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Scandal?

Fuck, sogar die EP mit den Rebel Heart Bonus Tracks ist gut, Madonna wird einem fast sympathisch.

Engrenages 5 hatte den bislang besten Mid-Season-Schocker und das fieseste Cliffhanger-Ende, das man sich denken kann. Die können jetzt in der 6. zwei völlig bis vier völlig unterschiedliche Wege einschlagen und es macht mich ein bisschen wahnsinnig anderthalb Jahre warten zu müssen (sie schreiben gerade erst die 6.).

Gestern mit D&G Basecap durch den Tag gegangen und niemand hat mich deswegen angeschrien, mit Lebensmitteln beworfen oder auch nur die Augenbraue gezuckt. Frankly, I don´t give a shit, worüber sich Elton John erzürnt oder wie katholisch die Familienplanung von Herrn Dolce ist. Bei Madonna habe ich gelernt die Kunst vom Künstler zu dissoziieren, das kommt mir jetzt gelegen. Die Basecap ist vielleicht nicht das schönste Werk, das die beiden kreiert haben, aber diese ganze fadenscheinigen Empörungen gehen mir in ihrer political correctness auf den Sack. Es hat doch jeder ein Recht auf seine eigene Meinung und die darf auch gern beknackt sein. Ich verbrenne also keine D&G-Kleidungsstücke und auch nicht das Hole-Album, das sich in meiner CD-Sammlung befindet. Stürme, Wassergläser – empört Euch doch lieber über essentiellere Ungerechtigkeiten. In diesem Zusammenhang, sehr schön, the Lady from Scandal:

My Life since Schranke

Ich mach für all das Schranke verantwortlich, denn es gibt so Haushaltsgegenstände, die einen pushen. Vor Schranke gab es Dino. Von Siemens. Der war so leistungsschwach, dass ich effektiver Staub gesaugt hätte, wenn ich es mit dem Mund getan hätte. Dazu noch war er schwarz und sah aus wie ein schwangeres Opossum. Schranke ist, naturgemäß, rotweiß. Strike verglich sie mit einem Elefanten, ich finde, sie sieht aus wie aus Entenhausen. Daisy Ducks Vacuum Cleaner. Eher noch Minnie Mouses. In der schwarz-roten Ausfertigung Gundel Gaukeleys. (Dann heißt Schranke aber nicht Schranke sondern Hell Boy.) Also, ich empfinde Freude, wenn ich Schranke nur anschaue. Ja, ja, ich mach gleich ein Foto. Dazu kommt aber noch, dass sie eine 1a Reinigungskraft ist. Dino erblasste, als er sie arbeiten sah. Und so zog mit Schranke nicht nur ein großer Freudefaktor in die Mansion, sondern großer Ansporn. Ganz ohne Schranke putzte ich die Balkonfenstertüren. Schranke schaute aus ihrem knuddeligen Körbchen nur zu und erfreute sich am strahlenden Frühlingslicht, das über den frisch gesaugten Teppich fiel. In einem Schranke-Sauberwahn brachte ich nicht nur Dino 5 Treppen tief in den Wertmetallzeugs-wasweißich-Container, sondern auch noch Tilla, den monströsen Drucker/ Scanner/ Kopierer, der ein zauberhaftes Boxi-Platz-Flohmarkt-Teewägelchen im Arbeitszimmer völlig in den Schatten gestellt hatte. Damit nicht genug wusch ich Lurchi, mit dem man aus Gurken und Kartoffeln heitere Girlanden fertigen kann, damit auch das Essen etwas hübscher aussieht. So ist nun weitestgehend das Meiste geebnet für Frühlig/Sommer, fehlt nur noch eine freudvollere Hollywoodschaukel. (Dracula´s porch swing soll etwas mehr im Stile Doris Days weichen.)

Meet Schranke:

Schranke

Den Rest des Tages verbrachte ich mit Engrenages 5, was meine verpufften Augen heute erklärt. Meine geliebte Karlsson hat es wirklich nicht leicht.

desolee

Gott sei Dank hat sie Berthaud:

berthaud

Als nächstes steig ich noch auf E-Zigarette um, aber erstmal nicht, bekam ich doch gerade eine Lieferung von 2400 Swan-Filtern.

