Archiv der Kategorie: Glam gruebelt

ASZENDENTENTAG

Dear Skailight, dear Lucky,

thanks for making my world brighter, for being there at 4 am, for the fun times, for all the singing and sinning we´ve been doing together over the years.
Thanks for sticking around. I love you.
Happy birthday!

KANSAS – THE NEXT GENERATION

Er hat die acht Stunden OP gut überstanden und duzt sich bereits mit den beiden anderen Herren auf der Station.
(„Guten Morgen, mein Name ist Dick.“
„Wir duzen uns hier. Wenn wir schon zu dritt eine Toilette benutzen müssen…“
„Dann kannst Du Metal zu mir sagen.“)
Anders als geplant, musste doch nicht über den Brustkorb eingegriffen werden.
Mein Neffe hat die Gefühle in der Familie vielleicht am Besten auf den Punkt gebracht, als er gestern das Krankenzimmer betrat, brav 10jährigen-Konversation mit seinem Großvater machte, immer etwas blasser wurde, angesichts von Schläuchen, Kanülen und Tropf. Sich dann entschuldigte und auf den Flur ging, wo er in Ohnmacht fiel. Als er wieder zu sich kam, kotzte er den Flur voll. Familie Dick und Kliniken, das passt nicht. Aber was muss, das muss.

KANSAS

Irgendjemand müsste vielleicht auch mal mit dem Hund gehen, der war heute noch gar nicht so richtig draußen. Und weil gerade sonst niemand da ist, mache ich das. Ich mag den Hund nicht besonders, er mich um so mehr. Kaum sieht er mich, verfällt er in diese hyperaktive Routine, spielt putzig wie in einem Kinderbuch. Diese Art Hund, der auf den Menschen am meisten abfährt, der für ihn am wenigsten übrig hat. Der Hund ist uncool.
Hier ist es viel wärmer als in Berlin, ich brauch nur eine Trainingsjacke, wo ich heute Morgen im Wintermantel aufgebrochen bin. Hinter Magdeburg verschwand das Nieselwetter und kurz vor Salzgitter gab es mit einem Mal die volle Herbstpracht. Bäume in allen Orange und Rot-Nuancen, sehr pittoresk. Normalerweise ist es hier drei bis vier Grad kälter als in der Stadt, aber heute ist es mal andersrum.
Meine Mutter ist auf dem Weg ins Krankenhaus, während ich am Feld entlang spaziere, Ipod auf Shuffle. Kate Bush darf mal wieder in L. singen, L. ist das egal, mir nicht. L. und Kate Bush, das ist meine Kindheit. An einem Tag wie heute zu shufflen ist gefährlich, aber ich bleibe von traurigen Balladen oder Vaterliedern verschont. Als ich ins Feld abbiege, neben den beiden riesigen Weiden, die ein Tor bilden, durch das man die Windmühle sieht, Felder, Bäume, schmale Wege, erklingen im Kopfhörer die Klick-Klack-Pferde-Geräusche, die ankündigen, dass gleich Doris Day unbedingt wieder zurück will zu den „black hills of Dakota“. Wenn sie jemand gelassen hätte, dann wäre es sicher ein anderes Lied geworden. Und ich überlege, wo ich jetzt lieber wäre. Sicher nicht im Krankenhaus, wo er vermutlich jetzt gerade aus dem OP kommt. Er kann schlecht damit umgehen, wenn man ihn schwach sieht. Ich kann schwer damit umgehen zu sehen, wie er sich dann schämt. Aber er würde es auch spüren, wenn meine Mutter nicht da wäre und deshalb ist es gut, dass sie da ist, wenn er aufwacht.
Die Sonne scheint mir in den Nacken, ich sehe zwei Schatten vor mir, die man für Dorothy nach einer Geschlechtsumwandlung und 30 Jahre später, sowie Toto im Original halten könnte. Der Kinderbuchhund sieht wirklich aus wie Toto. Und wird mir gleich etwas sympathischer. Aber nicht zu. Ich laufe weiter. Vermute hinter jeder Biegung des Weges eine Abwechslung, aber hinter jeder Biegung findet sich eine Gerade, dann eine weitere Biegung. Es riecht nach Fallobst, was an dem Fallobst liegt. Zielloses Umherlaufen, entschuldigt durch das Tier an der Leine.
Das Handy vibriert.
„In einer halben Stunde kann ich zu ihm. Er wird noch beatmet.“
„Haben sie Dir schon sagen können, wie es ihm geht?“
„Sie haben mich gefragt, wer mir gesagt hätte, dass ich schon zu ihm könne. Da hab ich gesagt – niemand. Das habe ich selbst entschieden.“

