Archiv des Autors: glamourdick

GLAM POPPT oder I SHOULD BE SO GLAM AND I AM

nexte

Wie kann ich das jetzt bloggen, ohne eitel zu scheinen? Es gibt da was, da bin ich richtig stolz drauf. Es ist nämlich so: ich bin in ein paar Pop-Songs gelandet, genau wie Rosanna Arquette oder beispielsweise auch Conny Kramer oder Lili Marleen. Nur dass keines der Lieder meinen Namen trägt und ich auch eher in Nebenrollen auftrete. (Eines der Lieder trägt sogar einen explizit anderen Namen im Titel, Doris nämlich, mit dem Zusatz Magic, in dem Lied wird beschrieben, wie man -in dem Fall ich- glamourös weint.) In einem anderen Lied mache ich immer alles falsch und soll stattdessen jemanden nackig machen. Aber vielleicht hat er (der Texter/Sänger) das auch nur behauptet, weil er will dass ich glaube, dass er mich meint, aber er hat explizit gesagt, wem es nicht gilt, weil derjenige ja nicht Bücher schreibt. (Ja, ich weiß – spätestens an dieser Stelle sind wir jenseits von Rätselraten in meinem kleinen Intimkosmos gefangen, aber so ist mein Blog – sometimes you can get it, sometimes you can´t.) Und einmal musste ich mir selbst ein Zeichen setzen/Lied schreiben, in dem ich für den Sänger eine ganze Stadt bin. Der große Anreiz war es, einen Reim auf „Brandenburger Tor“ zu finden. Nicht dass ich jetzt als Pop-Flittchen erscheine – zwei der Lieder sind vom gleichen Sänger und eines davon ist in der deutschen Fassung dann doch nie erschienen.

In einem weiteren Lied gebe ich einen Cowboy und wenn man genau hinhört, dann erkennt man den pöbelnden Glam als er noch ein Bier trinkender Schutzengel war.

Aber meinen Freund Lucky hat ja schon vor 20 Jahren Kylie Minogue besungen, weil sie genau so sein wollte wie er.

WEIL ICH ES MIR WERT BIN oder KEIN SPLISS, ALTER

Glam im Zwiespalt. Soll ich wirklich von meinem zweiten Besuch der Videothek berichten? Was, wenn Kalle Blomquist meinen Blog liest? (Nicht ganz auszuschließen.) Ich meine, ich will da schon dann und wann wieder hin und Filme ausleihen. Mein Fernseher ist seit geraumer Zeit eh nur noch ein Monitor für DVDs, das hat möglicherweise mit Angela Merkel zu tun. So much woman, so little Glamour.
Also okay. Gestern Sehnsucht nach Hollywood-Horror (Amityville) und Ewan MacGregor (Young Adam) gehabt. Unüberlegt in die Videothek meiner Wahl. Filme ausgewählt, an den Tresen und direkt bei Kalle Blomquist angestellt. Freundlichstes Strahlen aufgesetzt. Reaktion – irritierter Blick. Leichte Nervosität. („Wer ist das, den kenn ich doch irgendwoher.“) Selbst bei der Adressüberprüfung, „Du wohnst noch in der Xy-Straße?“, „Ja (strahl), in der Xy-Straße“, kein Erkennen. An der veränderten Haarfarbe kann´s nicht liegen – ich hab einen brünetten Ansatz von 4 cm.
Verlasse nach einem letzten Lächeln den Laden und überlege, wie ich mich fühle. Erleichtert. Ich habe mein Terrain abgesteckt. Zu Hause wird L´Oréals Hollywood angerührt und die nächste blonde Periode eingeläutet.
„Das ist ja toll“, sagt Ray. „Da ist ja kein bisschen Spliss“.

ROXANA UND MANDY FLIEGEN AUF

Jetzt ist es also raus, Roxana und Mandy haben Nachnamen und da Herr Schroeder die Katze aus dem Sack gelassen hat, darf ich es verraten: Roxana Pfeffer und Mandy Salz haben in der Therapie ein paar knifflige Dinger zu lösen:
– wie es mit ihrer Rap-Karriere den Bach runterging
– wie sie Ricky dazu brachten Tic Tac Toe zu sprengen
– wie sie sich operativ noch vor Michael Jackson in white chicks verwandelten und bis heute als weiße Berlinerinnen in Rixdorf und Britz leben
– wie sie im Studio von Jack White ihre Seele verschachert und den Backgound-Chor für David Hasselhoffs „Ive been looking for freedom“ aufgenommen haben
– wie sie in der Rap-Szene ihre Muttersprache (Balinerisch) verheimlichen mussten und so einer enormen Identitätskrise Vorschub leisteten.

