GLAMLET oder GLAM WATCHES SMALA SUSSIE UND HAT EINE VISION

sussie
Ist es eigentlich mal jemandem aufgefallen, dass die Oscar-Gewinnerinnen immer doll-faciger werden? Halle und Charlize? (Dass sie in den Oscar-Rollen Wert auf Hässlichkeit legen ist nur Teil des Tricks.) Die nachrückenden Namen machen mir Angst. Hillary Duff. Noch schlimmer das verdoppelte Grauen: die Olsen-Twins (und dann entehren sie auch noch einen reinen dänischen Namen, es ist eine Frechheit). Vielleicht erklärt das meine wachsende Begeisterung für skandinavische Schauspielerinnen. Ich mag doll-faces mit Augenrändern. Gestern habe ich mich zum Beispiel noch heftiger in Tuva Novotny verliebt, als ich es ohnehin schon war. Denn ich habe sie singen gehört. Da die schwedische und die dänische Musikindustrie noch bekloppter sind als die deutsche, ist der Sountrack von „Slim Susie“ leider unauffindbar, jetzt muss ich mir also für das eine schöne Lied „Newfound Lover“ die DVD kaufen.
Egal. Ich habe das Gefühl, der Film ist nur deshalb kein totaler Knaller, weil mal wieder zu Todes synchronisiert. Bei den Special Features habe ich Lachtränen vergossen, die waren auf Schwedisch. Also empfehle ich, erst die Special Features anschauen, insbesondere den Clip zu „Newfound Lover“, dann den Film auf Schwedisch mit Untertiteln. Wenn man vorher zwei Glas Wein trinkt glaubt man eh, man versteht, was die sagen.
Ich würde Helen Hunt, Kathy Bates, Ellen Barkin, Holly Hunter, Jessica Lange und allen anderen Hollywood-Diven mit Format und Falten empfehlen irgendwo zwischen Stockholm und Kopenhagen eine neue Filmstadt zu begründen. Ich schreib Euch die Filme und dann kann Hollywood sich auf Alison Lohman und die Olsen-Zwillinge konzentrieren.
Die erste Glamlet-Produktion könnte in einem Frauenknast spielen oder auf einem internationalen Kongress von Elefantenforscherinnen, und neben den amerikanischen Exilantinnen wäre noch Platz für Tuva, Iben, Lotte, und Sidse Babett. Vielleicht schreibt Kate Bush uns ein schönes Stück für den Soundtrack. Und wenn nicht, dann singt eben Tuva mit dem Trio Bulgarka.

DANN MACH ICH MIR NEN PULLI UM DEN KOPF UND FIND ES WUNDERBAR oder IN EAST HAMPTON YOU CAN GET ARRESTED FOR WEARING RED SHOES ON A THURSDAY

gardens

Eigentlich käme ja heute was über Mandy + Roxana, aber ich bin in Eile, im Körper läuft das Match Aspirin gegen Restalkohol noch unentschieden und dann überschlug sich gestern das Tagesgeschehen dergestalt, dass M + R noch ein paar Tage warten müssen.
Gestern gab es Pute. Gerade noch so. Anstelle eines Putenbratens hatte Frank versehentlich ein Stück aus einem Schwein gekauft und weil er ein großartiger Mensch ist, zog er nochmal los und es kam dann doch ein Federvieh auf den Tisch. Nebst zermatschter Knödel (never mix both of your grandmothers´s recipes!), Cranberry-Sauce, Rotkohl und selbstverständlich auch Rosenkohl.
Blogger sind Fleischfresser stellte sich einmal mehr heraus und so beschlossen wir, in Zukunft auf die side-dishes zu verzichten. Braten. Sauce. Reicht.
Wenn Blogger sich treffen gibt es eigentlich zu viel zu erzählen, als dass man sich eine DVD anschauen sollte, aber „Grey Gardens“ war in der Post und das Erlebnis musste ich teilen, zumal ja die Doku-Expertesse Britt mit Dolci gekommen war. Was (der Film, nicht die Dolci) dann dazu führte, dass ich mir sofort einen Kopschmuck aus einem Pullover und zwei Broschen bastelte und dies zu meiner neue Ausgeh-Uniform erklärte. In ungefähr derselben Stunde löste Lucky das Rätsel um die Griechinnen und den Zellstoff. (Ja, sie sitzen auf der Toilette und rollen zur Zeitüberbrückung derweile eine halbe Rolle auf die rechte Hand.) Während der Film ungehindert von unseren Erzählungen weiterlief enterte das wahre Leben den Blog. Der Mann, den wir in Zukunft nur noch René Runke nennen dürfen rief seinen Ex-Freund, unseren Gastgeber, an und weinte.
„Wie kannst Du im Internetz über mich schreiben? Ich dachte unsere Trennung läuft gut! UInd dann sprechen mich Fremde auf der Straße an und ein Kind spuckt vor mir aus!“
Selbst Schuld, wenn man einen Blogger sitzen lässt, noch dazu einen so tollen wie den Ereignishorizont. Shit, nicht mal die Zeit Links zu setzen. Und heute morgen klingelte es und aus der Gegensprechanlage sprach jemand gegen „Robbie? Robbie“. „Robbie wohnt hier nicht mehr“ soufflierte ich dem Gastgeber. Was vielleicht daran liegt, dass das Bett vertikal abschüssig ist, Gäste mit Barra Streisand-DVDs eingeschläfert werden und die soon-to-be-arrested-Kater fremde Brötchen anknabbern. Geil. Das Aspirin hat gerade gewonnen.
grey
(Little Edie.)