Wir gehen alle unseren Weg. Manche mit mehr Ziel als andere.

kansas

GLAM VERSCHENKT SICH

And then again, was nützt mir die Romanidee (see posting below), wenn ich dann doch zu trotzig bin, sie umzusetzen? Wo ich doch eine einwandfreie nouveau gothic novel in der Schublade habe. Und bis die nicht verkauft ist oder „Gestern wollt ich noch sterben“ verfilmt, da mach ich mir nicht die Mühe. Ist nämlich heartbreaking, wenn Du so ein Werk, in dem viel Arbeit steckt, und Deine Lebenszeit, wenn Du das nicht verkauft kriegst, weil die deutsche Verlagsszene Diätbücher von Fetten und Beziehungsratgeber von Kim Fisher für lukrativer hält. Vielleicht doch nach Hollywood? Oder Kopenhagen?

Ich verstehe voll und ganz, dass Thomas Hardy, auch ein Zwilling übrigens, mit dem Romanschreiben konsequent aufgehört hat, weil ihn die Kritiken beleidigten. (An wen erinnern wir uns heute? An Hardy oder seine Kritiker?)
Wenn man eine kleine Welt in einem Textdokument oder zwischen zwei Pappdeckeln enstehen lässt und jemand buht sie aus oder lässt sie erst gar nicht in die wahre Welt, dann ist das schlicht und ergreifend frustrierend. Und übrigens der Grund, warum ich blogge. Weil ich dachte „Fuck them publishers´ hairy old assholes“. Schreiben muss ich, da bin ich zwanghaft. Dann schreib ich eben für umsonst. And that was the beginning of this blog.

IT IS BEST TO FIND IN SLEEP THE MISSING PIECES THAT WE LOST

Ich bin ein Warmduscher, aber schlafen tu ich kalt. Wie Sunny von Bülow. Ich versuche, jedes Jahr den Tag so weit wie möglich Richtung Winter zu verlagern, an dem ich über Nacht das Schlafzimmerfenster schließe. Ich schlafe nicht gut bei Heizungsluft. Jetzt haben wir gerade mal Oktober und ich bin heute morgen aufgewacht, weil ich fror. Gleichzeitig war ich zu müde, aufzustehen und das Fenster zu schließen und dann hatte ich noch diesen Traum ganz präsent und musste ihn mir unbedingt merken, gab mir also zusammenfassende Stichworte und betete die auf und ab, damit ich sie bloß über das nächste Wiedereinschlafen hinaus retten würde. Da der Traum zu gut war, von annähernd literarischer Qualität, und da er Themen beinhaltete, die sich sicher nicht von ungefähr in meinem Unterbewussten festgesetzt hatten, schrieb ich dann doch die Stichworte auf und konnte wieder einschlafen. Lese sie mir vorhin durch und siehe: anders als die Weltrettungsfantasien, die jene kennen, die mal in Holland einen Keks oder im Görlitzer Park eine Zigarette erworben haben – die Notizen machen Sinn! Und als ob es nicht schon genug gewesen wäre, im Traum von der Muse geküsst zu werden, folgte noch ein erstklassiger Sextraum!*

* Gibt es eine vernünftige Erklärung dafür, dass man wet dreams nur in der Pubertät hat? Ich finde, das Recht im Schlaf zu kommen, sollte in der DNA verankert werden. Ohne Altersbeschränkung. Oder gibt es da eine konservative evolutionäre Instanz, die Samenverschwendung verhindern will? (Wenn ja, dann hat sie bei Männern, und das sind ja nun mal die mit Samen, ziemlich versagt, insbesondere was den Wachzustand angeht.)

