Archiv des Autors: glamourdick

16./17.7.13

Das war ganz schön viel Tod gerade. Junge Männer, die falsche Entscheidungen treffen. Gespräche über Entscheidungen, die auch die falschen sein mögen. Dieses Brustkrebs-Gen beispielsweise. Sie sagt „Und wenn ich das auch habe, wer sagt mir denn, dass ich nicht schon vorher an – was weiß ich – Darmkrebs sterbe?!“ Ich: „Das ist der Grund, weshalb ich mich seit einem halben Jahr um einen Blutcheck drücke – was, wenn das Medikament mich vergiftet – aber es wirkt.“ An diesem Punkt schlägt der u.a-Blogger einen Bogen an den Tag vor einem Jahr, wo ich mit dem Medikament begann. Nach ein bisschen Rumprobieren bis wir die richtige Dosierung gefunden haben, keine nennenswerte Attacke. Zweimal Anflüge – diese aber wenn ich am Tag zuvor gesumpft habe, selbst schuld. Und wenn wir schon am Biegen sind, dann jetzt dies, weil es mir heute vor einem Jahr und auch gerade eben gute Laune gemacht hat und ich nach dem ganzen (erst) „Schlachtensee“, dann „Cory Monteith“-news-googeln einen Break brauche:


Madonna – Turn Up The Radio on MUZU.TV.

Was sonst noch geschah: ein Projekt, das seit Kindertagen in mir schlummert – damals noch nicht als Projekt, sonder als eine Art Sehnsucht. Jemand, der seelisch meine Sprache zu sprechen schien. Mit dem es jetzt an der Zeit ist, in Kontakt zu treten.

Immer wieder klopft das verletzte Kind in mir an. Aber schon seit längerer Zeit mit dem ehrenhaften Anliegen, sich um die anderen verletzten Kinder zu kümmern.

THE ACCURSED JOYCE CAROL OATES

358 Seiten into The Accursed von Joyce Carol Oates. Und an dem Punkt, wo ich mich frage, ob ich weiterlesen möchte. Zwischen ein paar annähernd reizenden Vignetten immer wieder Ausbremsung durch ausgelatschte Philosophiererei und Introspektion der männlichen Protagonisten. Das Bild der Princetoner Gesellschaft um 1906 wird so ausdrucksvoll plastisch, wie es langweilig gewesen sein muss, bzw. wo Skandälchen und Eigenheiten der Höheren Gesellschaft ausgewälzt werden, dass es keine Freude macht. Es ist wie dem Dorfklatsch eines verkalkten Schweizer Bergdorfes zuzuhören. Oder ein altes Buch zu lesen, dessen Sprachstil zwar Niveau hat, dessen Erzähltempo allerdings nicht mehr zeitgemäß ist. Dem nostalgischen Realismus mit magischen Elementen Leben einzuhauchen hat in diesem Fall auch nicht ganz geklappt. Was bei Bellefleur und A Bloodsmoor Romance hinreißend creepy und verschroben war, ist hier schlaff und ausgelatscht. Es fehlt Spirit und es fehlt Wucht. Die Hintergründe für den Fluch interessieren nicht, seine Ausmaße sind nicht besonders dämonisch/ spekatkulär, es wird ständig angedeutet, aber selten ausgespielt. Das Leben ist zu kurz für langamtige Romane.

The Accursed ist nicht sonderlich lebendig, sondern röchelt vor sich hin und leidet an Rheuma und Ostheoporose.

Ich denke mal, das war´s mit mir und JCO. Ich wünsche ihre einen streichmutigen Lektor und mal ein, zwei Monate Urlaub irgendwo, wo´s schön ist.

Edit: Aus einer Amazon-Rezension: „One reviewer noted her writing was the curse. True enough.“

GOOD NIGHT, BUDDY

Das trifft mich gerade hart, denn, ohne dass ich mir dessen bewusst war – 3 Jahre Glee haben so viel ausgelöst. Nicht nur bei mir. Ich denke an die Amerikanische Nachbarin, die nach dem Betrachten beschloss, einen Jugend-Chor zu leiten und dies mittlerweile auch tut. An das Bully-Project, das sich um Themen kümmert, die in Glee thematisiert wurden, und für die Cory in der Rolle des Finn zum Rolemodel wurde. Erst ein All American Footballer, dann Sänger im Glee-Club und Verteidiger und Freund seines schwulen Stiefbruders. Die Art und Weise, wie Homosexualität und Andersartigkeit generell in Glee thematisiert wurde. Finn als jemand, der aufzeigt, dass es andere Modelle gibt und man wagen darf, über den eigenen Tellerrand zu schauen.

