Archiv der Kategorie: Dann sind sie Helden
JELLO! (Not Jlow!)
Alles was in diesem (Sophie Muller-directed) Clip noch fehlt sind Kate, Bertie und eine Ukulele. Aber ist so auch schon hinreißend schön. Sophie kann´s noch. Und Sade erst recht.
„REDE MIT MIR, DAMIT ICH DICH SEHE“*
Eine mögliche Zusammenarbeit, bei der ich mich frage, warum ich nicht früher darauf gekommen bin. Je länger ich darüber nachdenke, desto noch wohler fühle ich mich bei dem Gedanken, aus meiner geparkten Tätigeit aufzubrechen und mich wieder in die Arena zu begeben. Und dass dies ohne große Sorge geschen kann, möglicherweise, hat maßgeblich mit der Dame zu tun, um deren Projekt es geht. I am intrigued.
Als ich die Münchner Telefonnummer auf dem Display sehe, denke ich, dass es sich um meine wunderbare zukünftige Mitbewohnerin handelt, die ab morgen für ein paar Monate hier logieren wird, um für einen Dokumentarfilm zu recherchieren. Die ich unter anderem deshalb so absolut wunderbar und Glam-WG-tauglich befand, weil vieles an ihr mich an die oben erwähnte Dame erinnert. Parallelen in der seelischen Energie. Aber dann ist es jemand ganz anderes am Telefon, eine Dame in einem Verlag, den ich sehr schätze, Renommé GALORE, und die mich informiert, dass sie meinen Schauerroman schaurig schön findet, aber einen kleinen Änderungswunsch hätte. Das Herz sinkt, dann nennt sie den Vorschlag, ich überlege –
„Das hat Ihnen doch sicher das Herz gebrochen, oder?!“ fragt meine Agentin eine halbe Stunde später.
„Nein“, sage ich, „denn sie hat Recht. Und zu sagen, dass die Geschichte stark genug ist, um auf diesen einen Effekt zu verzichten, war der beste Weg mir klar zu machen, dass sie recht hat.“ Diese Seite heißt ja auch nicht Overglamourdick.
„Herr Dick, ich freue mich so für Sie – Glückwunsch!“
„Noch nicht, Frau Agentin, ich muss doch erst einmal ändern und dann schauen ob die Änderungen funktionieren – aber DANKE, denn ohne Sie wäre es nie dazu gekommen.“
Und so ist es. She did a hell of a job. (Und übrigens alles unter bürgerlichem Namen, ganz jenseits von Lit.Blog-Hype und Glamourdick-exposure.)
Und weil es ja immer in drei Akten geschieht (dies waren schon 4 eigentlich) – im Film so in 90 Minuten – bei mir hat´s einen ganzen Tag gebraucht, komm ich von der Arbeit nach Haus und finde in meinem Briefkasten, das sind die kleinen Metallkästen mit Namensaufschriften, die in Hausfluren hängen, wo Sie sich immer schon gefragt haben – Was IST Das?? – fand sich ein Brief von Frau T. Und sie schreibt wie sie lehrte – elegant, edel, und mit Charme, Tiefe und Verbindlichkeit. Und mit Freude, von mir gehört zu haben. Das ist der krönendste Moment an diesem Tag, dass sich über diese lange lange Zeit ein Verständnis plötzlich wieder herstellt, dass diese Lady, die sie war und ist, sich noch genau so an mich erinnert, wie ich mich an sie. „In alter Verbundenheit grüßt sie herzlich S.T.“ Ein Treffen in diesem Sommer. Spätestens.
Ich komm mit dem Akte-zählen nicht hinterher. Aber bei mir läuft es eben nicht immer so sortiert. Also – the Bomec has landend und es ist eine Freude, ihn als neuen Nachbarn zu haben. Bomec-Baby, good you´re back und Happy Birthday!!
* Sokrates, aus dem Brief von Frau T.
COLDHEART CANYON, revisited again
Es gibt in meinem Erwachsenenleben (dessen Anfang ich mit dem 30. Lebensjahr beziffern würde) nicht eine Handvoll Bücher, die ich mehr als zwei mal gelesen habe. Und dies wird kein Beitrag über Coupland, denn in meiner Lebenssituation „Eleanor Rigby“ zum fünften Mal zu lesen wäre Selbstmord. Also hatte ich mir vor ein paar Tagen das andere Buch wieder vorgenommen, das alles hat, was ich jetzt wirklich brauche. Eskapismus, Sex, Horror, Geschichten von Liebe – der falschen, der richtigen, der unpassenden, Hollywood-Babylon galore, Navarro, Fairbanks, Gore, Hardcore. Glamour. Nein, GLAMOUR. Und lese vor mich hin, gechillt und gethrillt, während draußen der Mailärm lauter wird, die Sirenen quengeln, in Ferne dumme Arschlöcher skandieren, lese und dann kommt das Finale und dann geht es weiter, und ich hatte komplett vergessen, wie Clive Barker die Geschichte weiter erzählt, wie nach dem ganzen Scaren, Clashen und Bashen auf einmal eine Zärtlichkeit in die Story gezaubert wird, wie er einen zum Weinen bringt, dann zum Lachen (gespenstischer Protagonist mit Erektion), während die Tränen noch laufen , dann wieder zum Weinen, wie er einen aus dem MGM-Musical von Hieronymus Bosch hinauserlöst und emporträgt. „Coldheart Canyon“ ist Trash, auf dem glamsten, hollywoodgöttlichsten effektivsten Niveau. Bei all dem Splatter und Gore, Monstren, Mythen, Mutationen indeed – eine Heimat, ich möchte einziehen. Coldheart Canyon ist mein Manderley-Tara-Brokeback Mountain. I tell you. Coldheart Canyon. Go there. (But you got to be Glam, if you dare.)
