„Hallo Glam, ich habe so lange nichts von Dir gehört. Wie war Deine Lesung? Wie geht es Dir sonst so? Du hast Dich so lange nicht gemeldet.“
Ich hasse solche Emails. Jemandem vorzuwerfen, er oder sie habe sich lange nicht gemeldet, bedeutet nur, dass der oder diejenige selbst den Arsch nicht hochbekommen hat. Diesen Vorwurf dann auf den Angeschriebenen zu projizieren ist Kindergarten. Allein schon beim Gedanken, sowas zu beantworten tut mir die darauf verwendete Denkzeit leid.
Freundschaft bedeutet nicht, sich täglich anzurufen. Freundschaft bedeutet, dass man sich auch nach anderthalb Jahren teffen kann und sofort ein Thema hat – und dieses Thema ist dann in der Regel ein akutes und kein Abriss der vergangenen anderthalb Jahre.
Sich nicht melden bedeutet nicht, nichts zu sagen zu haben oder am anderen desinteressiert zu sein. Sich jedem Freund gegenüber verbal über die akute Befindlichkeit zu äußern wäre ziemlich narzißtisch. Vom Zeitaufwand einmal ganz abgesehen. Für den Narzißmus und die Befindlichkeitsäußerung habe ich diesen Blog. Wenn man auf dem Laufenden bleiben möchte, kann man mitlesen. Nicht dass ich das bei jedem voraussetze. Aber es hilft, dann und wann hereinzuschauen – denn dann kann man nachlesen, wie die Lesung war, beispielsweise.
Unter anderem ist so ein Blog nützlich, um Themen vom Tisch zu bekommen, mit denen man keine Konversation verstopfen möchte. Die Konversation kann also gleich als weiterführend betrachtet werden, da man den Teil der Berichterstattung aussparen kann. Äußerst praktisch. Zeitökonomisch. So bin ich jeden Morgen informiert, was sich bei Lucky tut, was die Bee und die Choc beschäftigt und (sofern er seinen überbewerteten Mac-Blog endlich mal in den Griff bekommt), mit wem Frank gerade Dinge erlebt.