Dann kommt noch hinzu, dass die ganze Cast jetzt im Schockzustand sein muss. Man muss sich vergegenwärtigen, dass die gemeinsam von Null auf Hunbdert geraten sind und nach dem Schluss der 2. Staffel auch noch gemeinsam auf Tournee gegangen sind. Die arbeiten teilweise seit 2009 gemeinsam, nicht nur vor der Kamera, sondern auf Proben, im Tonstudio, beim Choreo-Training. Das schweißt zusammen. Zusammen singen – das wissen die Meisten, es gibt kaum etwas, was einen einander näher bringt. Der Tod von Cory Monteith reißt ein Loch in diese Gruppe. Chris Colfer verliert nicht nur einen Serienbruder, und ich möchte mir nicht vorstellen, wie es gerade in Lea Michele aussieht.

Glee hat Menschen verbunden. Ich denke an Trevor und mich, wie wir im Bett frühstücken und eine Folge nach der anderen anschauen. Das Patenkind, mit dem ich Handlungsereignisse diskutiere, genau so wie mit meiner Schwester, die vorhin im Telefonat die Nachricht überbrachte, von Finns Namensbruder, meinem Neffen.

Mit Cory stirbt ein Hoffnungsträger. Er, der am Anfang etwas chubby war und mit der Zeit immer schöner und stolzer wurde. Dem man den Erfolg so gegönnt hat. Der, wenn man ihn in Interviews sieht, einen guten Sinn für Humor und das Herz tatsächlich am rechten Fleck hat. Hatte. Der eine Rehab unternommen hat, wobei man als TV-Star auch gut und gerne Junkie sein könnte.

Cory, Du fehlst mir jetzt schon. Glee ohne Dich ist unvorstellbar. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie es weiter gehen könnte. Ich hoffe, die Produzenten sehen das ebenso und ziehen die Konsequezen.

In my heart you´ll always be a shimmer of hope. One who reaches out and cares for people. Ich wünschte, Du hättest jemanden gehabt, der sich um Dich kümmert wie Finn um seine Freunde. Mach´s gut, Großer. Glammy sagt Danke und schickt Liebe.

WIR VOM SEE

Aus einem Haus in der Limastraße kommt eine Dame auf die Straße, Haare fein hochgesteckt, apart wie man in Zehlendorf so ist, betrachtet den Strike und mich beim Boote aufpumpen, der Strike gönnt ihr ein Lächeln mit Bambi-Augen.
„Ach. Das macht wohl richtig Arbeit,“ sagt sie mit englischem Akzent. „Wenn wir etwas Platz hätten, dann könnten Sie ja, aber wir haben ja nicht.“
„Das ist nett, aber lassense mal. Ich hab Freunde am Elvirasteig.“ (Und trotzdem pumpen wir tagein tagaus, weil ich meine Freunde nicht als Parkplatz missbrauche und das Pumpen mit dazu gehört, irgendwie.)
Eine Passantin im Rentenalter, gepflegt frisiert und coloriert, ein Hardcover-Buch in der Hand, auch auf dem Weg zum See oder in die Fischerhütte, bleibt stehen.
„Ach, das sieht ja richtig anstrengend aus!“
„Vor den Spaß hat der liebe Gott die Arbeit gesetzt!“ oder so sagt der Strike und mir bleibt die Spucke weg, wo liest er all die kessen Sprüche auf? Fliegen sie ihm zu, spazieren sie an ihr heran oder pflückt er sie am Wegesrand? Die Seniorin strahlt und nickt und zieht ihres Weges.

