Also, ich kann mittlerweile an einem überfüllten Strand liegen, ohne Panikattacke, ohne Symptome. Ich war auf einem Konzert mit 1000 anderen Leuten. Ich war heute sogar in der Kantine des Finanzamts Kreuzberg (!) allein (!) essen. Und davor im Wartezimmer meines Arztes für Haut- und Geschlechtskrankheiten, ohne Schweißausbrüche, Zittern, Herzrasen. Und trotzdem fürchte ich mich vor einer 10stündigen Busfahrt mehr als vor der Demonstration und einer etwaigen Schlägerei mit Nazis. Kann mich bitte jemand nach Warschau beamen, am Samstag? Oder bleib ich doch hier? Ich mache mir gerade schlechte Laune.
Archiv der Kategorie: Glam gruebelt
DRINGENDER AUFRUF
Suche Schwester oder Bruder wo mich begleitet nach Warschau am Samstag. Ernst gemeinte Zuschriften bitte hier.
DER KUNSTSEIDENE GLAM
Na toll. Der Wagen ist festgeparkt. Die Straßen abgeriegelt. Ein Taxi (für das ich aufgrund des Erwerbs einer Cavalli-Sonnenbrille gerade zu geizig bin) müsste über Mitte fahren, um mich innerkreuzbergisch an Land zu bringen. Was macht man da? Man nimmt die Ubahn. Und weiß sofort wieder, warum man von Ibiza nicht mehr weg wollte. Der Grund: Berliner. Stinkende Berliner. Keifende Berliner. „WichsaAltaSackEY“-brüllende picklige Berliner Hauptschüler, die sich mit Caipirinha-und-Uhu-Fahne an einen werfen, um noch in den anfahrenden Zug zu springen. „Das zu lange Leben in der Heimat hatte ihr den Umgang mit den Deutschen verleidet“ schrieb jemand über Irmgard Keun. I so fucking utterly agree.
SAG BEIM ABSCHIED „LOUSY SERVICE“ oder BEACH WHORES CONTRA BAR WARS
„Als ich das erste Mal auf die Insel kam und auf meinen Wagen wartete, habe ich den schönsten Menschen gesehen, den ich je gesehen habe. Schön. Im Sinne von unfassbar schön. Und seitdem liebe ich die Insel.“
„Das kenne ich. Kurz vorm Abflug war ich mal am Strand. Und da saß ein Mann auf einer Klippe und ich musste weinen, so schön war der.“
Cap des Falco ist ein kleines, schmuckloses Restaurant, das mit einem der schönsten Sonnenuntergänge Ibizas aufwarten kann. So hatte ich es zumindest in Erinnerung. Als wir am Dienstag dort waren, hatte sich einiges verändert, man hatte Cap des Falco aufgefufft und zwar komplett. Ein charmanter Loungebereich, aufgeschütteter Sandstrand wo früher Kies war, zwei Strandbars und – auf den ersten Blick am eindrucksvollsten – Barpersonal (sechs Frauen, sechs Männer) von so unglaublicher Schönheit, dass man hätte annehmen können, sich bei einem Fotoshoot für eine Dolce Gabbana-Kampagne zu befinden. Ich sah den schönsten Mann, der alle zuvor gesehenen schönsten Männer in den Schatten stellt. Man stelle sich vor, Sophia Loren habe mit Winnetou geschlafen oder auch mit Senta Berger und ihr Sohn sei unter die Surfer gegangen.

