Archiv des Autors: glamourdick

WHITE XBERG

Von hier oben sieht das gerade fantastisch aus. Schon als ich das erste Mal aus dem Fenster schaute, musste ich trotz Kater lächeln. Berlin has gotten an icing. Mal sehen wie es sich anfühlt, wenn ich im Auto sitze. Die Berliner Straßenreinigung führt sich nämlich beim ersten Schneefall immer sehr hawaiianisch auf.
„Kiekma – kiekma – is irjendwo n AKW hochjejang? Wo kommt der weiße Staub her? Wat sollnwa bloß machn? Vadammt!! Und kalt isset. Hat wer die Sonne ausjestellt?“

It looks just so beautiful. Like. SNOW! (Come to cover the lovers.)

GLAM ON TURKEY

„Sagen Sie mal? Kann das sein, dass Sie keinen tiefgefrorenen Rosenkohl in den anderthalb-Kilo Beuteln mehr da haben?“
Herr Dick rechnet mit einer patzigen Antwort wie „Frach det doch den Tiefkühlmann, ick bin die Käsethekenfrau“, aber stattdessen:
„Na – ich kiek ma, wa?“ Lässt den Büffelmozarella Büffelmozarella sein und kommt hinterm Tresen vor.
„Na dit is ja ´n Ding. Hier müsster eingtli liegn.“
„Ja, steht dran, ne?!“
„Da is nur Iglu!“
„Ja, aber da zahl ich ja das Doppelte.“
„Dit is wohl wahr. Hamsen Aujenblick? Dit liecht villei an der Inventur. Donnerstag ist Inventur. Ick lass ma den Herrn Beeser ausrufen.“
Dies geschieht. Herr Beeser auf die Elf. Wir warten auf Beeser. Beeser kommt nicht. Wahrscheinlich lädt er gerade in den Innereien von Karstadt Rosenkohl ab.
„Ach wissen Sie, ich glaub ich nehm dann doch den von Iglu.“
„Wat ick immer mach: ick koof den frischen, wasch den und frier den ein. Kommt ja aus jleiche raus.“
„Aber kriegen Sie denn die Rosenkohlröschen da auch richtig sauber?“
„Na klar.“
Sie tritt wieder hinter Tresen hervor, stellt sich neben Herrn Dick und präsentiert ein imaginäres Rosenkohlröschen.
„Die jelben Blätter machense ab, und det kleene Klümpchen unten, und dann ritzense det kreuzförmich ein. So etwa.“ Gestikuliert kleines Kreuzchen in kleines Restklümpchen.
„Das kann ich ja mal probieren. Dankeschön.“
Glam geht zum Gemüseregal, dort stehen zwei halbwüchsige türkischstämmige Berliner mit einer langen Inventurliste. Die beiden riechen als hätten Sie gerade in der Parfümerieabteilung geduscht. Frisch. Passt. Frischwaren. Glam schiebt einen der jungen Herren freundlich beiseite und greift drei Netze Rosenkohl.
„Könnsi das esseney?“
Glam honoriert das „Können SIE“ mit einem anerkennenden Nicken.
„Man wäscht, macht die gelben Blätter ab, schneidet das Klümpchen ab und in das Restklümpchen schnitzt man ein kleines Kreuzchen. Kinderleicht.“
Jetzt ist an den beiden Inventurjunioren anerkennend zu nicken.
„Schmeckt sehr gut“.

Und heute abend befreit Glam die verfrorenen, kreuzgeritzten Köhlchen aus dem Eisfach wo sie jetzt noch neben dem Vanille-Vodka schönheitsschlafen, bereitet sie nach Vorschrift zu und freut sich auf ein Thanksgiving-Dinner bei der amerikanischen Nachbarin.

