GLAM IST BIOLUMINISZENT
Prompt geträumt, Berlin ertrinkt. Die Gedächtniskirche wird von Killermuscheln aus der Tiefsee befallen. Eine angeschwemmte Bohr-Plattform köpft den Fernsehturm. Ein träger Riesenkalmar verstopft den Landwehrkanal und man findet das Skelett von Rosa Luxemburgs abgetriebenen Baby.
Kann abgesehen von der nächtlichen Unruhe nur jedem Frank Schätzings Schwarm auf den inneren Lesetisch/ans Herz legen. Das Buch macht Spaß und bildet! Ein Überraschungsei somit.
Muss grad weiterlesen und schauen, ob Kiel untergeht. Alles klar bei Euch, MC?
INES 9 – OCTOPUSSYS NASSES GRAB oder DIE RACHE DER HÜHNCHEN
Die Frau dort, im Wasser – sind es etwa Apfelsinenüberreste und Tannenzapfen, die ihr vom Kopf fallen und langsam dem Sediment entgegenschlüppseln? Ist das ein wasserfester Presslufthammer, gefertigt aus einer Nassrupfmaschine, einem Fichtenzweig und den Zähnen eines Dutzend Marder, den sie auf ihren Rücken geschnallt trägt, während sie sich zielstrebig und unaufhaltbar, ihre beiden Tauchmesser in den Kontinentalhang heftend, Stück für Stück der Untiefe annähert, ohne auch nur einmal atmen zu wollen oder langsam blau anzulaufen? Kann Lara Croft sich eine Scheibe davon abschneiden? Sie könnte, wenn die wilde Blonde mit der im Wasser wabernden Aureole einer herausgewachsenen Dauerwelle nicht schon Lara in Scheiben zerlegt hätte. Kann es sein, dass diese Sphinx, diese feuchtbestimmte Waldfee des Bösen Methangas atmet statt Sauerstoff? Seht die Borstenwürmer vor ihr flüchten, ahnend, was nun bevorsteht! Selbst den Quallen fallen die Schuppen von den Augen. Der Wasserdruck müsste sie zerquetschen wie eine faule Frucht, doch selbst der Wasserdruck drückt sich vor Ines, Ines, Underwater-Ines. Ein Wal schreit, ein Kalmar kollabiert. Ines. Das ist Ines. Ines Schreiber hat es dicke. Faustdick zwischen den Kiemen.
Und lauschet dem höhnischen Lachen der Legionen von Hühnern, die mit ihren spitzen Zähnen durch die Dörfer aasen, während ihre Befreierin, ihre Göttin weiter dem Abgrund entgegentaucht. Habet Angst und schließet die Türen! Dem Feuer könnt Ihr fliehen, aber den Hühnern…?
DIE GLAMMYTHEK
Im Rahmen der mir soeben eingefallenen Glamschen Selbsthilfewoche wollte ich heute vorführen, wie man sich aus einem alten Besen prima Extensions (vor allem nicht so verräterisch lange) basteln kann, aber dann stimmte die Haarfarbe meines Besens nicht und ich mach mich doch hier nicht mit einem falschen Blond zum Affen!
Die halbe Nacht habe ich dann Bockwürste geschnitzt, aber auch hier ist nichts Anständiges bei rausgekommen. Die Konsistenz stimmt einfach nicht. Dann kam mir der Gedanke Desiree Nicks Brüste in Hundekot modellieren zu lassen (Danke, MC), aber ich traf keinen Hund mit Durchfall und auch keine Modellierfreiwilligen, die sich mit Desiree Nick die Hände schmutzig machen wollen. Dumm gelaufen bis jetzt. Aber ist ja grad erst zwanzig vor sieben.
GLAM MUSS TÜFTELN bzw. ES LÄSST MIR KEINE RUHE…
Wenn man die Haare doch verlängern kann, mit Extensions (siehe unten), dann muss es doch eine Möglichkeit geben, dass man sie auch verkürzt, oder? Ist doch kein Denkfehler? Und wenn ich rausgefunden habe wie das geht, Bloggerinnen und Blogger, dann werde ich bestimmt bald Millionär! Denn wenn heute verlängern hip ist, dann ist der morgige Trend glasklar. Aber den verrate ich nicht. Wegen des Patents. Ich geh jetzt mal tüfteln. Aber erst ess ich ein Brot. Brot macht erfinderisch.
SELBST IST DER GLAM oder DAS CHIARA-KIT
GLAM UND DIE ZWIEBELN FÜR AFRIKA
„Und, sagen Sie, Glam: Glauben sie nicht, dass Sie mit der gestern auf Ihrem Blog veröffentlichten Homestory zuviel über sich verraten haben? Sind Sie nicht der Ansicht, dass der nackte Mann am Küchentisch, das Abbilden der Küchenbodenfliesen, die Ausrichtung der beiden Engels-Kissen auf dem Malm-Bett vielleicht zuviel über intime Bereiche Ihres Lebens preisgibt?“
„Ach Frauke, das ist schon ganz okay. Das sind keine Engel, übrigens, das sind präraphaelitische Jungvampire. Als Hutdesigner lebe ich ja mein Leben praktisch in der Öffentlichkeit. Und wenn das Bedürfnis besteht, also, wenn Leute mir mailen und sagen „Glam – wie ist eigentlich Deine Küche gefliest?!“, da komme ich doch gern der Aufforderung nach. Ist ja noch keiner von gestorben, dass er meine Küchenfliesen gesehen hat. Har har. Ich verbinde derlei Öffentlichkeitsarbeit nur gerne mit meinen Charity-Aktionen. Deshalb der Hinweis auf meine Aktion Zwiebeln für Afrika.“
„Aber, Glam, ist es nicht manchmal besser, weniger zu geben, sich mehr zurück zu halten?“
„Ach Frauke. Nein, eigentlich. Also gar nicht, um genau zu sein. Die mögen mich doch, weil sie wissen wie irre ich bin. Da erwartet doch keiner, dass ich den Fußnagelknipser nicht ausgerechnet auf den Duden lege, und so isses ja nun mal. Duden, Fußnagelknipser.“

