Archiv der Kategorie: Glam gruebelt

ONE HAPPY FAMILY

rufus

Aufgewacht, gerade als Rufus Wainwright in mein Gästezimmer eingezogen ist. Dabei hätte ich so gerne tiefschürfende Gespräche mit ihm geführt, unter anderem über Dakota Fannings Zukunft (She´ll be big. Huge) und ob wir sie nicht adoptieren wollen.

Dakota

(Pic taken from Wainwright´s video of „Across the Universe“.)

SOWAS GIBT ES AUCH

Man hat die Haare ziemlich glatt gekriegt, obwohl von der Panthene Spülung nur noch ein Rest da war. Geht aus dem Haus, es regnet nicht, es schneit nicht. Man stellt fest, dass man pünktlich ist, weil der weiße Hund herade an der Haustür vorbeigeht, der immer nur dann vor der Haustür vorbeigeht, wenn man pünktlich ist. Der Hund lächelt. Man schnalzt freundlich zurück, steigt in den Wagen, der direkt vor dem Haus geparkt ist. Der Ipod beglückt einen mit „Somewhere in between“, so dass man die ganze Fahrt über singt. An einem Zebratstreifen freut man sich über eine türkische Mutter mit zwei circa zweijährigen Zwillingsmädchen in rosa und gelb mit Klackerschuhen. Als man beim Linksabbiegen dem Taxi die Vorfahrt nimmt und „sorry“ signalisiert erntet man einen freundlichen Gruß. Man findet einen Parkplatz direkt vorm Office, steigt aus, während Kate Bush gerade in eine ansteckenden Samba ausbricht, die selbst die Sonne zum Strahlen animiert. Man folgt einem jungen Schwulenpaar in schlabberigen Jeans – sie halten sich an verhakten Zeifgefingern, trotz der Kälte – und haben kesse Hüte auf. Die beiden verschwinden in der Ubahn, jemand hält einem die Tür zur Bäckerei auf. Man entstöpselt einen der beiden Ohrstöpsel zwecks Kommunikation mit der Bäckereifachverkäuferin, doch die hat, obwohl der Laden voll und Herr Dick noch gar nicht an der Reihe ist, das Käsebaguette schon auf den Tresen gelegt. Sie lächelt und zwinkert. Herr Dick legt ihr die zwei Euro hin und wünscht ihr einen schönen Tag.
„Dir ooch, meene Sonne.“
Ja, sowas gibt es auch.

GLAM´S GAYWATCH – Episode 1

Montag, kurz nach 20h, Gneisenau Ecke Zossener. Die charmante Kollegin und ich diskutieren Georgette Dee gegen den Kopisten Tim Fischer, der CD-Player spielt „Die Männer mit den hellen Hüten“ (Ja, ich habe wieder einen Abendstern!), ich halte an der roten Ampel. 4 junge Männer mit schicken 70er/80er-Frisuren überqueren die Straße und sehen dabei cool und frisch aus. So wie man sich eine postnukleare Ska-Band vorstellt: alle so Anfang/Mitte 20, einer im Anorak, einer im schmalgeschnittenen schwarzen Anzug, einer in – Moment! Rewind. Der im schmal geschnittenen Anzug. Zoom.
„Kuck mal, der Stadlober Robert!“
„Ja wirklich!“
„Den mag ich ja gern. Hast Du „Sommersturm“ gesehen?“
„Ja, der war schön!“
Die vier jungen Männer steigen in einen alten Mercedes. (Taxistand.)
Ich überlege, ob ich kurz das Fenster runterfahre um zu rufen „Hey – Sommersturm war toll!“ und entscheide mich dagegen, zu peinlich, und weiß genau, dass ich mich danach darüber ärgern werde. Man kann das ruhig mal loswerden, so ein Lob. Freundlich und kompakt rüberrufen und dann weiterziehen. Keine Dankesbriefe schreiben, keine Rosen vor die Garderobe legen, kein Fanscheißzeug machen, bloß keine „Ich habe keine Persönlichkeit und ziehe mir deshalb Deine an“-Nummer. Einfach mal „Hey Alter – geiler Film.“ Ich hab mich ja auch gefreut, wenn sich jemand bei mir für das eine oder andere Buch bedankt hat. Und Jenni Zylka war zwar ziemlich perplex, aber als ich ihr bei Reichelt am Käsetresen erzählte, dass ich schon ungefähr ein Dutzend Exemplare „1000 neue Dinge, die man bei Schwerelosigkeit tun kann“ erworben und lieben Menschen geschenkt habe, hat sich im Nachhinein sicher aber gefreut.