SOMMERSTURM

„Kuckma da hinten, die Wolkenfront!“
„Die braucht noch so 2o Minuten schätz ich.“
„Wie lange brauchen wir denn zurück?“
„Ne halbe Stunde. We´re fucked!“
„Zieh das T-Shirt aus!“ – Lucky geistesgegenwärtig. Gesagt, getan. Und dann als ob Eispartikel auf einen niederprasseln im besengtest-möglichem Tempo über den See rudernd Richtung Anlegeplatz. Als wir ankommen sind wir pitschnass und blaugefroren. Leider haben Gummiboote es ja so an sich, dass man sie nicht einfach vertaut und abhaut, sondern, dass man die Luft erst herauslassen muss, bevor man sie im Kofferraum verstauen kann. Und Bäume, die in den ersten Minuten eines Sturzregens möglicherweise Schutz bieten, möchten auch irgendwann die Regenlast in fetten Platschern abwerfen und die Protagonisten ein wenige aufscheuchen. Also noch zehn weitere Minuten kreischlachend halbnackt am Straßenrand, bis auf die Knochen durchnässt, zitternd, schlotternd, aber selig und vor Lachen ganz irr. Immerhin ist das T-shirt fast trocken geblieben und Glam muss nicht oben ohne nach Hause.

sommersturm
(Im Verfügungsraum, no less! Glam verfügt, seine Leser mögen sich den Film „Sommersturm“ ausleihen, besser noch kaufen. Fantastisches Script, schöne Bilder, hervorragend gespielt, absolut zwingend sehenswert, selbst für Heten Ich bin auch mit Scarlett O´Haras gemischtgeschlechtlichen Liebeleien aufgewachsen, also tut Euch ruhig mal einen schwulen Liebesfilm an, okay?)
Pic courtesy of www.schwung.uni-mannheim.de

GLAM KRIEGT AUFE FRESSE

Ich habe echt überlegt, ob ich diesen Beitrag poste oder nicht. Hab ihn reingesetzt, wieder rausgenommen. Gute Freunde sagen „Du räumst dieser Person damit zuviel Bedeutung ein“. Sicher mit Recht. Ihr einige Wochen keine Bedeutung einzuräumen hatte Schlägereiandrohungen zur Folge. Und ich habe keine Lust meinen Blog zu zensieren, weil eine kampfesdralle Dame sich hier in jeder kritischen Bemerkung die Schöpfung betreffend persönlich angegriffen fühlt. Also, hiermit: einmal Bedeutung für die unbenannte Lady auf diesem meinem Blog und ich hoffe dann war´s das endlich. Es ist der Grenzüberschreitungen genug. Und sollten weitere folgen, dann vertraue ich auf die Polizei und den sozialpsychiatrischen Notdienst (nicht für mich). Wieviel klarer kann man „Komm mir nicht zu nahe“ ausdrücken? Hier das ganze in Buchstaben.

Das Bloggen – es könnte so schön sein. Man liest ein paar zeitgenössische Notizen, hinterlässt ein paar Kommentare, entdeckt neue Chronisten, vergnügt sich und geht seines Weges. So verstehe ich das Bloggen jedenfalls. Und auch die meisten anderen in dieser Community, deren Seiten ich so gern besuche. Dass ausbleibende Besuche meinerseits zu Androhungen führen, dass ich meine Fresse poliert bekommen sollte, finde ich übertrieben. Dass dies auch noch über gänzlich unbeteiligte Drittblogger kommuniziert wird, da ich die Mails einer bestimmten Bloggerin nicht mehr öffne, das ist nicht nur übertrieben, sondern auch noch lästig. I mind my own business an I don´t involve third parties. Dass ich nun auch noch diesen Text auf meinem Blog veröffentlichen muss, ärgert mich besonders, da nun die besagte Bloggerin ihren Narzissmus befriedigt sieht, der sie schon zu der Annahme veranlasst hatte, dass die Äußerung, dass es Ausrutscher in der Schöpfung gebe, sich auf sie bezogen habe, als habe sie nie eine Nacktschnecke gesehen. Da wo sie herkäme, gebe es auf so einen Ausspruch drei Generationen Blutrache. Da ich keine weiteren Generationen von Dicks plane, wird daraus vermutlich nix.
Also sehr geehrte Dame, beruhigen Sie sich und gehen Sie doch alles etwas relaxter an. Meine Fresse ist schon sauber und bedarf keiner weiteren Poliererei.
Ich möchte Sie gleichzeitig bitten, diese Worte nicht als Kontaktaufnahme zu betrachten. Ich habe genug Freunde und Feinde und würde mich freuen, wenn Sie mit mir das gleiche täten wie ich mit Ihnen: in Ruhe lassen. Danke.