AND IT CAME UP, ON THE HORIZON oder MEISTENS IST ES GUT

Es ist dunkel draußen. Über der Straße, die wegen der riesigen Bäume auch im Sommer nie so richtig hell wird, kreisen Krähen. Das liest sich nicht nur gut, das ist auch so. Ich habe gerade mit einem Teil meiner Porno-Vergangenheit aufgeräumt, indem ich eine Serie Schwulenpornos, für die ich die Titel stiften durfte, im Sex-Shop abgeliefert habe. Statt 30 Euro durfte ich mir dann zwei neue DVDs mitnehmen. So kondensiert sich alles irgendwie gerade runter. Viel Schrott gegen etwas Qualität.
Ich trete meine Kippe aus, schau nochmal nach oben zu den Krähen und nehme den Lift in den sechsten Stock.
„Sehen Sie die Krähen? Ich habe eine Patientin mit einer Phobie vor Vögeln, das war hier die reinste Konfrontationstherapie für sie. Ich weiß auch nicht, warum die sich im Winter hier so zusammenrotten.“
Unsere Gesprächsstunde beginnt mit einer Diskussion von Hitchcocks „Die Vögel“, dann landen wir zwangsläufig bei Kate Bush – Birdsong als Musik.
„Ach – die Kate Bush. Ich wusste gar nicht, dass die noch singt. Ich habe auch eine Platte von ihr. Sogar auf CD.“
Irgendwann kommen wir zum eigentlichen Thema – meiner Woche. wie sie war. Gut, alles wird besser. Wir arbeiten heraus, woran das liegt, sie zeigt mir, dass ich tatsächlich neue Bewertungsmaßstäbe entwickle und mit alten Mustern breche. Ich denke und fühle um. Etwas beschäftigt mich jedoch schon die ganze Woche. Ich bin gespannt, wie sie reagiert.
„Frau H., ich bin mittlerweile so sozial unterwegs, und exponiert und ständig in Kommunikation, dass ich absolut keine Lust mehr auf die Gruppentherapie habe. Die Leute da – ich kann die Geschichten nicht mehr hören, ich werde nur noch aggressiv, wenn ich sehe, wie sehr die alle an ihrem Elend festklammern. Ich würde gerne mit der Gruppe aufhören.“
Sie lächelt, weil sie sich freut, dass die Gruppe mich WÜTEND macht. Nicht ÄNGSTLICH, nicht TRAURIG.
„Ich glaube, Sie haben sich bewiesen, dass Sie in einem sozialen Umfeld funktionieren können. Sie sind jetzt einen großen Schritt weiter.“
Jetzt lächeln wir beide.
„Was für ein Gefühl haben Sie, wenn Sie sich vorstellen, der Gruppe zu sagen, dass Sie aussteigen?“
„Kein Schlimmes. Wenn ich absage muss ich noch an drei Sitzungen teilnehmen, das nervt ein bisschen.“
„Wo man Sie sicherlich thematisieren wird. Und macht Ihnen das Sorgen?“
„Eigentlich nur, weil ich überlege wie ich sagen soll „Ihr kotzt mich an“ ohne jemanden zu verletzen.“
„Da werden Sie schon die richtigen Worte finden, Herr Dick.“
Und weil ich so in Stabillage bin, nähern wir uns den schwarzen Tagen Wochen Monaten des Zusammenbrechens in denen ich vor etwa einem Jahr steckte, der Frage, wer ich damals war und warum. Und es tut nicht weh. Die große Erleichterung, die ich seit einigen Wochen verspüre, zieht sich auch durch diese Analyse der Umstände. Auf einmal sehe ich ziemlich klar, welches die Faktoren waren, die mich fast zerquetscht haben und stelle fest – ich habe sie fast alle aus meinem Leben geräumt. Und nicht umgekehrt. Und freue mich über so manche Wut.
In unserer Entwicklung lernen und erleben wir zuerst die Angst, erst später die Wut. Und wenn ich vielleicht auch manchmal eine emotionale Überforderung für mich selbst bin, weil auf einmal alles im Fluss ist – lieber so, als das andere. Been there done that, next please, thanks.

