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sunday at the desk with glam

Wenn von der Straße die Mariachi-Musik hochklingt ist eines klar: es ist Sonntag, 13.00 Uhr in der L-Straße. Kannste die Uhr nach stellen. In diesem Fall den Wecker. War aber auch ein langer Samstag. Im Office eingesprungen von 9 bis 14h, danach Jojo Meyes weitergelesen. Gegen Disco-nap entschieden (merke: Fehler) und das 5-Komponenten-Dinner angegangen, aus dem dann 7 wurden, wenn man Passionsfrucht als Dessert-Vorspeise und Nuss-Karamell-Käse-Tarte als Dessert-Hauptspeise mitzählt. Abende mit dem Ex-Roomie und dem wundervollen C. gehen auch nie ohne Song and Dance und mindestens ein Glas kaputt, aber dafür hab ich ja die 1-Euro-Weingläser. Ex-Roomie ist auf der Spur seiner biologischen Mum, die tatsächlich so heißt wie die im Film mit Judy Dench. Außerdem wird er Vater und zeigt mir den Ultraschall von Emil auf dem Samsung.
13h ist schon ziemlich spät, in den Tag starten, wenn´s um halb 5 schon dunkelt, aber irgendwie wollte ich noch ein Treffen mit der Lieblingsdänin unterbringen, Ex-Roomie seine Pudelmütze vorbei bringen, strammen Spaziergang machen und mich vom Samstag erholen. Wird sich schon alles sortieren. Erstmal eine Lemon Cola.

GO ASK SHAKESPEARE

Gestern ganz viel Publikumskontakt und keine Sekunde Angst vor Panik. Eine kurze Alarmglocke, dann aber der innere Kampfschrei, der die Monika wie die Petra mittlerweile erfolgreich bannt. Und wenn ich die Medikamente bis zum Ende meines Lebens nehmen muss. Und wenn das vielleicht für den Rest des Körpers nicht gesund ist. Dann leb ich halt 5 Jahre weniger, aber ohne diesen Horror, der alles in den Schatten stellt, was man sich als Horrorfilm ausdenken könnte. No fear worse than fear of fear – so ähnlich hat Marilyn das mal formuliert.
In diesem Zusammenhang AHS3 – Coven. In der vorletzten Folge stieg Kyles Mutter zu ihm ins Bett und ich bekam Schnappatmung. Murphy gelingt diese wilde Mischung aus Horrror-Genre-Klischees und dem echten Horror. Eine Mutter, der ihre Tochter zu langweilig ist. Eine, die einen Folter-Dachboden unterhält, in dem sie auch ihre Töchter entsorgt. Die Mutter im Bett des Sohnes. Emotionale Sado-Maso-Verhältnisse zwischen Arbeitgeber und Angestellten. Machtspiele, Intrigen, Ausgrenzung, Körperverletzung. Tales of Transgression. Shakespeare eben. Eine ziemliche Klaviatur, wenn man bedenkt, dass es alles mal mit dem Tod endet. Und Shakespeare hat sich das alles vielleicht ersonnen und formuliert, aber eben nicht ausgedacht.

Nochmal auf Episode 5 zurückkommend und weshalb ich Ryan Murphy liebe: die Sequenz im Krankenhaus, in der die Kamera betrunken stapft wie Fiona selbst, benebelt, und dann die Szene mit der Frau und dem toten Baby. Da sehen wir Fiona in einem anderen Licht und es sind diese Feinheiten in der Gestaltung ihres Charakters, die aus ihr mehr machen als die Disney-Hexe, die eigentlich schon toll genug ist. Ich hätte nicht gedacht, dass nach Asylum noch eine Steigerung möglich ist. Und eigentlich verdienen beide Staffeln, dass man sie einzeln betrachtet und nicht vergleicht. Asylum in ihrer absoluten Finsternis und Coven als diabolischer Joy-ride, glamorous Grand Guignol deluxe.

Warum die Feuerwehr keine Post bekommt.

„Tach´chen Polizeinotruf, hier Dick. Ich hab grad in der X-straße, hier direkt bei der Feuerwehr ein KFZ-Kennzeichen auf der Straße gefunden. Wie verhalte ich mich nun?“
„Na, Herr Dick, det is aber nett, dass Sie dit melden. Wennse können, dann kommse doch auf den nächsten Polizieabschnitt und-“
„“Na, ick bin grad auf dem Weg zur Arbeit und da ist kein Abschnitt auf dem Weg.“
„Na wartense ma. Ich tscheck mal ob das Kennzeichen schon registriert ist. Sagense ma an.“
(Sagt an.)
„Is noch nüscht gemeldet. Herr Dick. Folgendes. Bringse das Schild zu die Kollegen von der Feuerwehr. Die solln denne uns verständijen, wir schicken nen Wagen.