SANDY DARF DAS!

(Anders als bei Madonna ist das ein glaubwürdiger Kinderwunsch, dem stattgegeben wurde. I can´t believe the wave this girl is riding. Purrrrrrfection.)
TIK TOK TIK TOK TIK TOK
GLAM HOLT NACH: „SULLIVAN´S TRAVELS“

Weshalb ich die „Vanity Fair“ immer noch abonniert habe* – u.a. weil sie Geschichten bringt wie in der aktuellen Ausgabe über den Regisseur Preston Sturges, der in den 40ern ein halbes Dutzend Filme in Folge geschrieben und dirigiert hat, dann irgendwie weg vom Fenster war und auch nie wieder in die Nähe eines Fensters kam. Ein Magazin, das auch mal nach hinten schaut, nicht immer nur nach vorn, sehr sehr rar, sehr sehr löblich. Der Artikel jedenfalls machte neugierig auf diese Filme, Preston Sturges bislang eine weißer Fleck auf meiner Filmlandkarte, lediglich der eine Titel „Palm Beach Story“ klingt vertraut. Amazon.co.uk arbeitet mal wieder Hand in Hand und drei Tage nach Lektüre des VF-Artikels bin ich im Besitz der sieben Filme umfassenden Preston Sturges DVD-Sammlung. Wo anfangen? Entscheidung leicht: „Sullivan´s Travels“, da spielt Joel McCrea die Hauptrolle, der ist megasexy, und an seiner Seite eine der Schönsten überhaupt, die glasklare Veronica Lake. Alles, was im VF über diesen Film steht, stimmt. Der Film hat ein paar überzogen inszenierte Slapstick-Szenen, aber die braucht er. Erzählt wird die Geschichte des Komödien-Regisseurs Sullivan, der zum Entsetzen seiner Produzenten beschließt, einen sozialkritischen Film über die Abgründe und Slums des Amerika der 40er Jahre zu drehen. Um das Projekt realistisch zu gestalten beschließt er, sich als Hobo verkleidet unter die Ärmsten der Armen zu mischen und ein bisschen übel riechende Unterschichts-Luft zu schnuppern. The travels begin. Nach seiner ersten Nacht landet er hungrig und abgebrannt in einem Diner, wo ein goldschimmerndes Hollywood-Starlet deluxe ihr Frühstück zu sich nimmt. Noch im Abendkleid von der Party am Vorabend, ein mit Brillianten geschmückter Panther in einem Spätkauf, beginnt ein Schlagbabtausch zwischen ihm und ihr, wie ich ihn selten in einem Hollywoodfilm gesehen habe.
Cooooole Säue. Selten einen Film gesehen, in dem so viel so schnell geredet wird, und es sind wahnwitzig geniale Dialoge, es macht große Freude diesen beiden Figuren zuzuschauen und zuzuhören, es ist auch ein bisschen too much, aber egal, das ist Versace auch und trotzdem ist viel Schönes dabei. Ich will nicht zuviel verraten über die weiteren Reisestationen von Sullivan (außer, dass es einen symphonischen Moment komplett ohne Dialog gibt – überhaupt ist der Film eigentlich eine Ballade in Strophen und mit Chor), nur soviel – ich freue mich auf die nächsten sechs Sturges-Filme und habe mich completely in Veronica und Joel verknallt. So gönne ich mir fürderhin pro Abend einen Film nach Möglichkeit mit Joel und als Double-Feature-Zweiten einen, in dem niemand mitspielt, den ich kenne. Wochenende kann kommen.
Das Box-Set kriegen Sie in England für knapp 20 Euro, in Deutschland kostest es 80. You know what to do.
Deadpan drop dead gorgeous:
* Aber noch eine Ausgabe, in der der Name Tiger Wodds fällt, und ich überleg es mir nochmal.
FUNNY DISTURBING FUNNY SEXY DISTURBING FUNNY SEXY
HAPPY BIRTHDAY MISS LANGE!
Ein Fundstück bei Sunset Gun.
SISTER, I´M KEEPIN MY EYES ON YOU
Mein erster und einziger Ausflug in die Arbeitswelt der Gastronomie war kurzlebig und nervenaufreibend. Er fand statt im neu eröffneten „Quartier“, dem vormaligen „Quartier Latin“, dem heutigen „Wintergarten-Variété“. Das einzig Gute an der Geschichte waren die enormen Trinkgelder und die Nähe zum Kumpelnest, wo wir alldienstabendlich das taten, wofür man Trinkgelder einmal erfunden hat: versaufen. Der Job an sich stresste mich so, dass ich von den Variété-Shows nur wenig mitbekam. Meine zukünftige Chefin Georgette beispielsweise, die dort eine Show moderierte, nahm ich überhaupt nicht war. Aber die Kleene mit der singenden Säge und dem zweiten Act, den sie herzzerbrechend hinreißend darbot: „Miss Celie´s Blues“.
