Archiv der Kategorie: Dann sind sie Helden

THANK YOU FOR THE MUSIC

Abba Scheiße zu finden gehörte irgendwann dazu. Verschämt habe ich die „Super Trouper“ der Plattensammlung meiner Schwester untergeschummelt, als ich Blondie, Kate Bush und Nina Hagen für mich entdeckt hatte. Auf Texte hatte ich damals nicht geachtet, dazu war die Musik zu fluffig. Wer Fernando war, und ob er nur Glocken oder Trommeln hörte – das interessierte mich nicht. Ganz daneben auch Lieder wie „Waterloo“ oder „Honey honey“, sowas hörte meine Tante, die damals auch die entsetzliche Afro-Mode mitgemacht hatte, schön blöd. Weiße Frauen mit schwarzen Haaren. Man möchte gar nicht wagen, zu deuten, aber ich schweife ab. Nach Blondie und neben Kate kamen dann Bauhaus dazu, Bowie wurde entdeckt (aber die 70ies Sachen) und der ganze Düsterkram und hysterische Frauen wie Siouxsie und Toyah. Abba? Bitte??!

Und dann, wie jeder nicht unattraktive Westflüchtling Ende der Achtziger arbeitete ich bei H&M, hatte ich eine kleine Kollegin, ganz reizendes Mädchen, wunderschön, und die versorge unseren H&M-Store musikalisch mit ihrer Abba-Lieblingslieder-CD, die damals noch eine Cassette war. Das war Retro, das war witzig und es machte nicht nur uns, sondern auch den Kunden Spaß. Abba war plötzlich cool. Man musste sich die schlecht gestylten Sängerinnen nur wegdenken (ich persönlich fand Frida immer sehr geil, zumindest mit roten Haaren, und fand Agnetha ganz unangenehm, weil die auch immer den Eindruck vermittete, Frida dürfe nur aus Mitleid mitsingen. Die beide Kerle waren völlig indiskutabel, und Frauen, die sich sowas als Partner aussuchten, mussten ja wohl einen an der Waffel haben.)

Aber das war die H&M-Phase, danach wurde die Musik wieder etwas anspruchsoller. Bis ich irgendwann das erste Mal Karaoke machte und – ich weiß nicht mehr genau – vermutlich war es „Dancing Queen“, möglicherweise auch „Knowing me knowing you“, jedenfalls sah ich die Texte vor mir auf der Karaoke-Leinwand, stellte fest dass ich keinen wirklich auswendig konnte, weil sie durchaus komplex waren, wie das meist ist, wenn Fremdsprachler Texte in Englisch verfassen. Abba und Björk – eigentümliche Wortwahl. Wo sonst gebe es „a bashful child“ (in der Soundtrack-Fassung haben sie aus dem „bashful“ ein „curious“ child gemacht.) Oder betrachten Sie den gestrig hier platzierten Clip an, bzw, besser noch – hören Sie sich das Lied an. Es ist fantastisch (und Frida ist in ihrer besten Haarphase!!)

Jetzt höre ich seit einer Woche den Mamma-Mia-Soundtrack rauf und runter. Ja, auch ein paar der hundsblöden Lieder haben es drauf geschafft, aber es stimmt, was Meryl Streep sagt – wenn es Dir richtig Scheiße geht, dann sing „Dancing Queen“, danach KANN es Dir nicht mehr so schlecht gehen. Aber noch viel schöner als „Dancing queen“ finde ich das folgende Stück, auch hier ist der Text beachtlich modern und intelligent.


(Notice the fur! Waahnsinn!)

Ein bisschen albern; von der Choreografie zehren French and Saunders noch heute, aber vom Text immer wieder schön:

Und außerdem haben die einen Stein im Brett, weil sie für ein TV-Special Kate Bush in all ihrer weirdness eingeladen haben, das zeigt wahre Größe. Im obigen Clip hat Frida ihre Frisur imitiert, aber dafür sieht Agnetha ausnahmsweise mal ganz gut aus.

So Blogger – betrachtet das als Stock und erzählt Eure Abba-Erlebnisse!

Fußnote: Zum Abschluss meiner Karriere in der Musikindustrie bekam ich ein Geschenk mit einer Karte. Die ich las und weinen musste. Darauf stand nur „Thank you for the music“ und der Name der Sängerin, für die ich gearbeitet hatte.

DIE GROSSEN WEISSEN VÖGELN*

So der Titel meiner voraussichtlich 2015 erscheinenden Autobiografie, in der ich aus dem breiten Spektrum meiner schillernden Erfahrungen zwischen Pornofilm und Liebeslied berichten werde! Schonungslos! In Farbe und mit Glitzerstaub! Voll frontal!!!

* Ja, sorry. Ist für Chanson-Insider. Kann man ja auch mal machen.

SUPERGLÄMME DIALOGE

„Meinst Du wirklich ich soll da anrufen?“
„Klar. Oben anfangen. Nach unten kann man sich immer noch orientieren.“
„Wer hat das gesagt?“
„Du. Als wir die Filmrechte an Eichinger verkauft haben.“

