Archiv der Kategorie: Lessons in Glam

THE GLAM SEAL OF APPROVAL

Entzückend, und alles andere als überraschend, dass sich die Lieblingsblondine mit dem Lieblingsschweizer prächtig verstanden hat. Miss Dolittle und der neue Nachbar haben ebenfalls Diamantenstaub gesparkelt. Solche Abende könnten meinetwegen jeden Abend stattfinden. Und kann bitte jemand Martha Wainwright einen Strauß überreichen für den Albumtitel „I know you´re married, but I´ve got feelings, too“.

„WRITE YOUR HEART OUT.“

So Joyce Carol Oates Anweisung in ihrem Essay „To a young writer“. Dabei hätte sie es schon belassen können, doch natürlich sprüht das gesamte Essay vor Genialität. Was soll sie tun, sie kann nicht anders, diese wunderbare menschliche Schreibmaschine.
Sie schreibt viel und manche ihrer Bücher linteressieren mich überhaupt nicht, aber dann wieder kommen Werke wie „Bellefleur“, „Mysteries of Winterthur“, „Blonde“ oder „The Falls“ und „Middle Age“ und ich bekomme Schreibneid wie sonst nur beim Lesen von Coupland und – ja, ich stelle ihn in diese Liga, Bomec. Anders als Bomec schreibt und veröffentlicht Joyce Carol Oates sehr sehr viel. Und Bomec hat sich noch nicht an der Romanform versucht – soweit ich weiß. Sie ist aber auch mindestens doppelt so alt wie er, kann ja alles noch. Alle meine Lieblingsblogger sind meine Lieblingsblogger, weil sie unter der titelegebenden Prämisse schreiben. Allen anderen kann ich, wie JCO, noch einen abschließenden Rat geben: „And one final time: Write your heart out.“

BLOND. GLAM BLOND.

Bekanntlich steht ja in Kürze der Scheckliche Geburtstag an. Und da muss man sich selbstverständlich ein wenig groomen – Alter verpflichtet. Zu den 100 silbernen Regeln im Hause Dick zählt auch die folgende: „Feiere keinen Geburtstag ohne eine konsequente Haarfarbe“. Und da ich ja bekanntlich die Farbgestaltung dessen, was auf meinem Kopf wächst einer Friseurin im Damensalon meines Geburtsortes überlasse, diesen aber vor dem Schrecklichen Geburtstag nicht mehr frequentieren werde, blieb mir nun nichts anderes übrig, als mein Haupt in fremde Hände zu übergeben. Zunächst einmal Schlecker angesteuert, wegen der Lieblingsfarbe. Treffer. Hollywood. Im Auto dann fiel mir ein, dass die letzten Versuche mit Hollywood nicht sehr erfolgreich waren und ich zu Helsinki gewechselt hatte, einen ganzen Farbton heller, vom 9er ins 10er Spektrum. Hm. Egal.

Zum 10 Euro-Salon auf der W.-Straße. Ich meine, wenn die Dorf-Friseuse nicht falsch machen kann… Dort erkundige ich mich nach dem Nachfärbe-Preis.
„15 Euro“ herrscht mich der dort schnippelnde unwirsche Billigfriseur an. Ich fische nach meiner Hollywood-Farbe.
„Ich hab meine eigene Farbe mitgebracht.“
„Machenwanich. Hier nur xxrg!!+“ (eine Marke, die selbst gesundes Haar binnen 5 Minuten Einwirkungszeit killt.)
Dann nicht, Arschloch, denke ich und verlasse den Laden. Hm again.
Dann fällt mir ein, dass ein Friseur meines Vertrauens nicht unweit und sogar zu Fuß zu erreichen ist. Dort hatte man mir schon vor Jahren kunstvolle Strähnen in vier Schattierungen verpasst, die mein Haar nur unerheblich beschädigt hatten. Wenn der Votzenkopp im Asoladen 15 Euro nimmt, dann werde ich auf der O-straße vermutlich 30 zahlen. Sei´s drum, sag ich mir, – wer blond sein will muss blechen. Rufe Salon K. an, bekomme Termin in 20 Minuten, spaziere los.

