Meet me where my brain´s so sucked, I don´t know my languages anymore. Too scatterbrained to read, watch a film, go to sleep. No. No drugs involved here.
Eine Zigaretten-erlaubende-Bar-verlassen-habend-weil-Äuglein-vom-Rauch-tränten, im Auto erst einmal eine in Frischluft rauchen. Vielleicht liest das jetzt eine Brigitte-Leserin mit Papa, der irgendwo mal dozierte und veröffentlicht einen diesbezüglichen Chick-Lit-Sucht-Roman bei Ullstein oder Goldmann (gibt´s Goldmann noch oder ist das Random House, was ja eigentlich ein viel coolerer Name ist.) Baby Hegemann studiert derweil Heroin-Clips auf Youtube, wegen des Echt-Seins. So. Alta. Och, (und wirklich nur „Och“ mit nem Komma, nicht Och! oder OCH!) postneofolkpunkbeatnicke ich mich noch ne Runde durch die Neo-Hippie-Porno-Asia-doch-nichtwirklich-Hippie-Blogs, versuchen Sie mal „japanese swimmers“ bei gaytube, hat was. Bonne fucking nuit!
Archiv der Kategorie: Glam gruebelt
THE KINDNESS OF STRANGERS
„It was very nice talking to you. You have an incredible voice. Are you a singer, too?“
„I wish. If I could sing, I would make my life a musical.“
WÜRMERIMGEMÜTTAGE
Mitte ist lebensgefährlich. Um den Ubahnhof Weinmeisterstraße ersteckt sich eine Eisfläche auf der ein feiner Film Schmutzwasser liegt. In den schicken Läden fühlt sich niemand beflissen, etwas gegen die Eisschichten vor den Schaufenstern zu unternehmen. Ein Fotograf rutscht, schliddert, fällt beim Versuch eine Frau in silberpailletierten Leggings zu knipsen. Auch der immer wieder erklingende Diebstahlalarm, den das Skailight beim Betreten und Verlassen der Läden auslöst, ausgelöst von was weiß man nicht, lockt niemanden hinterm Tresen vor. Im siebten Laden finde ich endlich das perfekte Slouch Beanie für Bad Hair Days. Gut, denn heute ist einer. Der schöne Shopboy rettet den Tag ein bisschen. „Du kannst auch mit Karte zahlen, wenn Du magst.“
LINES COMPOSED UPON POTSDAMER PLATZ ARKADEN oder RETAINING MYSTIQUE WHILE FACING FORWARDS
Ich schaue mir gern Waren an. Tage an denen ich an einem DVD-Regal vorbeigehe, ohne etwas zu finden sind frustrierend. Dann komme ich manchmal in Versuchung, einen Film, den ich schon habe, ein zweites Mal zu kaufen, vor allem wenn es sich um ein Sonderangebot handelt -das ist ein bisschen wie mit Mel Gibson in „Conspiracy Theory“, wo er programmiert ist, den „Fänger im Roggen“ (RIP) zu kaufen. Anhand des Barcode-Scans lokalisiert ihn dann die CIA oder so. Sonderangebotsliebingsfilme tun mir immer Leid, ich möchte ihnen die Scham ersparen, sie befreien. Es kostet mich Anstrengung, nicht zuzugreifen. Waren anschauen ist eine zielorientierte Bewegung. Darin fühle ich mich sicher, in Kontrolle. Selbst die Wege von einem Waren anbietenden Ort zum nächsten kommen mir sicher vor. Die Menschen um mich herum nehme ich eigentlich nur als etwas wahr, das sich mir und den Waren in den Weg stellt oder mich mit blöden Touri-Rucksäcken anrempelt. Nur manchmal, sagen wir auf dem Weg von American Apparel via H&M zu Saturn, laufe ich durch eine Mall und schaue mir die anderen Leute an. So ganz gewöhnliche Steuer und Miete pünktlich zahlende hart arbeitende gepflegte Menschen mit Frisuren, für die es kaum noch Friseure gibt, in vernünftigen Jacken, in denen man nicht friert, mit Schuhen wie unnütze Architektur. Sie tragen Schmuck, der nicht von Tiffany stammt oder aus dem KaDeWe, haben Tempotaschentücher in ihren hellbraunen Lederhandtaschen, Kinder auf der