THANK YOU FOR THE MUSIC

Schauspielerinnen, die singen. Wer sich länger als eine Stunde in der Mansion aufhält, während der Ipod auf shuffle läuft, wird die eine oder andere bizarre musikalische Begegnung gemacht haben. Tallulah Bankhead, Bette Davis, Shirley MacLaine, Goldie Hawn, Glenn Glose, Gloria Swanson, Nastassja Kinski. Sogar Julia Roberts hat´s getan. Singen, obwohl man´s eigentlich nicht kann. Die denkwürdigste Schallplattenaufnahme in meinem Besitz dürfte selbst auf Florence Foster Jenkins als minimal atonal wirken. Gleichzeitig ist es eine meiner liebsten Platten und auch die meines Ipods: „Miss Bette Davis sings“. Die meisten der wenigen Zuhörer, die diese Aufnahme hatte, fanden sie – grotesk. Was auch zutreffen mag. Aber ich finde sie bewegend. Da wagt sich eine alte Frau mit kaputter Stimme an eines der schönsten Lieder aller Zeiten. (Notice how she removes the Hustenbonbon before she starts lipsynching. Then be a little shocked, then go on watching and then see what I mean when I say it moves me.)
Schauspielerinnen, die singen, orientieren sich lediglich an der musikalischen Grammatik der Noten. Was sie mit Stimme nicht erreichen können, das erzeugen sie mit ihrer Schauspielkunst. Das finde ich viel musikalischer, denn nur so kann man sich ein Lied zu eigen machen, was auch alle großen Größen des Entertainments wussten. Nur so haucht man einer Komposition Leben ein. Sind die Stimmen von Judy G. und Ethel M. schön? Sie sind eindrucksvoll. Großartige Sängerinnen bewohnen ihre Lieder wie einen Filmset oder eine Bühne. Sie stellen sich nicht einfach eitel hin und reproduzieren ein Lied, das Andrew Lloyd Webber für sie konstruiert hat, so dass es in jedem Land, in jeder Inszenierung identisch klingt. Sie füllen es mit Drama, Persönlichkeit, Echtheit. Sowas lernt man nicht, an der Musicalschule.

Nun gibt es eine Schauspielerin, die ich nicht sehr schätze, weil man sie immer als großartiger als Jessica Lange bezeichnet. Was ja gar nicht geht. Es gibt jedenfalls einen Film mit dieser Schauspielerin, in dem sie singt. Und der zählt zu meinen Lieblingsfilmen. Es geht um Sex, Drogen und Mütter, und der damals noch junge Dennis Quaid zeigt sein Sixpack.

In diesem Sommer, da wird diese Schauspielerin wieder singend sehen zu sein. Und als ich den folgenden Trailer sah, in all seiner cheesiness, da begannen meine Füße zu wippen und meine Mundwinkel schauten zu den Augenbrauen hoch und mein Herz schlug im Takt.

Wer kommt mit?

P.S.: Ich wünsche mir ein Country-Album von Jodie Foster.

A GLAM EVENING WITH JULIA, RUPERT, BRAD AND ONE HOT DOG

Ich verstehe nicht, dass „My best Friend´s Wedding“ immer als Komödie beschrieben wird. Ich muss jedenfalls immer weinen, wenn ich ihn sehe. Mir tut Julia die ganze Zeit Leid, so in einem empathischen Sinn. Ich fühle mit. Wie sie sich anstrengt, ein liebenswerter Mensch zu werden, und dabei über Leichen geht. Und überhaupt – Julia. Sie ist echt. Bei ihr wirkt kein Gefühl gespielt. Als der Film erschien hieß es, Cameron Diaz spiele Julia an die Wand. Völliger Quatsch. Cameron macht ihren Job als Komödiantin ganz wunderbar, aber Julia ist die Schauspielerin. Der Star. Man muss sich nur die „I say a little Prayer“-Szene anschauen, in der sie fast ausschließlich reagiert und in der man in ihrem Gesicht ALLES lesen kan. In der Catfight-Szene im Stadium ist Cameron ihr fast ebenbürtig, aber wer, glauben Sie hat größere Chancen (noch einmal) einen Oscar zu bekommen?

Ich war überrascht, wie gut der Film 11 Jahre nach Erscheinen noch funktioniert. Mal abgesehen von den schokoladentafelgroßen Handies, mit denen telefoniert wird, der Tatsache, dass JulIa Roberts raucht – und zwar INDOORS – und von Cameron Diaz´ Haaren, die gingen damals nicht und die sind auch heute noch scheußlich anzusehen. Und weil ich gerade so in Julia-Laune war, und wie das eigentlich immer ist, wenn ich einen Film mit ihr gesehen habe, schaute ich mir gleich noch einen zweiten an. „The Mexican“ geht heute noch besser als damals, und zeigt neben sweeet Julia auch noch Brad Pitt in einer seiner charmantesten Rollen. Er funkelt. Eigentlich schade, dass der Großteil der Rollen, die er danach gespielt hat, furztrocken war. Ich werde nur immer sauer, wenn das mit ihrem Entführer passiert, was der Drehbuchautor sich so ausgedacht hatte. Aber dann kann man ja einfach kurz vorher ausschalten. Noch etwas – in letzter Zeit fallen mir immer herausragend besetzte Hunde auf. In dem schrecklichen „Illuminated“-Film zuletzt und dann eben wieder gestern im „Mexican“. Watch „The Mexican“, nicht zuletzt wegen einer Oscar-performance by a dog in a supporting role. Kein Klassiker, aber ein kleiner Edelstein, natürlich vor allem wegen der wagemutigen Paarung der beiden größten romantischen Helden ihrer Zeit.*

* Wobei mir auffällt, dass Angelina, auch wenn ich sie mag, mich kalt lässt. Glamour ohne Seele. Brangelina mögen sparkeln, aber nicht im Film sondern in der Yellow Press.

Nachtrag: DAS muss man Cameron allerdings lassen. Dazzling vocal style…..

PEGASUS 2008

„It happens quickly: the harness pulls taut, the horse´s feet are off the ground, and he´s rising out of the hole. He´s free and he´s flying. Everyone cheers. Richard bursts into tears. Will he cry every day now? And is this something to be concerned about? Lucky is flying. The sight of a horse hovering overhead, a horse in a sling, tethered to a helicopter, is something you´d never imagine.“

A.M. Homes: „This book will save your life“

Beautifully absurd and absurdly beautiful. A must read.