Archiv der Kategorie: Dann sind sie Helden

WHAT THE GLAM NEEDS NOW: ANDERTHALB STUNDEN SOMMER

Weiß nicht, wann ich das letzte Mal einen Film gesehen habe, der so — leicht ist, so — fluffy. Der einem das Gefühl gibt, selber gerade einen Spaziergang durch die Hampstead Heath unternommen zu haben; die Sonne schien und Hormone und Pheromone lagen knisternd und kichernd in der Luft. Es gibt sie wirklich – diese Plätze in der Natur, die purer Sex sind. Und selten hat jemand so einem Platz ein würdiges Denkmal gesetzt. (Thomas Hardy in „Tess“, wo er einen Garten so beschreibt, dass einem fast das Sperma steigt.) Doch ist „Scenes of a sexual Nature“ alles andere als pornös oder schmuddelig, sondern ehrlich, sexy und authentisch – ein sinnlicher Mittsommertagstraum.

So schön wie der Film selbst ist auch seine Entstehungsgeschichte. Independanter als Indie! Also auch die Special Features anschauen. Dieses Juwel erhalten Sie hier für ein Äpfelchen und ein Ei.

CELEBRITY SUNSET MATCH

John Barrowman, Darling Captain Jack Harkness from „Torchwood“. Neben seiner Hauptrolle in „Torchwood“ und einer Obsession, seinen Penis auszupacken und ihn fremden Menschen zu zeigen, ist John B. auch ein versierter Sänger, der sichtlich Spaß bei der Sache hat. Mit ein bisschen Gewicht an den Händen könnte es fast eine gute Performance werden. Schauspielerisch besser, aber gesanglich – na ja – hören Sie selbst.

Ja. Der sexiest man alive singt auch. Richtich mit Knödeln und allem Zick und Zack. Die Armarbeit isrt deutlich besser. Und während man bei Captain Jack die ganze Zeit die Lust am Singen sieht, findet Hugh Jackman besser in die Rolle des zynischen Joe Gillis. Mit nach Hause nehmen würde ich trotzdem beide. Na ja, wenn ich wählen müsste, dann doch Hugh. Weil der ja auch die Nummer von Nicole haben wird, denk ich mal.

THIS GLAM´S IN LOVE oder FREEDOM, BEAUTY, TRUTH, LOVE AND JOY

In „Velvet Goldmine“ ist er mir beim ersten Anschauen irgendwie nicht so richtig aufgefallen, damals verknallte mich stattdessen in Jonathan Rhys Meyers, auch keine schlechte Wahl. In „A Life less ordinary“, wo er Cameron Diaz entführt und die ihm erstmal zeigt, wie man das richtig anstellt, fand ich ihn süß, aber umgehauen hat er mich auch nicht. Aber dann kam „Moulin Rouge“, wo Ewan McGregor leuchtete und schien und in gewisser Weise Wärme und Lebensfreude abstrahlte, die sich den Weg in mein Herz bahnte.

Er hat dieses Lächeln, das eigentlich ein Grinsen ist, eine Verschwörung – mit ihm möchte man über Dächer tanzen, weil man weiß, es wird SPASS machen.
Ebenso großartig mit einer Jungenseele ausgestattet stapft er frohen Mutes durch den großartigen „Big Fish“ von Tim Burton, der nicht nur Elefanten und Riesen hat, sondern auch Jessica Lange, siamesische Zwilinge und einen zu Tränen rührenden Albert Finney.

Sogar „Down with Love“ habe ich mir angeschaut, trotz Renee Zellweger. In der Rolle des Catcher Block setzt er Rock Hudson ein würdiges Denkmal – mit einer Eleganz und Verschmitztheit, die Hudson nie besaß. Trotzdem wäre mir bis dahin nicht aufgefallen dass Ewan McGregor mein Lieblingsschauspieler ist. Das geschah erst in den vergangenen Wochen, als ich mit meinem Vater zusammen „The Long Way Round“ ansah.

Hier spielt Ewan McGregor Ewan McGregor und das ist die Rolle, die mir am Besten von allen gefällt. Er IST jemand, der Spaß am Leben hat, mit einem wunderbaren Humor gesegnet ist und mal eben mit seinem Kumpel die Welt auf dem Motorrad umrundet. Und selbst jemand wie ich, der kein besonderes Interesse an Motorrädern oder beispielsweise der Mongolei hat, ist beeindruckt, gecharmt und angefixt. Bei aller Hochachtung vor Johnny Depp, Ewan is my main man! Und die Freude, sich alle Filme noch einmal anschauen zu können, so frisch verliebt!

