Archiv der Kategorie: Lessons in Glam

TOP OF THE CITY

Augusta hat geheiratet. Augusta designt Taschen und ist eine unnachahmliche Berlinerin. Ich würde ihr gerne einen Duft widmen – Augusta – Essence de Berlin. Einige von meinen Lesern werden sich an sie erinnern – sie hat bei meiner Drehbuchlesung eine Unzahl weiblicher Charaktere mit Leben und mit Mutterwitz gefüllt. Augusta hat jetzt, wie gesagt, geheiratet und um ihr Glück zu feiern lud sie uns an eine spekatkuläre Location – die dreigeschossige Lounge in einem der beiden Türme am Frankfurter Tor.
Ich sag nichts, ich zeige einfach mal:

juergi

towerview

Den ganzen Abend versuchte ich, meinen charmanten jungen Gast mit meiner Lieblingskollegin zu verkuppeln, aber es klappte nicht, obwohl die beiden sich sichtbar gut verstanden. Den Grund dafür fand ich später in der Hollywoodschaukel heraus, jedenfalls begann das Wochenende sehr verkuschelt. Und ging auch so weiter. Mit dem betsen Freund auf dem See gesungen. Deshalb war der Schlachtensee gestern gar nicht so voll. Wegen des Radaus. Erst sang Lucky, dann musste ich ein Lied singen, in dem ein Wort vorkam, das auch in Luckys Lied vroegommen war.

Wieder zu Hause ging der Kuschelmarathon in die nächste und die übernächste Runde. und jetzt muss ich hier raus, denn bevor es wieder an den See geht muss ich noch ne Runde kuscheln.

GLAMOURDICK EXPOSED…

… bezieht sich jetzt nicht auf die schöne Skulptur, die Katia von mir gemacht hat. Nein, es geht um das Exponieren und Ausstellen im virtuellen Raum. Auf dem Blog, dem Dating-Server, den ganzen sozialen Netzwerken, in denen ich mich rumtreibe.
Mich nervte vor kurzem, dass mein Profil auf den Blauen Seiten, das sehr leicht zu recherchieren ist, nicht so pornografisch ist, wie ich es mir zu Anbahnungszwecken wünschen würde. Ich wollte ja aber auch nicht, dass irgend ein Strick- oder Heimwerkerblogger, der Neugier auf meine blaue Selbstdarstellung hat, gleich ein Bild des GlamourDicks, erigiert, zu sehen bekommt. Nach langem Grübeln wurde ich pfiffig – und kreierte ein Zweitprofil. Jetzt bin ich also pornografisch anonym unterwegs, mit Ständer und Sperma und so allem Zick und Zack und werde am ersten Tag fast 300 mal angeklickt, weil Männer eben doch stärker auf diese primären Reize regaieren und weniger auf die feinsinnigen Selbstdarstellungen, wie man sie von meinem Blog kennt. Die kleine Schizonummer geht auf. Bei den 300 sind mindestens drei dabei, mit denen man mal sexuell tätig werden könnte.
Nun zeige ich mich auf den Pornofotos kopflos. Das Gesicht liefere ich nach, wenn das Gegenüber, das es zu sehen begehrt, in die engere Wahl kommt. So öffne ich eines der zugesandten Bilder und denke, der hat aber Ähnlichkeit mit – und bringe mein Portrait ebenfalls auf den Weg. Und dann kommt ne Message zurück „Hihi“. So erklärt sich die Ähnlichkeit. Er ist es selbst. Und so begab es sich, dass Glam´s Pornoprofil bereits am Tag 1 seiner Existenz von einem Blogger geknackt wurde! Und nein, es ist uns nicht peinlich, aber wir mussten sehr kichern. So ist die Zahl der schwulen Blogger, die den Glamourdick des Glamourdick zu Gesicht bekommen haben, auf 2 angewachsen. 100%.

