Archiv der Kategorie: Glam gruebelt

DER UMSATZ

Habt Ihr Euch eigentlich auch schon mal darüber Gedanken gemacht, wie absurd das Umsetzen Abschleppen eines Wagens ist? Der bürokratische Aufwand, zunächst ein Wagenumsatzkommando zu buchen, daraufhin den Wageninhaber schriftlich zu kontaktieren. Was spricht gegen einen Anruf beim Wagenhalter? Die Tatsache, dass der Abschlepper leer ausgeht. Und die Beamten in der „Umsetzstelle“ mangels Betätigungsfeld auf Streife geschickt werden müssten.

Vielleicht werde ich aber auch nur paranoid wie die Blumenfrau aus dem schimmligen Erdgeschoss des Nachbarhauses. Als der asiatische Imbiss aufmachte warnte sie uns alle, dass wir auf unsere Hunden und Katzen aufpassen sollen, man könne ja nie wissen. Und als der türkische Glaser seine Werkstatt bezog schwor sie, dass es eine Glasmafia gibt, die im Auftrag der Glaser-Innung Windschutzscheiben und Schaufenster einschlagen würde, um Aufträge zu akquirieren. Dabei waren es vermutlich die türkischen Kids, die das taten, weil die Blumenfrau nicht gerade als fremdenfreundlich bekannt war.

ENOUGH IS ENOUGH oder GLAM IV

Jetzt werden schon Rechnungen angemahnt, die ich bezahlt habe. Meine Versicherung, die gerade offenbart hat, dass Halteverbotsverstöße nicht in meinen Rechtsschutz fallen, ruft an und fragt, ob ich nicht mit meiner KFZ-Versicherung zu ihnen kommen möchte. Der Arbeitgeber, für den ich sehr inständig gehofft habe, in Kürze tätig zu werden, schickt eine Absage. Und der Job, in dem ich gerade tätig bin, erweitert mein Aufgabengebiet in einem Maße, das meine Kompetenz übertsteigt. I´ve had it up to here.

Ich sehe meine Zukunft folgendermaßen: ich werde bewaffnet durch die Stadt laufen, Pennern das Bier entreißen und als Dosenpfand-Monster Boulevard-Karriere machen.

FUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUCKKKKKKKKK!

GLAMANANSI

Nothing happened. Nothing continued to happen. More Nothing. The return of nothing. Son of Nothing. Nothing rides again. Nothing and Abbot and Costello meet the Wolfman.

(Anansi Boys, Neil Gaiman)

GLAM RECHNET WIE EIN MILCHMÄDCHEN

Die Abschlepprechnung ist gekommen. Dabei habe nicht ich falsch geparkt sondern das Halteverbotsschild falsch gestanden. Wirklich wahr. Als ich den Wagen abstellte stand es vor dem Wagen, als ich den Wagen nicht mehr vorfand, stand es da wo „hinter dem Wagen“ gewesen wäre, wenn der nicht ungefragt in die Wiener Straße umplatziert worden wäre. Jetzt bin ich mal gepannt auf den Rückruf der Rechtsschutzersicherung. Und weil ich schon so Stichworte wie „Beweispflicht“ erahne, bin ich nochmal schnell zu Karstadt geflitzt wo ich mir für nen 10er endlich LA-Crash nochmal gekauft habe und – und das macht mich sehr glücklich – den „Grizzly Man“ von Werner Herzog. Auch wenn ich den Glamour im Namen trage – Filme sind augenblicklich wichtiger als das Nachfärben des Haaransatzes.

Was sind eigentlich Milchmädchen?

THE ZEROES

Wenn man also 7-Tage-Wochen arbeitet, oder auch mal 10-Stunden-Schichten, um irgendwie über die Runden zu kommen, die Bank trotzdem immer die dünnen Briefe schickt, die man schon gar nicht mehr aufmacht, weil sich derjenige, dessen Buchung geplatzt ist, ja sowieso nochmal meldet und man ja eh nichts am Kontostand ändern kann, da man ohnehin gerade auf 200% läuft und mehr einfach nicht drin ist. Derweil die Bewerbungen um Betätigungen, wo man mit weniger Anstrengung mehr Geld verdient, entweder negativ beantwortet werden oder auch gar nicht. Man seine Ausgaben auf ein absolutes Minimum herunterschraubt, sich fragt, wo man noch sparen könnte, worauf man noch verzichten könnte. Seine Euros für unfunktionale Mausefallen rausschmeißt, man bei jedem Gegenstand, der einem kaputtgeht weiß, dass man ihn nicht wird ersetzen können, dass es dann einfach ohne gehen muss. Dann weiß man, dass man sich wegen seiner Depression absolut keine Gedanken machen muss, weil sie nicht pathologisch sondern einfach nur berechtigt ist.