(Wer den Knipser findet muss ihn wieder abgeben.)
„Ich fühle mich auch versucht, Frauke, Ihnen und Ihren Zulesern zu zeigen, wie der Verlauf des weiteren Aktionsabends für Afrika sich gestaltete. Es kam zur Entwicklung meines Wappens:

Und dann kam der Ereignishorizont mit einem Kümmel und Kohl-Gericht zu Besuch. Er argumentierte, dass der Kümmel den Nebenwirkungen des Kohls entgegenwirke. Und sollte Recht behalten.

Gleich musste ich meine neuen Hutkreationen für die Mailänder Präsentation festhalten. Die haben in Mailand einfach keine adäquaten Models da. Schande. Blasen und vakant kieken können die wie junge Götter – aber Hüte mit Würde tragen, Frauke, ehrlich: Vergisses.


An der Präsentation muss ich noch arbeiten. Der nackte Kai, nun angezogen, schlief ein.

Meine Freundin Paris Hilton versuchte uns drei in ein Foto zu bannen, aber weil Karsten Speck (auf Hafturlaub) sie permanent kitzelte und die Verknüpfung ihrer Extensions studierte, kamen nur minderwertige Fotografien zustande.

Und als alle entweder weg oder eingeschlafen waren, da habe ich mich dann um meine Fanpost gekümmert und mir die Ellbogen mit Zitronensaft eingerieben. Denn, wissen Sie, Frauke, was mich ehrlich beruhigt?“
„Bitte, Glam!“
„Wenn uns etwas bleibt, wenn es etwas gibt, das wir bis ins hohe Alter retten können, dann doch unsere Exzentrizität.“
A TYPICAL SUNDAY AT GLAMOURDICK MANSION
Kai schreibt einen Brief mit gebratenen Zwiebeln nach Afrika.

Glam entwirft einen Kopfschmuck als Hommage an Edie Beale.

Kai, die Zwiebeln, der Brief mit dem Fenster. Und ein Panzerknacker-Trinkglas.

Everything gets a little Mrs. Bartolozzi.

