@Neo_Barock.
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BREAKING OUT
Mir wird warm um´s Herz. (Crush on Wentworth ever since Prison Break and more so after Stoker.)
GOTTES WILLE
Next up: Ex-Papst comes out.
GLAM HEARTS STOKER
Ich befürchtete eine Modell-Aufstellung in schönen Bildern. Und dann verliebte ich mich doch in den Film, in dem tatsächlich jede Einstellung Filmkunst blutet. Ein ästhetischer Rausch, aber auch eine hinreißend erzählte Geschichte, die wider Erwarten mit Überraschungen aufwartet. Und der bestfunktionierenden Dreier-Besetzung seit Jules und Jim.
MRS BARTOLOZZI oder THE PAPERBACK-WRITER OF KREUZBERG: A PURE MAN
Wach um 5, aber im Sommer liebe ich das. Kaum Draußen-Geräusche, erst um 7, da lässt ein Nachbar Wasser ins Planschbecken im Hof. Um 5 jedenfalls hat´s schon 27° und ich freu mich, denke – um 8 auf dem See, das hatte ich noch nie, stell mir vor, wie das ist, ganz leer und frischer Wind, Schattengegenden im Gegensatz zum gestrigen voll ausgeleuchteten Nachmittag, erst gegen Abend dann ein bisschen, unter den Bäumen. Aber dann setzt um 8 ein bizarrer Sommerregen ein, für 12 ist ein Gewitter angekündigt. Setz ich mich vielleicht doch auf den Balkon und fabriziere mit dem Wasserschlauch Sprühnebel. Aber vielleicht klärt sich das noch mit dem Unwetter. Mehr braucht´s grad nicht. (Es ist dieses Rumwabern, geruckelt werden auf dem See. Als ob einen Elfen rammeln. Als Kind hatte ich auch schon immer sehr gern auf der Waschmaschine gesessen. Die war auch mein erster Fernseher.)
Jetzt regnet es gerade verhalten, als traue es sich nicht so richtig. Und es geht ein equally zarter Wind, hebt zaghaft den Arbeitszimmervorhang, während im Schlafzimmer, nachbarschonend leise, The Kick inside läuft. Und wenn´s wettermäßig nix wird heut – ein kalter Film. The Claim maybe. Ist Tess eigentlich bei mir? Ich seh grad, im Arbeitszimmer-Regal, extra ein bisschen herausgezogen, um ins Auge zu springen. Yay! Thomas Hardy-Day!
„This planet dose not supply the materials for happiness to higher existences. Other planets may, though one can hardly see how.“ Manchmal stimm ich ihm zu. Aber dann greif ich mir wieder die happiness ab, wo ich sie finden kann. Doch ist sie uns tatsächlich nicht mit der Schultüte ausgeliefert worden. Diebisch muss man sein. Und je älter, desto diebischer.
LANALANABOBANABANANAFANAFOFANA
Wasser, Ahoi an die anderen Paddler, Asaf gibt einen guten Rhythmus. Der LSF 20 ist praktisch so, dass ich null bräune. Nur die Stirn, die hab ich beim Eincremen vergessen. Als ich zu Hause parke hält der O. an, der hat nen richtig vernünftigen Sonnenbrand auf den nackten Oberarmen und mir ist ein bisschen mmmmmmm yes. Aber das geht doch nicht! Aber warum eigentlich nicht? Aber jetzt haben wir so lange – pausiert? – da muss es nicht heute sein.
Damages final season. Nach all den Jahren ist mir Rose Byrne gar lieb gworden, in den ersten zwei Staffeln musste ich mir immer eine andere Schauspielerin denken. Grandioses Finale, schade dass das production design suckt. Die hätten ein besseres verdient. Aber auch schön, Ryan Philippe wieder zu sehen.
