Archiv der Kategorie: Lessons in Glam

STIMMEN HÖREN

Nachdem ich meinen Weihnachts-DVD-Stapel beinahe abgearbeitet habe bleiben noch zwei feine Stücke unterm Glitzerbaum. Die amerikanische Nachbarin, Adrenalinjunkiebraut und charmante Sängerin hat es geschafft, das fast unmögliche zu vollbringen: mir zwei Filme zu schenken, die ich nicht schon besitze. „Hometown Story“, einen Film aus Marilyn´s Frühwerk, und den wunderbaren „Transamerica“. In den vergangenen Tagen war ich allerdings so filmüberdrüssig, dass ich den dringenden Wunsch verspürte, freiwillig und bereitwillig unter Menschen zu gehen. Abends. In überfüllte Restauarants. Und schön war´s. Das ist zurückzuführen auf schreckliche Erlebnisse mit Meryl Streep, also haben auch schlechte Filme mitunter eine positive Auswirkung, nämlich einen Abend bei Rocco mit der Lieblingskollegin.
Die amerikanische Nachbarin werdet Ihr bald persönlich kennenlernen. Zumindest ihre sexy Stimme, die bundes (oder gar Europa?)-weit den dreisibigen Namen eines Mode-Imperiums wispern wird, das in den letzten Jahren ziemlich an Sexyness und Prestige gewonnen hat. Was die Auswahl der Stimme meiner amerikanischen Nachbarin als Stimme von … nur beweist. Und jetzt, wo ich weiß, was man so bekommt, als Stimme für einen Kino-Spot, möchte ich meine Stimme auch vermieten. Domenico? Stefano? Can you hear me?

A GLAM LOOK BACK

Glam blickt zurück auf 2006, das schwer und zäh war, aber auch voller menschlicher Highlights. Mit Musik von Frost, mit Bildern meist selbstgemacht (einige von Lucky, einige von Julia N.) Wünsche Euch einen fabuleusen Rutsch und ein goldenes 7. Die 7 ist es, ich sag´s Euch, dann kann ich später sagen, ich hab´s Euch gleich gesagt. And now sit back and enjoy the show!

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(the video is still being processed. hopefully available somtime this afternoon.)

edit: menno. muss youtube jetzt immer erst bei den googles anrufen bevor ein film okayt ist?

GLAMTREE COUNTY

baum

Dieses Jahr habe ich nicht nur einen Weihnachtsbaum (der aussieht, wie am Pool von Jayne Mansfield geklaut), sondern auch ein Weihnachtslied. Dazu braucht man rote Schuhe, dann setzt man sich vorn auf die Bühne und alle müssen mitsingen.

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Euch allen ein schönes Fest, gutes Essen, und Freude.
It is mankinds moral obligation to seek happiness. Spread the thought. Lasst es Euch gutgehen und steckt die anderen an. Peace, Love, Joy and Glam!

LCS*

Im Salon projiziert ein Projektor
Einen noch nicht vertriebenen Film
Auf Parkett sitzen Zweitliga-Medien-Menschen
Und trinken und schauen und kommen sich schick vor
Manche zucken bereits leicht angekokst
Ich schaue mich um, find nirgendwo Trost
Geh in die Küche auf ein Glas Pinot noir
Da stehst du, rührst im Chili, es ist noch nicht gar

Bistn Hübscher, bist fast schön
Für dich lass ich die andren sitzen
Für dich lass ich die andren stehn
Komm wir drehn unsern eigenen Film
Laß das Chili und sei mir zu Willen

Die Bilder im Salon an der Wand
Abstrakt und absurd – „Die Blumen des Bösen“
Mir sagen sie nichts und ich will auch nichts hören
Die hast du gemalt in schwarz und in sand
Was soll´s – vielleicht gibt´s ja noch andere
Ich bin um dich rum, ich bewund´re, mäand´re
Ich warte, daß du mich küsst
Und einfach mal das Scheiß-Chili vergißt

Bistn Hübscher, bist fast schön
Für dich laß ich die andren sitzen
Für dich laß ich die andren stehn
Komm wir malen unser eigenes Bild
Wie das hinhaut: du jung und ich wild

Na endlich, wir küssen einander, wie schön
Gepresst aneinander, mein Weinglas fällt hin
Das Chili brennt an, aber das ist egal
Der Film ist vorbei, was ich will ist banal
Die Stadt pocht im Nieselregen
Wir greifen einander – o, wie verwegen
Flanieren, spazieren, marschiern
Eine Stunde und wir sind bei mir

Bistn Hübscher, bist fast schön
Für dich lass ich die andren sitzen
Für dich laß ich die andren stehn
Komm laß uns eine Nacht Liebe spielen
Voll Wollust das Spannbettlaken verwühlen