Ein paar Jahre später war ich in einem neuen Theater angestellt, allerdings nicht in der Gastronomie, sondern an der Kasse. Den Job beherrschte ich viel besser, vielleicht wegen meiner Affinität zu Geld. Dort arbeiteten wir wie Zirkusmenschen in kleinen Wagons, der Spielbetrieb fand in einem schnuckeligen Spiegelzelt statt. Eines Tages kam ein Mädchen in den Kassenwagon, blass, ein bisschen verpickelt, sehr Berlinerisch und mit einem Underdog-Charisma, das mir so noch nie begegnet war. Eines Nachts stand dieses Mädchen auf der Bühne, in einem Abendkleid, vermutlich irgendeinem Schmuck im Haar, einer mit Glitzerpuder bestäubten Schulter-Tattoo. Und sang. Wir alle verliebten uns mit einem Paukenschlag. The Becker had landed.
Im Gegensatz zu meinem Job im „Quartier“, kam ich in meinen Jahren in der „Bar jeder Vernunft“ sehr sehr häufig in den Genuss, mir dort eine Show oder ein Stück anzuschauen. Der komische Parkplatz neben dem Gebäude der „Freien Volksbühne“ wurde eine Heimat, die Crew und die Künstler eine Familie. Nicht immer eine harmonische, oft sogar sehr psychotisch, aber nie langweilig. So in etwa wie das Werk dieses Mädchens Meret Becker. Ob als Gastgeberin des „Nacht-Salons“ (der manchmal erst mit Sonnenaufgang endete – es fand sich immer NOCH jemand, der auf die Bühne geholt wurde, gab immer MEHR Zugaben, es waren keine Shows mehr, sondern öffentliche Jam-Sessions des kreativen Undergrouds und der etablierten Berliner Theaterszene), in ihren Soloprogrammen oder der schwer zu beschreibenden Wunder-Show „Tabernac“, in der sie einen Drachen vom Zeltdach zum Publikum herabschweben ließ, Meret verbreitete Magie und Strasssternchen. Hinzu kam noch, dass sie Marilyn liebt wie ich, und dass es niemanden gab und gibt, der , wie sie, „Blue Moon“ so singt, dass mir die Tränen übers Gesicht laufen.
So sitze ich gestern sehr sehr neugierig in dem Saal, in dem ich sie zuallererst gesehen habe – mit „Miss Celie“ und singender Säge. Und als die Show startet erkenne ich ihren Stempel, erkenne das Mädchen von damals wieder, etwas skurriler, ihre Beiträge gewachsen an den Ausflügen ins Hyperbizarre Edward-Gorey-hafte, trotzdem kein Schlaghammer mit dem die hauptsächlich im Seniorenalter befindlichen Gäste (und ein atemberaubender Selbstgedrehte-rauchender bärtiger Heteromann) in die Sitze gehauen werden. Die kleene freche Knospe von vor 19 (OMG!) Jahren ist eine Blüte geworden, die in einer Aura wildester mitternachtsblauer Schmetterlinge glüht und duftet. Und singt.
Nach drei Jahren Nachtsalon hatte ich gedacht, wenn ich nie wieder einen Jongleur anschauen muss, dann ist das immer noch zu häufig. Und alte lustige Männer finde ich nach wie vor nicht lustig. Gestern waren zumindest die Jonglage-Nummern unterhaltsam. Die Akrobatik war so beeindruckend, dass mir der Mund aufstand. Remi Martin beispielsweise hätte sich einfach nur eine viertel Stunde auf die Bühne stellen können und alle hätten gesabbert – was er aber darüberhinaus-stattdessen an diesem Pfahl tut ist jedenfalls bombastisch.
Das Schönste an der Show – sie wird gehalten und getragen vom musikalischen Konzept von Merets Band „The Tiny Teeth“. Was eine Nummernrevue hätte sein können, wird so zum Ensemble-Piece, in dem jeder Act seinen verdienten Raum bekommt und aus den vielen Facetten ein wunderbar stimmiger Abend Vaudeville wird. Bisschen Jahrmarkt, bisschen Kuriositätenkabinett und vor allem janz doll Meret Becker. Absolut anschauenswert. Und – machen Sie´s wie ich, nehmen Sie Ihre Mutter mit, der wird´s auch gefallen.
Auffällig – manche Stars meinen, sich ständig neu definieren, kleiden, „erfinden“ zu müssen. Andere Stars hingegen werden im Verlauf ihrer Karriere immer mehr konsequent sie selbst. Sie wissen, welche ich für die Echten halte. OH! Und was ich völlig vergaß zu erwähnen – das Aas ist keinen Tag gealtert seitdem. Meret macht was entschieden richtig! Big Kiss!