühlshaushalt zu gewähren.
Bei aller Komplexität ist „Far from the Tree“ vor allem eins: eine äußerst wohltuende Lektüre. Wenn man erst einmal hinschaut und zuhört, sich den Identitäten stellt, folgt ein erweiterter Blick. Es tut gut, in andersartige Erfahrungswelten Einblick zu nehmen. Es öffnet den Blick, den Verstand und das Herz.
Guter Tausch
November
Die Freak Show setzt sich fest wie einst Asylum. Bilder, die man mitnimmt. Fräulein Elsas Filmkarriere, und schon zeigt er (wieder) den wahren Horror in einem Umfeld aus Kultur-Horror, Horror-Erbe, dem schmutzigen Schmutz, zu dem Menschen fähig sind. Dann lese ich einen älteren Beitrag und freue mich, dass ich neben Horror auch so etwas produziere. Gerade aber fühl ich mich gar nicht als Schreiber. In Deutschland. Ich blogge dann und wann vor mich hin, sammele für den nächsten Roman, erlebe keine Wertschätzung. Nein, ich greine nicht, ich stelle fest. Ashby 3 steht im Kopf, aber ich habe keine Lust es umzusetzen, ich möchte keine Diamanten ins Nichts schleudern. Dann hab ich das Juwel lieber im Kopf, für mich, oder werde doch meine in diesem Land unbemerkte Karriere fremdsprachig fortsetzen. Das Lesen von „Kruso“ trägt nicht dazu bei, mich in der deutschen Literatur zu Hause zu fühlen. Schade, nachdem Herrndorf, Hischmann und Stanisic eine Wende eröffnet hatten. Es wird wieder geschwurbelt. Back to Black.

