Archiv der Kategorie: Glam gruebelt

top of the city

Nach dem Kate-Konzert schon irgendwie in ein Loch gefallen – what else is there to look forward to? – aber gleichzeitig auch gestärkt. Ein Lebensziel erreicht und auf so gloriose Art und Weise. Der religiöseste Moment meines Lebens neben dem Besuch von Marilyns Grab, und in diesem Fall so rundum positiv und lebens- und freude bejahend. Dennoch hätte der Flieger auf dem Rückflug abstürzen könne, wäre es nicht um die Mitreisenden schade gewesen. Die Realität hat mich nicht eingeholt. Die ist immer da, jeden Morgen trete ich ihr mit zwei Pillen entgegen. Die Verkaufszahlen der Oper erhalten. Mein größter Flop ever.* Ich mag sie dennoch und die Konsequenz könnte sein, das mit dem Schreiben einfach sein zu lassen oder. Oder. Festzustellen, dass ich in Deutschland mit meinem Schreiben keine Zukunft habe. Aber Deutschland ist ja klein und es existiert eine Welt nicht nur drum herum, sondern mitunter sogar Deutschland ganz außen vor lassend. Hätte ich eigentlich auch schon feststellen können, als mir klar wurde, dass ich xenophil bin und Anglistik studiert habe und in Hollywood jemand seit 4 Jahren erfolgreich exakt meine Themen umsetzt und damit Emmys abräumt (Nein, nicht im Sinne von Diebstahl, sondern – wir haben den selben Pantheon und er schafft es, den zu vermarkten. Ryan Murphy halt.) In meinem Alter einen Neuanfang in fremden Ländern? Was sonst? Was bleibt? Im auf die Schnauze fallen bin ich erprobt und irgendwie werde ich die early-Madonna-Maxime-express-yourself nicht los.

Gestern ein Anruf, mit dem ich nicht gerechnet habe. Jemand, der von seiner Reise zurückgekehrt ist, zu der er nach einem Wiedersehen nach 15 Jahren aufgebrochen war. Ich lächle, als ich die Telefonnummer sehe, lächle noch etwas breiter, als ich seine Stimme höre und seinen Namen sage. Hatte mich neben ihm und der Erinnerung an uns vor 15 Jahren abgewrackt gefühlt. Bin ich ja auch. Grey Gardens. An acquired taste. Hab ihn gefragt, ob er schon mal oben auf der Siegessäule war. Ich nicht. Könnte man ja mal.

*“Verlegen“ – etwas dahin tun, wo man es nicht wiederfindet. Ein Fass für sich selbst. Don´t ask.

ohne titel

Am Sonnabend Abschied genommen von jemandem, der mir in ganz kurzer Zeit ans Herz gewachsen ist. Mit dem man ganz ernste Themen besprechen kann, mit dem aber auch sillyness sehr gut geht. Er hat mich durch eine Woche begleitet, die mit Euphorie über Kate´s return begann, dann einen existentiellen Schocker in der Mitte vorzuweisen hatte, und jetzt doch ruhig endet. Früh zu Bett, wach um 5. Die letzten Folgen „Lindsay“ angeschaut, diese Tragödie in 8 ausgestrahlten Episoden. Wider Erwarten zum Schluss doch etwas Sympathie für Miss Lohan empfunden. Wenn einem Kindheit und Jugend weggenommen werden, dann wird man eben so. Als sie bei ihren Sozialstunden, die sie noch wegen diverser Vergehen in einem Kindergarten abzusitzen hat, von einem vielleicht 3jährigen wiederholt geküsst wird und nicht weiß, ob sie weinen oder lachen soll, da hab ich schon ne kleene Träne weggedrückt. Was aber nachhaltig gegen sie spricht: I know who killed me. Da muss die Verzweiflung schon groß sein, wenn man so einen Film dreht.

Vorhin auf der Straße wieder der Omi aus dem Altenheim gegenüber begegnet, die so aussieht, wie Marilyn wohl mit 90 ausgesehen hätte. Leise schlurfend, den Kopf gesenkt. Vielleicht würde sie sich freuen, wenn man ihr das mal sagt. Aber macht man ja nicht. Und trotzdem schön, wenn man mal die natürliche Abgrenzung fallen lässt und beschließt, mal einen neuen Menschen kennen zu lernen, weil man ihn/ sie einfach sympathisch findet. Erlebe ich gerade.