Wir kuessen und brennen, umarmen, erstrahlen
Wir wälzen uns, kommen
Verschwitzt und benommen
Ich werd wach als du mir das Nasenbein brichst
Und mein Blut auf die rosa Tapete spritzt
Ich denke noch – kann das die Wirklichkeit sein?
Denk zu lange, da bricht schon mein Schlüsselbein
Die Blumen des Bösen erblühen als Veilchen
Bis du mich tot hast, das dauert ein Weilchen
Bemühst dich zwar sehr, aber dafür braucht´s mehr
Doch da zückst du das Messer und schon geht es besser
Ein tiefer Stich, ein fester Hieb
Wahrscheinlich hatte dich deine Mutter zu lieb
Ein Schlag ins Gesicht und ein Tritt in den Sack
Und wenn du mich tot hast ist alles im Lack

War ein Hübscher, war fast schön
Jetzt läßt du mich im Blute liegen
Werd ohne Geleit in den Himmel gehn

Du drapierst meine Leiche
Schaltst das Nachttischlicht ein
Du wäschst deine Hände
Und trinkst ein Glas Wein
Zu regnen hat es jetzt aufgehört
Du bist etwas matt
Aber sonst nicht verstört
Du schließt mir die Augen
Und knipst noch ein Bild
Es wird dieses Bild sein
Das dein Album füllt
Dann schreitest du auf die Straße hinaus
Hinterm Altenheim kommt die Sonne heraus

* stands for „life changing sex“

GLAM, TAKTIL*

Kleidung kaufen ist ja oft ganz schön, aber manchmal ist es viel besser, einfach mal im Kleiderschrank zu wühlen und ein Kleidungsstück zu finden, das 20 Jahre des regelmäßigen Ausmistens überlebt hat. Jawohl, zwanzig Jahre. Und bestimmt 10 Jahre nicht an ihn gedacht. Wie konnte ich ihnn vergessen, meinen karminroten Cashmere-Pulli mit V-Ausschnitt??? Vielleicht, weil ich blauschwarzes Haar hatte, als ich ihn zuletzt trug. Und weiße Haut. Und das sehr Schneewittchenesque rüberkam. Aber jetzt, blond mit dunklem Ansatz – passt. Und das ist nur der Look, vom Tragecomfort möchte ich gar nicht anfangen. Das ist ja fast schon Sex.

*Courtesy of Febreeze

MALES FROM THE CRYPT oder IT´S A SHAVE

Ich möchte mich heute, auch auf die Gefahr hin, wieder als Ausgrenzer bezichtigt zu werden, mal explizit an meine männlichen Leser wenden. Mit einem Thema, lieber Leser, das dafür sorgen wird, dass Ihr Hodensack sich zusammenkrispelt, um den Eiern die Illusion zu geben, sie können sich zum Schutz vorm Angriff im Körper verstecken. Ein Wort möchte ich nennen, genau genommen sind es zwei, das Ihnen den Schweiß auf die Stirn zaubert und Ihre Knöchel zwanghaft auf Holz klopfen lässt. Und hier kommt es, das böse Wort – KREISRUNDER HAARAUSFALL. Und ich gestehe. Auch ich bin ein Opfer KREISRUNDEN HAARAUSFALLS, was ich auf den augenblicklichen Nervenstress in meinem Leben zurückführe.
Gestern war der rabenschwarze Tag gekommen, an dem ich vorm Spiegel stand. Erst ungläubig blinzelte, dann mit meinem Fingern die nackte Haut betastete, auf der gestern noch Haare wuchsen. Erinnern sie sich noch an 5-Mark-Stücke? Eben diese Größe.
„Das kann doch nicht sein. Das kann doch nicht MIR passieren! Ausgerechnet. What have I done to deserve THIS?!!!“
Während sich mein Atem beschleunigte und mein Herz (vermutlich von den Eiern angekickt) im Hals schlug, begann der klassische Prozess des Akzeptierens:
1. Leugnen
2. Rebellieren
3. Hinterfragen
4. Hinnehmen
Doch das wäre eine Akzeptanz ohne jeden Glamour. Also tat ich, was zu tun war. Rasierschaum. Meine gnadenlose Mach3-Klinge. Und dann -Kahlschlag. Es dauerte eine Weile, bis ich mich daran gewöhnt hatte. Mit zunächst zittrigen Fingern strich ich über die glatte, nackte Haut. Ein Frösteln überkam mich. Es fühlte sich gut an. Es sah auch gar nicht schlecht aus. In jedem Fall besser als vorher, mit dem Loch drin. Und wer, lieber Leser, so möchte ich sie fragen, wer braucht auch schon Brustbehaarung? Die stört doch nur beim eincremen!