GLAM BY DESIGN

Es gibt eine Berufsgruppe, mit der mich eine besondere Affinität verbindet, im Grunde gibt es davon sogar mehrere, aber heute geht es mir um eine, die ich ganz besonders mag – die der Stylisten. Stylisten sind immer gut angezogen, immer eine Saison weiter – also wirkt ihr Look immer etwas wagemutig, sie sind immer mit einem bösen Humor ausgestattet und meistens dünn bis athletisch. Meist haben sie auch Drogen bei sich, und wenn, dann sind die von den besten Dealern – denen der Models und Designer. Designerdorgen quasi. Mit Stylisten kann man viel Spaß haben, weil sie lustige, böse Anekdoten haben und ungnädig mit ihrem Blick sind. Sie umgeben sich immer mit schönen Dingen. Sie haben einen Kleiderschrank, der größer ist als meine Wohnung. Sie haben keine Probleme mit Pelz und Fell. Sie tragen American Apparel Unterwäsche und Sportlersocken, zumindest in dieser Saison. Vor allem in Turnhosen sehen sie organisch aus. Ihre Haare sind oft asymmetrisch (zumindest noch in dieser Saison). Sie selbst sind oft keine Schönheiten, was sie allerdings durch Persönlichkeit, Charisma, ihren bösen Humor und ihre Turnhosen wettmachen. So werden sie auf ihre Art und Weise schön. Saisonunabhängig. Natürlich gibt es auch Stylisten, die einfach nur schön sind. Ich will keinen Stylisten unter den Scheffel stellen. Stylisten sind aus all diesen Gründen eine meiner liebsten Lieblingsberufsgruppen. Und weil sie auch immer so schön nach morgen duften.

WELTEN

„Kuckma hier Glämmy – Marilyn!“
„Das ist n i c h t Marilyn. Fas ist Jayne Mansfield.“
„Wer ist das denn?“
„Die hatte was, was Marilyn nicht hatte.“
„Dickere Titten?“
„Vulgarität.“

SCHRAUBEN STATT SCHREIBEN

Wenn man sie nicht selbst montiert, dann zählt sie nicht zur Gattung der Hollywood-Schaukeln. Dann ist ein schwingbares Gartenmöbel. Der Aufbau hatte etwas Zen-mäßiges – ich habe nicht überlegt, ob ich sie komplett montiere oder nur damit anfange, aber irgendwann war die letzte Schraube verschraubt und da stand sie. Die Neue hat etwas. Sie ist nicht so bequem wie die alte, aber auch nicht so verkitscht. Klare Linien. Dramatisches Schwarz. Die Sitzfläche etwas flachbrüstig. Sie erinnert mich an Sharon Stone. Von der bin ich auch kein Fan, aber es ist schon okay, dass es sie gibt.

GIFTSPRITZE

Grad frisch die Salbe im Fletschauge, sieht alles aus wie Zärtliche Cousinen. Dazu passen Pupswitze mit Lucky. Und Becks Gold. Und wenn der Cousinen-Effekt aufgebraucht ist geh ich auf die Terrasse und schneid dem Oleander genüßlich ein zwei Äste ab. Mit einem stumpfen Messer. Dass er es auch spürt. Zur Strafe für ins Auge pieksen. Die Lupinie würde sowas nie tun.

YELLOW BELLIED ALLIGATOR oder PULL THE PLUG

Wenn mir ein Freund oder eine Freundin erzählt hätte, dass der Typ, mit dem er/sie sich trifft, am gleichen Tag noch ein anderes Date hatte, dann hätte ich natürlich empathisch geurteilt „was für ein Schwein!“. Double-Dating Pfui Spucke! Spätestens seit „Sex and the City“ weiß man ja aber, dass man keine Chance ungenutzt lassen sollte, dass man mit einem Date ja noch keinen festen Partner hat und die Phase der Evaluierung noch eine Weile anhält. Ich meine, wenn Charlotte York das macht – who am I? Also wachte ich auf, blies meinem überraschenden Übernachtungsgast einen, trank mit ihm Tee auf dem Balkon, freute mich an seinem Lachen – den schlohweißen Nichtraucherzähnen, und traf später am Tag, nachdem ich das Sperma aus den Haaren gewaschen hatte, mein eigentliches Donnerstagsdate. Da wo Investoren demnächst Bürohäuser zu bauen planen saßen wir auf einem Fleck Grün, der von einer Elektroparty noch recht zugemüllt war, was seine Idylle beeinträchtige (auch der Lärm der vorbeifahrenden Bahnen kratzte ein wenig an der Romantik) und sahen den vorbeifahrenden Schiffen zu. Wir gaben uns trockene Abrisse unserer respektiven Biografien. Dann erfuhr ich mehr über Media-Spree, als ich in all den Artikeln, die ich nicht gelesen hatte, hätte erfahren können. Manchmal, wenn ich etwas sagte, fiel mir mein Gegenüber ins Wort. Meine Taktik ist in solchen Fällen, meinen Gesprächsbeitrag zu Ende zu führen und dabei immer leiser zu werden, nicht lauter. In der Regel merkt das Gegenüber dann, was er tut. Nicht gestern. Eine Kollegin, die sonst ganz nett ist, fällt einem auch immer ins Wort. Ein Ex-Freund tat das auch sehr gerne und oft. Bei mir führt das zu kommunikativer Schismogenese. Also, das passiert zweimal und ich entferne mich innerlich, dreimal und ich beende das Gespräch.*

