Eine Kältefront schiebt sich ins Schlafzimmer und der schwitzende Körper freut sich so sehr, dass er dem Schlaf ein Schnäppchen schlägt. Bis die Kältefront lautstark wird und ein wildes Prasseln (Applaus?) mit sich bringt. Ich bin in der Augsburger Puppenkiste, on stage, irgendwelche Strippen ziehen meinen Körper und schicken ihn durch die nächtliche Wohnung, Fenster wollen geschlossen werden, um der Entstehung eines Feuchtbiotops entgegen zu wirken. Ohne auch nur einmal gegen Möbel zu klatschen oder über eigene Füße zu stolpern sprintet man mich durch die Zimmer und wieder zurück ins Bett. Der Applaus wird lauter, jemand legt die Strippen beiseite. Ich erfreue mich an weichem Kissen, schneeweißer Bettdecke. S c h l a f….
SUE ELLEN´S TELEPHONE
Seit gestern bin ich im Besitz eines Telefons, das defintiv aus dem Besitz von Sue-Ellen Ewing stammt, obwohl man es in „Dallas“ nie gesehen hat.
Die Basis-Station ist ungefähr 20X35 cm groß und goldfarben. Das Telefon ist über ein Kabel (!) mit der Basisstation verbunden, ebenfalls goldfarben mit einer schrägen schwarzen Tastatur. Auf der Basisstation befindet sich die Mini-Version eines Gitters, wie man es in New Yorker Straßen findet, darunter befindet sich ein Ventilator. Über dem Ventilator auf dem Gitter steht eine relativ liebevoll gestaltete etwa Barbie-Puppen-große Plastik-Marilyn im klassischen weiße Kleid. Wenn das Telefon klingelt, singt Marilyn „I wanna be loved by you“ und der kleine unterirdische Ventilator pustet ihren Rock hoch.
Ich sehe Sue-Ellen vor mir, nach dem achten Bourbon, auf dem Teppich vor der Kommode auf der ihr Telefon steht. Wie sie hofft dass jemand anruft, nur damit Marilyns Stimme erklingt und der Rock hochweht und Sue-Ellen betrunken kichern kann und sich noch einen Bourbon einschüttet. (Oops – schon wieder leer!) und dann schaut sie und schaut sie und es klingelt nicht und dann tut sie, was sie jeden Abend tut – sie DRÜCKT DIE DEMO-TASTE und automatisch, aus heiterem Himmel und ohne dass auch nur irgend ein texanisches Arschloch anrufen muss SINGT Marilyn und der Rock weht HOCH. Sue-Ellen grinst, gluckst, lacht, rollt ab und schläft auf dem hochflorigen Teppich ein, den leeren Whisky-Tumbler noch in der knochigen Hand. Wieder eine Nacht, in der sie mit einem Glücksgefühl niedergeht.
AMEISEN-KNÖDEL
Ich bin in diesem Frühjahr sehr unleidlich und frage mich, ob das mit den Ameisen anfing. Jahrelang haben sie mich nicht gestört, bis ich begriff, dass sie es sind, die sich Blattlauskolonien auf meiner weißen Rose halten. Sie sind immer brav auf der Terrasse geblieben, haben immer die Wohnung verschont, aber trotzdem – diese Blattläuse… Also habe ich ernst gemacht und Gift gekauft. Und sprühe. Und sprühe. Und sprühe. Wie Rambo habe ich die Waffe immer griffbereit und wenn ich Besuch habe, bitte ich den, ebenfalls gewissenhaft nach Ameisen Ausschau zu halten. Wenn ich jetzt auf der Terrasse barfuß laufe habe ich immer das Gefühl, dass ich eine Giftsohle mit mir überall hintrage. Ich merze mich wahrscheinlich gerade schleichend aus. Mein Haar ist schon ganz stumpf.
Dann die Krähen. Siehe unten. Schreiende Kinder. Eltern schreiender Kinder, die mich zum Nichtrauchen anhalten. Hupende Autos. (Werden in der Türkei eigentlich besonders aggressive Hupen fabriziert?) Ich halte mich nicht für übermäßig rassistisch, aber mir klappen die Zehennägel hoch, wenn ich unschuldig an einer Ampel halte und neben mir türkischer Gangsterrap aufs Ohr schlägt. Wirkt das auf türkische Mädchen sexy? Oder ist die Musik so laut, damit sie durch die Kopftücher geht??
Ich reg mich schon wieder ab. Gibt ja auch schöne Dinge, wie z.B. das Comeback von Kim Basinger. Und dass Veronica Ferres in der Werbung zum Schweigen verdammt ist. Pfanni, isn´t it?
CARPE KARMA
Das Geräusch von Krallen, die bei der Landung über Dachziegel kratzen reisst mich aus einem angenehm erektiven Schlaf. Als ob jemand eine Hauskatze mit Nieten besetzt hat und wiederholt aufs Dach plumpsen lässt. Dann fängt der Scheißvogel auch noch an zu singen, und ich frage mich, warum man die Kommunikationsgeräusche von Vögeln überhaupt als „Gesang“ bezeichnet. Wie Kreide auf Tafel ätzt sich das in mein Trommelfell.
Es ist die erste Nacht mit offener Balkontür, so dass ich die Geräusche auch in voller Lautstärke mitbekomme. Genau genommen ist es irgend etwas um 5.30Uhr – es ist schon hell aber die Sonne ist noch nicht überm Altenheim. Ich werfe eine leere Schachtel Zigaretten gegen die Fensterscheibe aber der Kollege gibt sich unbeeidruckt. Krächzt und stößt Schreie aus. Ich klatsche in die Hände und bin jetzt schon fast richtig wach. Wenn ich aufstehe, dann ist an Einschlafen nicht mehr zu denken und so schiebe ich den Gedanke beiseite mit der (ebenfalls leeren) Dose Ameisenspray nach der Krähe zu werfen.
Die werden immer größer. Weil sie die Tauben fressen? Ich bin ja froh, dass die Tauben weniger werden, aber die Krähen sind einfach zu laut. Freitagmorgens und vorm Aufstehen. Fuck the early bird. The night is over when the fat bird screams.