NOT A DAY GOES BY

Auch wenn es keinerlei special features gibt, kein behind the scenes, kein making of – das Warten auf die Bernadette Peters-DVD hat sich gelohnt. What an amazing woman. „Not a day goes by“ habe ich ja hier schon mal gepostet.
Dennoch: es ist kein schönes Bild, wenn ein erwachsener Mann in den besten Jahren abends vorm Fernseher liegt und nichts Besseres zu tun hat, als wegen großer Ballade zu schluchzen. Immerhin ist die großé Liebesballade ein praktisches Ventil für den ganzen Kleinscheiß, der gerade meine Lebensqualität stark beeinträchtigt. Beim Nachdenken über große Gefühle festgestellt, dass es etwas Beruhigendes hat, über die vergangenen großen Lieben vollständig hinweg zu sein. (Sometimes people leave you, halfway through the woods…) Zumal in Trennungs und Liebesleid-Phasen Bernadette Peters und Marianne Faithfull im CD-Giftschrank verbannt werden und das ist auch eine Beeinträchtigung der Lebensqualität.
vargas

GLAM GEGEN DIE GEMA

Der Nilz hat einen sehr lieben Brief an die Gema geschrieben. Das hätte ich mal auch tun sollen vor ein paar Jahren, denn der Verein kommt mir ein klitzekleinbisschen mysteriös vor, denn es ist ja folgendermaßen: Wenn Künstler in der Öffentlichkeit ihr Liedgut von sich geben, dann zahlt der Veranstalter eine Gebühr an die Gema, die nicht ganz klein ist. Ich hab die korrekten Zahlen nicht mehr im Kopf (let bygones be bygones), aber sagen wir mal 500 Euro für ein Konzert mit 20 Liedern. Dieser Gema-Beitrag soll dem Urheber (Textdichter/Komponisten) zugeführt werden, damit dessen Werk honoriert, bzw entlöhnt wird. Tolles Grundmodell. So ähnlich sieht es bei einer CD-Produktion aus. Da zahlt der Produzent ca 9% des CD-Abgabepreises an die Gema. Das ist auch ein schönes Modell, nur rechnet es sich nicht, wenn der Produzent gleichzeitig der Texter/Komponist ist, denn irgendwie sind die Gema-Ausschüttungen an den Urheber immer sehr viel geringer als dass, was die Gema dem Produzenten berechnet.
Um auf das Konzertbeispiel zurückzukommen: 20 Lieder, 500 euro – das würde bedeuten 25,- pro Lied für den Urheber. Abzüglich, dass die Gema auch alle paar Jahre mal die Wände neu streichen muss und die Angestellten wollen ja auch nicht gratis jeden Morgen in so einen Linoleumbunker stiefeln. Wenn jetzt dieses Konzert mit den 20 Liedern 50 mal vor großem Publikum präsentiert wird, dann müsste doch ein bisschen was für den Urheber bei rumkommen, oder? Von den rund 1000,- Euro, die man sich als Einnahme pro Lied errechnen kann, blieb nicht einmal genug übrig, den Gema-Jahresbeitrag zu decken. Jahresbeitrag bei einem Verein, der Einnahmen durch Lizenzen macht? Ja. Um in dem Club mitzuspielen muss man auch noch einen Jahresbeitrag entrichten. Ich hab das ein paar viel zu lange Jahre mitgemacht und habe mich dann verabschiedet.

