„Verflext und nicht zugenäht“ wäre eine angemessene Schlagzeile gewesen, über das, was sich im Agrarmarkt zugetragen hatte, aber auf die war die Goslarsche Zeitung nicht gekommen. Ines las ohnehin nicht mehr. Romane, Rätselhefte, die „Bella“ – all dies war längst inhaltlich und formell irrelevant geworden. Und wenn Ines noch das verantwortungsbereichsbewusste Blatt gelesen hätte, dann wäre ihr höchstens aufgefallen, dass, ähnlich, wie in „Zigarettengeld“ das Wort „Engel“ verborgen ist, in der besagten Lokalpublikation sich die Wahrheit in einer Ortsbezeichnung verbarg. Die Goslarsche Zeitung titelte „Massaker in Schlachtparadies“. Doch da war Ines längst wieder unterwegs. Angeblich unterhielt der „Wiesenhof“ eine Dependance weiter oben in den Bergen. So spannte sie das Haarnetz über den Ahornblättern und schulterte den blutbefleckten WalMart-Rucksack. „Krieg dem Gutfried!“ hatte sie sich mit Menschenblut auf die nackten Schenkel gemalt (rechts „Krieg dem“, links „Gutfried“) und nach dem langen langen Treck, den sie hinter sich hatte, waren ihre Oberschenkel strong in Form. Bevor sie sich nach einem achstündigen Marsch auf einem Moosbeet nahe Clausthal Zellerfeld zur Ruhe legte, kam ihr eine infame Idee: „Ein Pseudonym, ihn zu täuschen…;-)“
Etwas Schlechteres hätte ihr nicht einfallen können und so verwarf sie den Gedanken gleich wieder. Ängstlich heulte ein Lux auf, als er die Witterung der schläfrigen Kriegerin aufnahm. Doch Ines hatte sich bereits dem Schlaf übergeben und überließ den Monstren ihrer Träume die Macht.
TRIPPING
„The photo booth-portrait looks reportage
Tonight we are the exiled working class.“
(S. Duffy)
Mit 17 hört man Musik anders als mit 27 oder 37, dachte ich. Ich hätte Recht gehabt wenn nicht Kate Bush mich gerade wieder drauf gebracht hätte, wie mit 17 zu hören, aber es geht jetzt ausnahmsweise einmal nicht um Kate sondern um einen anderen Musiker, den ich mit 17 gaaaanz gaaaanz doll fand und der ein ehrenhaftes und seltsam fulminantes Comeback quasi im Verborgenen erlebt.
Also es gab mal einen prekären pekuniären Pop-Prinzen, der es bei Duran Duran nicht lange ausgehalten hatte und stattdessen an einer Solokarriere bastelte, die ihm zu genau anderthalb Hits verhalf. („Kiss me“ und „Icing on the cake“) Genervt von der Plattenindustrie und ihren Zwängen rächte er sich mit einem wunderschönen, aber für die Zeit unverdaulichen Album mit dem Titel „Because we love you“, bevor sein Vertrag auslief. Dann tat er sich mit seinem Cousin zusammen, zog aufs Land und machte Folk-Music. „The Lilac Time“, seine Band, zeichnete sich durch scharfsinnig-poetische Texte und lagerfeurige Gitarrenmusik aus und entwickelte sich zu einem Underground-Hit – Die Band lebte in Bromyard, wo sie ihr eigenes Fanzine veröffentlichten (Arts & Crafts-like. Ich bekam es jahrelang zugeschickt) und begeistert vor sich hin musizierten, bis auch eine Plattenfirma nicht umhin kam, The Lilac Time zu veröffentlichen. Aus dem Pop-Prinzen war ein Independent-Star geworden. Nach ein paar Jahren The Lilac Time probierte es Stephen erneut mit einer Solokarriere. Er kollaborierte u.a. mit Nigel Kennedy. Achtungserfolge, aber keine Chart-Hits.
Besagter Sänger und besagte Band gehörten zu den von mir am intensivsten erlebten musikalischen Ereignissen meines späten Teenage und meiner 20ies. Platten, wo man zuhört und parallel die Texte mitliest. Wo B-Seiten noch Bonus-Tracks waren. Als mit Musik einfach alles stimmte.
Im Jahr 2005 höre ich eine Single („Tripping“), die vermutlich irgendwo in den internationalen Top 5 steht und sich auch eine Weile dort halten wird. Im Hintergrund Stephen Duffys Immer-noch-Junger-Mann-Stimme, im Vordergrund Le Rob. Stephen Duffy hat Robbie Williams neue CD co-geschrieben. Er spielt in seiner Band und singt Backgrounds. Er ist jetzt endlich filthy rich und quasi auch berühmt. Nur einmal um die Ecke, aber er ist Zwilling und wird die Twists und Turns seiner Karriere hilarious finden, of this I´m sure.
Und beim Aufräumen fiel mir eine 20 Jahre alte Weihnachtskarte von ihm in die Hand „I love you“ stand darin, und „have a beautiful christmas and a happening new year!“
Mit 17 liest man es gerne, dass sein Star einen liebt, selbst, wenn es nur um die Promo einer Single mit dem Titel „I love you“ geht.
Ich freu mich für Stephen. Und für Robbie. Und „Tripping“ ist eine crazy bitch of a song.