Gesagt, getan.

Türklingel, Feuerwehr.
„Tach´chen. Hier Dick – Grad mit den Kollegen von der Polizei gesprochen, hab ein KFZ-Kennzeichen auf der Straße gefunden. Soll ick bei Ihnen abgeben. Die schicken nen Wagen.“
„Na bin ick hier die KFZ-Kennzeichen-Sammelstelle, oder wat? Schmeiß in´ Briefkasten.“

Protagonist schüttelt noch mit dem Koppe, als er den Toplader-Briefkasten öffnet und sieht aus dem Augenwinkel den darauf liegenden Briefkastenschlüssel in die Tiefe hinabsausen, klick, klick, klack durch mehrere Bodengitter. Und so – nee echt. Einmal Bürgerpflicht reicht. Tschüssi, Kollege.

NIGHT FILM by MARISHA PESSL

Ich hatte es nicht mögen wollen, weil mir der Vorgänger so arg auf die Nerven gegangen war. Aber kaufen musste ich es dennoch – durchgeknallte Filmemacher sind schließlich einer meiner liebsten Horror-Topoi. Und auch wenn sie immer noch kein vernünftiges Französisch kann (inmmerhin sind die Zitate sehr viel weniger geworden), und wenn Kursivschrift ihr neues Zitat ist, Marisha Pessl, das überhypete Wondermodel der amerikanischen Gegenwartsliteratur, ist ein Neo-Klassiker gelungen, der großartig unterhält. Journalist McGrath (!) recherchiert das mysteriöse Ableben der jungen Ashley, Tochter des ziemlich gestörten Regisseurs Stanislav Cordova. Wie im klassischen Film noir setzt der das Leben der Verstorbenen aus den Bruchstücken zusammen, die er detektivisch ermittelt. Zur Seite stehen ihm eine charmante Miss Caswell – Absolventin einer obskuren Filmschule in Florida und ein Cobainiger Drogendealer mit gebrochenem Herz. Die Recherche ist so umfassend und ergiebig, dass sie die knapp 800 Seiten (in der gelungenen deutschen Übersetzung) rechtfertigt. Der Sog um den besessenen Regisseur und sein eigenes selbstgestaltetes Universum springt auf den Leser über und zieht ihn hinein. Selten habe ich mich beim Lesen klaustrophobischer gefühlt. Das Buch wirkt wie ein Film mit subliminalem Inhalt. Kritiker haben Pessl Abschreiben vorgeworfen – der Roman habe zu sehr an Theodor Roszaks Flicker erinnert. Bullshit. Wenn es ein großes Vorbild für Die Amerikanische Nacht gibt, dann das House of Leaves von Danielewski. Anders als bei Danielewski verzichtet Pessl auf den nervigen Erzählrahmen und liefert pure Geschichte. Ich habe jetzt noch hundert Seiten vor mir und bin ängstlich – es könnte auf ein vorhersehbares Ende hinauslaufen, das wäre schade. Aber ich traue Wondergirl auch zu, dass sie mich überrascht. Selbst, wenn nicht. Ich habe 700 Seiten faszinierendster Unterhaltung hinter mir. Und schade, dass Franju nicht mehr lebt, der hätte für eine Verfilmung die richtigen Bilder gefunden.

