Archiv der Kategorie: Lessons in Glam

GREEN GARDENS oder DIRTFACE

In den Spiegel schauen und Tante Rosa sehen, wegen der Erde auf Wange und Stirn vom Schweißabwischen beim Pflanzen. Und dann mit vielen Falten lachen. Schön.
Ich hab den Schmutz dann auch den ganzen Tag und Abend nicht abgewaschen, Frau Koma fand auch es sei eine Zier, und so am eigenen Leib erfahren, wo das Make-up vermutlich mal seinen Ursprung hatte.

BARRYMORE RISING

The pair spent most evenings together, sipping wine in each other’s hotel room as they watched dance musicals from the Thirties and smoked cigarettes. “We fell in love. When we’re together, we hold hands and sit really close,” says Barrymore, who appeared to be practically entwined with Lange at the Golden Globes in January. Lange recognizes aspects of Edie in Drew. “For all of her strengths, resilience and tenacity,” Lange says, “there’s also something incredibly tender and vulnerable and childlike about her.“

Can´t wait.

ORIGINS OF GLAM

„Normally we can´t see fairiefolk and trolls. They generate a cloaking aura called GLAMOUR.“

(Hellboy 2: The Golden Army)

Den Trailer hätt ich gerne mit „Alles neu“ im Shostakovitchovitch-Mix.

21ST CENTURY FOX, KITTY KOMA GEWIDMET

Es musste klirrend kalt sein dafür, gestern nacht war es soweit, ich habe den Polarfuchs das erste Mal ausgeführt. Die zehn Sekunden über die Straße in ein überheiztes Taxi. Ich hab das Fenster runtergekurbelt, was auch den Taxifahrer freute, denn ich habe gerade keinen Geruchssinn und war vermutlich mit Narciso Rodriguez überparfümiert. Das duftet auf einer Fledermausfrequenz. Samtig, süß, ein bisschen orientalisch, einen Moment scharf und durchdringend und dann ist es schon wieder weg, versteckt sich irgendwo. Der Fahrer nahm die wirklich kürzeste Strecke – ich kann nur den Tipp geben: überparfümieren Sie und kein Taxifahrer wird Sie mehr abzocken. Dann schloss ich die Autotür, die Kälte hüllte meinen Duft ein, ich zog den Fuchs enger um den Hals und wäre gern noch eine halbe Stunde so polarfuchsierend durch die Kälte gelaufen wie Marlene im wallenden Satinkleid durch die Wüste. Aber ich hatte ja eine Einladung, auf der der Fuchs mir einen neuen Freund in Gestalt eines Katers bescherte. Der sah den Fuchs in meiner Tasche, die ich aus Sicherheitsgründen schloss, und dann kam er zielstrebig zu mir weil Fuchs und ich eben beide nach Narciso Rodriguez dufteten.

Gestärkt mit süßester Feuerzangenbowle und wieder das Eistier um den Hals gelegt, spazierte ich die dunkle Straße im Prenzlauer Berg hinab, bog in die nächste hell beleuchtete Hauptstraße, ließ einige Taxis an mir vorbeiziehen, klopfte der Volksbühne auf die Schulter, fröstelte nur ein klitzekleines bisschen und hatte einen Starletmoment. Wo man das weiße Fell durch die schwarz behandschuhten Hände gleiten lässt, es nah an der Haut im Nacken spürt, weich die Körperwärme reflektierend. Was wäre die Welt ohne Accessoires? Ohne kleine teure Momente des Luxus? Und ohne Menschen, die verstehen, dass ein Pelz nicht nur ein Tierfell ist, sondern ein Penthouse über den Wolken, wo immer die Sonne scheint und blonde Engel in bleich funkelnden Paillettenroben mit Haltertop mit ihren platinfarbenen spitzen Fingernägeln Schneesterne aus Diamantenfetzen stanzen, leise singend, wie zu sich selbst. Und duften, ja duften.

LOOK BACK IN GLAM

Um über meine erste große Liebe hinweg zu kommen brauchte ich ca drei Jahre. Fünf Jahre, nachdem ich ihn kennen gelernt hatte, gaben wir der Beziehung einen zweiten Versuch. Diese mal dauerte es ungefähr anderthalb Jahre, bis ich das Ende verwunden hatte. Einige Jahre später, beim Ende der zweiten großen Liebe verbrachte ich wieder anderthalb Jahre leidend. Eine dritte große Liebe gibt es noch nicht, möglicherweise wegen des nachhaltigen Nicht-drüber-Hinwegkommens, auf das ich keine Lust mehr habe. Immerhin. Anhand der Eins und der Zwei habe ich festgestellt, dass Zeit, die man mit Nachtrauern verbringt, gestohlene Lebenszeit ist. Vertan. Verheult. Verschissen.

