Archiv der Kategorie: Glam gruebelt

ZEICHEN-TRICK

Haben Sie den Film gesehen, der damit anfängt, dass Glenn Close in einem weißen Kostüm und mit starkem Lidstrich und mit halblanger Forties-Frisur auf einer Straße in Chicago steht und „Hallelujah“ von Leonard Cohen in die Kamera singt? Nein? Dann waren sie letzt Nacht nicht in meinem Traum, in dem es ansonsten einen schwulen Serienmörder gab, ein WG-Zimmer von 92 Quadratmetern, das von einem 8eckigen Plenumsraum-oder-sagt-man-Plenarsaal? (Wandfarbe? Genau die.) abging, sowie eine Unterwasser-Sequenz wie aus einem Disney-Zeichentrick: es war unter Wasser taghell, aber mehr so Tag-im-Wald-hell (war es doch ein Waldsee). Das Wasser war so glasklar, dass es nicht durchsichtig war sondern die Steigerung davon. Durchschimmernd. Clean. Alle Tiere vollzogen Wasserballett. Und ich schwamm darin wie ein Fisch der aussah wie eine Mischung aus Mowgli und Arielle mit der Körpersprache von Lillian Harvey.

Wenn Sie nichts Besseres zu tun haben können Sie ja anhand meines Traumes meinen gestrigen Tag deuten.

LAST NIGHT I DREAMT THAT SOMEBODY LOVED ME

Aber er hatte Nachwirkungen, der Film. Fürs Unterbewusstsein. Ich träumte einen Dreier. Anders als im Film fühlte der sich aber gut an. So dass ich beim Aufwachen schlechte Laune bekam, weil es nur ein Traum gewesen war. Und, nein, meine Kinobegleiter müssen sich jetzt nicht beklommen fühlen, die anderen beiden Traumgestalten waren meiner Fantasie entsprungen. Ich kann ganz gut fantasieren. Auch wenn ich die Blauen Seiten für eine Errungenschaft halte, die mir schon viel Freude bereitet hat, unlängst erst, – heute ist einer der Tage, an denen mir das fehlt, was in Beziehungen (und Träumen) das Angenehme ist. Vertrauen, eine sexuelle History mit einem Menschen. Nicht immer dieses schon-wieder-auf-einen-neuen-Sexpartner-einlassen, sondern jemanden zu haben, den man kennt. Der einen kennt. Nähe, die über Hautkontakt hinausgeht. Also diese Dreierkombi von Liebe, Sex und Freundschaft. Es wird mal wieder Zeit.

No hope, no harm.

GLAMLING

Und während ich den Kaffeekocher studiere, der zum Preis von zehn Euro neunzig den Weg in meine Küche sucht, starrt mich ein junger Kerl an, der in seinem Wagen hockt, haarlos mit einem ganz breiten Gesicht und quietschblauen Augen. Und ich schau ihn an und er sieht genau aus wie ich als Baby. Etwas überdimensioniert. Dann grinse ich, er grinst zurück und schmeißt seinen Schnuller auf den Boden. Lacht. Ich lach zurück, reiche den Schnuller der dazugehörigen Mutter (wirkt sympathisch), pack den Kaffeekocher in den Einkaufswagen und ziehe weiter zu den Lichterketten.

ES GEHT UM LEBEN UND TOD

Gestern nacht besoffen drei Blogeinträge verfasst. Heute gelöscht. Einer ging so:

PAROLE EMIL
Schwänze raus.

Dabei war mir gestern nach drinnen bleiben. Aber heute nicht. Gleich habe ich Sex mit einem Asiaten. Hatte ich bislang nur einen. Einen Inder, wenn ich mich recht erinnere. Musste ich mich erst erkundigen bei der buddhistischen Kollegin, ob denn Inder auch Asiaten sind. Sie sagt Ja. Muttertag ist auch noch, aber ich habe schon letzte Woche gratuliert. Und lese immer noch „Savage Grace“ und unterstreiche, was das Zeug hält. Morgen ist Ausschlafen. Zum dritten Mal. Wenn das kein Luxus ist. Das Skailight ist grad raus aus der Wohnung, Herr Strike auf dem Weg zurück in die Metropole. Der unlängst hinzugewonnene Freund schaffts auf den schrecklichen Geburtstag. Die Iris blüht auf eine Georgia O Keefe-perverse Art und Weise. Ich bin angebräunt. Jemand bat mich um eine Klammer und ich konnte sie ihm geben. Ich kannte sie nicht, aber dann wurde sie mir bewusst in ihrer schlichten Erhabenheit. Die Menschen wollen ja immer wissen worum es geht. Siehe oben. Es ist doch alles recht schön, gerade, trotz allem, wegen vielem. Und an die Steuer denk ich morgen.

