Archiv der Kategorie: Uncategorized

VOR DEM FEST

Obwohl Hischmanns Am Ende schmeißen wir mit Gold bei mir auf Anhieb in die Sparte Bücher-die-Glam-einmal-im-Jahr-lesen-wird aufgestiegen ist, muss ich sagen, dass der Leipziger Buchpreisgewinner Sasa Stanisic den Preis keineswegs zu Unrecht gewonnen hat. Vor dem Fest ist so dermaßen wunderbar – humorvoll, unsmart, schräg. Ein Kaleidoskop, in dem zuerst der Fährmann stirbt und es den Glöckner aus den Latschen haut. In dem die Sat 1-Astrologin Britta Hansen im Heimathaus auf Dauerschleife läuft und der Fuchs, bzw die Fähe, durch Wald und Feld schweift und gar erstaunliche Dinge sieht. (Sie wissen ja, dass man mich mit Füchsen immer kriegt.) Stasic hat ein feines, schillerndes Kaleidoskop geschaffen und die geeignete(n) Sprachen gefunden, die Geschichte des (fiktiven) Uckermark-Dorfes Fürstenfelde auferstehen zu lassen und plastisch zu machen. Ganz großartige Unterhaltung. Dachte ich anfangs noch, dem Buch fehle das Herz, das Hischmanns ausmacht muss ich im Verlauf revidieren. Auch Stanisic schreibt mit Herz und -vor allem- ohne die Häme, zu der sich andere Autoren hinreißen lassen würden, wenn es um ein aussterbendes Ostkaff geht. Fürstenfelde jedenfalls, wird so liebevoll beschrieben, dass man da gern mal hin möchte, zumal es da auch ein bisschen magisch zugeht.

(Ich krieg mich gar nicht drüber ein, dass es diese neue Autorengeneration gibt, die mir persönlich die Vorurteile nimmt, die ich mit Bezug auf in Deutschland prämierte Literatur hatte.)

APRIL: BERLIN CITY

Ich weiß nicht, was die ganzen Menschen im Winter machen, die jetzt an den Wochenenden aufgescheucht den Sonnenstrahlen hinterherlaufen. Sie verlassen ihre Wohnzellen offensichtlich gar nicht, man kann nur hoffen, dass sie ab und an mal lüften. Vielleicht liegt es auch an den ganzen hübschen Spaniern, dass wir auf einmal so viele sind, im Frühling in Berlin. Nach zwei Tagen Potsdamer Platz freue ich mich auf eine etwas entvölkerte Woche. Samstag war mal wieder Filmmuseum, die Licht und Schatten Ausstellung über den Film der Weimarer Republik. Eine reine Foto-Ausstellung, sehr überschaubar und enttäuschend und unvollständig. Sie gab keinen Eindruck von der Vielschichtigkeit der damaligen Produktion, das gelingt in der ständigen Ausstellung etwas besser. Zudem hätte ich mir bei vielen der Motive eine vergrößerte Darstellung gewünscht. Das sind teilweise so wunderbar durchkomponierte Stills oder Tableaus, dass man sie einfach größer und deutlicher sehen muss. Ein Großteil des Gezeigten war auch aus der einschlägigen Literatur bekannt, keine Überraschungen also.
Am Sonntag dann endlich August: Osage County und wieder einmal das Vorzeige-Erlebnis, warum ich Kinos hasse. Außer mir eine Person im Saal zunächst, aber diese hat es sich mit einer Riesentonne Popcorn bequem gemacht. Ist ja auch herrliches Popcorn-Kino, wenn Julia Roberts Meryl Streep an die Gurgel geht. Ein weiterer Popcornfresser setze sich dann direkt hinter mich, ich hatte so ein bisschen Mordlust und setzte mich dann um. Den Film so unter Adrenalin zu sehen war ein Erlebnis für sich, dem Geschehen auf der Leinwand absolut angemessen. Die furiose Hassliebe innerhalb einer „ganz normalen“ Familie ist so klaustrophobisch inszeniert, dass man aufatmet, wann immer die Kamera das stickige, düster möblierte Haus verlässt. Jede einzige Figur ist treffend besetzt, ein großartiges Ensemble-Erlebnis. Defintiv kein badtime/ feelgood-Erlebnis, sondern eine düstere, hämische Abhandlung über Familienbande. Quasi so, wie Familien nun mal sind. Als ich nach dem Kino eine Zigarette drehen wollte, musste ich den Versuch aufgeben, da meine Hände so zitterten. Ja, das kann Hollywood-Kino also doch auch – neben 3D und CGI-Bustern – Verstören, allein mit adäquat erzählten Geschichten.

THANK YOU FOR THE MUSIC or CAN YOU TELL IT TO YOUR HEART? or WHAT WOULD WE DO WITHOUT YOU?!

