Archiv des Autors: glamourdick

LAUTES LAND

5. Stock Seitenstraße im Vergleich zu erstem Stock Durchgangsstraße erheblich leiser wenn Fenster auf. Immer wieder aufgewacht mit Resten von Traumfetzen, in denen ich mir Zahlenkombinationen merken musste.
Heute dann erfolgt die Rückkehr to a town that has already been burned down. Hatte meinen Aufenthalt auf dem Land spontan um einen Tag verlängert, weil sich noch keine rechte Entspannung hatte einstellen wollen. Die kam erst gestern. Waffeln gebacken mit dem Neffen. „Talk Talk“ von T.C. Boyle zu Ende gelesen. In der Sonne/ im Schatten/ im Regen gesessen. Festgestellt, dass die Glämmer-Eltern eine Tendenz entwickelt haben, überall kleine Häuser aufzustellen. Die vor ein paar Wochen angepflanzte Hecke blüht und gedeiht. Bachstelzen, Spechten und Drosseln zugehört. Den Hund der Schwester überzeugt, auf mich zu hören. (Er hat eine Stop-das-Bellen-Funktion, wenn man ihn auffordert unverzüglich seinen Korb aufzusuchen. Er wusste das – ich musste es erst lernen.)

Morgen noch einmal 4 Stunden Einarbeitung des neuen Geschäftsführers. Möglicherweise das letzte Mal, das ich mich auf Porno-Niveau jenseits des Konsumententums begebe. (Und selbst da besteht augenblicklich noch kein Verlangen, obwohl mir G. zum Geburtstag eine kostbare DVD mit Vintage-Material geschenkt hat.)

BLACK BOYS ARE SO LUCKY

Im Harz trinke ich morgens Kaffee, eine in diesem Zusammenhang übrigens völlig irrelevante Information, aber ich sitze also noch recht taub und verkrunkelt an meinem ersten Kaffee, früh um halb 9, da klingelt´s an der Tür.
„Lass mal – ich gehe, das ist der Schornsteinfeger“, sagt die Glämmermutter.
Nehme die Beine in die Hand, zische durch den Flur, ein Elefantenschritt die Treppe hinab und öffne.
„Guten Morgen, Sie kommen gerade richtig.“
Er schaut zwar etwas beängstigt, aber da muss er halt durch.

(Liza Minnelli erleidet angesichts obiger Darbietung Pflaumensturz und verschluckt sich an ihrem Gebiss!)

THE BAD NEWS IS THE GOOD NEWS

„Und jetzt, wo der neue Geschäftspartner einsteigt, kann ich mir Deinen Arbeitsplatz nicht mehr leisten. Hättest Du denn Zeit, ihn einzuarbeiten?“

Und das Fazit, ich hab´s ausgehalten, quasi bis zum Schluss, wenn auch nur mit Ach und Krach (endlich passt das mal mit dem Ach und Krach). Nicht schlecht. Ein Tag noch. Black Thursday. Bleibt natürlich die Frage, wie ich ab Freitag mein Geld verdiene.

CHARITY. HOPE. VALENTINE.

(„Sweet Charity“, Bob Fosse)

There´s gotta be some life cleaner than this
There´s gotta be some good reason to live
And when I find me some kind of life I could live
I´m gonna get up
I´m gonna get out
I´m gonna getup, get out and live it!

MORGENGRAUEN

Und der Abend ist schön, angeschickert und ein bisschen verknallt. Der Stress der vergangenen Wochen hat sich gelegt und Du freust dich, dass Du langsam wieder bei Dir ankommst und dann: „Was Du letztes Jahr angespannt im Auto gesagt hast, das …!!!“ Und Du hast keinerlei Erinnerung, was Du letztes Jahr angespannt im Auto gesagt hast. Null. Aber offenbar war es schlimm. So schlimm, dass er droht, sofort zu gehen, wenn nicht… Und dann wird es ausfallend, die Vorwürfe plätschern, die über ein Jahr sorgsam gepflegte Anschuldigung hat offenbar tiefe Wurzeln und dann nimmst Du die Gelegenheit wahr und sagst sowas wie „Du wolltest doch jetzt gehen, dann tu´s.“ Erschießen könntest Du Dich ja selber, da brauchst Du keine Freunde für. Und es zählt nicht zu Deinen Hobbies, dass man auf Dir rumtrampelt und Dir keine Gelegenheit gibt, einen Sachverhalt klar zu stellen („Letztes Jahr angespannt im Auto“) an den Du null Erinnerung hast. Aber sowas kommt halt vor und so endet eine eigentlich charmante, angeschickerte, verliebte Party mit Scherbenund Tränen und was-für-ein-Arschloch-Du-bist. Aber der die das Gazpacho ist gut angekommen und die Eistorte war delikat. Und es ist auch noch viel zu trinken über und vielleicht lädst Du ihn ein, Dir eine zu knallen, um ihn dann in den Arm zu nehmen, wie er es verdient, aber er ist halt fast Skorpion und mehr als die Hand ausstrecken geht nicht. Soll er halt drauftreten. Es fassbindert.

