Archiv der Kategorie: Dann sind sie Helden

DIE SÜSSEN TRÄNEN DES GLAMOURDICK oder FILMSTOCK

Der Herr Timanfaya hat sich ein schickes Stöckchen einfallen lassen. Die liebsten tearjerker. Für welche Filme man vorsorglich eine Packung Taschentücher einpackt.Frau Choc hat bereits einen prima Beitrag zu „Love, actually“ vorgelegt. Über „Tess“ schrieb ich kürzlich und auch meine history zu Coppola´s Dracula habe ich schon einmal ausgebreitet. Hier also drei weitere favourites. Na ja, drei reichen nicht ganz.

Playing by Heart: Gena Rowlands, Sean Connery, Nastassja Kinski, Dennis Quaid. Wie Ryan Phillippe immer wieder vor Angelina Jolie flüchtet und sie trotzdem nicht locker lässt und ihn einfach argumentativ emotional mit ihrer Liebe überrollt, bis er gar nicht mehr anders kann als es zu zu lassen. Schmerzvoll und von einer atemberaubenden darstellerischen Eleganz. Das war der Film, in dem mich Angelina erstmals überzeugte. Und Gena geht immer.

Big Fish: Eine Vater-Sohn-Geschichte/Legende/Märchen, von Tim Burton bildgewaltig und gewohnt skurril umgesetzt. So gewaltig, dass ich ihm verzeihe, dass Jessica Langes Rolle klein ist. Insbesondere die Wasser-Szenen lösen bei mir Tränenfluten aus.

Invisible: ein schwedischer Film über einen Jungen, der eines Morgens aufwacht und feststellt, dass er tot ist. Nur ein Mädchen, seine Mörderin (Tuva Novotny) kann ihn spüren, für alle anderen ist er unsichtbar. Die Krankenhausszene bricht mir das Herz.

Brokeback Mountain: Die Sequenz, in der Jack umgebracht wird, während seine Frau emotionsbefreit berichtet, dass er bei einem Umfall um´s Leben kam. Bis zum Ende schluchze ich ununterbrochen. richtig schlimm wird´s dann nochmal beim Abspann, wenn Rufus „The maker makes“ singt. Der Film hat mich zutiefst erschüttert.

Desweiteren: Frances, Stepmom, Steel Magnolias, the Notebook. Cold Mountain (mache ich immer aus, kurz bevor Jude Law abgeknallt wird, weil ich das Ende einfach nicht ertragen kann. Und Renee Zellweger, davon abgesehen.)

Dass ich Filme selten im Kino sehe, hat wohl auch damit zu tun, dass ich ziemlich heulbereit bin.
So, kommt her, fangt Tränenfilmstöckchen:
Spango

Larousse

Schnittchen

TESS OF THE D´URBERVILLES

Glam war ja mal sehr sehr doll in Natsassja Kinski verliebt, so zwischen seinem 10. und 14. Lebensjahr. Die Bravo war schuld, denn dort wurde ständig über Nastassja Bericht erstattet. Sie war damals das, was gestern Avril Lavigne, vorgestern Britney Spears und heute Lily Allan sind.
So kam es, 1980, dass das Goslarer Kino den Film zeigte, der damals als Roman Polanskis größter Flop gehandelt wurde. In einer grausam heruntergekürzten 90 Minuten-Fassung. Und selbst in dieser Fassung war klar zu erkennen, dass es sich um ein Meisterwerk handelte und mit Nastassja eine Leinwandschönheit ins Rennen gegeangen war, mit der man zu rechnen haben würde. (Ich war übrigens der einzige Gast im Kino.)
Die Langfassung des Filmes lief dann irgendwann im Fernsehen und hat mich umgehauen. Mittlerweile hatte ich Hardys Roman gelesen. Ich habe noch nie eine Romanadaption gelesen, die originalgetreuer war als „Tess“. Außer vielleicht „Rosemary´s Baby“ – wenn Polanski einen Roman liebt, dann scheint sein Ziel zu sein, das Buch genau so auf die Leinwand zu bringen, wie er es im Lesen erlebt hat. Und, im Falle von Tess bedeutete das – lang! 190 Minuten hatte die erste Fassung (und ich vermisse sie, insbesondere die Szene, in der Tess ihr sterbendes Kind selbst tauft, weil ihr Vater den Priester nicht ins Haus lässt). Polanski gibt dem Auge Raum. Jede Totale könnte ein Gemälde sein. Die Langsamkeit der Erzählung unterstützt die Glaubwürdigkeit der Schicksalsschläge. Kondensiert auf 90 Minuten ist Tess´ Geschichte ein Sturzflug in die Hölle. Er gibt auch dem Herz Raum: wannimmer Tess eine neue Station auf ihrem Weg antritt, erleben wir mit ihr, wie sie sich in ihr Schicksal fügt, das Beste aus ihrer Situation macht. Um so brutaler wirkt es, wenn sie einen weiteren Abstieg machen muss.