Ein schwimmender Rentner nickt uns anerkennend zu, während wir in unseren Booten loungen, rauchen und Wein trinken.
„Die Anwohner sind heute so freundlich!“ Erkennt der Strike. „Das ist wie zusammenhalten angesichts letztem Sonntag.“
Und tatsächlich. Alle, die von Mohid gehört haben und trotzdem auf dem See sind, sind jetzt irgendwie Gemeinde. Das erste Glas, bzw den ersten Becher, haben wir auf ihn angestoßen, wie versprochen. Der See wird zur Metapher fürs Weitermachen. Der See ist auch noch da, wenn wir alle weg sind und andere sich dahin begeben und ein paar Stunden in seiner Schönheit verweilen. Und schwimmen. Und plätschern, lesen, rauchen, Wein trinken, den Stimmen vom Ufer zuhören, in der Sonne braten, sich vom Nieselregen unter die Bäume an Rand retten, Knusperstangen knabbern, Schwimmer begaffen, blasen, Enten füttern, Schwäne verscheuchen, leben, sterben.

Das erste Mal im Jahr sichten wir Edelgard, die Edle vom Schlachtensee, ohne die ein Sommer nicht wirklich ein Sommer ist – wie immer, außer, wenn nicht, kommt sie uns entgegen geschwommen, schauen Sie – da rechts. Ich winke, sie winkt zurück.
„Du hast mir gefehlt!“ Ruf ich ihr zu.
„Schön Dich zu sehen!“ Und strahlt das Edelgardsche Strahlen.

Als wir schon geankert haben ein Boot mit drei Damen. Ein eindrucksvolles Schlauchboot so in der 300 Euro Kategorie. Die Schwarzhaarige vorn im Boot schaut rüber, nimmt ihre Sonnenbrille ab, schaut nochmal, runzelt die Stirn.
„Nein, ne? Ellena?“
Und dann kommt Ellena, eine meiner ältesten Schulfreundinnen, zu uns gepaddelt, zwei weitere Ladies an Bord und die Drei docken an und bleiben ein Stündchen und wir lachen alle viel und machen Fotos und ich wünschte, wir hätten mehr Proviant an Bord, denn die Drei fügen sich so gut ein, es passt alles so golden und die Dynamik ist tiptop, mit allem Zick und Zack. Und nach einem Stündchen paddeln sie weiter und der Strike und ich sind wieder unter uns, was wir ja sehr gut beherrschen. Nicht ganz unter uns, natürlich, weil der See ja auch dabei ist, uns beherbergt, uns bespaßt, umspielt, umfließt, und leise und fein uns und unsere Boote ruckelt, so dass ich am Abend auf dem Bett immer noch den Seegang spüre.

MON PREMIERE AMOUR ET MON SECONDE AMOUR C´EST TOI

Nastassja Kinski war meine erste große Liebe. (Marilyn war meine erste Gottheit, Nastassja war am Leben und in meiner Kindheit Teenager). Nastassja war auf dem Bravo-Cover und in allen anderen Zeitungen, sie war das Mädchen, das den Weg in die große, weite Welt gefunden hatte und dafür im Verlauf ihrer Karriere die Romyeske Verachtung Deutschlands erntete. Ich weiß nicht, ob so eine Missgunst heute noch möglich wäre, aber noch in den 70ern 80ern und 90ern wurde verachtet, wer Deutschland den Rücken kehrte und dann auch noch in anderen Länder Erfolge feierte. Ute Lemper war, wenn ich mich recht erinnere, das letzte Opfer. Im Gegensatz zu Ute Lemper hatte (und hat) Nastassja Kinski etwas, was der disziplinierten Musical-Darstellerin abgeht – eine so feine, weiche Seele, eine emotionale Transparenz, die sie künstlerisch auf eine Ebene mit Romy und Marilyn bringt. Einen Schmerz, den sie in sich trägt, der es ihr ermöglicht, in ihrer Kunst zu leuchten. Ich weiß nicht, wie universell dieser Schmerz adressiert – mich hat er als Pre-Teen erwischt und er bewegt mich heute noch. (Diesen Schmerz heraus zu kitzeln und vorzuführen ist nicht journalistische Informationspflicht, sondern ein Tritt in die Magengrube. Aber merkt Lanz überhaupt noch was?)

Ich verdanke es Nastassja, dass ich durch Tess auf Thomas Hardy aufmerksam wurde. Der nächste Schritt in Richtung Anglistik war dann die Musik von Kate Bush.