JUSTUS KOEHNCKE IS CLIMBING UP THE AERIAL

Nach meiner monatelangen Private-Promo für Kate bin ich bislang einen Text über „Aerial“ eigentlich schuldig geblieben, wenn man von der Illustration des ersten Waschgangs mit Elefanten und dem Associative-Prose-Poem (übrigens vielleicht meine besten Postings ever, ein Triptychon, dessen dritter Teil im Kopf des Lesers stattfindet) mal abieht. Stand ja eh alles schön formuliert in den Feuielletons. Dachte ich. Dann bekam ich eine Maill, da stand das alles nicht nur sehr zutreffend formuliert sondern auch sehr originär.
Vielleicht bin ich ein bisschen mitschuldig daran, dass sich Justus K., dessen CD „Doppelleben“ momentan ziemlich weit oben auf meiner Playlist steht, Kate Bushs Aerial gekauft hat. Um so mehr freut mich, dass er mir erlaubt hat, sein vortrefllich fomuliertes Hörerlebnis auf meinem Blog zu veröffentlichen. Deshalb räume ich für heute meinen Blog und überlasse ihn Herrn Koehncke. Here goes:

„diese total befreite, ihre eigene, schöne, von allem abgekoppelte,
aber dabei total klar definerte welt erzeugende MUSIK, halt „vom
anderen stern“, doch null „spinnert“, geschweige denn „eso“ – und da drin/drüber diese total klaren, einfachen THEMEN. oft:
liebeserklärungen, ODEN: das geliebte kind, die verläßlich waschende
waschmaschine, der zielreine pi-forscher… das macht „aerial“ ja
vielleicht auch so positiv und soulful – meine wortreichen
erklärungsversuche klingen wahrscheinlich nach
„interessant“ (grusel). texte, splitternackt, mit denen JEDER so was
von SCHIFFBRUCH erleiden würde, ohne diese ganze tolle unausgedachte, magische wunderwelt drumrum: musik, stimme, design plus x – das ist jetzt leicht verstiegen und weit hergeholt, aber psychedelic- quantenmechanik schimmert da für mich durch – „somewhere in between“!
überlagerte zustände, verschränkung, „spukhafte fernwirkung“… und „how to be invisible“: stringtheorie, multiversen: a million doors.

(btw: „the answer is yes“ von „doppelleben“ tönt ja auch aus dem
quantenreich, d.h. das phänomen der „verschränkung“ von photonen dient da als liebes-metapher. hach ja. schneller als licht sehe ich dein gesicht. und die information die ich hab kennst du schon. usw usf,)

tja, tante kate scheint beste kontakte zu den nebenwelten zu
unterhalten; „AERIAL“, logo!. die steht ziemlich auf empfang.
richtantenne, radioteleskop, teilchenbeschleuniger. genau fokussiert
auf das unbekannte.

ich bin übrigens zwar schon kate-fan, kenne aber längst nicht alles
von ihr. klar, „wuthering heights“ war ein superhit. ich, heimliche ballerina mit elf, liebte es – das kam direkt from space, mittenrein zwischen abba, boney m., smokie und the bee gees. alle waren verzaubert. monatelang nummer 1 in england. wie geil.

mein fave-kate-thema ist allerdings HOUNDS OF LOVE. natürlich
erstmal, weil das eine so wunderbare wie spezielle wie auch
erfolgreiche platte war. aber ich sehe da auch einen feministischen
aspekt, der etwas mit „frauen und technik“ zu tun hat:

also, kate wird fast noch als kind zum star und macht 4 alben in 4
jahren, um dann für fast 4 jahre zu verstummen – oder „in der
versenkung zu verschwinden“ – UM ABER in jener versenkung tief in die avancierteste musiktechnologie einzutauchen, die es gab: FAIRLIGHT CMI, ein 80er-computersystem, das auf sampling basiert und auch programmierung von musik per sequenzer bot. kurzum: sie entwirft HOUNDS OF LOVE quasi allein auf dem fairlight, maximale freiheit, ein paar gastmusiker spielen nachher mit. aber ein total-control-werk, nur durch hitech so für sie machbar – heute geht das mit einem aldi-pc, ein fairlight kostete damals 250.000 USD und war zudem recht komplex. „running up that hill“, so ein gnadenloses durchratterndes
fairlight-programm… wie ich das liebe! wird ja dank der schönen
maxisingle seit einiger zeit gerne im techhouse-kontext
eingeflochten. hat nämlich perfektes house-tempo und ist stellt noch
immer das meiste in den schatten in sachen fettheit im club,
soundmässig.“