Thanks to Givenchy pour Homme. „Mein Kampf“ appears courtesy of Elternhaus. Onions courtesy of Kaisers, Angel´s Pelvis. Coke by Coca Cola. Glasses by Gucci. Panzerknacker-Trinkglas by Rudis Resterampe. Designer stubble by 5 Tage nicht shaven. Und das oben auf dem Kopfschmuck ist ein Horn. Don´t I just love home stories.
(KEIN) ABSCHIED VON ROXANA
„Ach, jetzt ist es schon wieder sehr spät geworden, da müssten wir die Feedbackrunde für Herrn Dick vielleicht mit dem Schlussblitzlicht zusammenlegen, wenn das für Sie okay ist.“
Als ob wir das jetzt noch ändern könnten. Sylvia aus Pankow hat 73 Minuten lang über das Verhältnis zu ihrem Vater berichtet. Wie schon letzte Woche. Und zwei Wochen davor. Aber ich steh eh nicht so gern im Mittelpunkt – deshalb bin/war ich ja hier. Werde gewesen sein. Gott sei Dank sind wir heute nur zehn und nicht neunzehn, wie neulich.
„Tja Herr Dick.“
Ich lächele in die Runde.
„Soll ich jetzt sagen, wie ich das ganze hier erlebt habe?“
Der Therapeut lächelt ein wenig mystisch zurück.
„Also, ich möchte mich bei allen bedanken, dass sie immer so nett und so ehrlich waren und ich bin etwas aufgeregt, denn in Zukunft kann ich Donnerstags zum Beispiel ins Kino gehen anstatt mir traurige Geschichten anzuhören, aber ich möchte niemanden verletzen, das ist schon okay, wenn man seine traurigen Geschichten hier loswerden möchte.“
Die Runde schut mich an. Manche lächeln. Mandy schaut nach unten und nestelt an einem Zewa-Softi. Der traurige Hans-Joachim starrt aus dem Fenster.
„Sie haben enorme Fortschritte gemacht, Herr Dick. Und Sie haben eine echte Bereicherung für die Gruppe dargestellt.“
„Dankeschön.“
„Ick finde, Du hast hier immer frischen Wind reinjebracht. Und jute Laune.“
„Ick wünsch Dir allet jute für die Zukunft.“
„Du wirstma fehln. Und ick hoff, det es Dir weiterhin juut jeht.“
Ich starre zwischendurch an den Zettel an der Wand, auf dem eine Selbsthilfegruppe für Austherapierte um Mitglieder wirbt. Das ist was für die Therapiejunkies, die selbst nach Klinik und Einzel und Gruppentherapie noch immer mit ihrem Elend verheiratet bleiben wollen. Einige der Anwesenden hüten ihre Gemütskrankheit wie einen teuren Schatz. Sekundärer Krankheitsgewinn nennt man das.
„Du hast immer allet aufn Punkt jebracht.“
„Für Dein Weiterleben nach der Gruppe wünsche ich Dir alles Gute.“
„Wat soll ick sagen? Ick kenn Dir ja nich. Na ja. Allet Jute.“
„Ick – ick ick kann nich.“ Mandy legt mir die Hand aufs Knie und schluchzt. Seit Roxana wieder auf Bonnies Ranch ist hat die Depression sie wieder voll im Griff. Erst gestern musste sie nach einer Fress-Attacke wieder brechen.
Der traurige Hans-Joachim sagt als letzter Adieu. „Es macht mich – – – traurig, dass du gehst, Glämma. Es macht mich traurig.“
Und in seinen immer noch nicht leergeweinten Augen blitzen Tränen.
Mandy und Sylvia nehmen mich in den Arm. Das erste mal, dass eine Geste des Vertrauens und der Zuneigung physische Form annimmt. Kurz überlege ich, ob ich nicht vielleicht doch meine Telefonnummer da lasse. Nö.
„Vielleicht läuft man sich ja mal über den Weg?“
„Ich wollte grad nochmal dem Therapeuten Danke sagen.“
Gehe zum Therapeute, reiche ihm die Hand, sage: „Danke!“
Im Lift lächeln wir uns alle zuversichtlich an. Hans-Joachim ist schon weg. Ich halte den Damen die Tür auf, wir winken uns noch einmal zu und dann verschwinden sie im Dunkeln.
„Washing Machine… washing machine… wa-shing ma – chiiiiiiiiiiiiine…“
CLEOPATRA or maybe MARC ANTHONY?
So mache ich mir einen klassischen Caesar Salad:
Ich lese im Internet das Rezept. Stelle fest, dass da angeblich Anchovis reingehören. Eklig. Seit wann das denn? Das Schöne am Caesar Salad ist doch die fantastische Reduktion auf minimalistischste Zutaten. Und natürlich das kohlehydratige Dressing. Fahre zu Karstadt. Dort gibt es den geeigneten Romana Salat, Parmesan und Croutons. Bestimmt haben die auch Caesar Salad Dressing. I mean, we are talking Karstadt Hermannplatz here, that´s the fucking KaDeWe of Kreuzberg.
Haben sie aber nicht, das Caesarian Dressing. Nur ein Original Caesar Salad Kit, da ist alles drin außer dem Romana. Aber vielleicht auch die ekligen Anchovis. Was nun?
Fahre nach Hause und packe aus. Die Croutons haben die Geschmacksrichtung Western Barbecue. An den mexikanischen Tofu-Sticks und der Birne konnte ich nicht vorbeigehen. Die passen da bestimmt gut rein. Auch in der Tüte: die DVDs „Saw“ und „Amityville Horror“ (Das Remake, mit dem geilsten männlichen Oberkörper, der je in einem Horror-Remake zu sehen waren). Und dass ich mich zwischen Honey Mustard, Thousand Island* , French, Italian und bloody Abessinian Dressing nicht entscheiden konnte, führte zu American Joghurt Dressing. Mit ein bisschen Tandoorie-Gewürz kriegt man da bestimmt Geschmack rein. Im Gefrierfach habe ich auch noch Cranberries, weil Cranberries kann man immer mal brauchen. So. Und jetzt geh ich das alles mal vermischen. Bon appetit!
EINE EDITH: * Thousand Island Dressing. Da stimmt doch was nicht. Müsste ja wohl nach Adam Riese Thousand IslandS heißen. Aber wartema. 50 Cent heißt ja auch nicht 50 CentS. 500Beine macht alles richtig. Kennt jemand eine Tausend-Insel?


