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DIE PERFEKTE STILLE

In der Nacht von Freitag auf Samstag, ca. 4.00 Uhr. Da war sie da. Stille. Silence. Völlig entspanntes Stummsein von Geräuschen, mitten in Kreuzberg auf einem Dach. Als ich sie erkannte kam ich nicht umhin mitzuzählen. 12 Sekunden, dann knackte es im Gebälk.

Um Stille geht es in meinem Lieblingsgedicht. Stille ist durchaus etwas Religiöses. RMR sucht die perfekte Stille als Raum zum Denken an Gott. Für mich ist sie eine Art Naturschauspiel. So etwas wir die Niagarafälle. Aber wenn ich an einen Gott glauben könnte, dann würde ich mir auch diese perfekte heilige Weltwunderstille wünschen, bis an seinen Rand ihn zu denken. Einstweilen wache ich und zähle.

Have a Rilky Saturday!

Wenn es nur einmal so ganz stille wäre.
Wenn das Zufällige und Ungefähre
verstummte und das nachbarliche Lachen,
wenn das Geräusch, das meine Sinne machen,
mich nicht so sehr verhinderte am Wachen -:

Dann könnte ich in einem tausendfachen
Gedanken bis an deinen Rand dich denken

und dich besitzen (nur ein Lächeln lang),
um dich an alles Leben zu verschenken
wie einen Dank.

(Rainer Maria Rilke, Vom mönchischen Leben)

RECYCLING Á LA FANT

„The Great Elephant Poo Poo Paper Company has created a stylish range of stationery and giftware products made from 100% recycled and odourless elephant poo.

Elephant poo is typically full of fibrous materials from the elephants‘ diet which, when processed makes excellent paper.

Available in a range of contemporary colours, every item comes with an informative little booklet making these products not just entertaining, but functional and educational too:
Journals
Noteboxes
Greeting cards
Photo frames

Products with a purpose!“

Und ich hatte immer gedacht Püpse anzünden sei schon das Kreativste was man mit derlei Nebenprodukten anfangen kann.

OFF TOPIC

Die Annahme, dass ein Tag Auszeit die Symptome verschwinden lassen würde, die sich in den vergangenen Wochen völlig unproportional quasi nahezu ausufernd verstärkt haben, war natürlich naiv. Die letzte symptomfreie Zeit liegt anderthalb Jahre zurück und die Umstände zu rekreieren, die zu der Entspannung führten, ist leider gerade unmöglich. Ich stelle fest, dass ich in den vergangenen zwei Jahren keine Grippe oder schwere Erkältung hatte, während alles um mich herum hustet und prustet. Eine Woche im Bett, vollständiger Rückzug – ich weiß, das würde die tosende Psyche ausräuchern, wenn auch nur für ein paar Tage. Aber kennen Sie einen Feiberufler, der krank macht? (Außer mir, heute, ausnahmsweise.) Bei welchen Zeichen des Körpers gibt man sich geschlagen und bleibt im Bett? When will the body ever learn?

ES GEHT AUCH MAL OHNE NETZ

Es hat was für sich, ohne Buch zum Lesen aufs Land zu fahren und das Internet funktioniert nicht, im TV kommt nichts und trotzdem braucht man Entertainment. Backen Sie Waffeln, kann ich nur empfehlen. Und schreiben Sie mal was anderes als Internetztagebücher. Und dann habe ich da auch noch was verstellt, an meiner Internetzverbindung und mal sehen ob ich das Ding zu Hause überhaupt zum Laufen kriege. Falls das nicht klappt, dann lesen Sie einfach woanders oder im Back-Katalog, dem „Schnee vom vergangenen Jahr“.

