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DEFINITIV KEIN TAG FÜR „NOTTING HILL“

Durch den Sonntag zu kommen war nicht ganz so leicht. Ein kleineres Familientreffen brachte mich nicht wirklich auf andere Gedanken. Irgendwann das Gefühl, mich nicht mehr weiter zusammenreißen zu können vor Melancholie. Mich verabschiedet. Achtlos im Auto den Ipod angemacht und glauben Sie mir – „Director´s Cut“, so sehr ich hin liebe, ist nicht die richtige oder gerade die richtige Platte, wenn man ein heftiges zwischenmenschliches Erlebnis hatte und die Wunde noch frisch ist.

Leichter wird es auch nicht, wenn man den Co-Auslöser des heftigen zwischenmenschlichen Erlebnisses nicht einfach dämonisieren kann, weil es sich um einen fabelhaften Mann handelt, dem man im Grunde nix zum Vorwurf machen kann. Es wäre soviel einfacher, wenn er ein Arschloch wäre, ist er aber nicht, was immerhin belegt, dass mein evolvierendes Herz ein guter Wähler ist/war.

Die Tage sind geprägt von großem Bedauern.

THANKS

Once more blown away by the beautiful intelligent charismatic bunch, der mein Freundeskreis ist. Es war eine Sternenstundennacht und am Schönsten vielleicht die Minute von der ich erfuhr, die Minute, in der es alles kurz still stand, um dann weiter zu gehen, als sei etwas geschehen. Ich hatte immer gedacht, Frau Koma sei der Pol oder die Pole, oder vielleicht die Achse meiner Parties, jetzt war sie gar nicht da und trotzdem war alles planetär perfekt balanciert. Nichtsdestotrotz – Koma – die nächste Party wieder MIT Ihnen, okay?!

FAMILY AFFAIRS

Ich hatte so was befürchtet. Wer zu spät zum Lunch anlässlich des 77. Geburtstags des Vaters erscheint, kann sich den Platz am Tisch nicht selbst aussuchen. Eine halbe Stunde zu lang auf der Autobahn und der einzige freie Platz ist der direkt gegenüber der bösen L.. Wir haben jetzt seit ca. 3 Jahren kein Wort mehr gewechselt. Ich hab ihr die Hand geschüttelt, wenn ich meine anderen Tanten umarmte, klarer konnte ich es nicht ausdrücken, ohne grob zu werden. Und nun sitze ich hier und weiche ihrem Blick aus, im Zugzwang der geburtstäglichen Harmonie.

Eigentlich ist es meine Schuld. Ich hatte getrödelt. Dachte mir – wenn alle schon am Tisch sitzen, dann muss ich niemanden umarmen, dann kriegt keiner mit, dass ich die L. NIE NIE NIE umarmen würde, um´s Verrecken nicht.

„Die Tante L. hat dir zwei Glas selbst eingekochte Marmelade mitgebracht. Stehen untern für Dich.“
„Glaubt die, ich bin für zwei Glas Marmelade rum zu kriegen? Was bin ich denn? Ein aufgeschnittenes Baguette mit Butter?“

Essen essen essen, trinken, trinken, trinken. Wein. Wasser. Sekt. Einen Obstler – Nein Danke. Irgendwann ist wieder diese typische Familienfeier-Alkohol-Dynamik, wo alle irgendwie auf einmal ganz sweet sind, Witze erzählen, lauthals lachen, und irgendwann sagt die L. „Ich hab Dir Marmelade mitgebracht. Selbst gekocht.“
„Danke, das ist lieb. Selbst gemacht ist ja immer die Beste.“

„Scheißfreundlich. Sein sie einfach scheißfreundlich“, hatte Heidi empfohlen. Lassen Sie sich nicht anmerken, wenn Sie verletzt sind. Sie sind doch stärker, größer, Sie brauchen sich doch nicht klein machen lassen.“ Und so kam es ganz anders. Die L. zog quasi zu Kreuze, so dass ich kaum mitbekam, dass der Krieg an einer ganz anderen Front ausgetragen wurde.

Als die L. sich verabschiedet nehmen wir uns in den Arm. Ich drück sie noch einmal ziemlich fest. Als Dankeschön dafür, dass wir diese Party nicht durch unseren Zwist versaut haben. Ich glaub, sie hat´s verstanden. Freunde werden wir trotzdem nicht mehr werden.

„Es war so schön harmonisch!“ Freut sich mein Vater, und – ja, wenn ich an Weihnachten denke, war sein 77. Geburtstag ein Gratis-Tag in Disneyland. Nur, dass meine Schwester nicht mehr mit mir redet, und ich weiß nicht, ob es die Eierbecher sind, oder ob es sie nach 40 Milliarden Jahren immer noch verletzt, dass meine Eltern mir Aufmerksamkeit schenken und sie, die im Haus nebenan von ihrem wohnt, glaubt, zu wenig davon zu bekommen. Der ewige Wettstreit zwischen Geschwistern, nur, dass sie die einzge ist, die ihn spielt. „Und wisst Ihr was – es kränkt mich nicht. Wenn ich mal reich bin, schick ich ihr nen LKW mit Eierbechern aus aller Herren Länder.“
Mutter, Vater und Sohn lachen.