Jetzt kriegt die Gema betreffs Youtube einen Pflaumensturz nach dem anderen und will unser schönes Clip-Archiv verbieten. Weil sie a) nicht begreifen, dass jeder Youtube-Künstler-Clip Gratispromo für die Kunst ist, da ihnen das b) egal ist, weil sie mit Kunst und dem Urheberrecht nichts am Hut haben, weil es ihnen c) nur darum geht, den eigenen Laden stabil zu halten, was d) natürlich immer schwieriger wird, da CD-Absätze nicht gerade im Steigen begriffen sind. Aber Nilz hat das viel pointierter formuliert.

GLAMS BILDUNGSBLOG oder LA DÉLUGE CONTINUES

Ein Gutes hat ja die Mäuseplage. Ich lese über die französische Revolution (weil mir die Namen für meine Mäuse ausgehen). Louis den 17. gab es tatsächlich, finde ich heraus, auch wenn sein Regium keines war. Man hielt ihn von seiner Schwester Marie Thérèse getrennt gefangen. Er starb jung (Schwindsucht, vermutet man) und man stahl ihm aus Reliquiengründen das Herz, bevor man ihn in einem Massengrab beisetzte. Das konservierte Herz ging auf Reisen, tauchte mal hier, mal da auf. Nach zwei unabhängigen DNA-Tests im Jahre 2000 konnte man anhand der aus Marie Antoinettes Haaren gewonnenen DNA feststellen, dass es sich tatsächlich um das Herz eines ihrer Kinder handeln musste. Nur vier Jahre später, am 8. Juni 2004 bestattet man das Herz Louis-Charles´in der Basilika Sain Denis.

Nach diesem kleinen Ausflug in die Historie nun ein paar nützliche Tips im Umgang mit Hausmäusen.
– Lebendfallen sind für Hausmäuse so etwas wie eine Loopingbahn für Jahrmarktsbesucher: ein großer Thrill, den man meist unbeschadet übersteht.
– die klassische Holzmausefalle, die den Genickbruch der Maus herbeiführen soll, ist schwerfällig. Es ist erforderlich, den Bügel so sensibel einzustellen, dass die leiseste Berührung ausreicht, den Schnappmechanismus auszuösen. D.h., die Spitze des Bügels sollte direkt unter dem Haken angebracht werden. Fingerspitzengefühl ist erforderlich.
– Nutella ist der beste Köder.
– die Schweizer sind Präzisionsmenschen. Kein Wunder also, dass sie eine äußerst effektive Mausefalle entwickelt haben, die bereits einen Lockstoff enthällt. Die Falle ist mehrfach verwendbar und es ist nicht erforderlich, die Maus zu berühren, um sie zu entsorgen. Leider habe ich noch keinen Berliner Baumarkt entdeckt, der die „Swissinno“-Falle führt.
– Dem Ekelfaktor beim Entsorgen der Maus kann man folgendermaßen entgegenwirken: Man schneide eine Karstadttüte normaler Größe (die, wo die Schlaufen integriert und nicht appliziert sind) entzwei, lege sie auf den Küchenboden. Man stelle die Falle mittig darauf. Ist die Falle zugeschnappt falte man die Tüte über Falle und Leiche zusammen und entsorge so beide hygienisch. Nichtsdestotrotz warte ich, bis die Maus kalt ist, aber das ist Geschmackssache.
– Fallen positioniere man entlag der Zimmerwand, da Mäuse ungern Flächen überqueren und sich lieber an Wänden entlang bewegen.
– MAN ENTFERNE ALLE UNVERPACKTEN LEBENSMITTEL AUS REGALEN UND SCHRÄNKEN. Neu angeschaffte Lebensmittel platziere man im Kühlschrank.
– Wie bei einer Erkältung, muss man auch bei einer Mäuseplage Geduld aufbringen. Mäuse sind versiert darin, den Köder zu verspeisen, ohne die Schnappmechanismen auszulösen. Ist ein Mäusehobbie. So war auch in der heutigen Nacht eine Maus schlauer als die Falle effektiv. Nutella weg, Maus glücklich. Die Schlacht geht weiter.

Um noch einmal auf Louis den 17. zurück zu kommen. Anstelle ihn wie Marie Antoinette und Louis den 16. in der Mülltonne zu entsorgen, habe ich mir erlaubt, ihn an den Ort seiner Kindheit zurück zu führen. Ich hab ihn auf das Baugerüst vorm Nachbarhaus geschmissen. Bitte nicht weitersagen.