BAMBI-BEBE bzw. TIEMPO PEQUENO

„Tiempo pequeno“ singt Bebe, und wenn ich dem spanischen Wörterbuch Glauben schenken darf heißt das so etwas wie „kurzer Zeitraum“ woraus in Deutschland wohl nur Judith Holofernes ein schönes Lied machen könnte. Die Spanier haben eine Art Buchstabenabfolgen in rauschige Klänge zu verwandeln. Stelle das Tee-Tablett auf den Tisch, schalte das Mobiltelefon an und eine kleine Melodie weist auf den Eingang einer Textnachricht hin. Spanische Nummer. Man wünscht mir einen schönen Geburtstag, eine Woche zu spät. Tiempo pequeno. Herr Bambi denkt an mich, wie süß. Dabei hatten wir doch nur einen so kurzen Zeitraum.

Lucky brache mich auf die Idee – mach doch Freitag frei. Der Despot wuchs über sich hinaus und sagte „das hast Du Dir verdient“ (nicht dass ich auf die Zuckerbrot und Peitsche-Masche reinfalle). Und so sitz ich in meiner Hollywoodschaukel, lächle meine Blumen an (der Schmetterlingsbaum ist mir weit über den Kopf gewachsen, das Schilfgras macht Zen-Geräusche). Nachher kommt das Skailight. Ein paar Libellen will ich mir noch kaufen und der Oleander braucht einen neuen Topf. Und morgen kommt auch noch Frau Fragmente zu Besuch und noch andere lieben Menschen haben sich angekündigt und mir geht´s gut.

Bebe, „Ella“

MISS MUTIG 2007

Gestern letzter Drehtag. Alle am Set erschöpft, zu kaputt, sich über das bevorstehende Ende zu freuen. Ich weiß im Moment noch nicht was schlimmer ist, die zwölf-Stunden-Tage in der Crew oder die achtstündigen im selben Raum mit dem Regisseur. Die Crew (von Ausnahmen abgesehen) hat das Ganze erträglich gemacht.

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Die Tortenschlacht sah prima aus, aber was man immer vergisst, so bei Tortenschlachten, ist dass danach sauber gemacht werden muss.

HERRMANN IST HINÜBER: THE DEATH OF BUNNY oder SIE SÄEN NICHT, SIE ERNTEN NICHT

Stehst Du also ein paar Minuten regungslos am Fenster, erschöpft, willst dem Körper nur ein paar Atem-Einheiten in Stille und Frieden gewähren, schaust hinaus, da setzt sich Geselle Baby-Sperling auf dem Fenstersims ab, direkt vor Dir, wie um „Hallo Freund Mensch – nimm´s nicht so schwer, Dein Los“ zu sagen in seiner putzigen Tschilp-tschilp-Sprache.

sparrow

Er ringt Dir ein Lächeln ab, der kleine Bote des Natürlichen. „Tach´chen Herrmann“ sagst Du, um ein Verhältnis zur Natur aufzubauen, weil Du es nicht anders gelernt hast und Du so selten den Namen Herrmann aus Deinem reichen Wortschatz zum Einsatz bringst.

Und dann, in einer räuberischen Bewegung, sehr zielstrebig von unten heran, Flügel kess angewinkelt und nur eine Sekunde in der Luft verharrend, greift sich die Nebelkrähe das kleine Herrmännchen, das noch einmal erstaunt tschilpt und dann hinfortgetragen wird. Und Du konntest nichts dagegen tun.

nk

Aborm? Nein – Wikipedia dazu:

„Die Nahrung der Nebelkrähe ähnelt der der Rabenkrähe. Nebelkrähen sind Allesfresser. Sie lassen Schnecken, Muscheln, Krabben und Walnüsse aus größerer Höhe fallen, um deren Schalen zu brechen. In Küstenregionen stehlen sie die Eier von Seevögeln, aber auch Nester von anderen Vögeln nehmen sie aus. Dabei fressen sie auch Jungvögel. Hasenjunge verschmähen sie auch nicht.“