Die Amerikanische Nachbarin ruft an und ich hüpfe in Unterwäsche rüber um Urlaubs-Tschüss zu sagen. Begrüßt werde ich von der bezaubernden Schoko-Lady, Miss Lana. Die ich heute auch zum allerersten mal bellen höre. Einmal. Sie will Gassi. Am Treppenabsatz schaut sie dann doch erst mal, ob sie vielleicht nicht doch lieber hoch zu mir will. Dann knuddele ich sie ein bisschen, wirst stoßen mit den Köpfen an und sie schleckt mir einmal die ungeduschte Achsel. Die hat diesen original-Moschusgeruch von einem Vortag auf dem Wasser und keine Chemikalien außer Sonnencreme, und die aber natürlich nicht in der Achsel. Also quasi der Echt-Geruch, nicht zu verwechseln mit Schweiß. Man-made Givenchy, denn seltsamerweise – wenn ich dem Geruch eine Farbe geben würde – es wäre Burgunder.
Die andere Lana, in diesem Fall Del Rey singt mir den Sonntagmorgen goldig, heute Abend dann aber wirklich Lana Winters. 17 Emmy Nominierungen, Jessica und Sarah, of course, aber auch Zacky. Große Freude. Literarisch macht mir Jennifer Eagan, wie immer, fantastische Stunden. 200 Seiten The Keep machen um so deutlicher, dass ich keine Zeit habe für 800 Seiten the-rest-of-Oates. So. jetzt aber das Burgunder wegwaschen, Sonnenbrille usw und dann die gloriose N. abholen, die wahrscheinlich einen Audrey-Hepburn-tauglichen Bikini tragen wird. Ach, und wie schön – die Großcousine kommt auch mit und erlebt erstmalig den Lieblingssee!
PAVLOVA
In 613 hat Asaf einen Sound montiert, der dem entspricht, den meine Waschmaschine macht, wenn sie signalisiert, dass sie zum Entladen bereit ist. Sie können sich vorstellen…
Die Angefragte bedankt sich für´s Interesse, möchte das Ganze aber noch etwas sacken lassen und würde sich dann direkt mit mir in Verbindung setzen. Ich hätte es auch nicht anders erwartet. Und es ist in meinem Sinne. Das wird nämlich eine krasse Reise, und da muss man vorher überlegen, was man einpackt und ob man die Strapazen wirklich auf sich nehmen möchte. Mein Eindruck: sie fürchtet sich. Ich ehrfürchte mich. Aber wenn wir nur annähernd ähnlich schwingen, und das vermute ich, dann bekommt sie gerade ganz schtronge, glitzernde Herz-Vibes aus einem Kreuzberger Dachgeschoss. Also ehrfürchte ich mich ein wenig vor einem Anruf. Sie hat eine Sprechstimme auf der emotionalen Frequenz von Kate Bush. Oder Marilyn. Oder Romy.
Gestern allein auf dem See. Spontan freigenommen, Buch(Jennifer Egan: The Keep), Musik und Wein eingepackt. Ohne den Herrn Strike ist das schon was anderes. Wir raunen uns ja dann und wann etwas durch die Stille zu. Manchmal rülpst auch einer. So musste ich mit mir selber sprechen, was ja vorausschaubare Gespräche sind. Aber ich bin mir ein sympathischer Gesprächspartner. Also mach ich das heute wieder. Wenn Sie dies zum Anlass nehmen möchten, meine Wohnung leer zu räumen, muss ich Sie enttäuschen. Ich habe meinen Cousin aus Montenegro hier. Soooo ein Kerl ist das. Der gießt die Blumen und macht Kraftsport. Hat eine ganz markante Narbe über dem linken Auge und seine Nase lässt auch auf diverse handfeste Auseinandersetzungen schließen. Zu mir ist er nett. Gerne würde ich mit ihm mal böse Kinder und Vampire verprügeln gehen, gibt ja einige in diesem Kiez, ich werd das nachher beim Käsefondue ansprechen. Er hat montenegrischen Rotwein mitgebracht, mal sehen ob der was taugt.
Ich könnte und sollte natürlich putzen. Aber, fuckit, es ist Sommer. Und der Nacktputzer auf Gayromeo wollte doch wirklich Geld dafür.
WIR VOM SEE
Aus einem Haus in der Limastraße kommt eine Dame auf die Straße, Haare fein hochgesteckt, apart wie man in Zehlendorf so ist, betrachtet den Strike und mich beim Boote aufpumpen, der Strike gönnt ihr ein Lächeln mit Bambi-Augen.