11.8.14

15 Jahre haben ihm sehr gut getan. Der Mann sieht mit 41 besser aus als damals mit Mitte 20. Damals ein Puppy-hunk, heute „nur noch“ hunk, und dass er einen wifebeater trägt, vermutlich nicht einmal ironisch gemeint, passt auch zu diesem Wiedersehen. Die Stimme ist dieselbe geblieben, sehr ruhig, sehr sanft, was einen schönen Kontrast zu dem muskulösen Oberkörper liefert. Ich bin zunächst furchtbar angespannt, das legt sich auch erst langsam. Er zeigt mir seine neuen Arbeiten und da sehe ich auch etwas, was neu ist – ein feiner Humor, der damals noch nicht da war. Und das ist genau der Kick, den seine Arbeiten brauchten und der sie einzigartig macht. Ich sehe, er hat sich gefunden.

Irgendwann steht er neben mir und schaut mir vorm Mac über die Schulter und ich bin kurz davor. Einen denkbar schlechteren Moment gebe es nicht – er verreist am nächsten Tag mit seinem Freund, für mehrere Wochen. Außerdem gibt es ja noch das Moment der peinlichen Fehleinschätzung der Lage. So lasse ich den Moment verstreichen. Kurz bevor er geht stehen wir uns gegenüber und er nimmt mich in den Arm und ich fühle mich wie in einem Jojo Moyes-Roman. Alles, was man über große Männer mit breitem Kreuz und festen warmen Armen sagt – so eine Geborgenheit. Kurz der Gedanke – das hätte sein können. Dann die Vernunft – damals wäre es nicht möglich gewesen. Jetzt?

Auf der Straße vorm Haus noch eine feste Umarmung. Tschüss und bis bald. Meld dich, wenn Du zurück bist – soviel Zeit lassen wir nicht wieder verstreichen. Dann steigt er auf sein Fahrrad, ich geh in die andere Richtung zu meinem Wagen. Schau mich nochmal um.

Thursday´s Child

Eine Abkürzung durchs Gebüsch nehmend das Lieblingsboot geschrottet. Hat aber dennoch 3 Stunden auf dem Wasser ausgehalten, nur war an schlafen nicht zu denken, das schien dann doch etwas risky, wenn die Außenkammer blubbert. Das Zweitboot aus dem Garten am Elvirasteig abgeholt und nach Hause gefahren. Nach dem „Gold Finch“ von Donna Tartt kann man eigentlich keine Bücher mehr lesen, weil es vielleicht der perfekte Roman ist. Aber vorgestern, als ich den seltsamen Roman über Marilyn als KGB-Agentin, dessen Namen Sie wirklich nicht wissen müssen, in der Wohnung vergessen hatte – den neuen Jojo Moyes gekauft und der liest sich ganz ausgezeichnet, wenn auch Sujet und Form nicht mit Tartts Meisterwerk zu vergleichen sind. Es ist schon sehr praktisch, wenn man, was Literatur angeht, ein breites qualitatives Spektrum zulassen kann.
Den Abend am Paul-Lincke-Ufer geradezu ibizenkisch verbracht. Essen, Trinken, mehr essen, mehr trinken, nachbestellen. Die wunderbare G. aus HH wieder in town, die ebenso wunderbare N., hinzu kamen dann noch die Amerikanische Nachbarin und ihre Schwester. Wir waren wohl etwas laut, aber gaben gutes Trinkgeld, was auch deshalb möglich war, weil nur die Hälfte aller Bestellungen auch in Rechnung gestellt wurde. (Normalerweise weise ich auf so etwas hin, was mir endlos Punkte beim Getränke Hoffmann eingebracht ha, wo ich jetzt immer Cola-Gläser, Veltins-Armbanduhren und mal ne Flasche Wein geschenkt bekomme.) Aber in einem Restaurant, wo auf jedem Tisch ne brennende Kerze steht*, und in dem ich ein „Nein“ auf die Frage bekomme, ob ich wohl Streichhölzer oder ein Feuerzeug bekommen könnte, da überlasse ich die Rechenarbeit gern der Bedienung.

Schöner Abschluss für eine Urlaubswoche, in der ich mich gerade darüber entspannt hatte, dass ich kein Geld verdiene, wenn ich nicht arbeite und gern noch ein paar Tage drangehängt hätte.

*Nein. Erstens stirbt da jedes Mal ein Matrose und dann sind die in umständlichen Verhältnissen untergebracht gewesen. Aber zählen tun die Seemänner.