Als heute morgen meine Schwester in der Küche unserer Eltern auftaucht, mich taxiert, fragt „Du fährst?“, und ich bejahe, sie dann „Tschüss“ sagt und auf dem Hacken kehrt macht, schüttele ich mit dem Kopf und sehe, dass meine Eltern beide mit den Tränen kämpfen.

Aber mich kränkt es nicht.

Auf der Heimfahrt umzirkele ich einen Roman-Plot und sehe eine Trilogie. 1 – Schauer, 2 – Horror, 3 – Terror-Roman.

Der Schauer-Roman ist fertig. Es folgt: Horror. Und nein. Keine Zombies. Vielleicht Aliens? Ja. Aliens.

THE LITTLE SLEEP

Gestern noch mit dem Gefühl nach Hause gekommen, dass mal wieder alle Ressourcen erschöpft sind, ein freier Tag in der Woche reicht einfach nicht, gleichzeitig die Sorge gehabt, wie das mit dem Einschlafen wird. Nach einem langweiligen Film in dem Sigourney Weaver eine Mutter spielte, die sowas von nicht loslassen kann, aber Kate Bosworths Look mir gefiel, zwei alkoholfreien Weizen und zwei Kapiteln Schauerroman, dann sofort eingeschlafen. Uuuuuuund aufgewacht nach drei Stunden, weil ich gerade dabei war, Marilyn eine Ohrfeige zu geben – Frevel, weil Marilyn im Traum meine Mutter war – Doppelfrevel – aber sie wollte mich nicht gehen lassen, ein Motiv, das mich in „Splice“ tief berührt und offenbar auch bei „Girl in a Park“ einen wunden Punkt erwischt hatte, weil ich mich noch sehr gut an die eigene Abnabelung (die mit 14, nicht die bei der Geburt) erinnerte. Wieder eingeschlafen, wieder aufgewacht. Dieses Mal ankerte ich in einem Fluss, neben mir in einem Kajak lag Sara Stockbrige auf einer Lage Kartoffeln. Wir führten eine gepflegte Unterhaltung bis zum wieder aufwachen, da war es draußen immer noch dunkel. Und dann Schlaf. Bis zum Aufwachen, es war Punkt 9.00. Keinerlei Schuldgefühl, so lange im Bett zu liegen, sondern tiefe Zufriedenheit, mal länger als drei Stunden am Stück geschlafen zu haben.

SIE SIND HELDEN

Rund, bewegend – eine große Erleichterung, die Helden quasi das erste Mal live zu sehen (wenn man den Auftritt als Nena-Vorgruppe vor OMG-sind das 10 Jahren?) nicht mitrechnet. Die C-Halle ist der richtige Ort – selbst wenn man ganz hinten oder außen steht, springt und fließt die Energie von der Bühne. Nicht nur unterstützt sondern bedingt wird das durch einen perfekt gepegelten glasklaren Sound – jedes einzelne Wort ist verständlich, überhaupt überrascht es fast, das Judith souverän singt und nichts vernuschelt. Ein musikalisch und poetisch wunderbarer Abend, nur, aber das ist eigentlich auch schon wieder Kompliment, hat man den Eindruck, man hat gerade eine Platte gehört, so perfekt war alles reproduziert. In den Moderationen dann zeigt sich das einzige Problem – da ist Judith wie in Interviews, ein wenig zu zart, zu leise. Man kann Madonna hassen, aber eins muss man ihr lassen – sie ist ein Showgirl, so wie Robbie und Rufus große Entertainer sind. Aber Einhalt – brauchen wir das immer alles? Ich nicht. Meine Helden dürfen zart sein, müssen keine Rampensäue sein, dürfen ein braves Familienleben ohne Skandale haben. Bei ihnen steht das wichtigste im Vordergrund, das gesungene, stimmig und einzigartig inszenierte vertonte Wort. Und die Charaktere, die diese Musik erzeugen, erzeugen bei mir vor allem Sympathie und Hochachtung. Sie sollen genau so bleiben wie sie sind, sie machen alles richtig.

Und so marschieren wir den Mehringdamm herab und sind noch beschwingt vom Denkmal-singen und was könnte schöner sein? Die U-Bahnfahrt vom Olympiastadion, après Madonna, ist der schlimmste Konzertkater, den man sich vorstellen kann, da mag der Abend noch so perfekt gewesen sein.

Und, nö. Keen Clip. Ich war Konzert kucken, nicht filmen.