Archiv der Kategorie: Glam gruebelt

IS IT A CRIME?

Lese gerade einen deutschen Kriminalroman, der auf Spon angepriesen wurde. Gefällig konstruiert. Sprachlich anspruchsarm. Alle Charaktere sprechen die gleiche Sprache, mit identischem Wortschatz. Außer der albanischen Jungs, die sprechen Albanisch, manchmal. Aber damit der Leser es verstehen kann sprechen sie auch manchmal deutsch. Und dann klappere ich so die Blogroll ab und erwäge langsam wirklich den mir unterbreiteten Vorschlag, dass wir hier alle so Paypal-Donation-Programme einbauen, denn unser Schreiben ist zackiger, idiosynkratischer, beschwingter, anspruchsvoller, sexier als dieser aus unerfindlichen Gründen gelobte Roman und es ist langsam wirklich nicht mehr einzusehen, dass Blogger als die besseren Autoren leer ausgehen.

Kopfschüttelnd setzte Dick den Punkt unter dem Beitrag, goss sich Tee nach und widmete sich der täglichen Büroarbeit.*

*Klassischer deutscher-Krimi-Satzbau.

ALIEN NATION

Dass es im Kopf stattfindet, oder in der Seele, bedeutet nicht, dass es einfach wegrationalisiert werden kann. Ein „wird schon“ ist keine Hilfe, wenn man noch mitten drin steckt. States of mind are real enough.

FALLING

Und mit einem Mal, und das obwohl die Sonne sich für ein wenig Alone-time hinter die Wolken zurückgezogen hat, ist es so greifbar heiß überm See, dass ich mir versuche vorzustellen, wie es wohl in der Stadt ist, wo Asphalt und Beton die Hitze speichern und zurückschleudern. Dem Fernsehturm läuft der Schweiß, über dem Reichstag flirrt die Luft, das Kottbusser Tor entflammt sich selbst. Ich gehe im Kopf die Treppen in mein Dachgeschoss hoch und stelle mir die Wärmeetagen vor, in meiner Wohnung presst die Hitze die Bilder von den Wänden und die Gardinen verdorren, bis sie zu Staub zerfallen. In den Portraits bekommen die Portraitierten ganz poröse Haut und Dörrfalten. Wohlfrisierte Locken senken sich auf heiße Schultern herab. Dann lasse ich mich ins Wasser fallen, das angenehm kühl ist und noch so klar, dass ich sogar einen Wels unterhalb meiner Zehenspitzen würde sehen können, wenn er meinte, dort herum schwimmen zu müssen. Und lasse mich tiefer sinken, wo es noch kühler ist und wo ich schwerelos werde und es ist so angenehm, dass ich fast das Atmen vergessen könnte.

LONELINESS

is my curse – our species´ curse – it´s the gun that shoots the bullets that make us dance on a saloon floor and humiliate ourselves in front of strangers.“

(Douglas Coupland)

DIE WOCHE, BIS JETZT

Das Loch in der Wand ist wieder zu und ich habe es verpasst, mich hinabzustürzen und im Wunderland aufzuschlagen. Ich hatte so eine perverse Hoffnung gehabt, durch das Loch in der Wand 5 Stockwerke tief in den Hof zu schauen – Seelensport für einen ehemaligen Höhenängstler, dem das Rauchen die Angst genommen hat. Die Krankenkasse weigert sich dennoch, mir die paar Luxuszigaretten, die ich mir gönne, zu übernehmen.
Eine weitere Lanze ist beim Sturm auf die Windmühle abgebrochen, das Finanzamt hat eine unerhört große Zahlung von mir bekommen, da mein Drittjob die ersten Früchte trägt. Wie Psycho ich bin merke ich jedesmal wenn ich das Onlineportal meiner Bank öffne, ich spüre das physisch, es ist ein schreckliches Ziehen, und wenn ich meine Überweisungen ausgefüllt und abgeschickt habe und beide Fenster wieder geschlossen, dann mach ich „Puh“ und öffne schnell eine andere, eine schöne Seite, die werden aber immer rarer. Und denke, immerhin – die Miete und die Steuer: einen Monat Ruhe.

