CEREAL MONOTONY
Habe ich eigentlich schon mal erwähnt, dass mir von Tori Amos nur die Lieder gefallen, die mit Essen zu tun haben? Cornflake Girl, Baker, Baker? Sugar?
Okay – Crucify, da wird nicht gegessen. Aber das ist auch die Hymne der Phobiker, irgendwie.
Nach den ersten beiden Platten kam von Frau Amos eh nur noch mystische Menstruation für Anglistikstudentinnen. Und vielleicht Erziehungswissenschaft.
AUSBRÜCHE UND ANDERE GEBRECHEN
Gestern habe ich das Ines Schreiber-Gen in mir entdeckt und das war nicht schön. Warum mache ich eigentlich eine Therapie, in deren Verlauf ich immer unleidlicher werden? Das frage ich die Therapeutin das nächste Mal.
Mit den Bulimikerinnen versteh ich mich am Besten, auch, wenn angesichts meines vergifteten Dienstags ein gewisses Unverständnis vorhanden ist, was die Fähigkeit angeht, sich freiwillig zum Erbrechen zu bringen.
„10 bis 15 Mal.“
„In der Woche?“
„Am Tag.“
PUT ON YOUR RED SHOES: DORNRÖSCHEN, UNLEASH!
Innerhalb der letzten Tage hatte ich das Vergnügen, mir die komplette Karriere meiner Lieblingssängerin in Gestalt internationaler TV-Auftritte, Promo-Videos und Interviews anzuschauen. Ich kam in den Genuss von lange vergessenen Charity-Videos wie „Let it be“ („Ferry Aid“), wo noch länger vergessene Pop-Sternchen neben meiner Queen agieren, aber darauf will ich gar nicht eingehen. Was mir auffiel war nämlich etwas viel Fieseres.
Ich bekam zu sehen, wie aus einer 20jährigen, deren Expressivität die kulturelle Geburtsstunde von Björk, Siouxsie, Nina Hagen usw. usw. einleitete, die tanzte, sang, sich grotesk inszenierte, mit einem Mal eine Dame wurde, die fast reglos vor Mikrophonen steht und ihre Expressivität allein in die Stimme legt. Und sich dann erst einmal zwölf Jahre schlafen legt.
Kate Bush´s Expressivität, ihr innovativer Mut der Selbstinszenierung hat in den frühen Jahren durch Presse und Satiriker so einen Schlag verpasst bekommen, dass der Rückzug eigentlich zwangsläufig war. Stell Dir vor du bist 20 und alle parodieren Dich. Das ist nicht schön, wenn man zart besaitet ist. Wir sind nicht alle Dickhäuter. Die Wegbereiterin des Post-Pop hat sich zurück genommen, ist ängstlich geworden. Das erinnert mich an Thomas Hardys Konsequenz: der hatte beschlossen, nie wieder einen Roman zu veröffentlichen, weil ihm die schlechten Kritiken aufs Gemüt schlugen. Und hat sich dran gehalten. Schlimm.
Ich wünsche mir, Kate endlich wieder tanzen zu sehen. Morgen ist auf Channel 4 die Videopremiere von King of the Mountain. Get back up on that hill girl! If I could, I´d make the deal for you. Du bist den anderen top-of-the-city-haushoch überlegen, damals, heute. Zeig´s Ihnen!

CRUNCHY QUADRIGA OF BERLIN: IRIS SCHOKOBERBEN
Iris Berben ist überall. Im Fernsehen, im Borchardt, in der Zeitung und auf einer Tafel Ritter-Sport-Schokolade. Der quietschgelbe Hintergrund bringt ihre schokofarbenen Haare beonders gut zur Geltung, aber Iris tut nur manche Sachen aus Eitelkeit. Für die Schokolade gibt es einen Zweck. Und zwar einen guten. (Quadratischen? Praktischen?). „Machen Sie mit! Jede Packung zählt!“ Auch die, die ich extra aufgehoben habe und auf die mein Auge fällt, wenn ich es von Tastatur und Screen schweifen lasse.