Der charmante Coiffeur betrachtet meine Ansatzsituation und erklärt mir seinen gewieften Schlachtplan: Durch Mischen der Farbnote cendre-Blonde-extrème-oder-so (die Schwarzkopf-Produktnamen sind französischer als die von L´Oréal!) und einer Grundfarbe im 9er-Spektrum plant er, jede Rotstichelei im Keim zu ersticken und einen flüssigen Übergang vom Scheitel bis zu den arg verblichenen Haarspitzen zu zaubern, ohne dem Haar die Strapazen einer 10er Färbung zuzumuten. Und nächstes Mal können wir auch die weißblonden Haarspitzen etwas anaschen, was natürlich Glanz nimmt, aber dem Farbspektrum ein wenig das Kompositorische nimmt. Ja, denk ich – der Mann beherrscht seinen Beruf und eigentlich will ich kein Risiko mit dem nicht-mehr-bewährten Hollywood eingehen.
„Klingt toll. Mach!“
Ich lehne mich in den Sessel und lass ihn machen, er macht das bestimmt toll. Und ich liege so rum und mit meinem Bauchgefühl richtig, denn, als ich nur eine Stunde später in den Spiegel schaue sehe ich: er hat MEIN Blond kreiert, einen Ton irgendwo zwischen dem Gold von Nicole Kidman und dem Sand Jack Wagners, ca Melrose Place. Es ist ein Blond, das das Blau meiner Augen zum Leuchten bringt, anstelle des Grüns oder des Graus. Ein Blond, das sich gerne mit Neonfarben umgibt, weil es gegen sie anglänzen kann. Ein Blond, das einen roten Pullover nicht scheuen braucht, aber auch keinerlei Probleme mit Türkisen darstellt. Ein Blond, dessen Künstlichkeit in seiner Beabsichtigung absolut ehrlich ist. Ein Blond, mein Blond, ich nenne es das GLAM-BLOND.

„60 Euro.“ Sagt der Farbkünstler und während ich meine Kinnlade mit einem sanften Klack der Linken zurück gen Oberkiefer ditsche, ziehe ich die Scheine aus dem Portemonnaie und denke, dafür muss ich eine Woche untervermieten. Was ist passiert? Hat die Rezession in diesem Salon nicht halt gemacht? Gibt es noch Kreuzberger, die für eine Nachblondierung 60 Euro ausgeben können? Ja.

Ich hätte hier also noch ne Packung „Hollywood“ von L´Oréal abzugeben. Hat mich sechs neunundneuzig gekostet. Bin bereit, sie für sechs achtundneunzig abzugeben. Because, trust me – alles ist zu ertragen mit einem perfektem Blond.

WIENER STRASSE, MORGENS UM 8

„Glam, wow – lange nicht gesehen. GUUUT siehst Du aus!“

Ich kann Ihnen allen empfehlen, bei leicht gebräunter Haut auf die Farbe Neon-Pink in der Oberbekleidung zu vertrauen. Macht einen sehr rosigen Teint. American Apparel – douze points.

CHARITY HOPE VALENTINE

Eine ganz andere Energie. Seit ungefähr einer Woche. Luxuriöse Begegnungen jeden Tag. Genau wie das Horoskop schon sagte – ich treffe Leute und wir versetzen uns in Schwingungen. Sei es auch nur, dass ich einem fremden Reisenden mein Gästezimmer spendiere. (Das ist wahrscheinlich eine Spätfolge von „Into the Wild“. ) Mit G. ein Gespräch über Charities – keiner kann man trauen. Um so schöner, dass wir alle unsere eigenen Charities veranstalten können und uns das sogar auch selbst reich macht. Texte ins Netz stellen für umsonst. Die Wohnung öffnen und von den Geschichten der Reisenden profitieren. Durch Gespräche mit Lange-nicht gesehenen oder Fremden sich selber in der Welt platzieren, das innerlich Schwebende verankern.

RTS oder AUS DER REIHE KAPUTTE BEKENNTNISSE

Wennsema schaun mögen: bei Sekunde 30.

Das hab ich nämlich auch. Ich nenn es Restless-Toe-Syndrom. Das Restless-Legs-Syndrom ist ja amtlich und ich habe schon viel drüber lachen müssen. Mein RTS finde ich aber auch ganz amüsant. Mir wurde berichtet, dass ich kurz vorm Aufwachen allerhand Lustiges mit meinen Zehen anstelle. Erst kommt die Aufwärts-Abwärts-Welle, dann die Spreizung, dann die Laola und dann die kleine Ballerina. Ich hoffe allerdings, dass es sich nicht auf die Beine ausweitet.

AND NOW, PRESENTING…. THE UPS AND DOWNS

Weshalb kann ich nicht normale Ohrwürmer haben, wie andere Menschen (La Isla Bonita, Life is Life, We will rock you, Angels)? Und immer wenn ich aus dem Fahrstuhl steige erwarte ich eigentlich die Ouvertüre zu „Broadway Baby“. Ich mag es, wenn die Tür so zurückgleitet, wie von Heinzelmännchen gezogen, dann schaue ich erwartungsvoll in die Kamera in den Flur, da ist niemand. Und dann fahr ich nochmal runter und wieder hoch, bis sich das richtige Feeling einstellt. It´s a bleak world, we live in. Bleak. You just got to clamour for your glamour…

Notiz an Pathene: Wenn draußen draufsteht „glatt & seidig“ – wie kommt´s, dass ich heute mit Bernadette-Peters-Haaren aufwache?