Archiv der Kategorie: Lessons in Glam

GLAM RUFT AUF

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Verehrte Leserinnen, sollten Sie sich im Besitz eines Kleidungsstückes befinden, dessen Kragen in Farbe und Form dem im obigen Bild ähnelt, wäre ich Ihnen mehr als dankbar, wenn Sie es mir für einen Tag (kommenden Sonntag) leihweise zur Verfügung stellen würden. Melden Sie sich bei glamourdick at aol dot com.

Dear reader, just in case you happen to be in possession of a coat with a collar similar to the one depicted above – would you be so kind to borrow this coat to me next Sunday? Contact me at glamourdick at aol dot com.

THE FINE PURPLE, THE PUREST GOLD

Mit der C., der ich mal ein wunderbares Lied geschrieben habe, das blaue Flitzer, Cocktails und betrunkene Autofahrten zum Thema hatte, Katzen kamen auch drin vor und Mozzarella, am Landwehrkanal. Wir sprechen über Couchsurfing, Flatsharing, Verwandtenbesuch.

„Du warst doch sonst eher immer ein ganz zurückgezogen lebender Mensch.“
„Ja, das ist Gott sei Dank vorbei.“
„Ich kann mich erinnern, dass ich Dich besucht habe, als Du in der Reha warst. Hat die Dir was gebracht?“
„Das einzig Gute, was ich da bekommen habe war die Telefonnummer von Heidi. Meiner Therapeutin. DIE hat geholfen.“

Zwei Stunden später mit der beloved Bee auf der Terrasse.

„Aber stört Dich das nicht manchmal, wenn ständig jemand da ist?“
„Nö, eigentlich nicht. Manchmal, wenn ich allein in der Wohnung bin denke ich – huch. Ganz schön ruhig. Und das kann ja durchaus auch ganz schön sein, aber das ist kein Zustand, nach dem ich mich sehne.“

(…)

„I look at those stars and I pluck them from the sky, and flick them at you like diamonds, like seeds.“
(Douglas Coupland)

TWENTYSOMETHINGS or JUDGE MENTAL

Und dann, nach den Gedanken über diversity und das Füllhorn, das sich ausschüttet, wenn man die Vorurteile mal sausen lässt, ein hässlicher Kleinkrieg im Freundeskreis – „wenn Du nicht so bist wie ich Dich will, dann will ich Dich gar nicht.“ Da bin ich dann sehr erleichtert über mein Alter und die kleinen Weisheiten, die es mit sich bringt. Wie schon Joan Crawford in einem hellen Moment formulierte – „If you want the girl next door – go next door.“ Wenn man schon meint, jemanden verändern zu müssen, sollte man sich doch lieber gleich jemanden suchen, der so ist, wie man das gern hätte und nicht an anderen herumpfuschen. Der Andere ist Gott sei Dank pfiffig und hat bereits die nächsten 5 Kerle aufgelistet.

STRANGERS WHEN WE MEET

Am Anfang war für mich das Couchsurfen eine Methode, Menschen kennen zu lernen, die auf meiner Wellenlänge sind. Die Erfahrung mittlerweile – einige, die durch ihr Profil verwandt schienen, entpuppten sich als ganz anders, nicht unbedingt inkompatibel, aber – anders, als erwartet. Was lehrte mich dies? Dass ich in den Selbstdarstellungen und Mails der anfragenden Surfer mittlerweile nach einer Art Strömung spüre. Wenn das Bauchgefühl sagt – „strange, someone completely different, aber warum nicht?“, dann wird es meist eine großartige Begegnung. Als Profi-Host, der auf zwei Jahre der Unterbringung von Fremden zurück blicken kann, und der auf diesem Weg einige Freunde gefunden hat, ist es für mich mittlerweile viel interessanter, Menschen zu beherbergen, die ganz ganz anders sind als ich. Das ethnische Mix-Pärchen aus Südafrika, das sonntags in die Kirche geht und seine Reise ein Jahr im voraus plant, beispielsweise. Der schwule afroamerikanische Navy-Officer. Die machen mich neugierig, weil sie so anders sind, und weil ich nicht meinen Lebensentwurf als den einzig Richtigen betrachte und es mich interressiert, wie sie zu ihrem gekommen sind. Es ist schön, im eigenen Geist zu erleben, wie Vorurteile von einem abfallen können, von denen man gedacht hätte, dass sie völlig vernünftig seien. Aber sagen Sie was, wenn ich einen Taliban unterbringe.

AUCH GESTERN

Ich ziehe die Ruder ins Boot und lege mich hin. Unter mir das Wasser, diese sedierende leichte Bewegung, ich werde von der Strömung in Richtung Heimatstrand getragen. Ich schaue nach oben in die Wolken, die von Tolkien sein könnten (vorgestern sahen sie aus wie Illustrationen zu Dante´s Inferno), hier sind sie gerade weiß und flauschig, hinter mir zieht es sich marineblaugrau zu. Jetzt funkelt der See noch einmal, das Licht bricht sich als habe jemand großzügig Diamanten über mitternachtsblauen Satin geschmettert, aber schöner noch als das Wasser – die kleinen Schwalben, die über mir fliegen. Eine nach der anderen fliegt das Sonnenlicht an, stellt sich in der Luft schräg, so dass der weiße Schwalbenbauch in die Sonne blitzt, verharrt, dreht dann ab, fliegt fort, dahin wo Schwalben das tun, was Schwalben so tun. Berliner Sommer, ick liebe Dir so much.

GLAMOSAS oder KOCHEN, LEIDER OHNE SCHWADRONEUSE

Man gehe einkaufen, mit dem festen Plan, ein Brokeback-Mountain-Dinner zuzubereiten – Baked Beans, scrambled Eggs, Mashed Potatoes. (Fragen Sie nicht – mir war danach.) Dann stellt man fest, dass der Aso-Supermarkt keine Baked Beans führt, stattdessen aber Blätterteig, bereits ausgerollt und readymade. Ein so geniales Produkt, dass es garantiert binnen zwei Wochen wieder aus dem Sortiment fliegt. Kartoffeln, Mandeln, Rosinen, eine Dose Erbsen und Karotten. Kartoffeln kochen nach Methode Salzkartoffeln, danach in chunkige Stücke in etwa wie wenn man sich die Daumenkuppe abhackt, stückeln, den Rest der Zutaten beimischen, ordentlich würzen (ich persönlich schwöre aus Meersalz und Rainbow-Pfeffer, you can call me a fag but then I´ll hate on YOU), dabei auch die sonst nie verwendete Asia-Gewürzmischung Bio nicht zu zimperlich einsetzen. Den Teig, der praktischerweise bereits auf einer Schicht Bratpapier liegt, ein wenig in die Länge und Breite zuppeln (Vorsicht! nicht zerreißen!), dann die Kartoffel-Masse hineingeben und den Teig darüber zuzuppeln. Man könnte sich natürlich die Mühe machen, den Teig zu teilen und kleine Teigtaschen zu füllen und zuzuzuppeln, aber who needs it? Eine Große ist auch schick. Bei 200° ca 20 Minuten im vorgeheizten Ofen garen.

Man kann das mit Joghurt servieren, aber ich finde Kräuter Crême Fraiche gibt dem Ganzen mehr Pfiff.

Fazit, die Erbsen schmeckt man nachher nicht mehr durch, aber sie tun was für die Konsistenz, also nicht drauf verzichten. Glam appetit!