MARLENE HAT ES IM URIN: NATURSEKT S11

Aus dem Radio im Nebenzimmer: Marlene D. singt ausgelassen, was für einen Mann sie will.
Sie fasst zusammen: „Kurz, einen Mann, der noch pissen will und kann. Einen Mann einen richtigen Mann.“
Küssen hat sie gemeint. Küssen! Aber wenn so ne alte Frau noch singt klingt es ja immer alles vernuschelt.

NIX LOS BEI H&M

H&M, Friedrichstraße, freitagmittag. Wie leergefegt. Nur Schwyzerdütsch und amerikanische Sprachfetzen. Selbst der nicht unattraktive Politaktivist der mich vor der Galerie Lafayette anquatscht, redet amerikanisch. Ich höre ihm gern zu, aber vergesse, was er sagt, in dem Moment wo er es ausspricht. Hedgefonds? Wobei es sicher wichtig ist. Weil Deutschland ja am Boden liegt und ich also voll im Trend bin. Und die anderen Deutschen vielleicht auch lieber abends zu Hause bleiben und dänische Spielfilme anschauen?

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Ihr ging es auch schon besser, aber zumindest hat sie noch ´n Sklaven…

DANGER-DATING: SCHMUTZIGE GESCHLECHTER

„Ich bin ein horniger junger Kerl und schaue, um stark gebumst von den Muskelkerlen zu erhalten in Leder, in Gummi und in hartes Geschlecht Ich bin in Berlin bis morgen. Nach schmutzigem Geschlecht heute abend suchen“

Und wir machen uns Sorgen wegen ess-zett…

BELLE OF THE BALL: CRAZY COUSIN CHARLOTTE

Charlotte Hollis glaubt Zeit ihres einsamen Lebens, dass sie ihren Geliebten umgebracht hat. Hat sie aber gar nicht. Als ihre Southern Mansion ca. 40 Jahre nach dem peinlichen Vorfall abgerissen werden soll, ruft sie ihre Cousine zur Hilfe. Bei der hätte es sich eigentlich um Joan Crawford handeln sollen, aber die zog nach ein paar Drehtagen (an Bette Davis erkrankt) den Schwanz ein und so sprang Joan Fontaines Schwester Olivia De Havilland ein. Köpfe rollen sprichwörtlich, Blut spritzt, Blumenkübel fallen auf Frauen und die ohnehin nicht ganz kopfgesunde Charlotte geht zeitweise über den geistigen Deister.
Einziges Manko: Anders als in „Whatever happened to Baby Jane“ darf Bette Davis in „Hush hush sweet Charlotte“ nicht singen. Schade, denn das hätte den Irrsinns-Faktor noch einmal gesteigert. Aber, Herr Schroeder, schon in einer ihrer ersten Szenen darf Bette zum Gewehr greifen. Eine altersgraue Akimba. Noone´s better than Bette when she´s bad.

Nachtrag, 20.06.05: Natürlich haben die Autoren von Melrose Place auch bei diesem Film gewildert: Sydney und ihre brave Schwester Jane lassen die Leiche des Vergewaltigers Robert auf die selbe Art und Weise verschwinden, wie die Cousinen es in „Charlotte“ tun. Mit den selben Resultaten. Sydney kommentiert Janes mörderisches Verhalten: „Ich weiß nicht, ob ich in einer Welt leben möchte, in der jemand wie Du auf einmal unmoralischer ist als jemand wie ich.“

DANGEROUS DATING

Und schon wieder eine neue Rubrik: Was ich auf schwulen Dating-Servern (sprich Gayromeo) fand. Mein augenblicklicher Favorit:

„Ich bin ein Temperament voller Südländer.“

Ouch.