Allet jut

Spontane Kaffee-Einladung im Lieblings-Geschenkeladen. Sitzen im Schatten auf der Ohlauer und ausschließlich angenehme Passanten passieren. Weiter zum See, Stau auf der Hermannstraße sowas von egal, keinerlei Eile. Boot startklar machen ist mittlerweile ne Sache von 10 Minuten – aber auch nur, weil die Außentemperatur unter 28° ist. Kurze Strecke, weil wetteronline, wie eigentlich jeden Tag in diesem Sommer, vor heftigen Gewittern warnt, die zumeist erst drei Tage später, und dann in den Nachtstunden passieren. Der heftige Regen am Dienstag fand auch nur in der Innenstadt statt, aufm See alles prima. Luxusklagen sind: es ist zu wenig zu kieken auf dem See. In Sichtweite maximal 2 Mietboote. (Was aber auch daran liegt, dass ich meist schon mittags da bin, am Nachmittag füllt es sich dann doch.)
Zu Hause die Geschenke für die Amerikanische Nachbarin eingepackt und sie ihr überreicht. Da wegen ihres runden Geburtstags auch Mutter und Schwester in der Stadt sind, diese auch eingeladen, beim Spätzle Expresss bestellt und abgeholt „Ich hab Dich an der Stimme erkannt!“ Beim Spätzle-Warten Couchsurfer-Anfragen bearbeitet (zur Zeit ca 10 pro Tag). Dann in wunderbarer Gesellschaft gespeist, Wein getrunken un gerade überleg ich, ob ich morgen auch noch frei nehme.

Do-Mo

Letzen Donnerstag ein Arzttermin, so blöd gelegen, dass ich nicht den Urlaubstag für´s Wasser nutzen konnte. Freitag vor 9 auf die Autobahn, erfolgreich Staus vermieden, pünktlich zum Geburtstagsbrunch der Mutter im Harz eingetroffen. Samstag dann die richtige Feier, mit Verwandtschaft Kaffe und Kuchen, Rommé im Garten, viel gelacht!

2014-08-02_20-30-06_600

Am Samstag dann insgesamt soviel gegessen, wie die ganze Woche zuvor nicht. Und. Ja. Grillfleisch. Als es dunkelt, gehen die letzten Gäste und meine Eltern und ich sitzen unterm Walnussbaum vorm Haus, magischer Lichtmoment, keine Autos auf der sonst so befahrenen Straße und eine schöne Photo-Opportunity.

2014-08-02_21-30-29_755

Am Sonntag zurück nach B. Wieder völlig stau- und stressfrei. Jetzt noch paar Tage Urlaub, die Wetterprognosen können sich nicht entscheiden, ob nun Gewitter oder nicht, egal. Am Vormittag die lang verschobene Steuer angegangen, aber es ist Urlaub, den Rest spar ich mir für morgen. Nach dem Duschen schau ich mal, wie´s Wetter ist, und dann entweder raus oder – bei Dauerregen, Steuer, Teil 2. Alles okay.

The Return of Petra

Auf das von Dolly und Michi gekrönte Wochenende folgte die beschissenste Urlaubswoche ever. Wasser sollte das Thema sein und das wurde es auch, allerdings in Gestalt von Regen. Regen der floss. Gewitter die angesagt wurden und kamen, oder auch nicht. Als ich heute also endlich meine Seesachen packe, merke ich, dass ich es nicht packe. Die Vorstellung, an den See zu fahren, mein Boot startklar zu machen, wird plötzlich unvorstellbar, und ich weiß, das Gefühl würde auch nicht besser werden, wenn ich mich zusammenreiße, es durchziehe und aufs Wasser gehe. Wie krass die Angst ist, merke ich, als ich versuche, einkaufen zu gehen und mir auf der Treppe die Beine wegsacken. Am Auto angelangt, versuche ich, mir klar zu machen, dass ich bestimmt anderthalb Jahre keine ausgeprägte Attacke hatte und trotzdem bleibt diese Angst vor der Panik. Ich spüre die Panik noch. Ich spüre, wie die Medikamente sie abkappen und, selbst, wenn sie ausbricht, nur schwach auftritt und ich sie in der Regel ganz gut überspielen kann.
Um so heftiger trifft mich mein heutiger Zustand. Und, wenn ich ehrlich mit mir selber bin, dass es nicht allein auf Appetitlosigkeit zurückzuführen ist, dass ich die ganze Woche keine Lebensmittel eingekauft habe. Ich habe ganz einfach den Supermarkt vermieden.

Ich habe keine ausgeprägten Spaziergänge gemacht, war immer noch nicht in der Bowie-Ausstellung, habe keine Freunde besucht, mich nicht mit einem Buch ins Café gesetzt. (Fast) jeden zwischenmenschlichen Kontakt vermieden. Als gestern der U. anrief, wäre ich fast nicht ans Telefon gegangen, weil ich Angst hatte, dass der hört, das was nicht stimmt.