Patriziergesicht in Indianderbraun, gleißende Augen, von der Sonne aufgehelltes Dunkelhaar, ein schlanker, sehniger Körper und schick bunttättowierte Waden. Zum Reinbeißen. Dass es bei solchem Aussehen ein wenig an gastronomischen Fähigkeiten und Fertigkeiten mangeln konnte, darüber sah ich hinweg. Zunächst. Nicht jeder in Spanien beschäftigte Kellner muss wissen, was ein Shanti ist (Bier mit Fanta). Und man kann die Fanta durchaus schon mal mit der Sprite-Flasche verwechseln – who cares? Und Caipirinhas brauchen Rohrzucker nicht zu knapp – besser das Glas halbvoll machen. Dass dieser diabolisch engelsgleiche Prachtkerl nicht aus dem wirklichen Leben war, wurde uns schnell klar. Denn Cap des Falco wurde als Location für ein neues italienisches TV-Format genutzt. Er und die anderen Barhengste- und Stuten waren die Stars von „Bar Wars“ – und hatten die Aufgabe, unter Beweis zu stellen, was für geniale Gastronomen sie sind. Leider war an diesem Tag, noch früh in der Produktion, noch viel für sie zu lernen. Dass man Gäste bedient, zum Beispiel. Dass man nach einer Stunde durchaus überprüfen könnte, ob noch alles zur Zufriedenheit ist (war es nicht.)
Auch wenn das Set einer Lounge-Bar überaus präzise inszeniert war, entsprach die Stimmung nicht dem Look. Bei einem wuselnden italienischen Fernsehteam war es nicht gut chillen. Unser Unmut wuchs mit der Wartezeit und angesichts der (ebenfalls renovierten) Getränkepreise. Langsam erschlosss sich uns auch das perfide Spiel, das die Produktionsfirma mit uns trieb: Man missbrauchte uns als Gratisstatisten für eine Endemol-Produktion. Und dass, wo unsere Bräune noch nicht telegen ausgereift war! Sacrilege, Darlings! Nicht genug damit, verlangte man für schlechten Service und falsch kombinierte Getränke auch noch einen Obulus! Nicht mit Glam!
„Excuse me young gorgeous-looking man – do you really expect us to pay for the drinks?“
„Huh?!“
„I mean – could we pay with Monopoly-money for instance?“
„Scusi?“
„Yes. You should be sorry for this lousy service.“
„You pay. You must pay.“
„Is there anyone around from the production?“
„Si si, there.“
Enter wichtige Klappbrettfrau, professionell lächelnd.
„Excuse me – do you expect us to be free extras on your show? Do you really expect us to pay to be in your show??“
Klappbrettfrau überlegt, lächelt lucreziaborgianisch.
„No English.“
Exit the Krawallschachteln. No English, no full pay.
Zwei Tage später, an einem anderen Strand liegen fünf Freunde in der Sonne und lassen es sich gut gehen. Die weiße Sangria perlt, die Bräune tunet sich fein, das Meer rauscht pittoresk – ambient Ibiza. Und Geburtstag habe ich auch noch!
„Kennst Du die schwarze Gabi?“
„Ist das ne Kneipe?“
„Nee. Ne Freundin von Ria.“
Jemand legt eine Illustrierte beiseite. „Ich wünsche mir ein Hautpflegeprodukt mit dem Namen Kriegswirren.“
Idylle pur also. Dann Geräusche. Italienische Geräusche. Ein Sangria-Becher landet im Sand und ärgert sich, dass er nicht scheppern kann. Denn dem Scheppern der Fernsehcrew gehört einiges entegegengesetzt, entschließen sich die Bar-Warrior doch, sich direkt vor uns niederzulassen, sechs Jungen und sechs Mädchen, zwei Teameretten, Produktionsassistenten und wichtige Klappbretthalterinnen und Halter. Üppig aufgemoppte Titten werden freigelegt, die Jungs zeigen, dass sie auch in Bade- und Unterwäsche halten, was ihre V-Kreuze und Blitzfressen versprochen haben. Geile Fassaden. Und trotzdem.
„Kuck ma die Braunhaarige im G-String – hast Du schon mal solche Narben gesehen?“
„Nee. Aber auch noch nie so unrealistische Titten, kuckma die Wölbung, sogar im Liegen.“
„Seit wann gehen die eigentlich nicht mehr über die Achseln rein?“
Kennst Du denn jetzt die schwarze Gabi oder nicht?“
„Ist noch was zu trinken da?“
„Jetzt holt er seine Eier raus – kuckmal.“
Und obwohl eine der Bar-Warrioretten des Deutschen mächtig ist und ihren gegnerischen Kollegen dann und wann unsere Kommentare übersetzt, halten sie es anderthalb Stunden aus, bevor sie wieder abscheppern und ihre Luxuskörper in die Kameras halten. Vermutlich zahlen auch sie to be on the show. Intelligenzbestien sind sie wahrlich nicht. Merke: Glamour ohne Geist geht gar nicht. Aber alles Gute für die Show wünschen die Beach Whores den Bar Warriors natürlich. Wir sind ja faire Player.

