Archiv der Kategorie: Glam gruebelt

MAN WIRD ALT WIE NE KUH UND LERNT IMMER NOCH DAZU

Erlebnisnuance: Antipathie abfertigend
Gebärde: von sich Glieder abschleudern
Sprache: hart

(Aus: Wilfried Hammacher: „Die Grundelemente der Schauspielkunst nach Rudolf Steiner in ihrem methodischen Ausbau, Band 1“ erschienen in der Reihe „Wege des Sprachgenius“, Verlag am Goetheanum, CH-Dornach 2005.)

Aus der vermutlich nicht fortzusetzenden Reihe „Was die Kollegen so lesen“, begründet am 10.1.2008 in Berlin-Kreuzberg (61) und draußen friert´s, aber die Sonne scheint.

Edit: Noch ´n Highlight:

Kurze knorrige knochige Knaben
Knicken manchem Männchen
Manchmal manchen Knorpel
(Quelle, siehe oben, ohne Scheiß.)

LES VIEUX SACS oder so

La divine Ludivine, most gorgeous of all Tinker Bells, beteuert im Spiegel-Interview, dass es sich im aktuellen Chabrol-Film bei der Liebe zwischen der knackigen Ludivine und einem 60jährigen Alter Ego des überbewertesten aller französischen Regisseure um wahre Liebe handelt. Das ist es, was ich an französischen Filmen nie ausstehen konnte: die zwanghafte Paarung alter Säcke mit tollen Frauen. Michel Piccoli oder auch (noch schlimmer) Serrault, ein gealterter Trintignant, ein fetter Ellen Dellen. Aber immer ne stark geschminkte unterfütterte Mieze an der Seite. Und Hollywood wird als Illusionsfabrik bezeichnet, da muss man doch nur mal ins Nachbarland schauen. Das hat mich schon bei 90% aller französischen Romy-Filme angekotzt. Das Konzept ist so labberig wie Altmännerhoden Krisselklöten die typisch deutsche patriarchalische Paarung Alter Kommissar-Junger Kommissar. Ich will junge schöne Franzosen sehen und nicht Rentner mit Schauspieldiplom, die Frauen wie Dreck behandeln. Wenn junge schöne Franzosen französische (oder auch österreichische oder exilbritische) Frauen wie Dreck behandeln, dann kann ich als Zuschauer vielleicht sogar nachvollziehen, dass die Frau darunter leidet und vermutlich irgend etwas dramatisches tut., aber am Ende stirbt sie meist einfach. Argh. Französische Filme. Jetzt wollt ich fast sagen Betty Blue ist die Ausnahme, aber die stirbt nicht nur, die reißt sich vorher noch ein Auge aus. Doppel-Argh. Aber immerhin war Jean Hugues Anglade nicht Michel Piccorault. Und hatte ein augesprochen schönes Glied. Trotzdem. You get my drift.

CONGRATS NIC!

Wenn sie die Golden Globes Gala absagen, was bedeutet das für die Oscars??? Das klingt alles, als habe man in Hollywood „Release the Stars“ mit „Between my legs“ verschmolzen und die Starpocalypse nimmt nun ihren Lauf. Old Hollywood is over, that´s true. Da doch aber bei Preisveranstaltungen auch die Arbeit der Autoren gewürdigt wird, sollte es möglich sein, die Veranstaltungen zu retten. Lasst Euch gefälligst etwas einfallen. Kann doch nicht so schwer sein.

Sciento-Suri bekommt Konkurrenz aus dem katholischen Lager: Nicole ist schwanger und mus sich deshalb eine Weile aus der Öffentlichkeit zurückziehen. Botox und Babybauch geht nicht zusammen. Vermutlich werden wir sie in neun Monaten wiedersehen – gertenschlank und frisch getackert. Aber Nicole darf das. Ich möchte ihr Gesicht nicht altern sehen. Früher musste man sich für diesen Effekt jung das Leben nehmen, heute braucht man ein paar gute Ärzte um bis 45 als 32 durchzugehen. Ich habe absolut gar nichts gegen diese Entwicklung einzuwenden.

DRAMA, BABY

Für einen dynamischen Spaziergang im Trab empfehle ich „Carmensita“ von Devendra. Da hat sogar das Blitzeis Ehrfurcht und man kommt schnell und energisch an den Zielort. And the Schneepiste becomes a catwalk.