In diesem Jahr, und – ja – das ist das nächstbeste, was Sie hier an Jahrerückblicksthematik serviert bekommen, habe ich es geschafft, einen Abschied von jemandem, den ich sehr lieb habe, so wuchtig konzentriert zu durchleben, dass es der Art und Weise der ursprünglichen Begegnung gerecht wurde. Mir war klar, dass dieser Mensch jemand ist, der da ist, wenn er da ist und fort, wenn weg. Wie ich, niemand, der gern telefoniert. Diese Gedanken und Gefühle erlebte ich ein paar Tage berauschend intensiv, und dann war es gut. Weil ich auch weiß, dass, wenn wir uns wiedersehen praktisch keine Zeit vergangen sein wird. Und das war das Schöne an diesem Jahr. Festgemacht und reich beschenkt gleich weiter verteilt an einem Wochenende im Juni. Die ganze Fickerei im Sommer war dann auch ganz nett, aber im Rückblick weniger bedeutungsvoll.

MRS DEWINTER REVISITED

In dem grauen Cardigan fühl ich mich immer so Mrs DeWinter. Man möchte Tee trinken, mit einem heimlichen Schuss Gin, und an Mrs Danvers denken, Satan hab sie selig. Die Haarlänge stimmt auch. Vielleicht trennt mich nur ein Tweedkostüm mit eckigen Schultern vom Großen Glück. Der Rock, so ein wenig ausgestellt ab Mitte Oberschenkel. Wo bleibt Maxim? Ach, Maxim, ich vergaß. Noch einen klitzekleinen Schuss Gin in den Tee. Der Jagdunfall. Ein glatter Schuss durch die Stirn, zwischen die perfekt geschwungenen Augenbrauen. Die Sache mit dem Jagdaufseher. Jetzt werden ihre Hände klamm, das ist die Nähe zum Wasser, von dem Nebel aufsteigt. Sie stochert ein wenig in den Holzscheiten im Kamin herum. Dass Funken fliegen. Ihre Hände sind kalt. So kalt. Wann waren sie das letzte Mal warm? Schon nicht mehr, als sie Maxims Augen schloss, in denen noch Verwunderung geschrieben stand. Ein Zweig des toten Birnbaums schrammt gegen das Fenster, sie zuckt zusammen, dreht sich um, doch da ist niemand. Wer sollte schon dort sein, im Bootshaus, das nach feuchten Vorhängen riecht, nach Holz, das langsam morsch wird. Das Gespenst eines Jagdhunds streicht um das Haus. Seine Nackenhaare sträuben sich, beim Blick aufs Meer. Noch einen Schuss Gin, dann legt sie sich das Seidentuch um die Schultern, verbirgt die weißen Hände in den Ärmeln des grauen Cardigans, vor der Brust verschränkt, und geht zur Tür.

Vielleicht reicht es auch, den Polarfuchs von Miss Komas Oma heute einzuweihen. Ja. Das ist gut. Und dann verabrede ich mich mit dem Sakilight in der Karstadt Lebensmittelabteilung. Perfetto.

DIE SELBSTMÖRDER oder CARA NOIA, COLA ROID

Wie sie da in Reihe stehen, sich aneinander entlang schieben, zögerlich. In ihren beigegraus, asphaltgraus, mit Kleidung, die ihnen anliegt wie eine zweite Haut, eine feine Kruste, wie Zeichentrickgestalten faltenfrei. Sie sind nur von hinten zu sehen, die müden Dutte der Frauen, die Männerhaare schroff, mehr barbiert als frisiert. Früher Tonfilm. Im nächsten Raum läuft ein Fragment, das aus einer Verfilmung der Dreigroschenoper sein könnte. Eine Frau tiriliert, soubrettiert, sieht aus wie ein weißer Kanarienvogel in der Grube einer Berliner Restauration, zu weiß für das Filmmaterial – ihre Oberfläche zerfasert. Von ihrem Gesicht ist nur das Aufgemalte erkenntlich. Mit einem Pfauenkopfschmuck schiebt sich Grustav Gründgens durchs Bild – immer an der Wand lang. „Ihrer wird man bald überdrüssig sein, aber die schönen Stimmen, die Sänger!, die holt man immer wieder.“
Es fällt ein Satz, der einen aufweckt den man notieren muss, damit er nicht vom Wiedereinschlafen gefressen wird. Später wird man feststellen, dass man das Aufschreiben auch nur geträumt hat, denn da liegt kein Notizbuch neben dem Bett. Doch warum ist der Füllfederhalter leer?, am nächsten Tag? Noch später wird man den Kalender öffnen und kopfüber auf den Adressseiten X-Z wird man, wenn auch schwer entzifferbar, den folgenden Satz vorfinden: „wer eher weiß, wie´s später ausschaut, war früher schon mal da.“ Das „a“ in „da“ kann man nur erahnen, es ist farblos mit der leeren Feder in das Papier geritzt.