Archiv der Kategorie: per se, also als solches

LAUFEN UND REDEN…

… empfahl mir mal vor langer Zeit ein guter Freund als beste Grundsituation für ein Beziehungsgespräch, zu dem es dann doch nur am Telefon kam. Aber nach dem telefonischen Aus besann ich mich viele Jahre später wieder auf den guten Rat, allerdings in anderer Situation. Wenn ich ein Date mache, dann treffe ich mich nicht in einem Café. Dann schlage ich einen Spaziergang vor. Mit Date meine ich jetzt jene Art von Treffen, die Sex nicht notwendigerweise einschließen, sondern höchstens die Grundlage für Sex zu einem späteren Zeitpunkt schaffen. Treffen also, bei denen man sich visuell, intellektuell und emotional kennen lernt. Laufen und Reden ist auch bei jeder anderen Art von Gespräch sehr zuträglich. Die Fortbewegung illustriert die Entwicklung des Gesprächs, den Fluss der Themen, das sich bewegende, evolvierende a l s s o l c h e s.

Von Vorteil ist auch, dass man sich nicht die gane Zeit gegenübersitzt – eine Haltung, die noch mehr das Oppositionelle bebildert. Das braucht man beim ersten Date nicht, das weiß man, dass da jemand Fremdes sitzt. Laufen schafft Gemeinschaft. Zwei, die sich durch die Fremde bewegen oder durchs Vertraute und es hinter sich lassen.
Dass man einen Spaziergang schneller verlassen kann als eine Dinner-Verabredung, wenn man merkt „es geht gar nicht!“, ist auch ein Aspekt, der für den Spaziergang spricht. Aber gestern, auf meinem ersten Laufen-und-Reden-Date seit langem, war das gar nicht nötig. Es war ein äußerst inspirativer Spaziergang. Ich freu mich auf weitere.

SCHLUMMERFUNKTION, PER SE

Das sind genau die neun Minuten, die ich mich dann am Tag gehetzt fühle. Aber das Wort ist schön. Und das Gefühl, so sanft in den Schlaf zurück zu rutschen, die Wegdämmerwelle reiten bis es dann wieder klingelt. Ich experimentere jetzt schon so lange mit Wecktönen, aber habe noch keinen gefunden, der nicht mit Dauer an Brutalität gewinnt. Selbst der jetzige, der mich an den Klingelton erinnert zu dem mir nur einfiel „ein Engel erigiert“, als ich ihn das erste Mal hörte. Im Grunde ist ja der Neunminüter ein früh in den Tag platzierter power nap. Und das Wort power nap ist eine grässliche Formulierung für etwas so Schönes wie den Schlaf. Obwohl ich im Schlaf viele Dinge mache: schubsen, treten, telefonieren, manchmal mit den Zähnen knirschen, erlebe ich ihn beim Aufwachen als absoult stressfreie Zone. Ich halte mich da sehr gerne auf. Manchmal sogar in Alpträumen. Diese Art von der man wach wird, wo man froh ist aus dem Traum raus zu sein, wissend, man kann noch eine Runde drehen, das nächste Mal ohne den Alp. Vielleicht habe ich deshalb so eine Wertschätzung für Horror-Literatur. (Just re-reading „Coldheart Canyon“ and loving it, again.)
Ich glaube das Konstrukt Paradies oder Himmel, also Nachleben als solches*, existiert, weil nach dem Wachsein der Traum kommt. Wenn der Mensch nicht träumen würde, dann könnte er sich auch mit einem Ende als Ende abfinden, am Ende. Als solches.

* ich will ja jetzt häufiger „als solches“ verwenden.