Jetzt hoffe ich, dass die nächsten Tage mit Strike auf dem See mich wieder zurückholen werden, denn da, wo ich gerade bin, ist es nicht schön.

The social season

Ein Treffen mit alten Bekannten und Freunden reiht sich ans Nächste, mehr Zeit ist draußen verbracht als drinnen. An Samstag allein auf dem See, aber danach Besuch bei meiner Schlachtensee-Betzi, Sonntag See mit Mignon und Montag mit Lucky. Und jeden der Tage ein Kurzbesuch bei einer meiner liebsten Romanfiguren. Am Dienstag Gespräch mit der Person, die ich für die Diebstähle auf meinem Geburtstag verantwortlich halte. Keine Klärung. Ungeheuerlich, jemanden auf so etwas anzusprechen. Ungeheuerlich, wenn diese Person es trotz Abstreitens doch gewesen sein sollte. Das Messer steckt im Rücken, beiderseits.
Mittwoch meine Gabi aus HH, heute Ex-Roomie und ein neuer Couchsurfer. Morgen bis Sonntag die Glam-Eltern. Am Freitag Dinner in einem der 3 Lieblings-Restaurants, am Samstag Berlin-Glam-Kultur: Fischerhütte, und, wenn eh da, dann auch kurz Betzi introducen, später Curry 36, Abstecher in die Firma – mein Vater war das letzte Mal 1996 in der Stadt und hat keine Vorstellung vom Betrieb. Am Abend die wunderbar mirrorballige West Side Story in der Komischen Oper. Damit die Eltern das Haus, von dem sie bislang nur gelesen haben, auch mal zu Gesicht bekommen. Und Bernstein geht ja immer.

40sth.

„Hey Beautiful!“ Es gibt nicht viele heterosexuelle Männer, die man so begrüßen kann, ohne dass das einen homophoben Schub bei ihnen auslöst. Bei Urs kann man das, und so huggen wir uns bei unserem ersten Treffen seit mehreren Jahren und sind von 0 auf 100 im Gespräch, bringen uns auf´s Laufende. Ein bisschen bekommt man ja auch Facebook mit, aber vieles auch nicht. Was aus diversen Weggefährten geworden ist zum Beispiel. Aber, viel spannender, die jeweiligen aktuellen Projekte und die Lage in unseren Branchen – Schauspiel und Schreiben. Was uns nebenher noch beschäftigt – Psychologie und gut gemachtes Fernsehen. Schlechtes, deutsches Fernsehen. Die wundersamen Dänen. Wie man das Altern erlebt. Welche Falten und Prozesse stören und welche okay sind. Wir haben uns mal in unserem jeweiligen Prime kennengelernt, so in den 30ern. Was uns nichtverloren gegangen ist, und hoffentlich nie wird, das ist ein gewisser sozialer Charme, eine Verbundenheit, die auch ein paar Jahre Pause aushält. Und der Mann sieht auch noch so unverschämt gut aus, so sexy, dass es mir Mut für die Zukunft macht.

Zu Hause hat mein aktueller Couchsurfer Gesprächsbedarf. Crossroads, der Trip nach Europa auch ein Trip, der die Ungewissheit seiner Zukunft illustriert. Es ist sein ersten großer Allein-Trip, seine erste Couch, alles ganz schön mutig. Was ich ihm mitgeben kann ist, dass Geld nicht alles ist, dass man glücklich ist wegen der Menschen, die man um sich hat. Und dass Arbeit eben nicht Spaß ist oder sein muss, aber man selbst einen Job machen kann, der einen nicht 100% erfüllt, wenn er in einem guten Team ist und einem genug Zeit lässt, die Sachen zu machen, die einem Spaß bereiten. „Thanks, Glam – It was a blast“, sagt er gerade, als er sich verabschiedet, und fragt ob er wiederkommen kann mit seiner Freundin. Of course. Gerne. Dabei hab ich ihn weitestgehend sich selbst überlassen. Also ihn einfach sein. Ich habe wohl einen ganz guten Orbit. Und ich bin froh, dass es amtlich Sommer ist und ich mehr draußen unter Menschen unterwegs bin. Mein See, ich komme! (Und nach den vielen, teils sehr belastenden Gesprächen dieser Woche, bin ich ganz froh heute mal allein raus zu fahren und in mich rein zu schweigen. Aber falls wer vorbei schwimmen möchte – auch gern gesehen.)