Fazit – einen sehr schönen DVD-Abend mit „Sommersturm“ gehabt und beschlossen, den Blog zwei Tage mit explizit schwulem Content zu füllen, mir ist gerade so ausgrenzend. Sehen Sie – ich habe meine Pubertät nie verwunden und trage noch viel Schotter auf meiner emotionalen Chip-Karre. And tomorrow, Glam goes Broadway – nichts für schwache Gemüter!

sturm2

Kreuzpaintner where are you when I need you??? (In Hollywood, rübergemacht. Er hat es sich verdient. Wenn einer, dann er.)

GLAM KEEPS GOING

Kinders, das macht grad gar keinen Spaß. Früher waren meine sozialen Begegnungen die sehr charmanten, wilden, erfrischenden, zermürbenden, wreckenden, schiff-taufenden Begegnungen mit meinen Lieben und/oder soon-to-be-Lieben, jetzt ist mein Leben so voll mit Kollegen, und ich arbeite komische Zeiten und schaffe es nicht mehr, die Quality Time People im Quality Time Environment zu sehen. Ich komme ausgepowert nach Hause, schreibe ausgepowert meinen Kram – ist das der Erfolg einer Therapie gegen Sozialphobie? I think I´m as phobe as ever. Plus annoyed. Plus —ausgepowert. Und ich habe gerade die Phase hinter mir, wo das Telefon klingelt und ich denke „Oh no – not now, no people, no talking please“, und mir stattdessen wünsche, dass das Telefon klingelt und jemand dran ist, der es schafft, mich zu motivieren und mir zu sagen „Scheißerchen, jetzt mach mal dies und das und dann ist alles wieder Zick und Zack.“
When I know it´s my own fucking job to keep going.

Und die Frau D. war nicht einmal bei R.´s Beerdigung, das sollte mich am wenigsten beschäftigen, aber es tut es. schon auch.

UNDEAD UNDEAD UNDEAD

bela
Gestern die letzten 200 Seiten „Flicker“ gelesen. Ein Leseerlebnis wie eine Mischung aus Heroin rauchen und Runterkommen. Nicht unähnlich vermutlich dem verderblichen Gefühl, das der Protagonist beim Betrachten der Max Castle-Filme hat. Somit hält das Buch, was das Cover und die ersten 300 Seiten versprachen. Und heute morgen bestürzt festgestellt, dass ich „Bela Lugosi´s dead“ von Bauhaus nicht auf CD, nur auf Vinyl habe, und das, wo meinem Plattenspieler vor kurzem der Keilriemen gerissen ist. Dann eben „She´s in Parties!“.

War jemand beim Bauhaus-Konzert?

Apropos „fall-guys tumble on the cutting room floor“… gerade eben auf imdb.com geschaut, was troublesome André so treibt. Schade schade schade: „Basic Instinct: Risk Addiction“ scheint nun doch „auf seine Mitwirkung verzichtet zu haben“, sein Name in der Besetzungsliste ist gelöscht worden.

