Archiv der Kategorie: Dann sind sie Helden

AND I? I´LL DRINK ALL THE TIME.

Sie ist auf Seite 120-something. Das heißt, den Arschfick auf Seite 34 hat sie schon hinter sich und weitergelesen. Pchuh. Es fühlt sich in etwa so an, als ob meine Mutter mein Buch lesen würde, stellen Sie sich das mal vor. Because she does.

Gestern Sybille Schmitz-Tag. Ich glaube, ich muss mal wieder nach München, nicht nur, aber auch, um ein paar Blumen auf ein Grab zu legen. Nach Sybille-Doku auf VHS ein langer Nachmittagsschlaf, der bis in den Abend ging, danach Kartoffelgratin ohne Chichi. Wein mit Roomie, was wieder in einem Song and Dance gipfelte, angefangen mit irgendwas aus Evita, dann Cher, You don´t own me, so dass man Bette Midler überhaupt nicht vermissen würde (No, I was the Goldie (Okay. I was the Diane.)), und unser mittlerweile immer runder und perfekter werdendes Elephant Love Medley. Apropos, neue Mitbewohner:

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Süß, oder*? Es hilft manchmal, wenn man das Leben kurzfristig zum Song-and-Dance umfunktioniert. Ich denke, David Bowie macht das bestimmt auch. Shirley MacLaine sollte häufiger. Nur Gaga hat da irgendwas missverstanden.

*Nicht nur süß, sondern auch glücksbringend. Rüssel hoch ist nämlich ein Glücksbringer, das muss man wissen. (Elefanten mit Rüssel-runter aussetzen oder Menschen schenken, die man nicht mag.)

BUZZ

„Das Buch liegt jetzt auch bei der Produktion XY, ich habe es denen auf der Messe vorgestellt und sie sind interessiert.“

Erst Tage später festgestellt, dass dies die zweite Produktionsfirma ist, die den Auslands-Oscar gewonnen hat und jetzt meinen Roman liest.

C.S.I. BERLIN

Telefon klingelt. Unbekannter Teilnehmer.
„Herr Dick, hier ist Frau N. Ich bearbeite Ihre Strafanzeige wegen Diebstahls. Ein Frage – würden Sie den Täter denn wiedererkennen?“
„Oh ja – das würde ich.“
„Na prima – dann senden ich Ihnen das Aktenzeichen zu und eine Vorladung und dann können Sie beim BKA Täterfotos anschauen und vielleicht ist er ja schon einmal straffällig geworden und Sie erkennen ihn wieder.“
„Na, das ist doch super!“
„Ist in der Zwischenzeit noch irgend etwas passiert – haben Sie den Täter vielleicht noch einmal gesehen?“
„Das habe ich leider nicht, und der Ipod ist nach wie vor weg.“
„Und Sie hatten den Ipod öffentlich herumliegen oder hat der Täter die Wohnung durchsucht?“
„Der lag auf diesem Ikea-Malm-Tisch neben dem Fernseher. Wir hatten am Abend noch Musik gehört.“
„Und dann war die Musik aus und der Mann weg?“
„Nein, beim Sex haben wir keine Musik gehört, das war vorher, bevor ich ausgegangen bin und den Kerl abgeschleppt habe, mit dem hab ich keine Musik gehört – dann hätte ich es ja gemerkt, wenn die plötzlich aus gewesen wäre. Ich sag Ihnen – ich mach nie wieder Sex ohne Musik, jedenfalls in der eigenen Wohnung.“
„Ist Ihnen sonst noch etwas eingefallen?“
„Nein, nichts. Aber es freut mich, dass sich jemand drum kümmert.“
„Aber Herr Dick, dafür sind wir ja da!“
„Mein Roomie hat ja gesagt ich soll ein Lied draus machen:

no sex without music
no love without song
when you have sex without music
when the guy´s left, your ipod, too,
willl be gone

Ist noch etwas holprig.“
„Aber kann ja noch werden.“

Jetzt bin ich aber mal gespannt auf die Verbrecherkartei!

DANKE, SPIEGEL

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Beim Brötchen und Zigaretten holen Tränen in den Augen vor Freude, als ich den Spiegel sehe. Wunderschönes Cover, wunderschöner Artikel, sehr gut recherchiert.

„Wie viel ärmer wäre die Welt, wenn eine Monroe sich beschieden hätte, wenn sie sich nicht aus Norma Jeane Dougherty in Marilyn Monroe verwandelt hätte. Unvorstellbar dieser Verlust.“

Danke.