Die Unerhörtheit der Erlebnisse des vergangenen Wochenendes sackt erst jetzt so richtig. Auch „Grey Gardens“ habe ich beim dritten Betrachten erstmals als Spielfilm gesehen, nicht als Wunder, beim vergangenen Wochenende verhält es sich genau umgekehrt. Falls sie ein nur-Wochen-Leser sind haben Sie die Heroes-Serie verpasst, das können Sie sich ausdrucken und mit an den Strand nehmen, in den Park oder auf die Terrasse. Wenn Sie mit der Lektüre fertig sind, möchte sich Sie bitten, kleine Fluzeuge aus den Seiten zu basteln und Sie in die Welt zu schleudern.

Mein russischer Freund ist auch wieder auf dem Boden gelandet, aber mit einem wertvollen Ziel vor Augen. Mein amerikanischer Freund feiert sich durch Europas Metropolen und erkundigt sich immer wieder besorgt nach unserem russischen Freund. Gegenseitig haben wir uns eloquente Hymnen geschrieben auf der Seite, die uns zusammengebracht hat, und haben alle drei große Sorgfalt auf den Ton verwandt. Vier kleine Prosagedichte stehen da jetzt im virtuellen Poesiealbum und irgendwie scheint mir ein Roadtrip to Poland in der Luft zu liegen.

Vor fast genau zwei Jahren schrieb ich dies: „Age has its advantages“, sagt die obercoole Famke Janssen, „but with youth you get to touch the future“.

I know how it feels.

DIESE GANZE GEBURTSTAGS-FUCKERY

Jetzt wünschte ich mir, ich wäre noch bei Heidi. Die könnte mir Klarheit verschaffen. Was es auf sich hat mit mir und dem Thema Geburtstage. Waum die mir so heilig sind, dass ich sie feiere, selbst wenn kein Geld für´s Fressen da ist und trotzdem steht was auf dem Tisch und alle haben ihren Spaß und gehen satt und angeschickert und ein bisschen glücklicher als vorher nach Hause. Celebrating the life of a person – das halte ich für wichtig in einem Freundeskreis, in dem vermutlich alle auf einen Oscar und die Vanity-Fair-Party danach verzichten müssen. Und so freue ich mich über jede Feier, zu der ich eingeladen werde oder die ich selber gebe. Aber irgendwie möchte ich nicht nach München, in diesem Sommer, wenn mir die Pistole auf die Brust gesetzt wird „Ich muss JETZT wissen, ob du kommst, die Hotels hier sind überfüllt, die Pensionen ausgebucht – sag mir JETZT, dass Du kommst.“ Die Unterbringung von Gästen war für mich nie ein Problem. Notfalls schläft man halt zu viert in einem Bett. Selbst, wenn man sich ein Haus baut und dabei das Gästezimmer vergisst (!) – Schlafflächen gibt´s in jedem Zimmer. Ich habe mir noch auf keiner Party überlegt ob und wie ich nach Hause komme und das war bei meinen Gästen meist genau so, so dass Feierlichkeiten im Hause Dick oft mehrere Tage andauern, weil die Gäste einfach bleiben. Aber zu einem Geburtstag anreisen, wo die Uhrzeiten der Feier-Instanzen klar vorgegeben sind, Anreise, Sektempfang, Grillen, Abreise. Nö. Und ich fang jetzt nicht mit der anderen (Berliner) Einladung an (oder doch) – von 14.00 bis 20.00 Uhr an der location XY. Is schon klar, man darf auch nach 20.00 Uhr noch kommen. (Ja, aber vielleicht wäre man auch lieber mal an einem Wochentag schön in der Sonne gesessenund so, aber man muss halt doch Geld verdienen.) Irgendwie sind die neuen Freunde gerade a lot more considerate als einige der alten. Und vielleicht bin ich wirklich der Spinner, als der mich der Ex-Fick gestern bezeichnet hat, als ich ihn bat, mich von seiner mailing list zu streichen (und nein, ich will nicht sein Facebook-Freund werden), weil ich von ihm keine Musikempfehlungen oder Putzfrauen angeboten bekommen möchte, ein Fick now and then – DAS wär´s gewesen, jedenfalls Spinner in diesem Fall, weil es mir leichter fällt diesen ganzen Geburtstagsdingsfick aufzuschreiben als verbal face to face zu formulieren. So. Und jetzt komm ich zu spät zur Arbeit, weil das Sortieren dieser Gedanken so voluminös fürs kleine Hirn war. Happy birthday anyway, falls grad jemand hat.