AM ANFANG

Und dann plötzlich, Samstag Mittag, ich sitze bei Lucky, auf einmal das Gefühl, dass ich mich wieder mag. Auch ohne Erfolg. Mein wirres Wesen, meine dunklen Haarwurzeln, die weißen Haare im Bart. Sogar auf den Absturzfotos mit Lucky und Frankie, die ich hier leider nicht veröffentlichen darf. Unzulänglichkeiten, mit denen ich leben kann.
Leute, die mir schon immer hätten egal sein sollen, sind es plötzlich. Ich bin bei mir, meine Freunde sind bei mir. Meine Freuden und meine Ängste sind bei mir. Das ist Alles. Alles meins. Und wenn ich dieses Gefühl ein Weilchen halten kann, oder mich sogar davon überzeugen kann, dass es richtig ist, dann werde ich wohl irgendwann weniger bloggen, weil ich stattdessen mit meinem Hund durch Wald und Wiesen hoppse. Alles zu seiner Zeit. Für den Weimaraner-Plan brauche ich noch ein klitzekleines bisschen mehr Stabilität. Aber ist in Arbeit.

v-f1
(Dieses Bild ist von Lucky (photographer) und Frank (rauchend) freigegeben und zeigt zwei der drei Fragezeichen. Playlist (vermutlich) „This woman´s work“ oder „Don´t give up“. Es war unsere erste Probe für die Nachstellung des „Hounds of Love“-Covers mit Glam in der Rolle Kate Bushs und Frank als Weimaraner. Die nicht freigegebenen Fotos zeigen die Protagonisten bei Tageslicht, schon etwas ermüdet.)

Now look what I found on the internet:
kate-gabi
Fehlt eigentlich nur noch ein Elefant!

COLOUR ME LUCKY or BEYOND THE POSEIDON ADVENTURE

Unzählige Momente voller Schönheit, die ich mit ihm verbracht habe. All die lichtdurchfluteten grünschimmernden Sommernachmittage, die wir mit der Flotte unterwegs waren, zwei Mann, zwei Boot und eine Luftmatratze. Besuche bei der seltsamen Gräfin vom Schlachtensee, Bette-Davis-Filme, mein Ständchen als Dark Angel, das von einer leeren Ghettoblaster-Batterie und einem schizophrenen Nachbarn leider vereitelt wurde. (Ich trug einen langen falschen blonden Zopf, starkes Makeup, Dämonenflügel und Leggings – ein Outfit in dem man nicht unbedingt eine Autopanne haben möchte. Hatte ich aber.) Die schöne schöne lange Waage-Skorpion-Nacht, die wir als „Die drei Fragezeichen in Ekstase“ verbrachten, oder als Brüderchen und Brüderchen im lokalen Darkroom oder als Flashmobber im Kate Bush-Rausch.

Er war in den guten Tagen da und er saß Tag und Nacht am anderen Ende der Standleitung in die Hölle, wo ich mit den Teufeln heulte. Er hat mich lachen und weinen gesehen, schwimmen und Tanzen, Head- banging und bursting. Er hat den Dämonen ins Gesicht geschaut und sich nur kurz schrecken lassen. Er ist ein Festival von Farben. Das Schwarzweiß in dem Bild, das ihn als Engel Berlins zeigt, wird seiner funkelnden Farbenfreude nicht gerecht.