PENNY DREADFUL

Ein „dreadful“ im Titel unterzubringen ist gefährlich einerseits, mutig andererseits. Insbesondere, wenn es von Folge zu Folge qualitativ auf und ab geht. Vampire – gefährlich, mutig. Frankenstein. Dorian Gray. Und ein paar neu kreierte Figuren – ein american sniper á la Buffalo Bill, mit einem Hang zu Schnaps und Nutten, sowie Vanessa Ives, mysteriös und von Verhägnis umfangen. Das ganze ohne jede Spur von Ironie oder Humor, das könnte schiefgehen, und tut es – aber eben nur manchmal. In den guten Episoden ist „Penny Dreadful“ richtig gut und fängt den morbiden Geist der Spätromantik und des Victorianismus perfekt ein, verleiht ihm Bilder voller Poesie, bedient mit elegantem Grauen und verhängnisvollem Sex. Die Macher haben ihre Quellen aufgesogen und ihre Interpretationen und Zitate von Zitaten strichlisten-artig brav abgearbeitet. Routiniert, aber auch mitunter mit Hingabe. Das sieht dann so aus:

Könnse kieken. Apropos kieken. Die Augen von Eva Green. Den Präraphaeliten wäre einer abgegangen, aber sowas von.

(…)

Zwischendurch das ganz entzückende neue Album von Asaf Avidan, er ist sehr glücklich, wie es sich anhört, und macht gute Laune, aber aus dem Bowie-Sog komm ich grad nicht raus. Gerade wieder „Heroes“. So intelligent Asaf produziert ist, ich weiß, es ist fies zu vergleichen, aber hm. Schon särr särr gutt und besser als das meiste Sonstige, abärrr abärrr. Bowie. My main man. Nothing compares 2 u.

Aber kiekense trotzdem und enjoy!

Süß, oder?

Note to self – demnächst Wiedergutmachungspost zu Asaf.

Auch wenn sie unschlagbar scheinen

Wenn man sich seit Wochen intensiv mit Bowies Musik befasst, sich auf die Räume einlässt und Klänge erforscht, vier Alben abwechselnd hört und das Herzstück, die zentrale Hymne, oft gecovert und nie erreicht, „Heroes“, sich als Lebenslied entpuppt, das Lied, das alle Berlin-Zugereisten anders anfasst als den Rest der Welt, und dann, eines Morgens aufsteht, sich auf die finale Folge der vielleicht letzten Staffel-in-der-Jessica-mitspielt einlässt, und dann steht sie da – Jessica Marlene Stardust, und singt´s. Blown away. Gänsehaut am ganzen Körper inklusive der Fußsohlen. Wenn das jemand kann, darf, muss, dann sie, Elsa Mars. Die beste Schauspielerin, der größte Freak, das beste Lied. Elf Fassungen von „Heroes“ befinden sich auf meinem Ipod. Die besten sind die erste und die Neueste.

„You, you will be mean.“
„And I – I´ll drink all the time.“

Herzstück auch des „Elephant Love Medley“ und das ist ja der zwischenmenschliche Klassiker, der mich und Ex-Roomie verbindet. Das Wandeln in den Klangräumen des Mr Bowie hatte mich dann irgendwann an einen Punkt in mir selbst gebracht, der ziemlich wund gewesen sein musste, jedenfalls kam es zum meltdown und Tränen und Fazits und Ehrlichkeiten, die ich mir nicht einmal selbst eingestanden hatte, und Roomie tat etwas ganz außerordentliches – er schmolz mich wieder zusammen. „Wenn das und das so und so nicht geht, dann musst Du einen anderen Weg finden, zum Beispiel dies und das.“ As simple as that. Und die Scham fällt auf ihrer Seite. The things that make us ashamed are also the things that make us interesting steht oben rechts, und ich hatte immer gedacht, ich lebe danach. Aber ich muss es mir immer wieder auf´s Neue klarmachen.