Die Filme, die sie wählte, waren Rebellion – künstlerisch wertvoll, cinematografisch jedoch oft unbedeutend. Ihre Darstellung darin jedoch Weltklasse. Auf die Kunstfilmphase folgte Hollywood, aber Hollywood wusste nicht so recht etwas mit ihr anzufangen. Vielleicht war sie zu europäisch. Aus der beinahe-A-List rutschte sie in minderwertige TV-Filme und irgendwann spielte sie gar nicht mehr. Schade. Sie ist mit 52 Jahren immer noch eine der schönsten Frauen unserer Zeit, ihr Talent hat sie sicher nicht verloren. In Frankreich Dänemark und Schweden werden mittlerweile Filme gedreht, in denen Frauen nicht mehr die Opfer- sondern die Heldenrollen spielen. Filme, in denen Schauspielerinnen mit Feingefühl agieren dürfen. Ich wünschte, für eine Frau mit dieser überirdischen Schönheit und diesem Ausmaß an Präsenz und Talent würden sich dort Rollen finden.

Wenn es für mich einen Grund geben würde, nur ein einzige Mal in die Rolle des Ghostwriters zu schlüpfen, also die Essenz einer Person in Worte zu kleiden, oder auch nur vorhandenes Material in Form zu bringen, dann, you know, liebe Nastassja, melde Dich.

Und, Markus Lanz – fuck you for making a Lady cry.

R.I.P. MOHID

Der Höhepunkt der Woche kam mit Devendra bereits am Montag. Besser wurde es auch nicht, aber man will ja auch keine Ganztagesorgasmen. Der Badeunfall am See überschattete die Stimmung. Rückwirkend feststellen, dass wir auf dem Wasser waren, als ein paar Meter entfernt eine Tragödie ihren Lauf nahm. Dass ein Mensch, der einfach nur einen tollen Tag genießen möchte, plötzlich tot ist. „Vor dem Feuer kannst Du wegrennen, vorm Wasser nicht“, hatte mir meine Lieblingsgroßtante, Rosa, mal gesagt. Ich mag den See idealisieren, aber habe immer auf dem Schirm, dass eine falsche Entscheidung lebensbedrohlich sein kann. Überhitzt hineinspringen kann schon das Ende sein. Gleichzeitig das Gefühl – ich will mir den See nicht schwarzreden. Als ich gerade las, dass sie den Jungen gefunden haben, war ich erleichtert. Dass jetzt seine Familie und Freunde zumindest Gewissheit haben. Aber auch, dass so ausgeschlossen ist, dass ausgerechnet wir ihn finden würden. Als ich am Sonntag an Land ging und die Menschen sah, die alle in eine Richtung schauten, dann die Polizei und Feuerwehr – ich habe keine Sekunde gedacht, dass jemand ertrunken sei. Ich war so sicher, dass man, jemanden, der dort verunglückt ist, ganz schlicht retten würde – so ist mein Gefühl für diesen See. Ich bin nicht naiv. Aber mein dem See zu verdankendes Equilibrium ließ gar keine andere Betrachtung zu. Der See ist so gut zu mir, da kann also nix Schlimmes passiert sein.

Wenn wir morgen wieder rausfahren, werden wir auf ihn anstoßen. Das Beste, was man dem Drama abringen kann ist, dass er, so hoffe ich, vor dem Unfall einen Tag hatte, der so schön war, wie wir ihn erleben durften. Dass das ein schwacher Trost für die Hinterbliebenen sein dürfte, ist mir klar.

WARSCHAU, BERLIN (Who needs Paris, Texas?)

Jetzt ist es schon halb 11, was für mich schon unter die Rubrik „verschlafen“ fällt, und das kam so.