GLAM KNOWS HOW MADONNA FEELS oder REAR WINDOW

So. Jetzt werd ich zum Spanner. Aber diese Dreier WG im Hinterhof ist wirklich zu süß, wie sie in Unterwäsche mit schlafverstrubbeltem Haar auf dem Balkon in Ramschsesseln sitzt, in einer ganz heterosexuellen Art und Weise, und die Berliner Zeitung liest. Der Kurzhaarige und der Längerhaarige könnten Brüder sein, aber das liegt vielleicht an den identischen roten T-Shirts.

Der Soundtrack des Sommers läuft, die Iris blüht, die Einladungen zum schrecklichen Geburtstag sind raus und ich wünsche ernsthaft, ich wäre heute 20, wo die 20jährigen aussehen wie ich mit 20 aussah. Ich muss grinsen, wenn die kleine J. ins Büro kommt, in abgeschnittenen Jeans mit Leggings drunter. Was habe ich bloß zwischen 20 und 30 gemacht? Nur studiert? Allein in einem Büro gehockt? What a fucked up time. Vielleicht habe ich einfach das meiste vergessen. Es hat sich ja größtenteils durchaus gut angefühlt. Nur zu wenig Sex. Und auch kaum Drogen. Es war halt ein Leben ohne Internet und ich war in den falschen Clubs unterwegs und meiner Zeit eben optisch 15 Jahre voraus. Ich hätte Geld nehmen sollen und wäre heute Madonna. Ich hab ja auch daran geglaubt, dass ich mit 30 ein Star bin – „Express yourself“ und so. Heute singt sie „You don´t have to be rich and famous“. Schlampe.

GLAMORAMA REVISITED

Nach dem Gartenfest, das die exzentrische Sängerin aus dem Osten im Garten meiner Eltern für mich gegeben hatte, fand ich mich in einem Raucher-Hubschrauber wieder, mir gegenüber mein zukünftiger neuer Mitbewohner, allerdings in Edelausgabe. Man flog mich in den Libanon, wo ich zum Glamour-Terroristen ausgebildet werden sollte. Und, ja, ich habe mal unter dem Pseudonym Victor Ward gearbeitet.
Aufwachend fiel mir ein Gespräch mit einem Dealer ein.
„Lange nicht gesehen, A.! Wo warst Du denn so lange?“
„Urlaub. Bei meinen Eltern.“
„Wo denn?“
„Beirut.“
„Ah. Schön.“

DEATH, TAXES, STRANGERS

Die Steuer schreibt mir Briefe. Noch ist alles im Lot, was sich ab 10. Juni ändern wird – vorsteuerpflichitg, erstmals. Und 2007 wird langsam auch fällig, wenn ich es nicht an einenHalsabschneider Steuerberater deligiere. Schicksalshaft erscheint ein junger Mann auf der Türschwelle, der ein paar Monate eine Bleibe sucht und sich hier einmieten möchte.
Manche Menschen haben Angst vor dem Tod, ich habe Angst vor der Steuer. Nicht, weil ich mir etwas zuschulde haben kommen lassen, sondern, weil ich einfach in dieser fiesesten aller Steuerklassen bin und meine Einnahmen und Ausgaben häufig in einer ungesunden Wechselbeziehung stehen, es bleibt selten etwas über. Ich muss sie mir irgendwie ausreden, diese ständige Sorge über Geld. Ständige Sorge ist etwas, das einen aushöhlt, man merkt es zunächst nicht, bis das Nervenkostüm über der Brust spannt und man begreift, dass der emotionale Haushalt schon wieder unter einer irren Fuchtel steht. Ich kann eigentlich voll auf die Zeichen meines Körpers vertrauen, der mir bei derlei Belastung/Besorgnis diverse Alarmglocken orchestriert. Klingt nicht schön.

Vor ähnlichem Hintergrund hatte ich bereits diverse Schiffbrüche mit Untermietern/Mitbewohnern. Financially insecured, an invasion of privacy is a tough thing for me. Aus Luxus heraus seine Wohnung zu öffnen (Couchsurfing) ist etwas Feines. Aber will ich wirklich wieder einen Fremden hier, side by side, on top of the city? Dann wieder sag ich mir – 4 Monate müssen doch zu schaffen sein. Aber ich glaube mir nicht.