MURDER ON THE DANCE FLOOR

Ein Tanzetablissement, nach Mitternacht. Es muss irgendeinen Alterungsmechanismus geben, der einen vor Sachen wie „in der Öffentlichkeit tanzen“ ab einen gewissen Alter bewahrt. Man überlässt das dann einfach den jüngeren Menschen. Oder denjenigen Älteren, die soviel Zeit und Geld in ihre Körper investieren, dass sie gar nicht mitbekommen, dass hautenge armlose Kapuzenshirts vielleicht die Muskeln gut hervorbringen, aber so unmodisch sind wie Goatees oder ausrasierte Nacken. Ich nippe an meinem Bier, fühle mich weder unwohl noch gut aufgehoben. Das Tanzetablissement habe ich mal für die Dauer von anderthalb Jahren komplett gemieden, hatte ich doch dort meine große Liebe kennengelernt, die ich nach dem Ende unserer Beziehung nie nie nie wieder sehen wollte. Das Vermeiden breitete sich dergestalt aus, dass ich eine ganze Straße in meiner Nachbarschaft ignorierte und (auch wenn es etwas umständlich war) gar nicht mehr befuhr. So stellt sich ein leichtes Befremden ein, wo ich viele Jahre später in diesem Laden bin, der sich so gar nicht verändert hat.
Aus dem nichts heraus steht mir plötzlich der Hanseat gegenüber. Nennen wir ihn Peter Hamburg, weil es sich bei der Ähnlichkeit zu Peter Berlin anempfiehlt. Ich zwinge mir ein Glam-Lächeln aufs Gesicht, grüße freundlich und gehe an ihm vorbei. Zwei Jahre sind das schon?
„Weißt Du wer das war?“
„Nee.“
„Der Typ, den ich im Roses so peinlich angemacht habe und am nächsten Tag treff ich ihn bei diesem Werbespotdreh.“
„Ach ja, stimmt. Der hat immer noch so ne komische Frisur.“
„Ich mag die Haare.“ Aber ich mag ja auch Peter Berlin.
„Der kuckt immer rüber.“
„Ach soll er doch.“
„Wirkt aber freundlich. Der scheint alleine hier zu sein.“
„Soll er woanders Anschluss suchen.“
Es muss eine Art Alterungsmechanismus sein, der es einem nicht gestattet, jemandem hinterher zu rennen, der einen schon beim ersten, zweiten und dritten Versuch hanseatisch versiert hat abblitzen lassen.
„Hör mal!“
„Murder on the Dance floor. Ich geh tanzen.“
„But you better not kill the groove!“
„Gonna burn this goddamn house right down!“

NACHTRAG ZU PAOLO NUTINI

Großraumbüro. Glam deutet auf seinen Blog, Nutini-Bild.
„Kuckma. Kommst Du mit?“
Kollegin schaut. „Ja.“
„Kennst Du die Musik?“
„Nö.“

Die Tickets kosten charmante 14,50. Der Junge verkauft sich zu billig. Wer kommt mit? 23.11. ist ein Donnerstag.

I DON´T LIKE IT HERE ANYMORE oder AKNE VULGARIS

Dieser seit letztem Jahr bestehende Trend zum Goldenen Herbst ist doch nichts als eine kosmetische Maßnahme der Natur, darüber hinweg zu täuschen, dass es zu kalt zum Schwimmen ist, dass der kommende Winter selbst die winterhärtesten Balkonpflanzen killen und sich weit in den Frühling hinauslagern wird.
Die gleißende Fassade täuscht nicht darüber hinweg, dass die Scheißstadt ihre Bewohner nicht lieb hat. Früher startete die Berlinkrise für mich erst im Januar/Februar, wenn´s draußen richtig unerträglich wird. Dieses Jahr finde ich den Herbst, der sich als Fake-Sommer tarnt, viel bezeichnender und charakteristischer. Bloß auf Hübsch machen. Botox for the capitol. Berlin sucks. And I´m sick of sucking back. Was für die Stadt gilt, triff momentan ebenso auf die Blogsphere zu. Früher war´s inspirierend, momentan ist es größtenteils langweilig bis ärgerlich. Wie eine Schulklasse in der Pubertät. Einige sind schon gefickt worden und können drüber prahlen, andere sehnen es herbei und werden heimlich enttäuscht sein. Über dem ganzen liegt der Geruch von ollem Linoleum. Die Hormone? Ich geh jetzt in die Raucherecke und höre Bauhaus.