BERLIN, SONNTACHMORGEN oder DA WAR DOCH WAS

„Wfie fpäp iff?“
Die Worte könnten, aber die Lippen wollen noch nicht. Die sind heut irgendwie schwerfällig. Dumme Küsserei.
„Kurz vor zwölf.“
„Waff?!“
„Kurz vor-„
„Ja habichjaverstanden. Fuck. Fuck.“
Springt aus dem Bett, greift sich Kleidung.
„Wasdennlos?“
„Ich musswasbloggen.“
„Du bist da schon n bisschen besessen, oder?!“
„Verstehst Du nicht. Ist ne Ehrensache. Unter Männern. Bin gleich zurück.“

Steht auf, etwas stolperig. Der Kopf ist gefüllt mit alten Galoschen, die sich ständig auf die Füße treten. Kopfschlagen! Arbeitszimmer. Der Mac ist noch vom Vortag an. Es war eine ziemlich überrumpelte Nacht. Setzt sich und träumt ein bisschen von der Cola Light Lemon im Kühlschrank, während er schreibt:

Lieber Herr MC. Dieses ist Ihr Ehrentag. Und somit seien Sie geehrt! Happy happy birthday! Jacuzzis und Geld und geile Weiber mögen Ihren Weg pflastern! Ich trinke gleich eine Cola Light Lemon auf Ihr Wohl und tu als sei es Holsten! Achsojaund die Britt kann heute wegen kein PC voraussichtlich nicht bloggen, aber denken tut sie an Dich janz feste, Herr Best of Kiel! Vive la vie, vive le Veuve et vive le Winkel!

GLAM FINDS A FILM ON HOW TO BE INVISIBLE

invisible

…hair of doormat, hem of anorak…

den_osynlige11

Für einen kalten, düsteren zweiten Advent ein kühler, schöner, brutaler Spielfilm von den Erben der beiden Bergmanns. Und Tuva Novotny als Ingrids Enkelin: tödlich, kalt, bewegend. Wie gut sie in diesem Film ist, vermittelt sich erst, wenn man ihre anderen Filme kennt. Aber die wird man sich nach „Invisible“ ohnehin anschauen wollen.

Ein junger Mann wacht eines Morgens auf, geht zur Schule, stellt fest, dass niemand ihn wahrnimmt. Er muss wohl tot sein. Und erst jetzt, wo ich an den Vogel denke, der im Film eine Schlüsselrolle spielt, weiß ich, was man Kate Bush zu Weihnachten schenken kann. Diese DVD.
(Wenn ich´s mir recht überlege, dann hat Kate den Film schon. Also bitte Film anschauen und danach „How to be invisible“ von der „Aerial“ hören. And December shall be magic again.)

GLAM, DIE LIEBE UND DIE ZEIT oder IT IS THE FRIENDS YOU CAN CALL AT 4 AM THAT MATTER

Riding high on love´s true blueish light… es ist der Sommer 1998, Glam hat einen angenehmen Job in Managementposition, ein Buch auf dem Markt und einen schimmernd schönen Mann (nennen wir ihn MM) an seiner Seite. Er hat ihn in der Mittsommernacht kennen gelernt, Hexerei war mit im Spiel, und seitdem haben die beiden viele gemeinsame Abenteuer erlebt. Es ist Liebe. Fürs erste. Im dritten Monat dieser Liebe machen die beiden eine Landpartie. Ein guter Freund von Glam feiert opulent seinen 40. Geburtstag. In dörflicher Umgebung, bezaubernd geschmücktem Garten, ein Pavillion mit Flügel, Gesang. Der Freund hat explizit nur die besten der besten Freunde eingeladen, nicht einmal Lebenspartner wurden berücksichtigt. Beim Glam wurde die einzige Ausnahme gemacht, weil er doch so stolz ist auf das Juwel MM an seiner Seite und es ihn auch so ausgesprochen ziert.

Zu fortgeschrittener Stunde und viele Flaschen Wein in die laue Nacht hinein, perlende Gespräche, funkelnde Augen, berauschte Noten später findet sich Glam allein unter einem Baum, ein wenig Ruhe tanken, als er von hinten umarmt wird. Er lehnt sich in die Umarmung, entzieht sich ihr wieder als er spürt, riecht, dass es nicht sein Mann ist, der ihn da so zärtlich hält. Es ist B. aus W. Ein Künstler aus einem fremden Land. Attrativ, großgewachsen, seltsamerweise MM nicht unähnlich.

„Wenn G. im Mai Geburtstag gehabt hätte, dann würden wir morgen zusammen aufwachen.“

Und geht zurück in den Pavillon zu seinem Mann.

Dezember 2005. Auf der Suche nach einem alten Polaroid entdeckt Glam eine Karte, auf der ein Zigaretten-Etui abgebildet ist. Die Karte hatte ihm damals G. geschickt, als es mit MM vorbei war und die Glitzerwelt des Dicks eine Weile aus den Fugen war. Die Aufnahme des Etuis stammt von B. aus W. Das Zigaretten-Etui ziert eine Gravur. Es ist ein Ausspruch Marlene Dietrichs, er lautet: „It is the friends you can call at 4am that matter“.