Vielleicht lag es an der Polle, die meine Nasenschleimhäute austrocknet. Vielleicht am Schlafmangel, weil das eher ein erotisches Doppel-Liege-Yoga gewesen war, als gesunder Schlaf. Vielleicht an der Atmosphäre. Ich bekam Kopfschmerzen. Nicht so komm-Alien-friss-meinGehirn-damit-es-mir-nicht-mehr-weh-tun-kann-Kopfschmerzen. Eher so fiepende Kopfschmerzen. Wie Welpen. Dann lass ich auf der Spreemauer schräg gegenüber den Rat „Pull the Plug“. Kaum dass ich im Auto saß, waren die Kopfschmerzen jedenfalls verschwunden. Dann fuhr ich heim und spülte Gläser und lächelte das Prilwasser an.

*Ich habe diesem Gesprächsphänomen sogar mal ein Lied gewidmet, die amerikanische Nachbarin hat´s gesungen, es hieß „Let me speak my mind“. Das geh ich jetzt mal suchen versehe ich jetzt mal mit random photos lade ich gerade mal bei youtube hoch können Sie sich hier anhören und gleichzeitig noch ein paar Bilder aus meinem Fotoalbum betrachten.

IT´S ALL ABOUT GLAM

„Weißt Du wie Du aussiehst?“
Oh mein Gott. Grenzüberschreitung. Ich bin ungeschminkt, es ist vormittag, ich habe eine OP hinter mir. Der knuffige türkische Zigarettenverkäufer legt unaufgefordert meine Zigaretten auf den Verkaufstresen. Wie ich aussehe? Wie Kurt Cobain nachher??
„Dein Style und so?“
„Äh – nö?“
„Der „Fluch der Karibik“-Film, dieser Käptn.“
„Jack?“
„Ja Mann, Jack Sparrow!“
„Danke. Damit kann ich in den Tag starten.“ (Er hat „Du“ gesagt. Er hat „Du“ gesagt! Er meinte NICHT Keith Richards. Er meinte NICHT Keith Richards.)

Wir lernen: mit dem Kajal verhält es sich wie mit dem Blondsein. Es ist keine Frage der Haarfarbe, bzw ob man ihn gerade trägt. Einmal Kurt-Jack, immer Kurt-Jack.

Desweiteren. Habe ich mir vorgenommen. Es auszusprechen. Und es mit Stolz zu tragen. Ja, ich bin seit drei Wochen 40. Four Oh!
„Wie fühlt man sich denn da so?“ wollte die Porno-Queen von mir wissen, die nächstes Jahr an der Reihe ist.
„Schrecklich. Ganz ganz schrecklich.“
„Na – solang man 15 Jahre jünger aussieht…“
Das war vielleicht das schönste Geburtstagsgeschenk. Neben dem Polarfuchskragen. Und dem Kajak. Und den Gästen. Und und und.
Ich werde zu den 40er gehören, bei denen es stimmt. 40 is the new 20. Ich werde mir nicht von einer Zahl aufoktroyieren lassen, wie ich mich zu benehmen habe und was ich mir anziehen darf. Next film on my viewing list: „All about Eve“. Und „Sex and the City“ habe ich auch immer noch nicht gesehen.