Archiv der Kategorie: Dann sind sie Helden

DER (WIRKLICH) SCHÖNE LADEN

Vorm „Schönen Laden“ schau ich mir die Grußpostkarten an, weil die Mutter Dick am Sonntag Geburtstag hat. Die Inhaberin steht in der Tür und raucht.
„Ich schau mal, ob ich´s passend hab, dann musst Du nicht rein.“
„Ach, das ist doch kein Problem, aber weißt Du was – die schenk ich Dir.“ Und strahlt, und ich auch.

thank you

Ich kann mich an keinen Regen erinnern, den ich mehr begrüßt hätte als den heutigen. Die ganze Woche war ein öliges Schleichen zwischen Computern und Telefonen, der Höhepunkt des Tages das Sprengen der Terrasse (und der Flora und Fauna, die sich zu diesem Zeitpunkt dort aufhielt. Die Ameisen hatten jeden Abend eine Sonderaufführung „Titanic“.)
Das Arbeitszimmer hat immer noch knapp 30° und ich lass mich vom Durchzugs-Wind streicheln, während es draußen prasselt. Ach, schön!

LADY LIONHEART

Immer noch „Lionheart“. Gilt ja als ihre schwächste Platte. Manch eine würde sich ersehnen, so eine schwache Platte aufzunehmen. Mit 20. Eat that, Gaga. Drink that, Scissor Sisters. Schwächlinge. Ab in die Ecke. Ein Journalist hat sie mal gefragt, ob es Lieder gibt, für die sie sich im Nachhinein schäme. Lady, die sie ist hat sie geantwortet – Ja, aber sie könne nicht verraten welche, denn irgend jemandem bedeute das Lied vielleicht viel, und sie möchte dieses Gefühl nicht zerstören. (Ich tippe auf „Oh, England my Lionheart“ mit der schönen Zeile „The soldiers soften – the war is over“). Kate. Die einzige Celebrity, die ich wirklich gerne einmal treffen würde. Ich glaube, wir würden uns mögen. Die Vorstellung rückt immer weiter in den Bereich des Möglichen. The Hounds of Love are hunting. In Ashby Park.

(Sie hat mit 14 „The Man with the Child in his Eyes“ geschrieben. 5 Jahre später kamen dann „The Kick inside“ und „Lionheart“ heraus. Ich will mich nicht vergleichen. Das wäre vermessen. But I can relate.)

LIONHEART MANSION

Und noch während ich Staub wische und mir den Raum so anschaue, und während Kate Bushs zweite Platte läuft, stelle ich fest, dass meine Wohnung, insbesondere das Gästezimmer, eine gelungene Mischung aus „Grey Gardens“ und „Lionheart“ geworden ist. Vermutlich fühlen sich deshalb die Menschen hier so wohl.

lionheart

Get me that Leo man costume!

DONNE-MOI LA MAIN

donne-moi

Eine, wie üblich für europäische Wettbewerbsfilme der Zeroes, kleine, stark reduzierte Geschichte. Zwillingsbrüder, die sich auf den Weg zur Beerdigung ihrer Mutter machen. In diesem Satz ist schon mehr Emo-Content als man dem Film anmerkt. Ein französisches Roadmovie über die Begegnungen, die die Brüder (Alexandre und Victor Carril) auf ihrem Weg von Frankreich nach Spanien machen. Wäre unendlich langweilig, wenn da nicht die beiden Hauptdarsteller wären. Und die Filmbilder, die so satt und schön sind, dass man 80 Minuten lang die Augen darin waschen kann. Irgendwann beim Betrachten wird klar, dass es nicht wirklich die Geschichte von Zwillingsbrüdern ist, sondern dass die Zwillinge besetzt wurden, um die Geschichte eines Einzelnen, Zerrissenen zu versinnbildlichen. Macht neugierig auf den nächsten Film von Regisseur Pascal-Alex Vincent. Und ich hoffe, dass ein schlauer Franzose gerade ein nächstes Zwillings-Werk kreiert. Sonst mach ich das.