PARKPLATZPATRIOTISMUS oder WÄHREND SIE WEG WAR

out

Der in die Jahre gekommenen Vorstadtschönheit entgleitet es. Sie kriegt das nicht mehr so recht hin mit dem Haushalt. Spielzeug, die Sachen der Kinder – alles bleibt liegen oder fliegt durch die Gegend. Wenn ihr Mann nach Hause kommt, muss er erst einmal ein Machtwort sprechen oder mit der Faust ein Loch in die Rigipswand hauen. Della geht es nicht gut, das wird auch deutlich, wenn sie beinahe die Fassung verliert, auf der Suche nach einem Parkplatz , einen Tag vor Heligabend; durch die weihnachtlich übervölkerte Shopping Mall läuft, sich zwischen den Menschen verliert. Miss Monroe, eine alte Schulfreundin trifft, die es zu etwas gebracht hat, erleben muss, dass ihre Kreditarte gesperrt worden ist, oder – die ultimative Demütigung – beim Starbucks ihren Namen buchstabiert und die Schlampe von Kassiererin schreibt ihn dann doch falsch auf den Pappbecher.

Und als sie dann an dem Wagen vorbeikommt, an den sie zuvor einen bösen kleinen Zettel geklemmt hatte: „Jerk, 2 parking spaces? How selfish can you be?“, da kippt ihr der Boden unter dem Tag weg. Die Jungs, die zu dem Wagen gehören, sind nämlich nicht amüsiert. Einen Wachmann, der ihr zur Hilfe kommt, ereilt ein heftiges Schicksal und somit befindet sich Della jetzt auf der Flucht vor den vier postpubertären Kerlen, die ein schlechterer Drehbuchautor zu Meth-Heads gemacht hätte.

Die Brutalität, die sich jetzt entfaltet, mag an den brutal genialen „Eden Lake“ erinnern, aber auch nur erinnern. Denn wie diese schöne Frau durch den nassen Winterwald flüchet, ausgestattet mit einem flimsy Trenchcoat und einem Werkzeugkasten, das hat mythische Bezüge und wirkt zeitloser als in Eden Lake, der durchweg kontemporär wirkt, was den Großteil seines Schreckens ausmacht. „While she was out“ setzt den Terror der Vorstadt auf ein alptraumig märchenhaftes Level. Dellas blondes Haar leuchtet in der Dunkelheit, und ihr Werkzeugkoffer ist rotkäppchenrot. „While she was out“ bezeichnet auch den Zustand, in dem sich das finale Finale des Films abspielt, das zunächst überzogen und aufgesetzt wirkt, letztlich aber, völlig korrekt, den Zirkelschluss der Exkursion dieser amerikanischen Lucy Jordan liefert.

Lukas Haas Lukas Haas Lukas Haas. Einer der wenigen Kinderschauspieler, der auch als Erwachsener noch fasziniert. Heirate mich! Kim Basinger Kim Basinger Kim Basinger. Vor 20 Jahren hätte niemand geglaubt, wie lange Du es aushalten wirst. Und gerade erst jetzt, ca. seit „Cellular“ und „Door in the Floor“, bist Du richtig gut und wahrlich schön. Dass „While she was out“ in den Staaten ein schlimmeres Schicksal ereilte als straight to DVD – nämlich „startet nur in Texas“, ist bedauerlich, aber auch nachvollziehbar. Der Film ist in seinen Farben zu dänisch und in seiner Moral zu unamerikanisch. Dabei setzt er dem Kampf gegen den Terror ein Denkmal und verkündet auf eine bizarre Art und Weise auch das Ende der Ära Bush. In England soeben auf DVD erschienen und Sie wissen ja, dass wir die englische Wirtschaft ankurbeln müssen, ich kann das schließlich nicht eigenhändig bewerkstelligen. Und ich würde ja gerne den Trailer präsentieren aber irgend ein Vollidiot hat da einen massiven Spoiler reingeschnitten.

WEGEN WIRTSCHAFTSKRISE UND SO

„Tach´chen. Kurzstrecke nach – ach wissense, schaltense man auf normal. Is ja Neujahr.“

(…)

„Stimmt so, Danke.“
„Nein, nehmen Sie zurück. Sie waren so faire Fahrgäste, da nehm ich kein Trinkgeld.“

Und um 15 Uhr aufgewacht, so Telefon Butterfiel 8-mäßig mit Waschbärenaugen und keinem Whiskey da für zum Zähneputzen. Dann á la Baby Jane ein Pfund Makeup auf die ungewaschenen Gesichtsreste geschmiert und Zigaretten eingekauft. Derweil in Frankfurt am Main das Skailight schon ein Beauty-Programm in einer Badewanne voller Cosmo mit Sekt Red Bull absolviert. Seit er bei Sonya Kraus gesehen hat, dass man Alkohol auch über die Haut aufnehmen kann, findet er auch immer neue Wege und Möglichkeiten, Schmuck zu tragen. I love my friends.

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WERE THE YEAR MINE oder PUCK YOU!

„We fairies that do run from the presence of the sun, we follow darkness like a dream.“

Der Herr Caliban aus München veröffentlichte vor einiger Zeit einen Clip, der meine Aufmerksamkeit erregte.