Bei Tess kommt alles zusammen, was einen guten Film ausmacht: Eine bewegende Geschichte, eine Filmheldin, wie sie idiosynkratischer nicht sein könnte, ein authentisches Ensemble und eine Bilderwelt, die einen aufnimmt und zweieinhalb Stunden nicht loslässt. A star was born – und kein Regisseur nach Polanski wusste ihn vernünftig einzusetzen.
Schade, dass Nastassja in ihrerm weiteren Karriereverlauf selten Gelegenheit hatte, in einer vergleichbaren Produktion zu spielen. Und auch Polanski hat eine handvoll langweiliger Filme abgeliefert. Gut also, dass „Tess“ jetzt auf DVD erhältlich ist (wenn auch nur in der 164-Minuten-Fassung.) Der Herbst kommt, die Abende werden länger. Und wenn jemand Nastassja persönlich kennt: ich würde ihr gerne bei ihrer Autobiografie helfen.

WENN MAN DAS KIND SCHON MAL MIT DEM BADE AUSSCHÜTTETE

Gestern, anlässlich der Reunion mit einem besten Freund, in Kurzform von den vergangenen Monaten berichtet. Selbst erstaunt über die Parade, die da Revuemäßig an mir vorbeisteppte. Die Boys-Riege. In vergleichsweise kurzer Zeit sehr viele absurdeske Erlebnisse mit vielen fremden Menschen gehabt. Dann daran gedacht, dass die positiven Erlebnisse mit Menschen, die bis vor ein paar Monaten basically auch nur Fremde waren, die negativen sowas von aufwerten, dass ich mal Danke sagen muss. (Siehe unten.) Wenn mir vor 2 Jahren jemand gesagt hätte, wie ich heute leben würde, dann hätte ich es nicht geglaubt und wäre sehr sehr irritiert gewesen, und voller Angst. Jetzt erlebe ich es und erstaune mich über mein (therapeutisch hart erarbeitetes aber mittlerweile beständig funktionierendes) Equilibrium. Das Reunion-Gespräch ist, wenn auch viel mehr als das, eine adäquate Metapher: sich langsam vom Brunnenboden einer falschen Einschätzung (die einem ein übles Gefühl bescherte) mit den Fingern in die Backsteinmauer krallend empor gezogen, mühsam, angestrengt, und dann doch nach oben gekommen, auf das Plateau, wo die Basis der Freundschaft wieder gedeihen kann und wo gerade die Sonne aufgeht. A new day has come. Man kann Gefühle wandeln. This I learned.
Cue for Kate:

Look at the LIGHT!
All the times it´s a changing
Look at the LIGHT
Climbing up the aerial
BRIGHT, WHITE, COMING ALIVE, jumping off of the aerial
All the time it´s a changing
And all the dreamers are waking

Und weil es auch überhaupt keinen Spaß macht, alleine Elefanten und Mammuten zu befreien.

GLAMS LIEBLINGSDICHTERIN

„Marie Madeleine, Freifrau von Puttkamer, geb. Günther, geboren 1881 zu Eydthkuhnen, seit 1900 mit dem Generalmajor im Ruhestand Georg, Fr.hr. v.P. verheiratet, starb 1944 in Katzenellenbogen.“

Die Titel einiger ihrer Werke: „Die rote Rose Leidenschaft“, „Taumel“, „Krabben“.

Aus meinem persönlichen Lieblingsgedicht „Hass“:

„Geschlechtshass, – Sonderbare Nervenschwingung, –
Erinnerung an weltenferne Zeit.
Da noch vereint in zärtlicher Umschwingung
Die Wollust waren und die Grausamkeit.

Da die Begierde tobte ohne Schranke,
Da Körperkraft, die einz´ge Übermacht,-
Und da noch kein erhabner Gottgedanke
Aus einem Tier zum Halbtier uns gemacht.—

Das lieb ich so… Wenn die brutale Regung
Auftaucht in deiner wilden Manneskraft,
Und wenn ich fühl´in jeglicher Bewegung:
Wie sinnlos macht dich deine Leidenschaft.

Es werden dann zu schmerzhaft scharfen Bissen
Die Küsse, welche sonst lieb mich umschmeicheln,-
Wenn deine schönen Hände nicht mehr wissen,
Ob sie mich würgen sollen oder streicheln.“

(Matthes & Seitz Verlag, München.)

Es komt noch ein Vers, aber Madeleine wusste nie, wann Schluss ist. Ich liebe auch ihre Interpunktion. Nahezu Rilkisch.

OMMMMMMMMMMMMMMMMMMM

Nach einem harten aber nötigen Beitrag ein wenig Feng Shui für den Blog. Etwas fürs Auge, etwas für die Ohren. Etwas, was ich Euch schon ganz lange zeigen wollte – endlich gefunden! Tuva Tuva Tuva.

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(2.54 Min. „Newfound Lover“ aus „Smala Sussie“, one of my alltime favourites. Defintiv der schönste Film-Song seit „I say a little Prayer“ in „My best Friend´s Wedding“ und „Gollums´s Song“.)

HEY, NOSTRADAMUS or LIFE DOESN´T PREPARE YOU FOR HIGH SCHOOL MASSACRES

„And in his heart, I think, he´s now learned what I came to believe, which is, as I´ve said all along, that the sun may burn brightly, and the faces of children may be plump and achingly sweet, but in the air we breathe, in the water we drink and in the food we share, there will always be darkness in this world.“

„I ran out of the small café area beside the pit and headed to the bathroom, where I sat for ten minutes and cried. It´s a credit to the human race that several women knocked gently on the door and asked if there was anything they could do. But there wasn´t.“

(Douglas Coupland, „Hey, Nostradamus“)