Realschule, wobei der jüngste vielleicht ausschert, sie sitzen nie allein, sondern zu zweit dritt sogar bis fünft an einem Tisch in einem restaurant-vorgebenden Imbiss in der Mall, und wenn ich nach Saturn und Hugendubel den gleichen Weg zurückgehe, dann sind sie weg, dann sitzen da andere Menschen, die ähnlich aufgeräumt wirken, mit Tüten von Rossmann und Kaisers, vor schwarzem Kaffee und Speisen, die mit Soße gereicht werden. Und ich zahle nun weder meine Miete pünktlich, noch finde ich in meiner zugemüllten Tasche je auf Anhieb, was ich suche, die Vernunft, wirtschaftlich zu denken und vorausschauend zu planen ist bei mir nicht angelegt, ich habe nicht einmal eine Kaffeemaschine, wenn man den Senseo nicht mitrechnet und der zählt hier nicht, weil es ein Ein-Mann-bestenfalls-zwei-kleine-Tässchen-für-zwei-Kaffeegerät ist, diese Menschen würden hysterisch werden angesichts meiner Teppiche, des defekten Autotürschlosses, der Anzahl von Abbildungen erigierter Schwänze an meinen Wänden, des Mangels an Aufgeräumtheit in meinem Leben, und trotzdem tun sie mir ein bisschen mehr Leid als ich mir selber, aber das ist vielleicht egoistischer Darwinismus. Dass ich fest daran glaube, dass mein leicht entgleistes Leben mir mehr Freude macht, als ihnen das ihre, ordentliche.
Ich bin schon mit den Mustern aufgewachsen, die in ein solches geordnetes Leben münden. Aber ich habe sie, kaum pubertär, als Kompromisskonstrukt, reich an Verlogenheit und voll von Druck erlebt. Dass das nichts für mich ist, wusste ich früh. Was anstelle dessen sein würde hat sich von selbst ergeben. Ich war auf mein Leben nicht vorbereitet, aber, wenn man mal von der schlechten Zahlungsmoral, was Miete und Steuern anbelangt absieht, bin ich doch eigentlich ganz gut geworden, including some slightly mysterious bruises.
GEORGE´S GOT A GUN oder „ES WURDE ABER AUCH HÖCHSTE ZEIT!“
…seufzen die Anwohner des Krimikiezes erleichtert, „Schimanski räumt den Kotti auf!“
DEFYING AVATAR
Als sie erzählte, sie lerne jetzt die Sprache der Navi, dachte ich zunächst an „an der nächsten Kreuzung biegen sie bitte RECHTS ab. Nächste Kreuzug in 100 Metern Entfernung.“ Weil ich ja auch die Stimme von Schindlers Liften kenne, die ansagt, wie man sich im Fall des Steckenbleibens verhalten soll.
Und, nein. Ich werde mir den Blauen Bock von James Cameron nicht anschauen. Mich nerven die Blicke der verzückt-verträumten 14jährigen, die jetzt von was Blauem zwischen den Beinen träumen gerne mal so nen Blauen in 4D erleben würden. Ponys und Vampire waren gestern. What´s next? Barbie-Einhörner? Es gibt nur einen King of the World und der ist hautfarben. Give me Leo anytime. Und wenn Kurt Hummel 10 Jahre älter wäre…
„They won´t let me sing it because it´s a song for a girl.“
„But you sing like a girl! In a good way I mean…“
(Ich liebe die Szenen mit ihm und seinem Mechaniker-Vater.)
BERLIN GOTHIC
„Im Turmzimmer waren schon immer Menschen verschwunden“, ist der erste Satz eines Romans, den ich in meinem Gästezimmer schrieb, nachdem ich es von einem der unangenehmeren Mitbewohner befreit hatte. Frisch gestrichen, von Erde, Läusen und benutzten Kondomen befreit, strahlte der Raum in einer besonders inspirativen Aura. Als der Roman fertig war habe ich das Zimmer dann wieder seiner einstigen Funktion – als Gästezimmer – zurück übergeben, abgesehen von den Zeiten finanzieller Not, in denen ich dazu gezwungen bin, einen Mieter aufzunehmen. Wie jetzt.