Es dauerte ungefähr so lang wie dreimal mit den Hacken klacken, da hatte ich mir auch schon den Soundtrack besorgt, denn der Film läuft bislang nur auf Festivals, wo er soviele Preise absahnt, dass man vermutlich schon einen eigenen Trophäen-Truck anschaffen musste. Statt eines Jahresrückblicks mache ich einen Jahresvorblick. Denn meine Lieblings-CD wird auch in den nächsten Monaten „Were the World mine“ bleiben, auch ungeachtet der Tatsache, dass sich Darling Rufus Wainwright in Kürze Shakespeare annehmen und unter der Regie von Robert Wilson gemeinsam mit Darling Georgette Dee und einigen anderen Kumpanen auf die Bretter des Berliner Ensembles zaubern wird.
„Were the World mine“ gelingt es, Shakespeares Worte in einen aktuellen Bezug zu setzen und sie in ein Tongewand zu kleiden, das bewegt, amüsiert und auf der Klaviatur meiner Gefühle herumspielt.

Ich wünsche mir und Ihnen für das Jahr 2009 Imagination und Zauber. Etwas mehr Glanz als eigentlich notwendig. Mut und Leidenschaft und Mut zur Leidenschaft. Belohnungen. Jede Menge Feelgood, ein bisschen Bidgood und eine Prise Pierre & Gilles. And most of all, when snowflakes fall – I wish you Love. (Und ganz doll wünsche ich mir auch, dass Pro Fun Media schnellstmöglich die „Were the world mine“-DVD herausbringt!)

GLAM LIEBT JESSICA LANGE

In der kalten unbeweglichen Zeit zwischen den Jahren, wenn Blogger irgendwo festfrieren oder mit ihren Fingern andere Spielchen treiben als das heitere Anklickern von kästchenförmigen Buchstaben, da begab es sich, dass ein Knoten sich auflöste. Der Jessica-Lange-Knoten. Gestern morgen, dank Skailight in der Post:

Dann, als ich in der Drogerie eigentlich nur Schimmelentferner kaufen wollte (wo die letzte Mitbewohnerin ihre Bade-Utensilien dekoriert hatte hinterließ sie ein schwarzes Relikt), fand ich die „Blue Sky“-DVD für nen 5er. Und, später, nachdem ich Monate lang IMDB und Youtube mit der Sucheingabe „Grey Gardens Jessica Trailer“ genervt hatte (die Buchstaben auf meiner Tastatur sind schon ganz abgenutzt) entdeckte ich den bedauerlicherweise jetzt schon wieder gesperrten Trailer, den ich gestern postete.

Jessica ist und bleibt für mich die Größte. In einer einzigen Einstellung im Grey-Gardens-Clip, einem Zwinkern durch die dicken Prothesen, die ihr Gesicht in Big Edie verwandeln, lag schon wieder mehr Seele, als in allen Filmen Cate Blanchetts.

„Bonneville“ ist ein kleiner Film, kein besonders großartiger. Er ist leise, bedächtig, unaufgeregt. Fast ein wenig zu wenig. Der Regisseur hat definitiv einige Chancen vertan, die er mit der herausragenden Besetzung (neben Jessica Kathy Bates und Joan Allen) gehabt hätte. Außerdem begeht er die Kardinalssünde, seine Hauptdarstellerin unvorteilhaft zu beleuchten, was, einigern abenteuerlichen Gesichtsoperationen geschuldet, einen Profi verlangt. Es hat mich ein bisschen geschmerzt, Jessica so zu sehen. Andererseits wird sie nächstes Jahr 60. Und ich sehe auch nicht mehr aus wie 30. Ist halt so. Den Großteil ihrer handverlesenen Filme hat sie nach ihrem 40. Lebensjahr gedreht und darin finden sich Perlen wie „Cousin Bette“, „A thousand Acres“, „Big Fish“ und „Don´t come knocking“. Oder die HBO-Produktion „Normal“, in der sie die bibelfeste Gattin eines Mannes spielt, der mit Mitte 50 befindet, dass er im falschen Körper geboren ist und eine Geschlechtsumwandlung braucht.

Jessica hat nie Blockbuster-Filme ausgewählt (außer wenn sie Geld brauchte, so erkläre ich mir „Rob Roy“), sich weniger am Drehbuch als an den Möglichkeiten orientiert, die eine Rolle ihr bietet. Bei jedem neuen Jessica Lange-Projekt, das auf IMDB angekündigt wird, bekomme ich freudiges Herzflattern. Und ich bin jetzt schon sicher, dass sie nun, nach zwei Oscars, für „Grey Gardens“ auch einen Emmy heimholen wird. Ein Zwinkern genügt. Ich bin zuversichtlich, dass es noch viele spannende, bewegende Filme mit ihr in der Hauptrolle geben wird. Da können Sie mal sehen, wie treu ich bin. Seit 1982 geht das nun schon.

(Ich warte immer noch auf einen Jessica-Artikel bei der wunderbaren Kim Morgan auf Sunset Gun.)