…war eigentlich mal ein Album-Titel, ist aber zugleich eine Redewendung, die man unbedingt einmal verwenden sollte.
Archiv der Kategorie: Glam gruebelt
DIR AUCH EINEN GUTEN MORGEN
„NEKTAR!!!!“ ist das erste Wort, das ich höre, während meine Mutter mir das Tetrapak aus der Hand reißt, das ich gerade über meine Kaffeetasse halte. Was stellen sie auch den Saft da in den Kühlschrank, wo bei mir die Milch wohnt.
„DER OHNMACHTSANFALL VON AMY WINEHOUSE GIBT RÄTSEL AUF“*
Brooouhhhaaaaahaaaa!!!!
*Aol.com
MAC RAIDER
Neffe 1 (7), während er glutäugig Lara Croft auf dem Bildschirm verfolgt: „Onkel Glammy – wer erbt eigentlich mal Dein MacBook?“
Neffe 2 (10), errötend, zu Neffe 1: „Boah Du bis so peinlich, ey.“
Glam (XX), zu Neffe 1: „Die Steuer voraussichtlich.“
F E T T A R M E HOLLANDAISE
… ist irgendwie so — lesbisch, tschuldigung. Wie ficken ohne Schwänze.
SIEHE DRAUSSEN
DON´T FUCK WITH GLAM´S ASS
Schon vor dem ersten Kaffee die Beine breit gemacht und zwei Teile in den Arsch geschoben bekommen. Ich werde mich nie an Proktologen gewöhnen und hatte schon immer Ehrfurcht vor Frauen, die ja viel häufiger mit Gynäkologen zu tun haben als Männer mit Proktologen. Dieses Mal hatte ich auch Glück mit dem Arzt. Er hat nicht die Tür zum Gang aufgelassen, wo sich die Wartenden drängten, weil es keine Sitzplätze mehr im Wartezimmer gab (mein letzter vergab Termine immer mindestens doppelt, Wartezeiten von 2 Stunden waren die Regel), und ihnen einen tiefen Einblick in Glam gewährt. Er hat nicht gleich einen Hodenkrebs-Check gemacht (dafür ist ein anderer Arzt zuständig). Er spritzt nebenbei kein Botox und würde sich dafür auch nicht in Naturalien auszahlen lassen (nein, nein – keine sexuellen Dienstleistungen, nur Spielzeuge und DVDs aus einem Geschäft für, äh, Spezialitäten.)
Im Vorzimmer saß auch keine mürrische Lesbe, die selbst im Schuhverleih einer Bowlingbahn überfordert wäre, sondern ein freundlicher junger Mann mit Doppelnamen-Namensschild. Immerhin hat der neue Arzt NICHT das Spekulum angewärmt, das wäre selbst mir zu schwul.
Wenn Sie also mal einen wirklich guten Arsch-Arzt brauchen, wenden Sie sich vertrauensvoll an mich.
HEUT IS HIER NIX
Gehnse ruhich weiter. Imma die jelben Steine lang.
GLAM – DOWN THE RABBIT HOLE
Ist doch klar, dass man im Anschluss an so eine Party erst mal in ein Loch fällt. Man kann sich ja nicht jeden Tag durch ein Spalier aus Vertrauten umarmen. Aber wenn ich in die Wohnung komme und schau in mein leeres Zimmer oder sehe den Fremden, der sich eingemietet hat – then I start to feel a little lost. Dann wieder ist das Loch ein Kaninchenbau, ich taumele, an mir vorbei fliegen Zigaretten, Scientology-produzierte Horror-DVDs, Steuererklärungen, Nahrungsmittel, die ich diese Woche nicht zu mir genommen habe, Lilienduft wirbelt Alices Rock hoch, Wind rauscht durchs Blondhaar, da ein Foto von Marilyn, und ich reiße die Augen auf und schlage auf und es tut nicht weh. Vielleicht. Nur ein bisschen. Da stehen die Fläschchen zum größer werden, da die zum kleiner werden. Hier war ich schon mal. Oft. Aber früher hatten die Fläschchen Korken und ich keinen Zieher. Dann streiche ich die weiße Schürze überm himmelblauen Rock glatt, schüttele den Lilien- und Diamantenstaub aus dem Haar und ein paar Buchstaben, die, sich dahin verirrt haben und die früher mal Worte waren, aber sich im Sturz verloren haben wie Titanic-Flüchtlinge beim Untergang. Sie suchen sich. Sollen sie. Ohne mich. Ich kann grad nicht. Diese Mal finde ich Heidis magischen Korkenzieher in meinem kleinen Täschchen und die richtige Dosis aus den Größer und Kleiner-Fläschchen und mein Handy macht eine scheppernde Bewegung. Die kleine Tür geht auf, ich gehe raus, es ist Abend, aber noch hell. Ich habe es sogar noch geschafft, mich umzuziehen. Das blaue Kleid war wirklich zu Disney.
Ich sitze unter eine gewaltigen Kastanie. Orange und überirdisch schlottert die Ubahn in ihren zu dünnen Gleisen an der Kirche vorbei. Die beiden Jungs, die ich zuvor erst zwei, dreimal gesehen habe setzen sich zu mir. Reisende, die ein paar Monate, Jahre Halt machen. Beide Hetero, beide mit dem Gehen-Gen versehen. Ich habe ja nur das Bleiben-Gen. Wir haben zunächst einmal nichts gemein außer der Biene, die mal hier, mal da landet und unsere Leben beflügelt. Es ist sicher auch der Biene zu verdanken, dass diese beiden Jungs nun meine Nachbarn sind und wir hier sitzen und reden. Als ich I. das erste Mal traf, wir hatten kaum gesprochen, aber irgendwann, als es draußen hell wurde und nur noch eine handvoll Versprengter auf seinem Wohnzimmerboden saß, da hatte er seine Hand auf meinem Oberschenkel und streichelte ihn vertraut rückversichernd und gänzlich unsexuell. Das hätte sich seltsam anfühlen können, aber es stimmte. I. und E. berichten von einer Schlägerei, in die sie kürzlich verwickelt waren. Wie so oft in Berlin ging es um Parkplätze und religiöse Differenzen. Sie werden mir noch sympathischer. Dann reden wir über Wasser und Seen und ich erzähle, dass man sich beim Kajak-Paddeln ein kleines Glöckchen im Bauchnabel vorstellen soll, das bei jedem Ruderschlag „Pling“ macht. Der Torso macht die Arbeit, nicht die Arme. Sie wollen wissen wie die Party war und ich sage „Ist doch klar, dass man im Anschluss an so eine Party erst mal in ein Loch fällt.“ Nur, dass ich es auf Englisch sage.
Zwei Stunden und zwei Bier später nehmen wir uns zum Abschied in den Arm. Ich gehe um die Ecke, überquere die Wiener, gehe meine Straße entlang, begegne niemandem. Dann nehme ich die Stufen. Auf Höhe des dritten Stocks begrüßt mich schon der Lilienduft. Mittlerweile ist es Nacht.
GLAM ADMITS
He likes the song.