GLAM IN CHICAGO

Die Träume der vergangenen Woche hatten es in sich. Da war einer so entzückend, dass ich gar nicht mehr aufwachen wollte. Hatte was mit Devendra und einem gemeinsamen Kind zu tun. Ich war jedenfalls einen Tag darauf noch ganz Teenager-mäßig verknallt und wollte unbedingt mit Devendra eine Familie gründen und ethnische Kinder aus Neukoelln adoptieren.
Aber dann die anderen Familienträume, die alle am Ort der Glamschen Kindheit stattfanden und auf beunruhigende Weise den urbanen Berufsalltag aufs Land verlagerten. Dreharbeiten auf dem Grundstück, mit dem Horror-Regisseur. Es kam jemand um´s Leben. Und letzte Nacht sollte ich in einem Zelt im Garten in „Chicago“ auftreten, kam aber zu spät und hatte meinen schwarzen Versace-Anzug überm Ärmel, der für die Rolle der Velma gar nicht passend war und ich mag doch Roxys Lieder viel lieber… Ich hatte zuviel Zeit mit meinen Haaren verbracht, aber die waren einwandfrei. Jetblack und glossy, und wer mich kennt weiß, dass die good hair days sehr sehr rar sind. Es stimmte schon, ich war zu spät und der Vorwurf völlig berechtigt. Aber dass ausgerechnet ein Arbeitgeber aus grauer Vorzeit in meinem Garten so mit mir umspringt, und das auch noch vor Publikum…
Immerhin bin ich ganz gut in Traumanalyse und weiß wo´s herkommt. Das hat man also vom Briefe aufmachen. Ich weiß schon, warum ich das so lange vor mir herschiebe.

GROOMING WITH GLAM, HEUTE HYDRAMYTHISCH UND PRÄZISE

Ich hasse Pröbchen. Diese lästigen schlecht verpackten kleinen Geschenke, die einem Douglas-Schwestern ungefragt in die Tüte packen und die einem das Badezimmerschränkchen bevölkern bis man sie erst zum Wegschmeißen wieder in die Hand nimmt. Düfte, die man sonst nur in der Ubahn riecht. Hautpflegeprodukte, die, wären sie von Nutzen, keiner Musteraktion bedürften. Ich meine, wenn es irgend eine Creme gebe, von der die Falten verschwinden würden, dann wären wir alle längst faltenfrei und irgendein Konzern sehr sehr reich. Ich halte alle Hautpflegeprodukte die einen komplizierteren Namen tragen als „Creme“ oder „Lotion“ für Betrug. Dann wiederum gibt es Produkte, die einen so tollen Namen tragen, das ich sie schon deshalb unterstütze. Das „Hydra Zen“ von Lancôme beispielsweise. Das klopft man sich im Sommer unter die Augen und fühlt sich frisch auf den Tränensäcken. Nicht mehr, nicht weniger. Noch lieber mag ich den „Issima Hydramythic“-Cooling Stick von Guerlain, der ähnlich wirkt wie Hydra Zen aber sogar noch frischer macht, beispielsweise auch auf Stirn und Wange und den wunderbaren Duft altmodischen Puders als Pluspunkt zu verzeichnen hat. Issi ma janz schön mythisch heute, wat?!
Zu diesen beiden Lieblingsprodukten ist seit ein paar Tagen ein neues hinzu gekommen. Die „Wrinkle Lab Precise Correction“ von Lancaster. „Wrinkle Lab“ -da habe ich sofort das Bild der originalen WWW, der Wicked Witch of the West, wie sie über Kübeln und Kesseln Zauberformeln ausspricht, die sich in etwa so anhören wie die Beschwörung, die Liz Tylor in „Mord im Spiegel“ aussprach: „Falten, Falten – geht doch weg, hey! Geht doch wieder zu Doris Day.“ Und an ihrer Haustür hängt ein Schild, auf dem steht „Wenn ich nicht hier bin, bin ich im Wrinkle Lab.“ Die „Wrinkle Lab Precise Correction“ prickelt und brennt auf der empfindlichen Haut unter den Agen, aber wenn sie absorbiert wurde, bildet sie eine sehr ordentliche Make Up Grundlage und brennt auch nur noch kaum. Das allerlästigste bei diesen Produkten ist allerdings, dass sie nach wenigen Jahren aus dem Programm genommen werden, weil irgendein Laborant sich einen neuen komplizierten Namen hat einfallen lassen, unter dem er eine Creme oder Lotion auf den Markt schicken will wie eine Straßennutte in Prada. So beende ich diesen Eintrag mit zwei wehmütigen Erinnerungen: Estee Lauder´s Country Fresh Face Powder… L´Oréals Quick Stick in Sable und Beige dorée…

