Archiv der Kategorie: Dann sind sie Helden

QUEEN OF DENMARK oder I FEEL JUST LIKE WINONA RYDER IN THAT MOVIE ABOUT VAMPIRES*

john_grant_queen

Wo Du erst so denkst, ja, sehr nett so im Hintergrund. Bis Du dann bei bestimmten Zeilen HINhörst, rewindest, nochmal hörst – lachst! Schluckst! Weinst. Und dann machst Du es wie früher, mit 14-20. Setzt dich aufs Bett und drehst die Musik auf. Und liest fasziniert die Texte mit. Das schönste Album seit ich-weiß-nicht-wann. Die Platte, für die die Scissor Sisters ihre Seele verkaufen würden, wenn sie noch eine hätten. Eine Entdeckung für mich, die mich so smasht wie einst Rufus oder Devendra. Thank John Grant. Und dann heißt die auch noch ausgerechnet so wie´s oben steht.

*Wenn je eine Textzeile für mich geschrieben wurde, dann doch die. John Grant – I will cross oceans of Görlitzer Park to find you. Im Lido. Im April.

NEW FAVOURITE SONG*

SIGOURNEY WEAVER by John Grant

When I woke up today, the air was very strange
I couldn’t feel my skin and there was evil in my bones
I tried to speak but found that I didn’t have a voice
It was a prison like the one you would find in the twilight zone

And I feel just like Sigourney Weaver
When she had to kill those aliens
And one guy tried to get them back to the earth
And she couldn’t believe her ears

So I was taken or I went towards what was west
Where the ground was dead and struck out at the giant sky
The sky was black and filled with tiny silver holes
And it was there with the frightened voice that I began to cry out loud

I feel just like Winona Ryder
In that movie about vampires
And she couldn’t get that accent right
Neither could that other guy

And I feel just like I am on Jupiter
One man looks like rainbows, sure
But it doesn’t lend itself to life
And I haven’t finished yet

*Thanks to Elvira Westwärts!

ARISTO-TV and ROSE´S (RE)TURN

Eigentlich ist „Downton Abbey“ die perfekte Serie, um sie mit den Eltern anzuschauen. Nicht zu aufregend, nicht zu sexy, nicht zu rasant. Dass sie trotzdem spannend ist, ergibt sich aus der Fallhöhe der Personenkonstellation – und die erinnert stark an eine Lieblingsserie meiner Kindheit: „Upstairs, downstairs“ („Das Haus am Eaton Place“), in der ebenfalls das Schicksal einer upper class Familie dem ihrer Dienstboten gegenübergestellt wurde. „Antiquiert“, könnte man urteilen, oder, vielleicht noch böser „nostalgisch“, aber ehrlich gesagt handelt es sich schlicht und ergreifend um aufwändig produziertes Feelgood-Fernsehen, dargestellt von Schauspielern, die ihre Rollen liebevoll gestalten und sich in Sets bewegen, die dem Auge gut tun.

April 1912. Der Nachfolger des Earl of Grantham (Hugh Bonneville), den die Tochter desselbigen zwecks Erhaltung des Familienbesitzes zu heiraten verordnet war, geht mit der Titanic unter (oder doch nicht?). Next in line ist ein Cousin dritten Grades, der sich als Arzt seine Lebensunterhalt verdient. Die Familie wähnt ihren Besitz schwinden und muss sich wohl oder übel mit dem zukünftigen Earl (und dessen Mutter) arrangieren. Dies fällt zunächst allen schwer. Zeitgleich stellt der Earl einen neuen Butler ein, einen ehemaligen Militär-Kameraden, der aufgrund einer Beinverletzung nicht wirklich für den Job geeignet zu sein scheint und sich gegenüber der restlichen Dienerschaft durchsetzen muss. Insbesondere der intrigante und tückische (und schwule und attraktive) Hausdiener Thomas macht ihm das Leben zur Hölle. Dann wären da noch Maggie Smith als dragonische Matriarchin, Elizabeth McGovern als amerikanische Gattin des Earl, sowie drei Töchter – die mutige Hübsche, die unhübsche Verschlagene, die knospende Suffragette, und natürlich der Rest der Dienerschaft: eine erblindende Köchin, eine dumme Haushaltshilfe (2010 heißt Ruby nun Daisy), und noch paar Gestalten, die alle recht gut mit storylines* versehen sind.

In der ersten halben Stunde denkt man noch – wer ist jetzt eigentlich wer und verliert ein wenig den Überblick, doch schon ab Folge 2 ist man mit der Cast vertraut – und das ist der Verdienst klaren Schreibens, insbesondere, was Charakter-Zeichnung angeht, routinierter Inszenierung und virtuosen Spiels aller Beteiligter.

„Downton Abbey“ ist nach „Brideshead revisited“ die erfolgreichste in der Historie angesiedelte TV-Serie Englands. „Upstairs, downstairs“ ist 2010 neu aufgelegt worden, die DVD erscheint im Februar:

Ich bin neugierig. (I missed Jean Marsh and my heart skipped a beat, seeing her in the trailer.)

* Die storylines lesen sich banal, aber es ist dramaturgisch so ähnlich verpackt wie in „Prison Break“, wo Michael Scofield in der ersten Episode eine Schraube sieht, die er gebrauchen kann, in der zweiten sich an die Schraube heranbewegt und in der dritten die Schraube ergattern kann. „Hausdiener stiehlt Rotwein“ hört sich jetzt erstmal völlig unspektakulär an, aber, verwoben in die anderen über- und untergeordneten Stränge, ist der Rotweindiebstahl dann schon wieder brisant.

DER LETZTE TANGO

ramon_novarro

Einer der erfolgreichsten Schauspieler seiner Zeit, wäre Ramon Novarro ebenso dem verbreiteten Vergessen anheim gefallen wie seine Zeitgenossen Francis X. Bushman, Rod LaRocque und John Gilbert – wäre da nicht sein schrecklicher Tod Ende der 60er Jahre gewesen. Der ehemalige Stummfilmstar mit mexikanischen Wurzeln wurde von zwei Strichern ausgeraubt und ermordet, was ihm nicht nur einen Platz in den wichtigsten Croniques Scanadaleuses, sondern auch in (mindestens) einem Roman und einer bewegenden Ballade, vorgetragen von Peggy Lee, gesichert hat.

André Soars´ „Beyond Paradise: The Life of Roman Novarro“ scheint zu den am gründlichsten recherchierten Biographien zu zählen, die ich in meinem langen Leseleben in die Hände bekam. Umfangreich und detailliert beschreibt er den Lebens- und Karriereweg des schwulen Künstlers, der seine Homosexualität aus Karrieregründen geheim halten musste. Das Bild, das sich von ihm ergibt ist zwiespältig. Er erinnert mich an einen Freund früher Tage, der sein Schwulsein so deckelte, dass seine Missgunst ihm irgendwann ins Gesicht geschrieben stand. Nur muss man andere Wertmaßstäbe anlegen, wenn es sich um ein Leben im Amerika der 20er und 30er Jahre handelt. Wäre seine Neigung (dass ich das Wort auch einmal benutzen darf!) bekannt geworden, wäre es mit Novarros Karriere aus gewesen. Hätte er indes mit seiner Homosexualität offener umgehen können, was zu diesem Zeitpunkt praktisch unmöglich war, wäre er vielleicht nicht auf Strichersex angewesen gewiesen und hätte ein unspektakuläreres Ende gefunden.
Bei all der Ausführlichkeit des Buches wundert mich allerdings eines – die Abwesenheit zweier Namen im Index: Peggy Lee und Thomas Tryon (der wunderschöne Schauspieler/ Autor hat Novarros Tod in „Crowned Heads“ verarbeitet, einer Sammlung von Hollywood-Novellen, von denen eine, „Fedora“, von Billy Wilder verfilmt wurde.) Wenn eine Lebensgeschichte weitere Kulturprodukte inspiriert, dann ist das meiner Meinung nach ein entscheidender Punkt in einer Biographie. Insbesondere, wenn das Lied von einer solchen lyrischen Macht ist wie „Tango“ von Lieber und Stoller.

TANGO
(Composer: Mike Stoller / Lyricist: Jerry Leiber)

Oh the tango is done with a thin black moustache,
a wide scarlet sash, black boots and a whip
Or the tango is done with seafaring trash,
callous and brash, fresh off the ship
Or the tango is done as a dangerous dance,
a treacherous step and if one should trip
The frail body breaks with a snap and a twist,
And a gold watch slips onto a thick tattooed wrist
And a gray merchant ship turns black in the sun,
as it heaves to the East when the tango is done.

Butterflies mounted on fields of black velvet
Neatly arranged in gleaming glass trays
One-eyed Etruscans play follow-the-leader
Forever around the edge of the vase

The phonograph’s playing an old broken record
A tango and over and over it plays
Over it plays
Over it plays

A medieval tapestry hangs like a warning,
A needlepoint forest of dark green and brown.
The scene is the hunt, you will notice the hunter.
He takes careful aim as your eye travels down,

And finally rests upon the real victim,
Lying quite still in a silk dressing gown.
Lying quite still at the edge of the carpet.
One arm flung out for the peacocks to peck.
Blending in well with the blue and green background
Except for the bright scarlet sash round the neck

He was a collector of beautiful strangers
And life was a party right up to the end
The door always opened to love and loves dangers
Though dead, a lover, a stranger, a friend

Butterflies mounted on fields of black velvet
Neatly arranged in gleaming glass trays
One-eyed Etruscans play follow-the-leader
Forever around the edge of the vase
The phonograph’s playing an old broken record
A tango and over and over it plays
Over it plays (repeat and fade)

ELKE ELF AM SAMSTAG oder GOING BELINDA

Bohrt noch ein paar Löcher in die Wände, hängt die alte Winona an die Wand (hätte damals nicht gedacht, dass das mal ne Vintage-90ies-Collage wird.) Darüber den Brad in Blond. Dann eine literarische Übung: Ein assoziatives Textfragment eingedeutschter Belinda Carlisle-Texte: Schätzlein, lass das Licht an für mich! Die Liebe ist ein großes, haariges (ja, ich weiß – hairy is not scary, aber lassen Sie mir doch bitte die künstlerische Freiheit) Tier. Lebe Dein Leben, sei frei (doch Du solltest bei MIR sein, Baby. Du solltest bei MIR sein.) Fluchtpferde. Kreise im Sand gehen rund und rund, ewige Liebe ist was ich fund. Mein Herz ist wahr. Du hast ein Leben zu leben, also warum tust Du es nicht?! Und hast Du Deine Gedanken befreit, ist die Vergangenheit Vergangenheit.* Engel an der Decke, mein Herz auf dem Fußboden. Ich schwöre – es dauert nicht mehr lang. Einfach stark sein! Warum bleibst Du nicht bis morgen, ich will nicht, dass Du gehst. Ich erinnere, ich war im Bräunungs-Salon als ich hörte River Phoenix was gone. (Das war echt ein lowpoint, findet Elke.) Aber manche Sachen sind unvermeidbar. Da, Mary Roos. sing mal ein Lied mit dem Wort „unvermeidbar“ drin. Siehste?!!

(Elke kriegt einen echten Kick vom Eindeutschen der Texte der von ihr so verehrten Belinda Carlisle, die in ihrer Autobiographie von einem Gespräch mit einem Baum berichtet, den sie auf Mushrooms umarmt hat. „I love you“, hat der Baum zu ihr gesagt. Daraufhin legte sie sich neben einen großen Pilz und berührte ihn mit der Hand. Darauf der Pilz: „Don´t touch me!!“ Sie verstehen, warum Elke Belinda Carlisle liebt, schließlich ist der Himmel letztendlich auch nur ein Ort auf der Erde. Keine 5 Seiten später führt sich Belinda, mangels einer Pfeife (und bei den Go-Gos hat sie eigentlich gelernt, aus ALLEM eine Pfeife zu bauen, aber es ist nicht einmal eine Banane im Hotelzimmer) also führt sie das Opium rektal ein, geht wie geschmiert. Wieder wenige Seiten später brennt ihr Londoner Apartment ab – nicht was Sie denken, sie war gar nicht zu Hause, und ihr Papagei kann von der Londoner Feuerwehr gerettet werden, weil er ihren Raucherhusten perfekt nachahmen kann:
Londoner Feuerwehrmann 1: „Sind wir hier nicht im Apartment derer Carlisles?“
Londoner Feuerwehrmann 2: „Da – ich glaub, ich hör sie husten!!“)

Das sind wirklich viele schöne Lieder in dem Buch, findet Elke, die Belinda nie gesungen hat. Schade. Aber kann ja noch. Sie ist ja jetzt auch clean und mit Buddha. Und hat einen schwulen Sohn. Es fällt Elke schwer das zu sagen und sie kuckt auch ein bisschen entschuldigend, aber „Diana – einpacken!“

Here we go
Some things are inevitable
Don´t you know?
It can be so beautiful
It´s too real
Situation flammable
(Ich paraphrasiere) Life is, life is, life is
A big scary animal.

2011, here we go now….

* Der ist auf Deutsch besser als im Original! („And if yo free your mind, you will leave your past behind.“)

FROM BEGINNING TO END oder UM UNSERE LIEBE ZU VERSTEHEN, MÜSSTE SICH DIE WELT AUF DEN KOPF STELLEN

„Do Comeco ao Fim“ also endlich. Die erste Hälfte hatte ich mir schon im Netz angeschaut, aber Portugiesisch ohne Untertitel – ich resignierte (es handelt sich um eine brasilianische Produktion). Hätte ich nicht müssen. Dieser Film ist so klein (im besten Sinne), die Geschichte so simpel, dass ich auch ohne Dialoge hätte verstehen können. Die Handlung ist so sparsam gehalten, weil die Botschaft, die der Film verkündet so quasi-skandalös ist. Und weil die Interaktion der beiden Protagonisten von einer Bildgewalt ist, von einer Schönheit, die einem den Atem raubt. Mehr braucht es nicht.

Story: zwei Halbbrüder wachsen in einer glücklichen sorglosen Patchworkfamilie auf. Zwischen den beiden entwickelt sich eine tiefe Bindung, die auch die Pubertät überlebt. Als die gemeinsame Mutter stirbt und der Vater den beiden das Haus überlässt, ist das erste was sie machen, sich auszuziehen, zu betrachten und in den Arm zu nehmen. Sie leben eine glückliche romantische und sexuelle Beziehung und zweifeln diese auch nicht an. Sie wissen, dass sie ein großes Tabu brechen, aber dieses Tabu ist nichts im Vergleich zu der Liebe, die sie für einander empfinden. Als Thomas, der jüngere der beiden, ein Angebot erhält, als Schwimmer für die Olympiade zu trainieren – in Russland – bleibt Francisco in Brasilien zurück und experimentiert mit anderen Formen von Beziehung, Sex und Partnerschaft. Glücklich wird er dabei nicht. Das Ende des Films ist zwangsläufig und ebenso unspektakulär wie die gesamte Handlung. Es passt einfach.

Der Verdienst dieses Films: über die selbstverständliche, zwangsläufige und hochgradisch ästhetische Umsetzung des Verlaufs der Beziehung der Halbbrüder wird ein großes Tabu thematisiert, ein etwas kleineres – das der Homosexualität – ganz anschmiegsam und zart untergeschoben. Was die Männer da machen und erleben ist so schön, das man es nicht anfechten kann. Und am Ende verspürt man nicht einmal den leisesten Hauch der Beklemmung darüber, dass es sich um Geschwister handelt. Wenn ich länger drüber nachdenke – diesen Hauch gibt es an keiner Stelle im Film. Dazu sind die Charaktere zu sorgsam und ausgiebig eingeführt (die erwachsenen Brüder erleben wir erst nach 40 Minuten). Dennoch ist „From Beginning to End“ kein Plädoyer für den Inzest, sondern eines für die Liebe.

Übrigens wieder ein Film, der der Edition Salzgeber, wo er besser aufgehoben gewesen wäre, durch die Lappen gegangen ist. Die hatten sich schon die „Peter Berlin Story“ und „Were the World mine“ entgehen lassen. Es wäre an der Zeit, dass die Pro Fun Media, bei der er nun gelandet ist, ein Premium-Label für anspruchsvollere Unterhaltung etabliert, um gute Ware von den schrottigen Billigfilmchen abzugrenzen, die dort ebenfalls vertrieben werden.

Machen Sie besser die schreckliche Musik weg. Den Trailer ohne Musik, stattdessen mit Dialogfetzen aus dem Film, habe ich leider nicht online gefunden.

EILMELDUNG oder SOME THINGS ARE INEVITABLE*

Gestern mit Belnda Carlisles Autobiographie angefangen. So erfrischend ehrlich und offen, dass ich mich festlese. Heute ein bisschen gegoogelt und siehe – Belinda kommt nach Berlin, und zwar schon am 30.1.! Postbahnhof am Ostbahnhof. Wer will mit? Romy & Michele-Freunde vor!

*Allein dafür, dass sie das Wort „inevitable“ in den Popwortschatz eingeführt hat, gebührt ihr in meinem Herzen ein ein kleine Lounge voller Nierentische.

IT IS THIS THAT BRINGS US TOGETHER

In your life, in my life,
There are secrets too dark
To let out, to let go of,
To get over.

But that’s all right, baby.
That’s all right by me.
It’s all right now.

Just let me say
Please, („Yea, yo, yea, yo!“)
Please, („Yea, yo, yea, yo!“)
Please, („Yea, yo, yea, yo!“)
Please be kind
To my mistakes.

(Kate Bush)