I DON´T KNOW WHAT IT IS

Es könnte mir ja gut gehen. Tut´s aber nicht. Und das, obwohl ich heute ein schönes Überraschungsgeschenk in der Post hatte, der Drucker läuft, Berlin einen neuen Babyfanten hat, einer meiner Texte möglicherweise ein Radiohit in einem Nachbarland wird und sogar der Elektromann termingerecht erschienen war, um meine Klingel zu reparieren und unverrichteter Dinge wieder abzog, was ich gar nicht schlimm finde, denn ich mag es nicht, wenn es klingelt. Allein der Ton. Man weiß nicht, wer da ist und schon wieder was von einem will. Wie mit dem Briefkasten. Dem gegenüber verhalte ich mich wie ein berufsanfangender Exorzist. „Bitte nichts Böses, bitte nichts Böses!“ raune ich ihm zu, wenn ich ihn mal aufmache.
Außerdem ist mein Haaransatz fettig. Weil die Dorfblondiererin einfach nicht genug Peroxid verwendet hat, denn hätte sie das, dann wäre der Ansatz jetzt vernünftig blond und zerstört trocken und nicht straßenköterig. Und vielleicht war es der Jumpstart heute morgen. Um 8h aufgewacht, um 8.30h aus dem Haus ohne Haarewaschen, ohne Tee und Zigaretten. Ich wil auch niemanden um mich haben, der es gut mit mir meint. Das wäre ein Deckel, für den der Topf zu groß ist und der scheppernd reinfällt und ich hasse laute Küchengeräusche. Die Eltern eines Ex waren Vertreter für Lifestyle-Produkte, zu denen auch dieses superlaut klingende Geschirr gehörte, das in einer großen, kargen Altbauküche mit Dielenboden morgens schon ohrenbetäubendste Kakophonien erzeugte. An den wollte ich jetzt nun auch nicht noch denken, den Ex mit den Lifestyle-Produkt-Eltern. Ich mag nicht essen, lesen, Filmeschauen. Schon gar keine Steuer machen. Ich mag mir jetzte einen Sekt aufmachen und rede mir ein, es sei wegen des potentiellen Radiohits.

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MALMORAL

Wahrscheinlich bin ich der einzige, der es so sieht, aber ich finde, dass Helen Mirren an die Wand gespielt wird von Diana. Die Doku-Sequenzen transportieren viel von dem Gefühl, das vor ziemlich genau zehn Jahren um sich griff. If you haven´t seen it yet – go rent it – ´tis a veddy veddy good picture.

HERZENTÖTER

Gerade wenn man über das kleine fernsehspiel gemeckert und gemotzt hat, zappt man unbedarft durchs Programm, bleibt beim „Debut im Ersten“ hängen und entdeckt ein Juwel, das die GEZ-Gebühren der vergangenen Jahre sowas von Wert ist. Katja Flint, selten so witzig und unverkrampft inszeniert als trinkfeste Diva, landet im Rücksitz eines Wagens, von dem sie eigentlich glaubte, es handele sich um ihre Limousine. Der Fahrer (sweet: Xaver Hutter) ist jedoch ein Autodieb, der seinen letzten Coup vor der Existenzgründung in Neuseeland plante und nun die Russenmafia am Hacken hat. Der Wagen bleibt im Spreewald liegen und die beiden schlagen sich so durch. Katja trinkt die Dorfbevölkerung untern Tisch, Kobja, der Autodieb, erliegt dem rustikalen Charisma einer dörfischen Pilotin. Mehr muss man zur Handlung nicht sagen – vermutlich läuft der Film demnächst in den Dritten*. Nicht verpassen! Skurril, bunt, 105 Minuten besten brandenburgischen Entertainments.

copyright: rbb, j. vietinghoff, j.huber
(Keine trägt Petrol wie sie: Katja, die einzige deutsche Schauspiel-Diva. Mehr schöne Rollen für Katja, bitte.)
Photo: © rbb/ J. Vietinghoff, J. gruber

Official site.

*Wer´s empfangen kann, nächster Sendetermin: Freitag, 20. Juli 2007
20.15-21.55 Festival (ARD digital)