WARUM MAN SEINE KONTODATEN BESSER NICHT RAUSGIBT

„So das macht dann insgesamt 100 Euro, die wir von Ihrem Konto abbuchen. Die Buchung ist verbindlich.“
„Dann buchen Sie mal.“
Merkt im Moment, als er den Buchungs-Button drückt, dass er statt des 100-Euro-Betrages die Auftragsnummer ins Zahlungsfeld eingegeben hat. Sein Hirn imlopdiert kurfristig, um sich auf eine nahezu normale Größe zurück zu blähen, die es ihm ermöglicht, das Telefonat würdig zu beenden.
„Dürfte ich mir bitte Ihre Telefonnummer notieren, wie haben hier ein kleines Problem mit Ihrer Buchung.“
Gesprächspartner, irritiert und etwas besorgt, hinterlässt Telefonnummer.
Er steht vom Arbeitsplatz auf, drückt die nach oben stehenden Haare auf den Kopf und rennt, Hände auf Kopf, schreiend durchs Großraumbüro. Sanitäter reichen ihm die Telefonnummer der Buchungszentrale.
„Hier ist Glam. Ich habe gerade einem Kunden etwas zu viel abgebucht.“
„Wieviel denn?“
„Na ja. So achtstellig.“ (Innerlich schreit er wieder.)
„Der setzt aber automatisch vor den letzten zwei Ziffern ein Komma.“
„Könntet Ihr dann bitte 18.356,- Euro an den Herrn mit der Buchungsnummer 1845600 rücküberweisen?“
„Die war noch nicht durch. Ich lösch die einfach.“
„Danke.“

MIETE ODER MODE? MODE.

Und dann noch in der Mail: Benachrichtigung über den Musterkollektionsverkauf meines drittliebsten Designers.
Musterkollektionsverkauf ist für mich ein erotischer Begriff. Musterkollektionsverkäufen verdanke ich den Großteil von Designerkleidung in meinen Schränken. Die gibt´s dort nämlich zu Preisen normaler Markenkleidung und sogar eine Saison vorweg. Termin nächste Woche. Und nicht einmal in Düsseldorf sondern in Berlin. Bei Musterkollektionsverkäufen in Düsseldorf stehen schon morgens um halb neun Schlangen von stark parfümierten, angestrengt schick gekleideten Menschen vor den Heiligen Hallen der internationalen Modeagentur I., um sich nur kurze Zeit später raubtierartig alles aus den Händen (und vom Körper) zu reißen, was nur halbwegs nach einem (wenn auch teuren) Schnäppchen riecht. Viele haben transportable Kleiderstangen dabei, grabschen sich Ärme voll Mäntel Sakkos Pullis aus den Regalen und hängen sie profilaktisch auf ihre persönliche Stange. Mangels Umkleidekabinen strippen sie in der Lagerhalle und probieren Sachen, die ihnen dann doch nicht passen, was sie nicht stört, solange D&G draufsteht (zur Not gibt´s ja noch Ebay). Da es sich um Musterware handelt, die für Laufstege und Modestrecken gefertigt wurde, gibt es nur zwei Größen: Male model und Nicole Ritchie. Ich bin sehr gespannt, ob die Berliner angesichts des Sales auch orangefarben anlaufen oder ihre vorgetäuschte urbane Langeweile bewahren. In jedem Fall wird es ein Spaß sein, sich schon morgens um neun mit ein paar Fashion-Junkies zu prügeln. Zumal ich ja auf stylishe Männer stehe.

„Oh – is that an Armani suit you´re wearing?“
„Yes!“
„What´s your job?“
„I´m an Armani salesman.“
„Well, I just cut my foot and my shoes are filling up with blood. I think I need to go home.“
(aus „Romy and Michele´s High School Reunion)

Manche meinen ja, Designerkleidung sei vollkommen überflüssig. Die meinen das oft mit einer solchen Intensität, dass sie fast vegan rüberkommen. Ich finde, alles, was einen Menschen optisch aufwertet, müsste eigentlich von der Krankenkasse bezahlt werden. Eine Fassade mit Stuck wirkt auf das Haus und auf den, der davor steht. Gemäßigte Gemüter argumentieren, dass es doch gewissermaßen rausgeschmissenes Geld sei – eine Saison, dann kommt schon wieder was Neues. Nein. Kann ich da ganz beruhigt und aus Überzeugung sagen. Denn seit Julia Roberts in einer 20 Jahre alten Valentino-Robe ihren Oscar entgegennahm, darf man getrost vor jedes Kleidungsstück, das älter als last season ist, ein „Vintage-“ setzen. Doll, oder?!

And last, not least, Dahlings – you can never ever have enough accessories…