GLAM SPART, DIE BERLINALE OFFENBAR AUCH

Ja, es ist raurig aber wahr, auch in Glamourdick Mansion wird ab sofort gespart. Das führt u.a. dazu, dass weniger DVDs angeschafft werden. Wenn man schon ertappterweise Fernsehgebühren zahlt, dann kann man ja mal nachschauen, was es da so gibt und praktischerweise liegt ja auch eine Fernsehzeitung dem bereits gekauften Stadtmagazin bei. Berlinale-Eröffnung auf 3sat! Doll! Eine Gala ist genau das richtige. Schließlich muss ich mich aufs übernächste Jahr vorbereiten, denn meine Filmkarriere führt mich garantiert demnächst zum Vorsitz über die Berlinale-Jury.
Da! Sigourney Weaver und da! – jemand, den ich auch schon mal im TV gesehen habe, Sandra Pauli oder Christiane Speichert – die steppende Urwaldärztin, die auch schecht schauspielen kann und gerne Romy Schneider wäre, wenn die nicht so traurig gestorben wäre. Oder albert Schweitzer. Oder so. Wo ist eigentlich Tatjana Gsell? Zu spät? Sind ja noch zahlreiche Plätze leer, hätte man mich also auch ruhig schon mal einladen können, oder Ingrid van Bergen, die hat ja auch schon einen Liebhaber auf dem Gewissen.
Moderne monothematische deutsche Rock-Musik von Max Raabe („Mein Bruder macht beim Tonfilm die Geräusche“ – jetzt erfährt auch Sigourney, dass wir in Deutschland schon mit Ton und in bunt drehen), unser schwuler Bürgermeister mit Trendlook Schlupflid, Kosslick, niedlich aber unübersetzbar – also versucht er, sich selbst zu übersetzen, das macht ihn noch niedlicher, nur Sigourney runzelt die Augenbrauen, versteht Bahnhof Zoo. Wie auch der moderierende Heino Josef Liefers-Riemann. Wo hat der sein Englisch her? Hat er auf einem Dictionary geschlafen und gehofft das würde reichen? (Bei seiner Schauspielprüfung hat es wohl auch geklappt.) Scheiße, Heinz Rühmann ist tot, sowie Hänschen Rosenthal. Die hätten da mehr rausgeholt und konnten auch kein Englisch. Was macht eigentlich Marlene Charrell? Oder Désírée Nosbusch?
Die Auftrittsapplause sind verhaltener als bei der Porno-Oscar-Verleihung, und da grenzen die paar klatschenden Hände schon an Beleidigung. Hier behilft man sich, in dem man auf die Bühne rast, damit man noch einen Klatscher hat, wenn die Kamera auf die Bühne zoomt. Die älteren Herrschaften japsen entsprechend, wenn Heino-Karl-Josef sich an sie wendet.
Aber da kommt die Präsidentin, Charlotte Rampling, nimmt das alles mit Humor und blickt gnädig durch trendige Schlupflider. Und schon ist alles vorbei, die Berlinale eröffnet, Gott sei Dank, und erleichtert stelle ich fest, dass es bei RTL2 eine neue Folge Frauentausch gibt. Da kann der Abend ja noch was werden.

SUNDAY MORNING oder RUHE IN DER KRAWALLSCHACHTEL

Weil der Dienstag Glams Sonntag ist und also am Montag (Glams Samstag) zuviel Rotwein im Spiel war und der Kopf nun schwer wiegt und auch noch ein Exposé getippt werden muss, kann sich Herr Dick gerade nur schwer im Krawallkarton einschachteln. Was haben der MC und der St. denn da gemacht, dass ein Ruck durch die Sphere ging?
Ich hoffe sehr, dass nicht die Lieferungen bzw. geistesgegenwartige Versandhandlungen abgebrochen werden, wenn heute mal beim Dick die Küche kalt bleibt. Und wünsche allen Ungeduldigen jähe Contenance. Und verspreche in Kürze einen Kartoon zum Thema Chiara.

Und gehe nun und entwickele Phantasien zu Rufus Wainwright. Und hab noch paarhundert Seiten „Flicker“ vor mir.

„FLICKER“ STATT „FLICKR“

„Der Schwarm“ ist längst ausgelesen und ein neuer Wälzer musste her und wie es der Zufall wollte, fand mich ein Buch, das schon allein durch das schlichte aber nachvollziehbare Design (Form -> Inhalt) mein Auge reizte.

FLICKER

Zelluloidstreifen, monochrom, das könnte gut sein. Zum Inhalt: ein junger Filmstudent entdeckt das Werk eines aus Deutschland exilierten B-Movie-Directors, das sich nicht nur als ziemlich genialisch sondern auch als äußerst (und sprichwörtlich) vielschichtig und bedrohlich erweist. Da fiel mir etwas ein, mein Lieblingsbuch von Paul Auster, in dem ein Wissenschaftler die verschollen geglaubten Filme eines verschollen geglaubten Stummfilmkomikers entdeckt, was zu einer abrupten Wendung in seinem Leben führt.
Etwas irritiert schaue ich nach dem Veröffentlichungsdatum von „Flicker“ und stelle fest, dass es in den Staaten bereits 1991 veröffentlicht worden ist, lange vor Auster.
350 Seiten später sind die Bezüge zu Auster nach wie vor offensichtlich. Nur dass es sich bei „Flicker“ nicht um ein x-beliebiges B-Book handelt, aus dem ein geachteter Autor ja gerne mal klauen darf, sondern um eine eigenständige Komposition von hoher literarischer und filmhistorischer Qualität, die für mich jetzt schon zu einem der besten fünf Romane gehört, die sich mit Hollywood Gothica auseinandersetzen. Sturmwaisen!, zwergwüchsige kettenrauchende Kamera-Genies!, Nylana, die Königin des Dschungels!, die bizarren sexuellen Riten der Olga Tell! – a big fun read. Go get it! (Am Besten zum Vergleich Austers „Boof of Illusions“ gleich mitnehmen.)