AERIAL TRACKLISTING
Part One: A Sea of Honey
1. King Of The Mountain/ 2. p/ 3. Bertie/ 4. Mrs. Bartolozzi/ 5. How To Be Invisible/ 6. Joanni/ 7. A Coral Room
Part Two: A Sky of Honey
1. Prelude/ 2. Prologue/ 3. An Architect’s Dream/ 4. The Painter’s Link/ 5. Sunset/ 6. Aerial Tal/ 7. Somewhere In Between/ 8. Nocturn/ 9. Aerial
courtesy of www.katebushnews.com
INES 7: INES IM HARZ
Ines Schreiber hatte die längst verrotteten Apfelsinen aus ihrem Haar entfernt und durch einen schmückenden Kopfschmuck aus Ahornblättern und Eicheln ersetzt. Die Herbstfarben standen ihrem blonden, verfilzten Haar sehr gut und brachten ihren goldenen Teint besonders ausdrucksstark zur Geltung. Ihre letzte Dauerwelle lag fast vier Monate zurück. Mit den Händen auf den Hüften stand sie vor dem Industriebau und las sich den Aushang durch, der in kindlich anmutender Handschrift in weißer Plaka-Farbe auf grünem Plastik ausgeführt war:
NASSRUPFMASCHINE, GRÖßE 2G E: 6-8 Tauben in ca. 30 Sec.
RUPFMASCHINE GRÖßE 1 GE: 10-15 Fasane in ca. 40 Sec.
Mit der rechten Hand kontrollierte sie ihr Wechselgeld und überlegte, ob der Schweinetöter noch im Rucksack oder beim letzten Einsatz auf der Autobahnraststätte zurück geblieben war. Sie erinnerte sich, ihn wieder eingepackt zu haben. Die Zeitschrift „Land & Forst“ titelte in dieser Woche „Alte Säue – neue Ideen“. Ines konnte sich ein siegessicheres Lächeln nicht verkneifen, trat nach vorn und die Glastüren des Agrar-, Tierzucht- und Technikmarkts „Schlachtparadies“ zogen sich vor ihr zurück wie das Rote Meer.
„Er sagte, ich sei eine Bergblume, tja – doch nun hab ich die Macht über den Körper einer Frau“ wisperte sie dem pickligen jungen Mann am Infotresen zu, der verlegen an seinem Haarnetz zupfelte. Er begriff nicht. Das machte nichts. Sein Verhängnis war bereits im Vorfeld besiegelt.
WAS GLAM ZU DENKEN GIBT…
Meine Therapeutin hat meinen dramatischen Haarfarbenwechsel nicht bemerkt. Vielleicht denke ich wirklich zu viel über mich selbst nach.
JODIE FOSTER: DER ANGRIFF DER KILLER-STEWARDESSEN
Jodie Foster ist alle paar Jahrzehnte immer wieder für eine Kontroverse gut. Nach der unbefleckten Empfängnis, der sie eine hübsche Tochter verdankt, hat sich Frau Foster nun mit einem großen Gegner angelegt: der AFA (Association of flight attendants). Da der Flugbegleiter an sich in Fosters neuestem Film „Flightplan“ in kein gutes Licht getaucht wird, haben die rührigen Flieger sich nun offiziell beschwert. In „Flightplan“ kommt Jodies Tochter abhanden, auf einem Flugzeug. Die Flugbegleiter unterstützen Jodies panische Suche nicht. Was mir mehr zu denken gibt, als die Aufregung der Flugbegleiter ist die Tatsache, dass die Mütter Amerikas noch nicht im Sturm der Empörung gegen Jodie Front machen. Immerhin werden in „Flightplan“ Mütter in ein schlechtes Licht getaucht, die ihre Töchter an Bord von Fluzeugen verlieren.
Vielleicht ist der Angriff seitens der Flight Attendants auch nur ein abgekarterter Winkelzug der schwulen Mafia: Durch die Aufmerksamkeit der Presse soll „Flightplan“, ursprünglich „Panic Room with Wings: Alices daughter doesn´t´fly here anymore“ an die vordersten Plätze der Filmcharts gepusht werden. Ich hoffe, dass das so ist, denn ansonsten wird Frau Foster in Zukunft häufiger den Satz hören: „Oh I´m so sorry about the tomato juice. Of course we´ll pay for the cleaners. Can I have your autograph? And please take good care of your daughter. We´re flight attendants, not mothers, you know…“
KATE BUSH AVAILABLE ON ITUNES
Gerade wollte ich über die Unflexibilität von Itunes meckern, dem Apfelhändler, der seine lückenhafte Bibliothek nur einmal wöchentlich aktualisiert, da stolpere ich in meiner Suche über etwas historisch Bewegendes: „King of the Mountain“ von Kate Bush ist nun doch als Download available. Und dabei ist nicht einmal Dienstag!! (Eigentlich sollte die Single in Europa erst in vier Wochen auf den Markt kommen. In den Staaten ging sie vor ein paar Tagen online. Danke, Apple – ich sag nie wieder was Böses über Euch!)
Kate Bush´s new single „King of the Mountain“ is now available on European Itunes, Darlings! Celebrate!
P.S.: „Citizen Kane“ gibt es bei amazon.de gerade für € 7,-. Anschaffen!
NUR EIN GERÜCHT?
Kate Moss-nicht-Bush eröffnet Co-Dependance auf Ibiza.
WHO´S GOD?
Auf die Frage, wie sie sich Gott vorstelle, antwortete Tracey Thorne, die Sängerin von Everything but the Girl, einmal: „I think she looks like Marilyn Monroe“
MORE FUN

Auch wenn ich gerade etwas skeptisch schaue, ich bin sehr zufrieden mit dem Resultat. Auch mein zweiter blonder Tag war sehr schön.