Mein Gästezimmer hat mit dem Turmzimmer des Romans eines gemein. Darin verschwinden Menschen. Weibliche ausschließlich. Ich weiß nicht, ob ich diesen Effekt herbeigeschrieben habe, aber kaum ist eine neue Mitbewohnerin Untermieterin eingezogen, verschließen sich die Türen zum Turmzimmer. Man sieht sie nicht mehr. Ich kann mich nicht erinnern, wie das mit der letzten dort Verschollenen war – ist sie ausgezogen oder war sie nur auf einmal weg? Die Neue – manchmal höre ich sie wie von fern. Gestern fand ich einen Blutstropfen auf der Klobrille, was den Rückschluss zulässt, dass sie nicht nur noch lebt, sondern darüber hinaus sogar menstruiert. Auf Facebook sehe ich sie schreiben, doch verrät sie nicht, was da nun genau geschieht, im verfluchten Raum. Sie lerne die Sprache der Avatare, teilt sie ihren 500 Freunden mit – hierfür gebe ich nicht mir sondern James Cameron die Schuld. Dass das Erlernen der deutschen Sprache hilfreicher für ein Leben in Berlin wäre würde ich ihr gerne sagen, verstehe nun aber auch die Faszination, die die Bewohner Pandoras ausüben. Nur, wenn man nicht rausgeht, dann wird man auch keinen Avatar treffen. Dabei wäre das R. vermutlich die richtige Adresse, dort sind fast alle immer blau, mindestens
Vielleicht erlerne nun auch ich die Sprache der Avatare, spätestens, wenn es Zeit wird, die Miete zu kassieren. Vielleicht lasse ich mich zu einem neuen Schauerroman inspirieren – ich war noch nie so nah dran an dem Gefühl, ein Gespenst in der Wohnung zu haben.
GLAM TREE HILL
Und wenn Sie mich heute sehen, sprechen Sie mich nicht auf meine verquollenen Augen an, nix Ernstes. Nur hatte Lucas einen schweren Autounfall, am Steuer saß sein Onkel, der wollte eigentlich seine Schwägerin, also Lucas´ Mutter vom Flughafen abholen, sechs Wochen Kochkurs in Italien, die hatte sie sich verdient, und der Onkel hatte paar Bierchen gezischt, weil nervös, weil verschossen in Lucas seine Mutti, jedenfalls KNALLTE dann ein Wagen rein, und Lucas – Blut überall, ohnmächtig, zufällig war sein echter Vater vor Ort – der, der den Sohn nie anerkannt hat, wächst über sich hinaus und bringt die beiden rechtzeitig in die Klinik. Kurz Herzstillstand, aber dann wird alles noch. Wird er je wieder Basketball spielen können? Oh my. Die arme Peyton. Was die mitmacht. Und dann noch jeden Tag die Locken so hinkriegen! Versuchen Sie das mal zu Hause!
STRUKTURANALYSE
Und du wartest, erwartest das Eine,
das dein Leben unendlich vermehrt;
das Mächtige, Ungemeine,
das Erwachen der Steine,
Tiefen, dir zugekehrt.
Es dämmern im Bücherständer
die Bände in Gold und Braun;
und du denkst an durchfahrene Länder,
an Bilder, an die Gewänder
wiederverlorener Fraun.
Und da weißt du auf einmal: das war es.
Du erhebst dich, und vor dir steht
eines vergangenen Jahres
Angst und Gestalt und Gebet.