Keine Pointe. Muss ja nicht immer.

THERE IS A LOT TO BE LEARNED FROM BEASTS oder GLAM UND DIE VAMPIRE

Der Schlaf vor Mitternacht soll ja bekanntlich der gesündeste sein, also hatte ich gestern davon zwei Stunden. Und erwachte heute morgen um 5.00 und sah vor meinem inneren Auge sofort diese Fragebogenfrage „Wachen Sie manchmal ein oder zwei Stunden vor Ihrer Aufwachzeit auf und können dann nicht mehr einschlafen?“
Ja. Und da ich gestern die letzte Dosis Johanniskraut einzunehmen verschlafen hatte, waren das keine schönen Gedanken, die mir jetzt kamen. Alle möglichen Lebensthemen wirbelten durcheinander – eine Folge meiner Psychotherapie, die mittlerweile so gut läuft, dass wir uns langsam den wirklich unangenehmen Themenkreisen stellen, weil eine gewisse Grundstabilität etabliert ist.
Der Herr Burnster bemerkte gestern, ich sei indiskret, und das kam gerade pünktlich zum Therapie-Thema „Meine Promis und ich“. Da ich ja jetzt selber prominent werde, spätestens nächstes Jahr, selbe Zeit, denke ich mal, muss ich nicht mehr die Berühmtheit anderer Leute kreativ unterstützen. Ich habe nicht den geringsten Anlass mehr, irgendwelche Geheimnisse zu wahren. Ich verstehe langsam, warum langjährige Mitarbeiter von Egozentrikern Tell-All-Bücher schreiben, und meine Therapeutin brachte gestern selbst Maria Riva ins Spiel. Sei mal die Tochter von Marlene und bleib normal! Wenn man 15 Jahre lang im Dunstkreis diverser Größen wabert, muss man sich irgendwann im Spiegel betrachten und nachschauen, ob man vielleicht geschrumpft ist. Ich werde vermutlich kein Tell-all schreiben, mir reicht es, dem Dirty Dozen, das die Identitäten hinter den Pseudonymen kennt, ein wenig Entertainment zu bieten. Und ich hoffe, dass es auch für die anderen eine angenehme Lektüre ist.

Auch wenn das Bloggen grundsätzlich egozentrisch ist – der Blogger, der hier schreibt, hält sich eher für exzentrisch und begrüßt den momentan sehr regen Austausch mit anderen normal gestörten Exzentrikern. So, getting it off my chest, I might cough up some blood, denn danach geht´s mir besser. That´s therapy, Darlings.

So, Choc, hier das schöne Cover:

„SANG SUR MES DENTS“

CARYDICK

Und wenn jemand noch nach einem geeigneten Weihnachtsgeschenk für mich sucht:

kurt-cary

Kurt Kaupers Cary Grant, Öl auf Birkenholz 228,6 x 142,2cm.
Courtesy of Frankfurtlounge.

P.S.: Zum Thema Weihnachtsgeschenke. „City Glam“ von Armani stinkt. Bitte davon absehen. Da hätte der Giorgio mich mal besser machen lassen sollen. Mir schwebt da so eine mischung aus Tuberose, Gardenie, Vanille und Opium vor, aber ohne diesen Hauch Sellerie, den Marc Jacobs ins Spiel bringt.

IN A SEASIDE TOWN THAT THEY FORGOT TO BOMB DOWN

„I´ve found that living is one dimension, thinking another and writing a third.“
Ruth Rendell writing as Barbara Vine

In jedem Barbara Vine-Roman gibt es (mindestens) einen Satz, der hängen bleibt. Der obige stammt aus „No Night is too long“, einem meiner Lieblingsromane, in dem sehr anschaulich und nachvollziehbar beschrieben wird, wie eine Liebe vergeht, sich dreht und wendet. Ich glaube, es war in „House of Stairs“, da bemerkt die Erzählerin, wie fantastisch es eigentlich ist, dass wir in unseren Träumen Menschen erfinden. Wesen, die in unserem wahren Leben nicht existieren, die wir aber im Traum zu Leben erwecken. (Das Kreieren einer guten, stimmigen Romanfigur gestaltet sich so ähnlich und doch ganz anders. Zunächst ist es ein Entscheidungsprozess, der Denkakt. Aber irgendwann steht die erfundene Person plastisch vorm inneren Auge. Und wenn man weiß, wie ihre Stimme klingt, dann ist man auf dem richtigen Weg. Dann schreibt die Hand schon, was die Figur sagt, bevor der Autor es gedacht hat.)
Wer noch ein paar profunde (und preiswerte) Weihnachtsgeschenke braucht, dem sei das komplette Oeuvre von Frau Vine ans Herz gelegt. Am besten immer gleich doppelt kaufen: einmal zum behalten, einmal zum verschenken. Wer es nicht zu düster liebt, der möge mit „Asta´s Book“ anfangen. Und danach „Brimstone Wedding“.