SUMMIT

Just to be there, enjoying to watch two cultures meet, clash, and then go out for a drink and some (respective) fuckery together. I´m still smiling. I think I made some people happy tonight. Courtesy of Couchsurfing.org.

But it´s more complex. Political. I´m so bad at that. Aber da müsst Ihr in den nächsten Tagen eventuell durch.

BROT FÜR DIE VERLAGSWELT

Hat mich, wenn auch nur entfernt verwandt, erinnert an zwei Tage, irgendwann Anfang der 90er, es muss Winter gewesen sein. Autoren kennen das: Wenn Du einen großen Briefumschlag von einem Verlag bekommst, dann enthält er in der Regel Dein Romanmanuskript retour, mit einem „passt leider nicht in unser Verlagsprogramm“-Anschreiben. Aber wenn es ein kleiner Umschlag ist… dann holst Du ihn mit zittrigen Fingern aus dem Briefkasten, der neuerdings den Namen Glückseligkeitsaufbewahrungsherberge trägt und trägst ihn geschwinden Schrittes, schwebend fast, die damals vier Treppen hinauf bis in Dein Dachgeschoss. Öffnest ihn und liest
„Lieber Herr Dick, vielen Dank für Ihr Manuskript. Es passt leider nicht in unser Verlagsprogramm. Wir sind ein kleiner Verlag und nicht besonders wohlhabend. Leider können wir Ihnen deshalb Ihr Manuskript nicht zurücksenden. Sie können es aber jederzeit bei uns abholen.“

Wenn sie genau prüfen sehen Sie, dass ich hier zwei Absätze gemacht habe.

Und nochmal.

Ich also dann da hin. Dramatischstes Make-up, wallender Dracula-Mantel. Sydneyrote Haare und bleiches schmales Gesichtchen.
„Guten Tag, mein Name ist Dick. Ich komme, mein Manuskript zu befreien.“
„Ach, ja. Ähem.“
Und dan händigt mir die Trulla, die sich gerade fragt, warum ich ein Laib Brot unter dem Arm trage mein Manuskript aus.
„Und da Weihnachten naht. Und es Ihrem klitzekeinen Verlag ja gerade so schlecht geht. Fand ich es nur passend.“
Und dann das Brot auf den Schreibtisch gelegt, meinen Roman eingesteckt, mit Bette Davis-Ellbogenaktion den Mantel gewirbelt. Und weg. Und mit einem Mal fühlte sich die Ablehnung an wie ein Triumpf. Gibt es eigentlich noch die Elefantenpress?

VERSCHON MICH MIT DEINEN GESCHÄFTSPROBLEMEN

Der erste Business-Anruf um 10 nach 8. Zwischendurch das sehr angenehme Treffen mit den Dänen (auch work-related) und der reguläre Job – diesesmal, das zweite Mal in der Woche – zwei Arbeitsplätze abdeckend. Zu Hause während des Blumengießens auf dem Balkon Status-Update-Telefonate mit der Familie und mit einer ehemaligen Abeitgeberin, die Wert auf meine Meinung legt und für die ich Inspration aus dem Ärmel zaubern soll. Die Hausbesitzerin meldet, dass sie nächste Woche die Außenwand meiner Küche aufreißen möchte, drei Tage Reparaturen am undichten Schornstein. Zwei Briefe, die ich noch schreiben müsste, aber keinerlei Energie mehr, ein Telefonat, das ich schon am Nachmittag hätte führen müssen, verpasst. Und auch ins Abendprogramm, passend ausgewählt die Erschöpfungs-Comedy „Nighty Night“ klingelt immer wieder das Telefon. Letzter Anruf, business-related, um 23.30 Uhr. Zeit, verstärkt mit Mailbox zu operieren. Und ich hör jetzt schon die Klagen, dass ich immer so schwer zu erreichen sei.

WAS ANDERES

Weiß eigentlich jemand, ob Technorati noch existiert? Irgendwie funktioniert das nicht mehr, das Dings, das. Das findet mich nicht mehr. Gibt´s was Neues?