THE DEATH OF A DISCO DANCER

(Skailight and Glam getting ready to disco.)
Anfora, Ibiza-Stadt in den frühen Morgenstunden des 2. Juni. Es ist eine stark geschminkte Nacht, eine Nacht mit Sex und eine Nacht mit absurder Musik. Der Laden ist vollgepackt mit schwulen Europäern in Ekstase. Den freien Eintritt verdanken wir Mlle Corinne. Alles schön, alles leuchtend. Heads bangen zu einer Neuaufnahme von „Total Eclipse of the Heart“ und wieder kennt keiner den Text außer dem Chor „turn around bright eye – every now and then I fall apart“ usw. Etwas rauscht an meinem Körper vorbei, ich drehe mich um und sehe einen Spanier auf die Tanzfläche fallen und reglos liegen bleiben. Kommt wohl öfter vor, denn es wird allgemein weiter getanzt. Meine Augenbrauen tanzen eine Sorgenfalte. Ich bücke mich zu dem Abgestürzten, tätschele ihn in eine Bewusstseinsebene, die der meinen (noch nicht sonderlich betrunkenen) ähnlicher ist, helfe ihm auf und die Treppe hoch. Jemand greift nach ihm, stützt ihn und bringt ihn fort. Eine halbe Stunde später sehe ich ihn im Eingangsbereich zusammengesunken sitzen. So richtig bei sich ist er immer noch nicht. Ich gehe mich erkundigen und schaue in irritierte Gesichter, an denen meine drei Sprachen abperlen. Als wir eine Stunde später den Laden verlassen, ich in diesem Fall ziemlich ernüchtert, ist die Traube um den Gestürzten vor dem Laden. Offenbar hofft man, dass sich alles von selbst wieder einrenkt, dass die Mischung aus Ecstasy, Ketamin, Liquid E, Crystal Meth (whatever) und Alkohol in ihrer Wirkung nachlässt. Ich will noch einmal zurückgehen, einen Krankenwagen vorschlagen, aber tue es nicht. Erinnere mich an den Tag, als ich aus dem Roses auf die Straße knallte, obwohl ich diesen Sturz, bei dem ich mich wie durch ein Wunder nicht verletzte, nur vom Hörensagen kenne – that´s Ecstasy. Nur sehr schwer zu dosieren. Sometimes it kicks, sometimes it kicks you.
The death of a disco dancer
Well, it happens a lot ‚round here
And if you think Peace
Is a common goal
That goes to show
How little you know
The death of a disco dancer
Well, I’d rather not get involved
I never talk to my neighbour
I’d rather not get involved
Oh …
Love, peace and harmony ?
Love, peace and harmony ?
Oh, very nice
Very nice
Very nice
Very nice
…But maybe in the next world
(The Smiths)
THE GLAM´S BACK ON THE BLOG…
…und sagt Dankeschön an die BlogBoy4. Ich fühle mich würdevoll vertreten und die Orchideen haben auch überlebt! In den nächsten Tagen habe ich einiges zu berichten von Bar Wars, Beach Whores, Tittenmädchen und Sonnenbrillen. Ibiza was a blast. Von Corinne wollte ich noch erzählen und (mindestens) eine Penisgeschichte hätte ich auch noch. Ach nee. Die spar ich Euch. Und jetzt bildgoogle ich mal, ob ich ein Foto vom Sohn von Winnetou und Sophia Loren finde.