Sein Geist befähigt ihn zu verstehen, zu begreifen. Seine Seele lässt ihn lieben. Und wie viel das ist, durfte ich erleben. Darf ich erleben. Und ich freue mich, dass ich ihm gestern sagen konnte, dass die Höllenfahrt der Poseidon offenbar ein Ende hat. Und dass das vor allem ihm zu verdanken ist, das sage ich ihm jetzt. Hier. The ship may be a little wrecked, aber die Crew ist zurück an Bord.

Er ist ein Elefanten-Halter. And I, I am a lucky man. Because I love him.

house-angel
(Foto: Jürgen Baldiga)

BEWARE OF THE GEMINI or I LONG TO BE ALONE

„If you now have the need to be alone, then that is what you should really do. If you make too many demands on yourself or if you are not left in peace, you may become hurtful to others – for example, your children if you are a parent – as a result of a certain indifference.“
http://www.astro.com
(Best astro-site there is.)

Der Mitbewohner sollte mich besser nicht ansprechen.

Spannenden Artikel über Magyar Vizsla als Therapiehunde gelesen. Einer stationären Magersucht-Patientin hat die Hündin sogar aus Empathie ins Zimmer gekotzt! Ja, Vizslas nehmen feinste emotionale Strömungen wahr. Wie würde ein(e) Vizsla auf mich reagieren? Mit den Armen rudern? Zu Kate Bush jaulen? Wenn ich mir eine(n) Magyar Vizsla anschaffe, komme ich dann um die Gruppentherapie? Wenn man einen Vizsla mit einem Mops kreuzt, ist das dann ein Wisch-Mops?
Ih will eh lieber einen Weimaraner. Eine nette hübsche treue Gabi. Weimaraner und Elefanten sind von geradezu überirdischer Schönheit. Wenn ich mir diese Perfektion anschaue, dann nehme ich der Schöpfung auch den einen oder anderen Ausrutscher nicht mehr so übel. (Ich bin sehr versucht hier etwas oder jemanden zu verlinken, aber ich will nicht boshaft sein and we know that any publicity is good publicity.)

ROXANA UND MANDY UND DIE INNERE ZERKNÜLLTHEIT

Therapeut: Im Blitzlicht schildern Sie bitte einfach kurz, wie sie sich jetzt, nach der Gruppe, gerade fühlen.
Glam: Also, ich denke gerade über meine Eltern nach. Also, man könnte sagen, ich bin jetzt nachdenklich.
Roxana (schneuzt sich die Nase in ein Zewa Softi): Also, ick muss echt sagn Hut ab vor den Hans Joachim, det hat ma allet so berührt, wie er dit erzählt hat. Ausjesetzt und denn die Pflejemutter wo ihn vaprüjelt hat. Menschenskinner nee. Und die Jeschwister wo beinah verhungert wären und wie er denn den Verjewaltija von seene Tante in Notwehr niederjeschossen und (schneuzt erneut) denn die Problematik mit sein Parkinson und die Inkontingenz, det hat ma jeschafft, ick hab ma da so rinvasetzen könn und jetzt fühl ick ma innerlich leer, so wie als der Hans Joachim rückwärts ausse Garage ist und den kleenen Yorkie von seine richtje Omma überfahrn hat, also von die blutsverwandte, nicht die Pflejeoma, und wie er da ja keene Tränen mehr hatte. (Zerknüllt das ohnehin zerknüllte Zewa Softi.) Scheiß die Wand an, det kenn ick jenau. Det is wie bei mir, dacht ick die janze Zeit, det is haarjenau wie bei mir.
Mandy: Aber ick denke Du bist hier wejen Deine Bulimie.
Roxana (Zewa Softi kraftvoll auf den Boden werfend, dabei ausschreiend und im Stuhl hochfahrend): Jetzt langtsma aber balde mah. Pass uff watte sachst, Sackfresse! Ick warn Dir ein letztet Mah: Noch son Spruch – Kieferbruch!