Mit dem Verzehr einer Tafel Quadrago Crunchy Pop ermögliche ich einem afrikanischen Kind die Versorgung mit Lehrmitteln für einen ganzen Tag. Das ist toll. Nur gibt es ein Problem: was, wenn meine Packung aufgegessen ist? Nimmt man meinem afrikanischen Kind dann den Bleistift wieder weg? Hinzukommend nch eine ganz andere Frage: Ich habe meine Quadriga Crunchy Pop bei Reichelt erworben. Auf dem Tisch für auslaufende Ware. Für 69 Cent. Ist da noch ein Bleistift für Afrika drin? Oder zahlt das nur die Haarfarbe für Iris? Ich würde ja jeden Tag eine Tafel kaufen, aber ich kann doch nicht durch die Stadt fahren und überall nach Restbeständen Ausschau halten. Was ich machen könnte: einen Satz Bleistifte kaufen, dem Bekannten von mir in die Hand drücken, der demnächst nach Tansania geht. Dann steht hinter dem afrikanischen Kind nämlich auch nicht am Ende des Tages ein Schokoladenfunktionär, um ihm das Tageslehrmittel zu entreißen. Und ich kann auf Schokolade verzichten. Ist eh gesünder. Und irgendwie praktischer. Auch wenn es an Quadratur mangelt.
NOCH MEHR ESSEN
Aus der Küche sonores Lachen, das nicht aufhören will. Erzählt er sich gerade wieder selbst einen Witz? Ein Blick um die Ecke bringt Licht ins Dunkel. Er sitzt am Tisch, vor sich eine noch verschlossene Dose Bohneneintopf und ein leergegessener Becher „Froop“-Joghurt. Need I say more?
SHANGHAIT
Ja, auch ich komme vom Dorf. Dort werden vor Stadtbesuchen so weise Ratschläge erteilt wie „Liebe Anke, iss keine Pralinen, denn sie könnten gefüllt sein.“ Aber ich heiße ja nicht Anke, bin auch schon ein paar Tage vom Dorf weg und die Praline kam in fremder Gestalt daher und so verbrachte ich den Dienstag auf einem Trampelpfad zwischen Bett und Toilettenschüssel. Ja, es war zum Kotzen. Das, was andere Menschen als Rausch genießen mögen, erlitt ich unerwünscht und konnte keinerlei Gefallen daran finden. Schon gar nicht, wenn es ca. 20 Stunden dauert. Alle Symptome, die ich hatte, entsprachen denen, die Christiane F. einem Turkey zuschreiben würde. Der Typ, der mir das angetan hat, war beim Aufwachen auch nicht mehr da.
Sonstige haarsträubende Überraschungen: Burnster ist ein BANKRÄUBER.
HAMMER GLAMOUR
So, Nina Hoss ist verziehen, ich bin ja nicht nachtragend. Nur manchmal. Nich heute. Heute streich ich meine Tür golden an (wenn ich dazu komme). Es gibt noch gute Menschen und sie sind alle alle Kate-Fans (paar andere gibt´s schon auch noch, dies in der Klammer). Und so ein guter Mensch und Sammler hat mir ein Geschenk gemacht. Das besteht aus seinem kompletten Kate-Archiv. Mein DVD-Player atmet schon ganz schwer. It can hardly wait. Neither can I. It´s Katemas – Halleluyah!!! Toree ah toree oh nach Saarbrücken!
DESPERATELY SEEKING PIRATE
Was ist eigentlich mit pretty Britt?
NINA HOSS – NICHTS GEGEN DICH, ABER SEIT HEUTE MAG ICH DICH NICHT MEHR
JA IS DOCH WAHR!!! Wenn Nina Hoss, krank wie sie ist, mit ihrem fiebrigen Arsch zu Hause geblieben wäre, wo sie hingehört, dann wäre ICH jetzt im Robbie-Konzert, weil ihre Tickets frei geworden wären. Danke Nina. Gaaaanz toll. Und das wäre alles nicht so schlimm, wenn nicht Lucky_Strike alle 20 Minuten vom Konzert anriefe und ich das ganze übers Handy miterleben müsste. Oh Lord. Make me not hate Nina Hoss. Not yet.