LA ISLA BONITA
Ganz kurz: Alles perfekt. Gestern von Mlle Corinne fuenf Gaestelistenplaetze fuer die Birthdayparty im Anfora geschenkt bekommen. (Zu Mlle Corinne mehr upon my return. Nur soviel: sie ist Zwilling und the most important person to know round here.) Dann, auf dem Rueckweg von Es Cavallet zwei Anhalter mitgenommen (sie waren einfach zu sexy). Von ihnen fuer Donnerstag Einladung fuer einen Birthday Aperitif bekommen. Also alles im Griff hier, inklusive Hunde, Diebe, perfekte Travelling companions., Sonnenbrand usw. Mein Haar bricht ein wenig, aber heute setz ich ein Huetchen auf. Und heute abend kommt Kai und wir nehmen einen Sundowner in Cap des Falco. Das muss man einmal getan haben, insbesondere wenn man noch kein Baeumchen gepflanzt hat. Auf dieser Tastatur sind lauter Buchstaben vertauscht und draussen wartet der Strand. Darlings – liebste Gruesse.
P.S. Ich kann von hier keine SMS verschicken, also nicht wundern, wenn von mir nix zurueck kommt.
365 oder HOLIDAY – CELEBRATE
*
New York City Tokio
z`Rom,z`Paris oder irgendwo
lüchted tuusig Stärn am Himmel
für irgendöpper eifach so
Barcelona Kairo Wien
es weiht en warme Wind dur d`Nacht
und z`Abudabi sowieso
für es Liebespaar wo lacht
sitz mit mir elei im Zimmer, weiss wenn i nöd ufbrich wird’s nu schlimmer
Träum verfrühred dänn, wänn niemert da isch wo si läbe will
drum tauchi i und gumpe drii
au weni nöd gnau weiss wies wird sii
mit Ruggewind und mit de Fluet
lohn i mi triibe
drum tauchi i und gumpe drii
au weni nöd gnau weiss wies wird sii
es brucht kei Ziit nur e chli Muet
es chunnt scho guet
inre überfüllte Bar
amne Strand mit wiissem Sand
in Rio oder z`Jesolo
tönt es Lied usem Radio
es singt vo Liebi und vo Glück
me sölls doch eifach eifach neh
me hegi alles i de Hand
und zum Aacho müess me z`ersch mol go
sitz mit mir elei im Zimmer, weiss wenn i nöd ufbrich wird`s nu schlimmer
Träum verfrühred dänn, wänn niemert do isch wo si läbe will
drum tauchi i und gumpe drii…
Flugzüg started – öpper wartet
immer irgendwo uf irgendwär
graui Wolke ziehnd verbii
wär au gern irgendwo debii
(Von der Heide, Stern, Lewinsky)
* First pic uploaded to this blog. So. jetzt aber los!
NEW KIDS ON THE BLOG
So, das wird eine lustige Woche für alle Beteilgten, glaube ich. Von Sonntag bis Samstag ist GlamourDick-Mansion in neuen Händen. Als Gastautoren ziehen ein: der Raketenprinz, Timanfaya, Ohbehave! und Tod Spango*.
Ich bin schon sehr gespannt und melde mich selbst natürlich auch mal von unterwegs.
* Ich sehe bereits eine Boygroup entstehen!
THE BLOGGERS WILL TAKE OVER THE MANSION
Wer von Euch hat denn Lust, mich hier nächste Woche (angefangen ausgerechnet mit meinem Blogbirthday, also Sonntag) zu vertreten? Es wäre doch schade, wenn die Sphere ohne Psycho-Candy-Content auskommen müsste, denn ich plane in meinem Urlaub nur allersporadischst das überteuerte Internet-Café anzusteuern. Gerne auch – jeden Tag ein Neuer/ eine Neue hier. Oder querbeet alle gleichzeitig. Ein paar Lieblingskandidaten habe ich selbstverständlich. Und würde mich zum Beispiel freuen über GlamBritt, SpangoDick, BittersweetDick, um nur drei zu nennen. Also – wenn Ihr Zeit und Lust auf ein paar Tage Exil in der Mansion habt (und auch mal die Orchideen benetzt, wenn Ihr schon da seid), tretet hervor!
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