Rüther über das Intro-Riff, das sich thematisch durch das Lied zieht: „So ungefähr könnte die Seele sich zumindest anhören, ein zutiefst menschlicher Ton, der sich langsam selbst verzehrt, wieder aufbäumt, wieder vergeht.“

TOBIAS RÜTHER, HELDEN: DAVID BOWIE UND BERLIN oder „HEARTWRECKER, HEARTWRECKER, MAKE ME DELIGHT…

… life is so vague wehen it brings someone new. This time tomorrow I´ll no what to do. I know it´s happened to you….“

Mit 14 bin ich auf Bowie gekommen. Wegen Anke. Für Anke war Bowie Religion. Mit 14 nimmt man ja Musik ganz absolut war wie beispielsweise auch Familiendramen. Es ist, wie es ist, man ordnet es nicht in einen größeren Kontext, es hat keine Vergangenheit oder Zukunft, nur Gegenwart. Der Bowie, den Anke mir predigte war der vor „Let´s Dance“. Es ging von Major Tom über Ziggy zum Thin White Duke und dem Pierrot der Scary Monsters. Ich kann die Texte dieser Periode immer noch auswendig, einst als Enigma, heute noch immer nicht ganz genau wissend, was der Mann da gerade erzählt. Aber, wie große Musik eben ist – sie vermittelt sich. Über Melodie, über Produktion („Textur“ würde 76-Bowie sagen), über den Einsatz der Stimme. (Hören sie sich die Originalaufnahme von „Heroes“ an und achten Sie auf den Stimmeinsatz – wie Bowie immer eindringlicher wird, und wie der Raum um die Stimme zum Ende hin wächst, mehr Hall, mer Nachhaltigkeit gewinnt. Seit dem im Titel genannten Buch weiß ich, dass man diesen Effekt erziehlt, wenn man die Stimme mit 3 Mikrophonen aufnimmt, in unterschiedlichen Abständen zum Sänger platziert. Da wurde kein Schalter mit „Hall“-Aufschrift hochgefahren.)

Zum Geburtstag schenkte mir meine entzückende Großcousine das Buch „Helden: David Bowie und Berlin“ von Tobias Rüther. Erst jetzt kam ich dazu, es zu lesen. And it blew me mind, allya. Es ist schlicht das beste Buch über Musik neben Graeme Thomsons Kate Bush-Biographie. Es widmet sich der Spanne, die Bowie in der Heroin-Hauptstadt verbrachte, nachdem er aus Koks-Bel Air geflohen war. Hier entstand das Berlin-Tryptichon. Low. „Heroes“. Lodger. Alben, die diesen ganz eigenen Bowie-Sound haben. There´s old wave, there´s new wave, there´s Bowie. So versuchte sich eine ziemlich verzweifelte Plattenfirma die Experimentalphase der Kollaboration mit Brian Eno, Tony Visconti (und im Falle „Heroes“, Robert Fripp) schön zu reden.

Das Buch nähert sich, wahrt Distanz mit Hochachtung, ohne aber auch auf unangenehme Details zu verzichten. (In seiner schlimmsten Drogenphase gab es Menschen, die sich vor Bowie körperlich ekelten und ihm nicht die Hand geben wollten.) Rüther gelingt das, was einen guten Musikkritiker ausmacht – man wird noch einmal neugierig auf diese Musik, seit drei Tagen höre ich das Tryptichon und lasse mich berauschen von diesen wohlfgefügten Kompositionen und Texturen. Darüber hinaus liefert Rüther einen Blick auf das Mauerberlin der Mitt-70er und macht dieses Zeitfenster der Insel Berlin lebendig.

Ein ganzes eigenes Kapitel widmet Rüther der Hymne „Heroes“. Ich musste weinen, als ich es las, so bewegt war ich. Und habe mich noch einmal komplett und ganz neu und frisch (und tragisch) in Bowie verliebt. Ein wirklich einzigartiger Musiker. Gerne wäre ich schon in Berlin (und geschlechtsreif) gewesen, als er mit seinem Fahrrad von der Hauptstraße ins Hansa-Studio radelte.

Danke Christina! Danke Thomas!

heute morgen

„Chast Du viellaicht einä Zigarättä?“ will der knuffige Russe wissen und ich lüge „Nein.“ und gehe weiter.
„Du chasst schönnä Chaar!“
„Danke!“ und steige ins Auto ein. Ein Refugee will mir winkend beim Ausparken helfen, aber er ist so nah am Wagen, dass ich Angst habe, ihn umzufahren.

„Herr Dick, Sie sind eine der wenigen Männer, die beim Blut abnehmen cool bleiben.“
„Cool? Ich?“
„Na, dann sind Sie ein guter Schauspieler.“
„Oder die Pillen wirken.“

Auf der Karl-Marx-Straße steht ein Mann und brüllt. Man ist mit ganz schön viel Mensch konfrontiert zur Zeit. War es immer schon so voll?