Gerade reizendes Thank-you-Video von Steve Grand erhalten, in dem er sich für den Beitrag zum Crowd-Funding seiner Platte bedankt. Er ist ja mittlerweile Facebook-Legende, und ich freue mich auf sein Album und ein signiertes Foto, das für mich den Wandel der Musikindustrie, in der ich zehn Jahre verbrachte, markiert.
Im Hintergrund singen Wale und „The Kick inside“ startet. Das erste Album einer ganz anderen Selbststarterin, die noch immer die Fäden in der Hand hält. Kate singt, wir kommen. Keine Frage. KEINE. Und über´s Kate-googeln bin ich auf ihn gestoßen – Rod Thomas, aka Bright Light Bright Light. Sein Cover von Kates „Love and Anger“ hat mich sofort bewegt, sein erstes Album tut das seit einer Woche mehr und mehr. Ich las gestern, zum zehnjährigen Jubiläum zum ungefähr zehnten Mal Eleanor Rigby von Coupland und es ist nach wie vor das schönste Buch, das ich je gelesen habe, und das sind viele viele Bücher, und viele schöne, aber Eleanor ist und bleibt DAS Buch. Obwohl ich Jeremy nicht für den schönsten Jungs-Namen halte, mein Rasmus hätte ihn als Drittnamen im Pass. Rasmus Karl Jeremy. Musikalisch unterlegt mit Bright Light Bright Light, der Piano-Version, war es ein cry-athon, aber ein schöner. Ich mag auch die Synthie-Disco-Variante von „Make me believe in Hope“, das eigentliche Album, aber die ausgezogene Fassung ist in ihrer Nacktheit so unglaublich berührend und alles andere als roh. Sublim. Well, das kommt davon wenn man Kate bush googelt. Blumen am Wegesrand, wunderschöne Blumen. Rod macht seine Karriere, anders als Steve Grand, altmodisch. Er gigt. Ohne Crowdfunding. Und ohne den amerikanischen Bohai, der Steve gegönnt sei. Es ist Platz für beide. Und mehrere von der Sorte, denn sie singen, sie komponieren, sie dichten – sie sind das Gegenbeispiel der singenden TV-Retorten-Torten. Sie haben was Kate hatte (hat) – eine Vision, Musikalität, den Drive, mit diesen beiden Fähigkeiten zu kommunizieren. Steve schickt eine Video-Botschaft, Rod bedankt sich auf Facebook dafür, dass ich seine Platten gekauft habe. Und deutet an, dass ein Gastspiel in Berlin anstehen könnte. Rod singt, ich komme. keine Frage. KEINE. Eben mal so hat er sich Sir Elton rangeholt:

Und, ohne ChiChi, mitsamt verstimmtem Klavier:

Was ich an meinem Leben gerade liebe ist, dass es all diesen wunderbaren Überraschungen gibt, Kate Steve Rod, vier Staffeln TV mit Jessica Lange. So viele Sachen, auf die man sich vorfreuen kann, ein kulturelles Jahr, in dem es sich aushalten lässt.

Hier nochmal, damit sie begreifen, was ich mit Steve meine:

Mein persönlicher Kickstarter für Rod:

Das ganze mit Glitzer:

ASPHALT-ENGEL

Den Montag mit Weinen verbracht, während draußen die Menschen ausrutschten. Was mich am Sonntag schon komplett unter Wasser setzte einfach gleich nochmal geschaut – wär ja gelacht. Eben nicht. Alle drei Folgen noch einmal, und wenn man ja auch schon anfangs weiß, was wird, dann ändert das doch nichts an der enormen Wirkmacht. Beim zweiten Betrachten dann die vielen Feinheiten, die beim ersten Mal von der Macht der Geschichte und der Eleganz der Konstruktion verschlungen worden waren. Und natürlich bringe ich das Gesehene in Zusammenhang mit meinem 1988/89 und betrachte mich als Fremden, der in diese Stadt der Möglichkeiten kommt und seine Flügel ausbreitet, die noch ganz flauschig und weich sind und erst über die Jahre ergrauen, bis sei eines Tages die Farbe von Asphalt haben. Has anyone ever written anything for you? Yes. Etwas wird bleiben.

HOLIDAY

Mir ist dieses Prinzip Urlaub im Winter immer etwas fremd. Ich sitze in Unterwäsche im Arbeitszimmer und bin erfreulich planlos. Milch kaufen. Putzen. Cousine vom HBF abholen. Den neuen Tom Rob Smith anfangen. Mrs Slasher anrufen und fragen, was gestern wirklich geschah. Während da ein Portal fortschritt, betrank ich mich nach einem leckeren Dinner mit Lucky und Skailight. Ich fang mal an mit Altglas entsorgen.