IT´S A GLAMILY AFFAIR

Die W. ist im Krankenhaus, und weil man sie aus der Psychiatrie dorthin überwiesen hat, wird sie behandelt wie Dreck. Klappsen-Patienten werden nicht ernst genommen, die machen nur Stress. Da freut sich die Krankenschwester, wenn die Patientin die Augen zu hat, denn schlafend macht sie keinen Ärger. Selbst die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln wie Wasser wird ignoriert. Zwei Stunden dauert es, bis eine Flasche bereitgestellt wird, und dies auch nur weil der Besuch der Patientin drei mal nachhakt. Die böse L., die der W. Schwester ist, hat Jahrzehnte lang in diesem Krankenhaus gearbeitet. Und so geht sie und nimmt sich die Schwestern vor. Und die Pflegeleitung. Und die Chefärztin.
So kommt es, dass die Ärztin sich reuevoll entschuldigt für ihr Fehlverhalten. Die Schwestern ihren Job machen. Ich hasse die L., aber heute ziehe ich meinen Hut vor ihr. Und auch vor der W., die endlich ihr Problem erkannt hat, es ernst nimmt, und sich in die richtigen Hände begeben hat. I love you and my heart goes out to you.

GLAM GEHT INS TURMZIMMER oder RELEASE YOUR STARS

Circa 10 Jahre meines Lebens habe ich damit verbracht, dafür zu Sorgen, dass berühmte Menschen ungestört ihrer Berühmtheit nachgehen können und diese in Form von Produkten zu Kapital zu verarbeiten. In diesen Jahren hatte ich beschlossen, dass es mir genügen würde, reich zu werden, aber auch daraus ist nichts geworden. Kann aber noch. Berühmtheit hat mich von jeher interessiert, ich hatte mir einen Pantheon aus Hollywood-Größen fabriziert, der für mich besser funktionierte als Religion. Mit einem Videorekorder hatte man die Götter auch viel schneller parat, als wenn man jedes Mal in die Kirche hätte müssen.

Dass die Berühmtheiten, mit denen ich arbeitete, am Ende des Tages (oder besonders am Beginn) auch nur Menschen waren, stellte sich schnell heraus, dennoch hatten sie mit ihrer Kunst etwas, das mich faszinierte und nicht aufhört, mich zu faszinieren. Künstlerisches Schaffen löst Achtung und Wertschätzung in mir aus, Kreativität, Schöpfung sind hohe Ideale. Die Mischung aus Genius und Disziplin ist neben emotionaler Intelligenz vielleicht das Bewundernswerteste an sich, und emotionale Intelligenz, die slightly mysterious bruises beinhaltet, da fühle ich mich angekommen und aufgenommen und wohlbehalten.

Mein Rolle als Zuarbeiter machte all die Jahre durchaus Sinn, ich bin Zwilling, unser Gott ist Merkur, und als diese Lebensphase sich dem Ende näherte, reflektierte ich sie, um zu überprüfen, was ich als nächstes machen wollte. Und dann fiel mir Jeraldine Dvorak ein, die eines der Licht-Doubles von Greta Garbo gewesen war und eine der drei Bräute von Lugosi-Dracula, und ihr Schicksal berührte mich. Das Licht-Double, das im Schatten stand. Eine Hollywood-Arbeiterin, die Bruchstücke von Glamour abbekam, natürlich hatte ich einen starken Bezug zu dieser Person. Und ich wollte etwas für sie tun. Und für mich. Und da schrieb sich ein Roman wie von selbst.

In diesem Sommer hat meine Agentin einen Verlag gefunden, nicht nur irgendeinen, sondern DEN Verlag. Bis zur Veröffentlichung wird noch exakt ein Jahr vergehen, aber „anything worth having is worth waiting for“ wusste schon Marilyn. Lieber ist mir, das Buch in guten Händen zu wissen und ein Jahr zu warten, als bei einem minderwertigen Verlag sofort veröffentlicht zu werden.

Heute nachmittag geht die Hommage an Jeraldine in die nächste Runde. Mein exquisites Team und ich werden uns redlich Mühe geben, ihr ein würdiges Denkmal zu setzen, noch eins, im Grunde. Ich sag jetzt schon mal Danke. An Frankie, an Betsy und an die Bee. Und an Jeraldine. Und ich freu mich!