DAS NEUE SCHREIBEN/ VERÖFFENTLICHEN

Minütlich enthusiasmierter der Veranstaltung „Rewrite the Web“ beigewohnt, ein Think Tank für Autoren, Agenten und Verleger, veranstaltet vom Epublisher Epubli und der Lese-App Readmill. Wie sehr die Technik die Lesegewohnheiten beeinflusst. Dass sich etwas verändert hat, findet schon mal in der Arbeitssprache Ausdruck. We speak English. Das Lesegerät nicht nur der Zukunft, sondern schon jetzt: nicht der Kindle, nicht das Tablet. Das Samrtphone. Der schlichte Grund – weil man das immer bei sich hat und sich auch nicht schämt, es in der Ubahn raus zu holen (Tablet-Besitzer sind in der Tech-Szene als Douchebags verschrien.) Als ich vor anderthalb Jahren den Vetrag für die Oper unterschrieb, war erschien das Thema Ebook nebensächlich. Heute machen Ebooks 15% des Umsatzes aus. Allerdings sind die Anbieter pfiffiger und zeitgemäßer als die Print-Verlage und passen sich dem Markt schneller und effektiver an. Ganz zu schweigen davon, dass die Gewinnstrecke bei einem verkauften Ebook durch einen Epublisher ca 60% des Verkaufspreises ausmacht – also rund 10mal soviel wie bei einem Print-Exemplar oder einem Ebook, das über einen Print-Verleger verkauft wird.
Meine anfängliche Skepsis wurde schließlich komplett ausgeräumt, als die charismatische Selfpublisherin Joanna F. Penn ihren Vortrag hielt und auf Hybrid-Modelle verwies. Das Ebook per Self-Publishing, einen Print-Vertrag kannst Du immer noch klar machen. Klar – Promo nimmt dir dann niemand ab, aber sie schlug auch Marketing-Modelle vor, die man als Autor ziemlich easy selbst umsetzen kann. Der entschieden höhere Umsatz pro Buch rechtfertigt die Marketing-Ausgaben. Das Ebook also selber veröffentlichen, das Printbuch dem Verlag überlassen, der sich ohnehin schwer tut, was das Netz angeht, was man schon an hilflosen Facebook-Auftritten sieht. Leser folgen nicht Verlagen. Leser folgen Autoren.

Neben den ganzen spannenden Informationen rund ums Verwerten blieb eine Grundlage klar – das Buch ist ein emotionales Produkt, es macht was mit dem Leser, und wenn es das Richtige mit dem Leser macht, dann bist Du als Autor ein Held. Das höchste Ausmaß an Wertschätzung eines Autoren ist erreicht, wenn einem ein Ausrutscher verziehen wird und das folgende Buch trotzdem gekauft wird.

Es war etwas ungewöhnlich für mich in so geballter Dosierung Informationen zu bekommen und zu verwerten. Wie ein Blockseminar an der Uni, und das ist ja schon ne Weile her. Dies aber in sehr angenehmer Umgebung, an Seite meiner wunderbaren Agentin, deren Sachbuch-Kollegin, dem Agenturchef und einiger weiterer Simon-Autoren. Und – der Kaffee (companioncoffee.com) und das Lunch waren köstlich!

Völlig beschwingt verließ ich die Veranstaltung, froh die Tech-Kids zu verstehen und Einblick in eine Welt bekommen zu haben, in der ich mich mehr und mehr aufhalten werde. Ein weiterer Nebenaspekt – Lust bekommen, etwas Neues zu schreiben. Richtiggehend LUST. Und stellnse sich vor – als Autor das letzte Wort beim Cover haben zu dürfen – HIMMLISCH!

Auf ganz anderer Ebene – gefüllte Seminarräume besuchen, in einem Workshop frei zu sprechen, Sachen, die für mich früher den größtmöglichen Horror bedeutet hätten – anfangs, beruhend auf Erinnerungen – etwas befremdlich, im Verlauf aber fast vollständig weggewischt.

BACK TO NORMAL oder ONE DAY, BABY, WE´LL BE OLD but just not yet

„Sag mal, hab ich gestern echt so nen sehr attraktiven arabisch aussehenden Anzugtypen mit nem Namen wie Christian mit nach Hause gebracht? Ich hab manchmal so Filmrisse, wegen der Pillen. Und vor allem, wenn uns Frauen Gin ausgeben im Bierhimmel. Michaela hieß die. An die kann ich mich nämlich noch erinnern.“
„Ja, aber der war ganz schnell wieder weg.“
„Aber wie? Ich meine… Da liegt ein benutztes Kondom und noch andere Sachen. Also so volles Programm“
„Kann sein, dass ich n Filmriss hab. Gin. Jägermeister.“
„Warum liegt hier mein Pulli?“
„Der hat Dich im Flur ausgezogen.“
„Ipod, Portemonnaie usw. alles noch da. Waren wir eigentlich wirklich noch im Roses?“
„Yo.“
„Ach deshalb. Komm, wir gehen wählen. Und hey, heut Nacht sind die Emmys!!“

AUGUST. OSAGE COUNTY

August. Osage County gelesen. Was ein Drama! Und was ein verdienter Pulitzer! Und was für eine Vorstellung Julia Roberts als Barbara, Meryl als Violet. Premiere war vor ein paar Tagen in Toronto, Szenenapplaus, standing ovations, fantastische Kritiken, nur der Hollywood Reporter hatte was zu meckern. Aber verschaffense sich selbst nen Eindruck:

Und, nee – kein Steel Magnolias. Vicodin Magnolias, maybe.

„ruhig. und klug. das tier zu streicheln. es ist nun mal da.“

45 Jahre alt. Und erst jetzt den schönsten Brief meines Lebens bekommen. Danke, Cora.