„Ach. Das macht wohl richtig Arbeit,“ sagt sie mit englischem Akzent. „Wenn wir etwas Platz hätten, dann könnten Sie ja, aber wir haben ja nicht.“
„Das ist nett, aber lassense mal. Ich hab Freunde am Elvirasteig.“ (Und trotzdem pumpen wir tagein tagaus, weil ich meine Freunde nicht als Parkplatz missbrauche und das Pumpen mit dazu gehört, irgendwie.)
Eine Passantin im Rentenalter, gepflegt frisiert und coloriert, ein Hardcover-Buch in der Hand, auch auf dem Weg zum See oder in die Fischerhütte, bleibt stehen.
„Ach, das sieht ja richtig anstrengend aus!“
„Vor den Spaß hat der liebe Gott die Arbeit gesetzt!“ oder so sagt der Strike und mir bleibt die Spucke weg, wo liest er all die kessen Sprüche auf? Fliegen sie ihm zu, spazieren sie an ihr heran oder pflückt er sie am Wegesrand? Die Seniorin strahlt und nickt und zieht ihres Weges.
Ein schwimmender Rentner nickt uns anerkennend zu, während wir in unseren Booten loungen, rauchen und Wein trinken.
„Die Anwohner sind heute so freundlich!“ Erkennt der Strike. „Das ist wie zusammenhalten angesichts letztem Sonntag.“
Und tatsächlich. Alle, die von Mohid gehört haben und trotzdem auf dem See sind, sind jetzt irgendwie Gemeinde. Das erste Glas, bzw den ersten Becher, haben wir auf ihn angestoßen, wie versprochen. Der See wird zur Metapher fürs Weitermachen. Der See ist auch noch da, wenn wir alle weg sind und andere sich dahin begeben und ein paar Stunden in seiner Schönheit verweilen. Und schwimmen. Und plätschern, lesen, rauchen, Wein trinken, den Stimmen vom Ufer zuhören, in der Sonne braten, sich vom Nieselregen unter die Bäume an Rand retten, Knusperstangen knabbern, Schwimmer begaffen, blasen, Enten füttern, Schwäne verscheuchen, leben, sterben.
Das erste Mal im Jahr sichten wir Edelgard, die Edle vom Schlachtensee, ohne die ein Sommer nicht wirklich ein Sommer ist – wie immer, außer, wenn nicht, kommt sie uns entgegen geschwommen, schauen Sie – da rechts. Ich winke, sie winkt zurück.
„Du hast mir gefehlt!“ Ruf ich ihr zu.
„Schön Dich zu sehen!“ Und strahlt das Edelgardsche Strahlen.
Als wir schon geankert haben ein Boot mit drei Damen. Ein eindrucksvolles Schlauchboot so in der 300 Euro Kategorie. Die Schwarzhaarige vorn im Boot schaut rüber, nimmt ihre Sonnenbrille ab, schaut nochmal, runzelt die Stirn.
„Nein, ne? Ellena?“
Und dann kommt Ellena, eine meiner ältesten Schulfreundinnen, zu uns gepaddelt, zwei weitere Ladies an Bord und die Drei docken an und bleiben ein Stündchen und wir lachen alle viel und machen Fotos und ich wünschte, wir hätten mehr Proviant an Bord, denn die Drei fügen sich so gut ein, es passt alles so golden und die Dynamik ist tiptop, mit allem Zick und Zack. Und nach einem Stündchen paddeln sie weiter und der Strike und ich sind wieder unter uns, was wir ja sehr gut beherrschen. Nicht ganz unter uns, natürlich, weil der See ja auch dabei ist, uns beherbergt, uns bespaßt, umspielt, umfließt, und leise und fein uns und unsere Boote ruckelt, so dass ich am Abend auf dem Bett immer noch den Seegang spüre.