(Rilke: Erinnerung)
Es gab beim besten Willen nichts zu berichten, im Job herrscht Hochsaison, da habe ich nach nem Arbeitstag noch Energie für Nahrungsaufnahme, einen Film und dann schlafen gehen. Uninspiriert reise ich dann an den Vormittagen Internetseiten ab, auf der Suche nach etwas zu suchen. Darüber schreiben? Ach nö. Und so vergehen dann paar Tage, an denen ich nichts zu Papier bringe und letzte Nacht wache ich auf aus einem Alptraum voller Strukturen und Räumungsarbeiten. Wie wenn Stephen King eine Horrorstory über ein Emailfach schreibt. Tatsächlich werde ich im ersten Teil des Traumes irre darüber, mein Emailfach zu ordnen. Und im zweiten Teil dieser Auftritt, den ich vorzubereiten habe, wo alle um mich herum völlig durchdrehen und rumschreien. Außer meinem Ex, dem Tierarzt, der sich ganz freundlich bereit erklärt mir zu helfen, ein Angebot das ich gern annehme, zu gerne, denke ich noch. Dann trage ich einen Stapel Kleidung die Treppe hoch und mein Ex trägt einen Stapel in die andere Richtung und ich wache verwirrt und genervt auf, jetzt auch mit Halsschmerzen, und mir wird klar, weshalb ich selbst Schreiben muss, wenn ich es nicht will oder für nötig halte – weil die Denkstrukturen, die ich für´s Formulieren verwende, mir Halt geben. Eine ähnliche Erkenntnis erlangte ich einst, als ich aus abgründigstem Schmerz heraus vor mehr als zehn Jahren mit der Schreibphase begann, in der ich mich jetzt noch befinde, allerdings weitestgehend schmerzfrei. Es geht immer noch darum, die Gefühle in Bahnen zu lenken, wo sie einem möglichst wenig anhaben können. Einerseits beunruhigend. Andererseits beruhigend. Also. Weiterschreiben.
NEVERMORE oder GLAM ÜBERZEUGT SICH SCHREIBEND
Man soll immer entweder eine Halskette tragen oder drei. Nie zwei oder vier, sagte mir mal eine Schmuck-kundige Freundin. Ich persönlich finde ja mehr ist mehr und würde nicht so religiös insistieren, was das Maximum an Halsketten angeht, aber es ist was wahres dran an der 3er-Nummer. Das ist balanciert. Und so trug ich Jahre lang die Christopherus-Surfer-Heiligen-Medaille, die ich von der amerikanischen Nachbarin aus Kalifornien mitgebracht bekam, den Gucci-Anhänger mit „Glamourdick“-Gravur, den mir die Porno-Queen mal geschenkt hatte und die Hand-und-Fuß-Helmut-Newton-Kette die mir die I. vorletztes Jahr zum Geburtstag geschenkt hatte. Und stehe am Samstag vor dem Spiegel und denke – argh, das war ja schön und gut in dieser Kombi, aber es muss was Neues her.
Und am Sabo-Stand im KaDeWe, wo Pelzjackenträgerinnen mit Akzent Drachenketten für ihren 17jährigen kaufen und ihre hässlichen und teuren Handtaschen auf dem Tresen abstellen um so möglichst viel Blick auf die Auslagen zu vereiteln, da wurde ich fündig. Und blieb feige. Und haderte, und tue dies noch. Ein Rabe. Rundum mit schwarzen Zirkonia besetzt. Augen, Schnabel und Rabenbeine schwarz emailliert. Love at first sight. Kein Mensch braucht Schmuck. Aber schöner ist es, man hat ihn. Kein Mensch braucht ein Handy mit ausklappbarer QWERTZ-Tastatur. Und trotzdem hab ich eins. Ich fand es dann aber doch irgendwie blöd, mir für 300 Euro einen Miniatur-Raben zu kaufen, nach all dem Weihnachst-Shopping und zumal es sich um ein Schmuckstück handelt, dass so showy ist, dass man es unmöglich täglich tragen kann- es sei denn man hat auch kein Problem damit in der Ubahn ne Tiara aufzusetzen. Und dennoch. Es wäre doch schön, mal mit Tiara Ubahn zu fahren. Denn würde man wirklich gelebt haben, ohne diese Erfahrung?
Mein Frust kaufte mir dann einen einsamen Flügel für 50 Euro. Der ersetzt jetzt die Gucci-Glamourdick-Kette, ist auch schön, everday-type-of-jewellery, sieht aus, als habe ich ihn schon immer getragen. Nach Weihnachten mach ich nen Kassensturz. Ich meine – andere Menschen geben richtig viel Geld aus für Sachen wie Sofas. Oder Schuhe. Schuhe sind unverschämt teuer. Und die Helmut Newton-Kette passte jetzt auch nicht mehr zu der Kombi, weil zu dominant. Und man soll ja immer drei Ketten tragen oder eine. Nicht zwei. Und Gundel war schon immer mein favourite Disney.