CRAZY MISS CROSS

Wer Syd sagt, muss auch Kimmy sagen. Dr. Kimberly Shaw war zeitweise mit Sydney befreundet, die meiste Zeit jedoch versuchten sich die beiden aus dem Weg zu räumen. „I´m going to burn your face so it matches the color of your hair“ knirschte Kim, als sie mal wieder Gelegenheit hatte, an Sydney zu verzweifeln. Doch dafür gab es mehr Auslöser: Dass ihr Mann Michael sie betrog. Dass sie bei einem von ihm verschuldeten Unfall alle Haare verlor und mit den Haaren ihren Verstand. Sie entwickelte mehrere multiple Persönlichkeiten (weißer Schimmel?), unter anderem die der „Becky“. Auch die Geschichte dieser Lady kommt nicht ohne Lobotomie aus, denn diese Prozedur wollte sie Sydneys Arbeitgeber, Dr. Peter Burns angedeihen lassen. Heather Locklear half ihm aus dem Schlamassel. Und auch Feuer (siehe Mrs. Danvers) war Kimberly ein probates Mittel: Sie sprengte den Apartmentkomplex in die Luft, in dem Michael und Syd lebten. (Es starben aber nur die Figuren mit überhöhten Gagenvorstellungen) Betrachtet man die beiden unten stehenden Fotos, ist der amerikanische Standpunkt zum überstrapazierten Thema „Familie oder Karriere?“ eindeutig abzulesen: Glatzköpfig als multiple Ärztin Dr. Shaw, hübsch frisiert als Desperate Housewive Bree Van De Kamp.

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Zwischen „Melrose Place“ und „Desperate Housewive“ studierte Marcia Cross, the craziest Lady of american television, übrigens Psychologie. Anleihe bei Kimberly? Spooky… Und die neue Haarfarbe ist die alte von Sydney. Even spookier…

PATRON SAINT OF CRAZY: FRANCES FARMER

Das erste Mal, das ich Berlin besuchte, war ich 14 Jahre alt. Ich hatte gerade einen Selbstmordversuch hinter mir und danach eine gewissen Achtung an meiner Schule erreicht. Coole rauchende Kreislaufpillen-der-Mutti-fressende Kids, die in der Raucherecke standen, wurden meine Freunde. Das Leben machte mit einem Mal Sinn. In Berlin traf ich mich mit einer dieser Freundinnen und wir hatten angesichts unseres ansehbaren jugendlichen Alters nicht viele Optionen außer Babystrich, aber wir wussten nich wo der war und wir kamen ja aus gutem Haus und Taschengeld war ausreichend vorhanden. Also gingen wir ins Kino und sahen uns den Film „Frances“ an. Nachmittagsvorstellung. Ich glaube nicht, dass mich ein Film je mehr erschüttert hat, was nicht nur an dem sehr genialen Drehbuch lag oder an der dramatischen Vorlage, der Biografie der Schauspielerin Frances Farmer, sondern vor allem an der Darstellung Jessica Langes, die fortan die von mir am meisten geschätzte Filmschauspielerin wurde und bis heute ist. (Nur in Dänemark wächst adäquater Nachwuchs heran, Jessica ist bislang unerreicht.) Frances Farmer: Als Schülerin ein preisgekröntes Essay mit dem Titel „God dies“, ein Trip nach Moskau (in den 30ern!), Rising Hollywood-Star, Hollywood-Demütigung, Alk und Pillen, Verhaftung, Entmündigung, Sanatorien und Staats-Kliniken (in den 40ern!). Kaputtmachung.
Die ganze Frances-Geschichte schaut man sich am besten in Jessicas Darstellung auf DVD an.

Die Korrekturen an der Biografie und eine spannende Scientology-Verschwörungs-Theorie finden sich unter:
http://hometown.aol.com/jmkauffman/sheddinglight.html

But even if Frances wasn´t lobotomized – what a crazy fucked up life… Mit 14, als Überlebender, eine Lektion in Weitermachen.
Frances, angry angry Lady, and a pretty remarkable actress with one of the most beautiful voices ever to grace the screen, geboren 1914 starb am 1.8.1970. Ihre Autobiografie „Will there really be a Morning“ makes „One flew over the cuckoos nest“ read like „Winnie the Pooh“.
Angeblich eines der letzten Fotos:

THE RILKY WAY TODAY

„Blättert in Euren Blogs*. War da nicht immer um die Frühlinge eine Zeit, da das ausbrechende Jahr Euch wie ein Vorwurf betraf? Es war Lust zum Frohsein in Euch, und doch, wenn Ihr hinaustratet in das geräumige Freie, so entstand draußen eine Befremdung in der Luft, und Ihr wurdet unsicher im Weitergehen wie auf einem Schiffe.“

* Okay, bei Rainer steht „in Euren Tagebüchern“.

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