R.I.P. MOHID
Der Höhepunkt der Woche kam mit Devendra bereits am Montag. Besser wurde es auch nicht, aber man will ja auch keine Ganztagesorgasmen. Der Badeunfall am See überschattete die Stimmung. Rückwirkend feststellen, dass wir auf dem Wasser waren, als ein paar Meter entfernt eine Tragödie ihren Lauf nahm. Dass ein Mensch, der einfach nur einen tollen Tag genießen möchte, plötzlich tot ist. „Vor dem Feuer kannst Du wegrennen, vorm Wasser nicht“, hatte mir meine Lieblingsgroßtante, Rosa, mal gesagt. Ich mag den See idealisieren, aber habe immer auf dem Schirm, dass eine falsche Entscheidung lebensbedrohlich sein kann. Überhitzt hineinspringen kann schon das Ende sein. Gleichzeitig das Gefühl – ich will mir den See nicht schwarzreden. Als ich gerade las, dass sie den Jungen gefunden haben, war ich erleichtert. Dass jetzt seine Familie und Freunde zumindest Gewissheit haben. Aber auch, dass so ausgeschlossen ist, dass ausgerechnet wir ihn finden würden. Als ich am Sonntag an Land ging und die Menschen sah, die alle in eine Richtung schauten, dann die Polizei und Feuerwehr – ich habe keine Sekunde gedacht, dass jemand ertrunken sei. Ich war so sicher, dass man, jemanden, der dort verunglückt ist, ganz schlicht retten würde – so ist mein Gefühl für diesen See. Ich bin nicht naiv. Aber mein dem See zu verdankendes Equilibrium ließ gar keine andere Betrachtung zu. Der See ist so gut zu mir, da kann also nix Schlimmes passiert sein.
Wenn wir morgen wieder rausfahren, werden wir auf ihn anstoßen. Das Beste, was man dem Drama abringen kann ist, dass er, so hoffe ich, vor dem Unfall einen Tag hatte, der so schön war, wie wir ihn erleben durften. Dass das ein schwacher Trost für die Hinterbliebenen sein dürfte, ist mir klar.
THE REALLY GREAT GATSBY
Und gestern – endlich – The Great Gatsby. Was ich vermutete. Ein Bilderrausch, in den ich eintauchte und glückselig waberte. Ein FILM. Von einem Regisseur mit VorstellungsKRAFT. Baz Luhrmann dreht nicht einfach Filme, er gestaltet Bilderwelten. 3D ist für ihn erfunden worden. Ganz anders als bei meinen anderen beiden 3D-Erfahrungen hat hier die Methode ihren Meister gefunden. All das, was man von Lurhmann gewohnt/verwöhnt ist – Opulenz, Überschreitung, Überzeichnung, Bilderfluss – hat hier endlich seine perfekte Form gefunden, die Bilder ziehen den Betrachter hinein, die Musik konterkariert nicht etwa – ein Gangster-Rap ist tatsächlich die adäquate musikalische Illustration. Das ist die vordere Ebene. Die Meta-Ebene – der Gatsby-Stoff, in dem alles um Fake geht – wird hier gleichermaßen bedient. 3D ist Fake, wir sind nicht im Film drin, es sind nur gestaltete Bilder. Daisy Buchanan ist nicht weich und die Große Liebe, sie ist so Fake wie Getz/Gatsby selbst (ich verstehe jetzt, warum Luhrmann Carey Mulligan besetzt hat – Blake Lively, die ich viel lieber mag, hat eine zu edle Härte für diese Daisy). Aber auch wenn all der Prunk und Putz nur Fassade ist – Gott, was macht es Spaß ihn sich anzuschauen, und auf dieser Ebene dockt man an Gatsby an, der sich sein Xanadu/San Simeon erbaut hat, um die größte Sehnsucht zu stillen – Daisy, in der Bucht gegenüber, zurück zu bekommen.
Was die Erzählung so großartig macht, das vergaß ich gestern, Lucky – die Sprache. Die Geschichte wäre keine literarische Sensation gewesen, wäre da nicht F. Scott Fitzgeralds einzigartige Sprache.
So we beat on, boats against the current, borne back ceaselessly into the past.
Der bewegendste Moment – die letzte Einstellung. Das Boot, das auf das Grüne Licht zusteuert, aber von der Strömung zurückgehalten wird und rückwärts zu fahren scheint – der Vergangenheit zu. Luhrmanns Filmsprache hat das perfekte Bild für einen der schönsten Sätze der amerikanischen Literatur gefunden.
Und ich vergaß bislang zu erwähnen, was den Mr. Gatsby so fucking great macht:
