Archiv der Kategorie: Dann sind sie Helden

WHO THE FUG IS ROSEBUD

Die Platte ist noch nicht auf dem Markt und schon wirft sie viele Fragen auf. Vornehmlich: Who or what is „rosebud“, den Kate Bush in „King of the Mountain“ Elvis Presley an die Seite dichtet.
Hat denn keiner von Euch Bloggern die filmlegende „Citizen Kane“ gesehen? Orson Welles Meisterwerk über den Medienmogul Kane, dessen letzten Worte „rosebud“ lauten. Den ganzen Film über soll die Frage beantwortet werden, die ich auch in dem Titel dieses Postings aufwerfe. Es stellt sich heraus, dass „rosebud“ der Name von Kanes Schlitten in Kindertagen war. Und bei allem Besitz, den er angehäuft hatte, galten seine letzten Worte dem kleinen „rosebud“.
Die Figur des Kane basiert auf William Randolph Hearst, dem Presse-Zar, der sich einen Palast (San Simeon?) gebaut hat und eine langjährige Affäre mit der Schasupielerin Marion Davies hatte. Orson Welles hatte aus indiskreter Quelle erfahren, mit welchem Wort Hearst Marions Geschlechtsteil bezeichnete. Rosebud natürlich. Auch aus anderen Gründen war Hearst not amused über Citizen Kane und mit aller Macht versuchte er, den Film zu stoppen. Was ihm über Jahre hinweg gelang. Aber Qualität setzt sich durch.

In Xanadu did Kubla Khan a stately pleasure dome decree…

SUFFOKATING WITH JOY

Another Hollywood waitress
Is telling us she’s having your baby
And there’s a rumour that you’re on ice
And you will rise again someday
And that there’s a photograph
Where you’re dancing on your grave

The wind is whistling
The wind is whistling
Through the house

(Kate Bush)

Elvis freut sich wie ein Schneekönig und Bertie hat tatsächlich das Cover-Bild gezeichnet. Und das Album ist in England bei Amazon heute auf Platz 15 und Miss Kaballah nur auf Platz 1036. Le Rob ist auf 14.

CONGRATULATIONS TO KATE. BUSH. NOT MOSS.

kotm

Elvis are you out there somewhere
Looking like a happy man?
In the snow with Rosebud
And king of the mountain

(Kate Bush)

Seit heute auf Platz 1 der Amazon.co.uk Single Charts. Release: 24.10.05
Ob das Cover von Bertie Bush gestaltet wurde???

http://www.bbc.co.uk/radio2/shows/bruce/playlist_index.shtml?focuswin
Die Ken Bruce Show wählen, auf der Play-taste bis 37.30 vorspulen. Hören. Schmelzen. It´s simple. It´s beautiful. It´s simply beautiful. It´s number 1.

RUNNING WILD

Dass die B-Side von „Rocket man“ „Goodbye Norma Jeane“ war und Kate im Rocket-Video diesen süßen kleinen Ukulelen-Tanz macht…, gibt´s noch jemanden, der die hidden hommage mitbekommen hat?
rocket2
And I think it´s´gonna be a long long time…
rocket1
A long long time…
rocket3
Meret Becker trau ich´s zu.

DI HARD

Es hat sich vielleicht schon herumgesprochen, dass der Glamourdick ein großes Herz für Frauen mit großen Herzen (oder anderen Talenten) hat. Gestern, am offiziellen Todestag der bulimischen Prinzessin D. kam nicht nur die frohe Botschaft von Kate Bushs Wiederkehr an sein Ohr, sondern auch ein äußerst scheußliches Bild an sein Auge:

didodi

Dodis Vater hat sich nicht lumpen lassen und seiner vermutlich-nie-Schwiegertochter und seinem Sohn ein Denkmal gesetzt. Es zeigt Di- und Dodi-Imitatoren beim Zerrupfen von Geflügel und seltsamer Beinakrobatik. Es steht auf einer Rolltreppe bei Harrod´s. Manche Leute sollten ihre Liebe besser mit großzügigen Geldspenden ausdrücken. Auch gegen einen Blumenstrauß ist nichts einzuwenden.

Und ich hatte immer geglaubt, man könne nicht zweimal tödlich verunglücken…

WHEN I WAS A CHILD, RUNNING IN THE NIGHT

1978. War mit Katrin L. spielen, weil die sich mit Manuela P. gestritten hat. Sonst wollen die nie mit mir spielen, hatte ich also Glück. Bei Katrin L. haben wir dann das Zimmer ihres großen Bruders durchsucht und alle seine neuen Platten gehört. Da war eine Single dabei, und ich glaube ich habe mich verliebt. Die Sängerin kommt aus England und heißt Kate Bush. Sie ist auch noch ganz jung.
Habe mir von meinem Taschengeld die LP-Schallplatte von Kate Bush gekauft und mir dann von meiner Schwester die Englischbücher geholt. Will wissen, was die singt, aber eigentlich ist es egal, weil die Stimme ist ja auch so sehr schön. Was wohl „I´m 2D after a push and pull-feeling“ bedeutet?
Habe mit Bleistift das Cover abgemalt. Ist ganz gut geworden. Tante Rosa freut sich, dass ich junge Frauen male.

Nochmal 1978. War mit Mutti in der Metro. Kate Bushs neue Platte gekauft. „Lionheart“. Ist ganz toll. Ich könnte mich vielleicht mal als Kate Bush verkleiden und mit „Coffee Homegound“ auftreten. Tante Rosa hat ja bald Geburtstag.

1980.„Babooshka“ war heute im Fernsehen. Ich hatte eine richtige Gänsehaut, wie Kate Bush das Lied gesungen hat. Es war ein Video-Clip! Schade, dass es kaum Sendungen gibt, wo man solche Video-Clips sehen kann.

1982. Andrea W. ist von ihrem Freund sitzen gelassen worden und wir haben den ganzen Nachmittag in ihrem Zimmer geraucht und „The Dreaming“ gehört. Alle finden die Platte doof, nur Andrea und ich nicht.

1985. Höre schon seit Wochen nichts anderes als „Hounds of Love“. Bei „Cloudbusting“ muss ich jedes Mal an Edward denken, der jetzt auch schon lange nicht mehr geschrieben hat. „I´ts you and me… Eddie…“. Ich glaub ich färbe mir mal die Haare rot wie im „Hounds of Love“ Video.

1988. Anke hat mir die komplette „Sensual World“ Deko aus dem Plattenladen geschenkt. Was soll ich mit dreißig LP-Covern?? Aber ist ja nett gemeint. Bei „This woman´s work“ muss ich heulen. Das Lied, wo jemand, den ganzen Tag nur vorm Computer sitzt find ich ziemlich albern. Aber wie Kate durch diesen Wald läuft und einen Text singt, bei dem ich GAR nichts verstehe – traumhaft schön. Man weiß nicht wo sie ist und was sie da macht, aber man will da unbedingt auch hin. Stepping out of the page into a sensual world.

1993. Ich liebe Kate Bush. Was haben die Leute gegen „The Red Shoes“? Okay, dieser permanente Glitzerstaub in den Videos nervt, aber hallo – wer macht seit 15 Jahren eine geniale Platte nach der anderen, wenn nicht sie? Take me up to the top of the city… You´re the only one I want. I think about us lying, lying on a beach somewhere… Und wenn ich 15 Jahre auf die nächste Platte warten müsste, die Frau ist und bleibt in meinem Herzen.

2005. Manuela P. trafen meine Eltern dieses Jahr bei ihrem Ostseeurlaub. Andrea W. ist verheiratet und lebt in Goslar. Tante Rosa verstarb 1985. Edward, meine erste große Liebe, rief mich zuletzt im vergangenen Sommer an – der Kontakt ist nie abgerissen, and I WON´T forget. Auch aus ihm ist nichts geworden. Katrin L., die immer meine Lieblings-Spielkameradin war, vielleicht, weil ich durch sie zu Kate Bush kam, ist vor ein paar Jahren gestorben. Sie war unter 30.

9thwave

OH MY GOD IT´S TRUE

A tingling sensation, feuchte Augen, goosebumps all over…

Kate’s new album AERIAL will be released on November 7th. Kate’s new single KING OF THE MOUNTAIN is out on October 24th!

31st August 2005: Well, hello there! It’s been twelve long years since The Red Shoes in 1993, but finally in a press release this morning EMI Records have proudly confirmed the fantastic news: Kate’s hugely anticipated new work, her eighth studio album, will be released worldwide on November 7th 2005 (Nov 8th in USA). It will be a double album. It is entitled Aerial. The first single King Of The Mountain precedes the album on October 24th. Both the single and album are produced by Kate Bush. This site, in conjunction with HomeGround The Kate Bush Magazine will keep you up-to-date on everything you need to know as the excitement mounts. Be sure to visit our busy site forum to discuss the release of this brand new music. Kate Bush is back in business, we are delighted and we wish her all the very best over the coming months.

For source click hier.

And then spread the word…

M.M., KALIFORNIA

Kai reicht mir in meiner bunt gestrichenen Küche ein bunt verpacktes Geschenk in der Größe eines schmalen Taschenbuchs. Ich bin überrascht-verwundert (meist schenkt er in Deutschland nicht erhältliche DVDs, Bücher usw) und packe aus. Es ist ein schmales Taschenbuch! Ein Travel Guide. Los Angeles.
„Mach mal auf!“
Ich falle angesichts eines Business Class Tickets nach LA in Ohnmacht.

Zeitsprung. Nikotinpflaster pflastern meinen Flug. Ich deriliere angesichts meiner Sozialphobie (12 Stunden Reisen in Transportmitteln, die mit Fremden besetzt sind), des Zigaretten-Entzugs und des Lebenstraumes, der wahr werden wird, der so albern ist, aber existiert, seit ich 9 Jahre alt bin: Ihr Grab besuchen. Kai hat diesen Traum wahr gemacht. Drei Tage Los Angeles und Silvester 03/04 zurück nach FFM und B. Das Hotel ist in Torrance, aber wir haben einen Mustang und cruisen die Highways entlang. LA scheint gar nicht so groß wie ich mir vorgestellt habe. Sogar der Smog riecht für mich gut. Venice, Santa Monica, Abstecher nach Bel Air, Melrose. Sunset Boulebard, Mulholland Drive, Hollywood and Vine. Wie in jeder Stadt in der ich bin überlege ich, ob ich hier leben könnte und denke „Ja“. (Opportunist). Und dann suchen wir den Westwood Memorial Friedhof. Und finden ihn nicht. Er liegt ganz versteckt, irghendwo hinterm Wilshire Blvd. Da ist ein Kino, in dem „Mona Lisa Smile“ läuft und ein Film mit Owen Wilson. Büro-Hochhäuser. Wir parken den Mustang (im Halteverbot, wie sich später herausstellt) und suchen. Finden. Leer, kaum jemand da, außer Kai und mir. Ein völlig undramatischer, geradezu peinlich kleiner Vorstadt-Friedhof mitten in LA. Rasenflächen mit identisch gestalteten Grabplatten. Kuck ma – Jack Lemmon! Truman Capote. Dann die „Schränke“, die Leichenschubladen. Wo man nicht verrottet sondern vertrocknet. Mein Blick wandert und ich werde ganz traurig – ich muss es doch auf Anhieb finden, das Grab meiner Kindheitskönigin… Aber nee. Und es gab keinen Blumenladen. Ich mein, hey – jeder Scheißfriedhof hat einen Blumenladen. Dann ärgere ich mich über meine blöde Idee, mir die Haare über Weihnachten unbedingt rot tönen zu müssen. Ich bin in LA! Auf ihrem Friedhof! Und nicht mal blond!! Dann sehe ich auf einem Grab einen Tinker Bell Aufkleber. Heather O´ Rourke, „Carol Ann“ aus den „Poltergeist“-Filmen. Da wird mein Herz warm. Für Tink stand sie Modell. Und dann, paar Schritte weiter, sehe ich einen Sargschrank, einen Fläche mit Plaketten, und eine Grabkammer ist viel dunkler als die anderen. Weil alle sie berühren wollen. westwoodIch gehe, schaue – ihr Name, 1926-1962. Lippenstiftabdrücke von bescheuerten Fans. Geschmacklose Blumen, teils vergammelt. Joe DiM.´s Dauerauftrag „jeden Tag eine frische rote Rose“ lief 1982 aus. 20 Jahre waren gebucht, 20 Jahre reichen, er ist Pragmatiker. Und trotzdem gelten seine letzten Worte ihr. Er hat nach ihr nie wieder geheiratet.
Und ich hab nichts dabei. Keine Blume. Nichts. Für die Leiche meiner Heldin. Und dieses abgefummelte Grab schlägt mir aufs Gemüt und ich setz die Sonnenbrille auf, damit Kai nicht sieht, dass es dahinter zu fließen beginnt. Und will dem Scheiß-Governor Schwarzenegger einen Brief schreiben „Sie da – so ruht Hollywod-Royalty aber nicht! Schafffen Sie ein Mausoleum für die Dame, und zwar heute und nicht manana!“ Aber wir gehen einfach wieder, zupfen das Strafticket von der Windschutzscheibe, setzen uns in den Mustang und fahren schweigsam nach Torrance.

Keine Fußnote.
bow

MARILYN IN PARIS, EUROPE

Spree-Britt und Arboretum wollten diese Info, here comes:

Ich glaube, es war 1999, als ich endlich einen Paris-Reisegutschein einlöste, den mir meine damaligen Arbeitgeber zum soundsovielten (3.?) Firmengeburtstag geschenkt hatten. Paris war für mich zunächst mal ne Stadt in Frankreich, deshalb schlug ich mich nicht darum, den Trip zu machen, aber als ich las, dass Marilyns Nachlass auf Reisen geht, in London und Paris präsentiert wird und in New York unter den Hammer kommt, da rief ich im Reisebüro an.
Ich war Marilyn-Fan, seit ich das erste Mal, so mit 6 Jahren, „Some like it hot“ im TV gesehen hatte. Meine erste Monroe-Biografie las ich mit 9 Jahren – da erfuhr ich, dass ich am selben Tag wie sie geboren bin und hielt mich eine gefährlich lange Zeit für ihre Wiedergeburt. (War ich erleichtert, als ich kürzlich 37 wurde!) Auf dem Flug nach Paris saß ich neben einer Ex-Stewardess, die fortlaufend Piccolos für sich und mich bestellt – ich kam schon betrunken an. Checkte in mein Hotel ein und lief durch die Straßen – ich hatte mich kopfüber verknallt. Paris. Wohin die Diven exilieren (Romy, Marlene, Ingrid…) und einige (Diana) ihr Leben lassen. Am Abend ließ ich mir wie der bekloppteste aller Touris, das Handy klauen.
Am nächsten Vormittag ging ich zu Christie´s und war überrascht, wie leer es war – außer mir vielleicht 30 Menschen. Und sah die Kleider der Kaiserin. Das spinnwebene JFK-Kleid, die Strickjacke aus der George Barris-Session in Santa Monica 1962. Gerahmte Bilder. Filmskripts mit ausführlichen handschrifltichen Anmerkungen. Puppen, die noch aus Norma Jeanes Kindheit stammten. Und in den Augen aller Betrachter Sehnsucht, Wehmut, aber auch kindliche Freude beim Erkennen und Zuordnen der Devotionalien.
Ein Gästebuch lag aus, ich blätterte und fand einen Eintrag aus Berlin „Ich bin extra aus Berlin angereist und habe mich Dir noch nie so nahe gefühlt.“ Der Zyniker in mir wollte darunter schreiben „und mir haben sie sogar das Handy geklaut.“ Aber das ließ ich sein. Denn ich war auch gerührt, berührt. Nicht so, dass ich in ein Christie Gästebuch eine Notiz an eine fast 40 Jahre lang tote Frau geschrieben hätte, aber doch schon sehr. Fast alle Einträge waren an Marilyn gerichtet.
Diese Devotionalien, die jetzt über die Welt verstreut sind, waren ja auch Versatzstücke aus meiner Kindheit und Jugend. Ich kannte alles von Bildern. Außer dem großen Brandloch im Saum des schwarzen hochgeschlossenen Kleides. Und das hat mein Marilyn-Gefühl vielleicht am besten charakterisiert – dieses verbrannte Kleid.
Als ich wieder auf die Straße kam, hatte sich eine Schlange gebildet, die um den ganzen Block ging. Mein Herz applaudierte jedem einzelnen.

Wie üblich, eine Fußnote. Nach einem sehr schönen Spontansex-Erlebnis kam ich mit dem Mann ins Gespräch, mit dem ich es gerade geteilt hatte. Er entpuppte sich als großer Marilyn Fan und stand neidisch vor meinem Bücherregal. Ich erzählte ihm von dem Christie´s-Gästebuch mit dem Berliner Eintrag.
Er: „Das ist ja ´n Ding! Das war ich!“

strickjacke
pic: g.barris