GLAM POPPT oder I SHOULD BE SO GLAM AND I AM

nexte

Wie kann ich das jetzt bloggen, ohne eitel zu scheinen? Es gibt da was, da bin ich richtig stolz drauf. Es ist nämlich so: ich bin in ein paar Pop-Songs gelandet, genau wie Rosanna Arquette oder beispielsweise auch Conny Kramer oder Lili Marleen. Nur dass keines der Lieder meinen Namen trägt und ich auch eher in Nebenrollen auftrete. (Eines der Lieder trägt sogar einen explizit anderen Namen im Titel, Doris nämlich, mit dem Zusatz Magic, in dem Lied wird beschrieben, wie man -in dem Fall ich- glamourös weint.) In einem anderen Lied mache ich immer alles falsch und soll stattdessen jemanden nackig machen. Aber vielleicht hat er (der Texter/Sänger) das auch nur behauptet, weil er will dass ich glaube, dass er mich meint, aber er hat explizit gesagt, wem es nicht gilt, weil derjenige ja nicht Bücher schreibt. (Ja, ich weiß – spätestens an dieser Stelle sind wir jenseits von Rätselraten in meinem kleinen Intimkosmos gefangen, aber so ist mein Blog – sometimes you can get it, sometimes you can´t.) Und einmal musste ich mir selbst ein Zeichen setzen/Lied schreiben, in dem ich für den Sänger eine ganze Stadt bin. Der große Anreiz war es, einen Reim auf „Brandenburger Tor“ zu finden. Nicht dass ich jetzt als Pop-Flittchen erscheine – zwei der Lieder sind vom gleichen Sänger und eines davon ist in der deutschen Fassung dann doch nie erschienen.

In einem weiteren Lied gebe ich einen Cowboy und wenn man genau hinhört, dann erkennt man den pöbelnden Glam als er noch ein Bier trinkender Schutzengel war.

Aber meinen Freund Lucky hat ja schon vor 20 Jahren Kylie Minogue besungen, weil sie genau so sein wollte wie er.

WEIL ICH ES MIR WERT BIN oder KEIN SPLISS, ALTER

Glam im Zwiespalt. Soll ich wirklich von meinem zweiten Besuch der Videothek berichten? Was, wenn Kalle Blomquist meinen Blog liest? (Nicht ganz auszuschließen.) Ich meine, ich will da schon dann und wann wieder hin und Filme ausleihen. Mein Fernseher ist seit geraumer Zeit eh nur noch ein Monitor für DVDs, das hat möglicherweise mit Angela Merkel zu tun. So much woman, so little Glamour.
Also okay. Gestern Sehnsucht nach Hollywood-Horror (Amityville) und Ewan MacGregor (Young Adam) gehabt. Unüberlegt in die Videothek meiner Wahl. Filme ausgewählt, an den Tresen und direkt bei Kalle Blomquist angestellt. Freundlichstes Strahlen aufgesetzt. Reaktion – irritierter Blick. Leichte Nervosität. („Wer ist das, den kenn ich doch irgendwoher.“) Selbst bei der Adressüberprüfung, „Du wohnst noch in der Xy-Straße?“, „Ja (strahl), in der Xy-Straße“, kein Erkennen. An der veränderten Haarfarbe kann´s nicht liegen – ich hab einen brünetten Ansatz von 4 cm.
Verlasse nach einem letzten Lächeln den Laden und überlege, wie ich mich fühle. Erleichtert. Ich habe mein Terrain abgesteckt. Zu Hause wird L´Oréals Hollywood angerührt und die nächste blonde Periode eingeläutet.
„Das ist ja toll“, sagt Ray. „Da ist ja kein bisschen Spliss“.

ROXANA UND MANDY FLIEGEN AUF

Jetzt ist es also raus, Roxana und Mandy haben Nachnamen und da Herr Schroeder die Katze aus dem Sack gelassen hat, darf ich es verraten: Roxana Pfeffer und Mandy Salz haben in der Therapie ein paar knifflige Dinger zu lösen:
– wie es mit ihrer Rap-Karriere den Bach runterging
– wie sie Ricky dazu brachten Tic Tac Toe zu sprengen
– wie sie sich operativ noch vor Michael Jackson in white chicks verwandelten und bis heute als weiße Berlinerinnen in Rixdorf und Britz leben
– wie sie im Studio von Jack White ihre Seele verschachert und den Backgound-Chor für David Hasselhoffs „Ive been looking for freedom“ aufgenommen haben
– wie sie in der Rap-Szene ihre Muttersprache (Balinerisch) verheimlichen mussten und so einer enormen Identitätskrise Vorschub leisteten.