CARD SHAPED BOX

Steht man also beim Buchhändler an der Kasse, auf dem Ladentisch der Erstling des hochgelobten Joe Hill, reicht die EC-Karte rüber, der Buchhändler surrt sie mit einer eleganten Handgelenksbewegung durchs Lesegerät, dieses macht schnöde Töne und man denkt – das kann ja wohl nicht sein, die haben doch gerade den Dispo verdoppelt! Dann reicht er nach dem dritten Versuch die Karte zurück.
„Karte verfallen. Die galt nur bis 2007!“
(Sehr erleichtert) „Haben die einem früher die neue Karte nicht automatisch zugeschickt?“
(Schulterzuckend den Zwanziger annehmend, den ich ihm rüberreiche:) „Eigentlich schon.“
Und so erschließt sich langsam, dass in nicht geöffneter Post in einem nicht geleerten Briefkasten nicht jeder Brief böse sein muss.

RÜTLIFIK

„stehe total auf südländer bin pasiv und aktiv stehe total auf popars stehe auch auf latino,araber usw
bite nur mit bild sons antworte ich nicht wen ihr sex wolt gehts nur bei euch nicht bei mir“

Aber eigentlich sind sie zu beneiden, die Menschen, die mit dummen Menschen ficken können. Das Leben wäre so viel unkomplizierter. Und natürlich hätte man auch viel mehr Sex.

LAST DAYS

* ein Erdbeben in Düsseldorf.
* ein Gedicht malend am Küchentisch „Warum malst Du?“ – „Weil das in Worte nicht reinpasst.“
* im weißen Opel-Kadett, die Sonne geht auf, im Radio The Smiths
* ein Fleuropstrauß mit Karte: „Thank you for the Music“.
* ein Anemonenstrauß, der auf einen schönen Sarg fällt.
* eine Dose Bier, eines Sommernachmittags, auf den Stufen eines Zirkuswagens.
* den Straßenrand nach einer Eidechsen-Brosche absuchend.

LINES COMPOSED UPON SKALITZER STRASSE

Die Skalitzer sei ihre Lieblingsstraße in Berlin hat mir die G. mal erzählt, und ich konnte es nicht nachvollziehen. Das Beste was man auf der Skalitzer machen kann, ist in eine Seitenstraße abzubiegen, fand ich immer. Das hat sich geändert, weil die meisten Wege, die ich über die Skalitzer nehme, zu einem schönen Ziel führen, so dass ich sie mittlerweile sogar lieber zu Fuß zurücklege, nach Möglichkeit mit Judy im Ohr. Im Sommer ist es der Weg in den reizenden Minki-Garten oder in einen der anderen Läden in der Schlesischen – das Cake, Barbie D. oder den Freischwimmer. Im Winter ist es der Sonntagsnachmittasgspaziergang zu Lucky. Mit Musik equilibriert durch den Sonnenschein zu stapfen, mit verwehten Haaren und einem Mantel wie ein Brautschleier, den Entgegenkommenden ins Gesicht und den vor einem Gehenden auf den Arsch schauend, da fühl ich mich aufgehoben, richtig platziert. Ich schau, was Neues auf den Häuserwänden steht, wer wann im Lido auftritt, nicht dass ich da bislang auch nur einmal reingegangen bin, welches Bier man gerade trägt, welche Jeans und welche Wintermütze. Und auf dem Weg zurück, wie jetzt gerade von Lucky, da freue ich mich daran, wie finster die Skalitzer im Vergleich zur Schlesischen ist, wenn Judy „Stormy Weather“ singt. Wie die überirdische U-Bahn sich Giger-mäßig monströs schlängelt, an jeder Ecke eine potentielle Sally Bowles im Schatten, Lili-Marleenig. Die Restaurants machen sich schick, gegen 17h, sind noch ganz leer, aber freuen sich schon. Ich überhole Pärchen, denn die laufen immer im Mädchentempo, wie sich das schickt und ich find es cool schneller zu sein und unabhängig. Alle Hunde, die mir entgegenkommen sind Mischlinge, wild gemischte Mischlinge mt lila Augen und grünen Haaren beispielsweise. Im Nebel und in der Dunkelheit – das ist für mich ein geliebtes Äquivalent zum Sommer auf dem Schlachtensee. Im Nebel und in der Dunkelheit verliert Berlin, insbesondere auf der Skalitzer, den Zeitbezug. Es könnte vor siebzig Jahren sein oder auch eine Blade-Runner-Zukunft. Und in diesem Raum von Zeit zwischen vorgestern und übermorgen, der Jetzt ist, da fühle ich mich wie ein berauschtes Blutkörperchen in der richtigen Ader, Richtung Herz.

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Veilchen im Moose á la Skalitzer. Dull would he be of soul who could pass by a sight so touching in its majesty.