Nach dem Office schnurstracks in den Trendkiez gefahren, die Lieblingskollegin geholt, die den Namen Lieblingskollegin eigentlich nur noch trägt, damit der Leserin weiß, von wem ich rede, eigentlich ist sie ja mehr als Kollegin, mehr so ein Lieblingsmenschin. Nennen wir sie die N. Die N trägt ein rotes Kleid, das ihr sehr gut steht, dazu noch weitere Dekogegenstände in rot, ich trage meine LieblingskurzeHose und Burgunder mit Shiva-Lushy. Wir marschieren die Trendstraße runter und wollen eigentlich vor dem Silver Future ein Bier oder einen Wein zischen, aber da sind wir nicht die einzigen, also ziehen wir etwas weiter in einen Weinladen, der neuerdings auch sowas wie ein Wein-Café ist und übrigens in 0,2 ausschenkt, trotz Trendkiez. Man muss etwas warten, bis man drankommt, denn die beiden Jungs beraten tiefschürfend gut und müssen immer mal wieder zum Geldwechseln nach nebenan. Normalerweise mach mich sowas wahnsinnig, aber in diesem Fall ist es einfach nur süß, weil so ernsthaft. Man merkt – das sind eben Weinhändler und nicht Gastronomen, und das ist doch okay. Ich bekomme schließlich einen deutschen Pinot/Silvaner, der alles hat, was ich an einem Weißwein liebe: Kraft, Harmonie, Wärme, Stachelbeernoten, das ganze eiskalt und himmlisch. Am Vortag hatte ich meine Medikamente vergessen und so reichen zwei Gläser und ich bin gechillt und etwas chemisch und in der besten Verfassung für Devendra.
Als wir im Huxley´s ankommen spielt noch die Vor-Band, in diesem Fall ein Vor-Sänger, ganz nett, aber auch so, dass man noch gut eine rauchen gehen kann und sich die anderen Devendra-Fans anschauen. Die sind, anders, als bei den meisten Konzerten, die ich besuche, ganz reizend und hübsch und sehr hetero. (Ich bin immer schockiert, wer alles zu Rufus geht. Hier, bei Devendra, nur angenehme Überraschungen.) Als wir nach dem Rauchen wieder durch die Kontrolle gehen, leuchtet der Sicherheitsmann in meine Tasche und sagt „Die hab ich schon gesehen!“, und dann schau ich nach und sehe – ah der Penis von dem DVD Cover von Left-handed, der 70ies-Porno-DVD, die nach zwei Monaten Postweg endlich angekommen ist. Und dann steht auch schon der Schatz auf der Bühne, mittlerweile mehr Hipster als Hippie, aber das ist nur das Outfit, in dem der selbe Mann steht und singt. (Und wieder der Technik gestikulieren muss, dass der Soundcheck offenbar eine Failure war, aber mit den Gesten kriegen sie´s hin und man versteht dann doch, was der zarte schwarze Faun da singt. Die Menge schmiegt sich an und mit, die Musik fließt durch uns hindurch, und spätestens bei Carmensita sind alle mehr oder weniger am Tanzen. Das mit dem Tanzen hört auch nach dem Konzert nicht auf. Eine Gruppe von ca 50 Devendra-Devotees hat sich vor der Neuen Welt festgesetzt, eine Boombox lärmt und man ist einmal mehr froh, in dieser Stadt zu wohnen, und nicht, beispielsweise in Peine. Jetzt ist es draußen noch warm, verbunden aber mit einer angenehmen Abendfrische und wir haben die Frost gefunden, und da gibt es einen Laden knapp jenseits aller Trendstraßenläden, an dem ich schon xmal vorbei gefahren bin und jedes mal dachte – skurrill – da musste aber wirklich mal hin. Das Café Warschau auf den Sonnenallee. Genau der Ort, einen solchen musikalischen Abend ausklingen zulasse, bzw mittlerweile kann man wohl auch schon Nacht dazu sagen. Anders als im Trendkiez ist hier nicht so wahnsinnig viel los, aber die Leute, die da sind, sind goldrichtig, und geradezu platinrichtig ist die Gastro-Göttin, die uns bitte, die Flaschen nachher nicht mitzunehmen, ständig werden ihr die Pfandflaschen vom Tisch gestohlen und sie muss passen, wenn der Getränkehändler kommt. Anders als im Wein-Laden stehen hier ruckzuck Getränke auf dem Tisch, damit die Göttin schnell wieder zurück in die Bar kann, den Tatort von gestern anschauen. Im Fenster übrigens ein Jubiläums-Emblem „23 Jahre“, und Sie und ich wissen ja wohl, dass es sich bei der 23 um die Zahl des Wahren Gottes handelt. In Gemeinschaft zweier meiner absoluten Lieblingsfrauen fliegt die Zeit, und mit einem Mal ist es eine Zeit, zu der ich eigentlich längst im Bett liege. Aber der Körper ist durchdrungen mit blauzüngelnden Flammen der essentiellen universellen Harmonie.

Der Abend bleibt in Erinnerung wie der Pinot/Silvaner. GOLDEN. Und wenn ich Ihnen heute über den Weg laufe, dann zupfen Sie mal an der Brusttasche meines T-Shirts! (Hearts Nina!)