Archiv der Kategorie: Glam gruebelt

ANY GIVEN MAY

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So, wenn Sie diese Nachbarschaft nicht kennen, willkommen in 36. Info – an diesem Tag im Jahr ist hier erst immer so Straßenfestmäßig, dann stellt man fest, dass dieses Jahr der Kiosk sich nicht traut aufzumachen – schlääääächtes Zeichen – und auch Scheiße, ein Wochenende ohne Cola – und dann paradieren in Glee-Choreographien diese wohlgebauten westdeutschen Polizisten in Schock-Uniformen und mit Angst in den Augen; von weiter her der Gesang politisch (???) motivierter agitierter Votzenköppe auf Männerbeinen, Hubschraubergebrumms, Sirenen, vereinzelt Schreie, noch brennt nix. Den jüngeren Mietern aus dem Erdgeschoss, wo es wegen Schimmel keiner lange aushält, begegne ich beim Nach Hause kommen vom vergeblich Cola einkaufen wollen, sie machen sich auf, viel Spaß beim Zuschauen! Welcome in the war zone. Wir Erprobten haben unsere Autos sicher geparkt und schütten später Wasser und untrinkbare Partyweine auf die pubertierenden Wichser aus Altötting, Peine und Gera, wenn sie Zuflucht in unserem Hinterhof suchen.

Und der verschissene Killer-Oleander wiegt sich majestätisch hin und her im Luftzug wie die Hand der verschissenen Queen oder die von Vivienne Westwoood – „No – I´m not WAVIN at you, I´m WIPIN YOU OUT!“ Du bist so tot, Alter. Wenn die G. Dich nicht abholt, dann hol ich die Säge.

DATE

Um 20.30 Uhr ist das Date vereinbart, um 20.50 Uhr hab ich immer noch nichts von ihm gehört. Um 23.00 denke ich, was für ein Arsch, um 23.05 habe ich ihm eine Message geschickt. Vier Buchstaben auf Englisch, die das weibliche Genital bezeichnen (nein, „pussy“ hat 5 Buchstaben. Das andere Wort.) Um 9.00 eine Message von ihm „hey, was denn los? hab ich was verpasst??“
Ja, sie oben.

WHERE DID YOU GET THOSE EYES?

Zerstörung, Rage, Pandämonium. Ich könnte es auf Clive Barker abschieben, aber der Alptraum von letzter Nacht war wohl lediglich der Ausdruck dieser creepy despair, die mich immer mal wieder von hinten anspringt. Dass Sachen zu Bruch gehen, Freundschaften, Lebenswege vom Ziel wegführen. Where´s a Faerie when you need one?

GESPENSTER AM SONNTAG

Vor ein paar Wochen ein Buch gekauft, weil – das Cover war so schön. Don´t. Hinten stand auch drauf, wenn Sie dieses Buch versehentlich im Zug liegen lassen, kaufen Sie sich im nächsten Bahnhof sofort eine neue Ausgabe. Wenn man nicht merkt, dass man etwas verlegt, ist es dann wirklich verlegen? So geschehen mit besagtem Buch. Als ich es wiederfand stellte ich fest, wie wenig ich es vermisst hatte.

Stattdessen also kein neues Buch gekauft, weil die Stimmung war so nach es-sich-ganz-bequem-machen und das beinhaltet ein Buch, in dem man sich aufgehoben weiß, da bleiben eigentlich fast nur zwei und ich entschied mich dann gegen „Eleanor Rigby“, weil zu zutreffend, und für „Coldheart Canyon“, weil ein trashig pornöser Hollywood-Gespenster-Roman so Glam-notwenig ist wie ein Debbie Harry T-Shirt. Dazu gab´s Prosecco Red Bull, weil Sonntag war, und Sonne und Hollywood-Schaukel.

Als ich vom Nachmittagsschlaf erwache sagt mein Telefon, dass ich eine Nachricht verschlafen habe. Ob ich Lust auf eine Schorle hätte. Ober er Lust auf Spargel, frage ich zurück. Und so verbringe ich den Abend außerhäusig, ohne das Gebäude zu verlassen, wir essen im Hinterhofgarten griechischen Spargel, was nur dem Hund nicht gefällt. Immer, wenn ich längere Zeit mit ihm verbringe frage ich mich, ob es nicht ein Fehler war, damals, voll im Koks-Depri Nein zu sagen, als er mich fragte. Irgendwann werde ich ihm das mal sagen. Jetzt kennen wir uns schon so lange, dass es keine Eile hat.

TEACHER´S PETTING

Das Bizarre an dieser ganzen Kindesmissbrauchsdebatte ist doch, dass alle reden, als lägen die Fälle ausschließlich in der Vergangenheit, wobei an Schulen, in Internaten und Klöstern die Übergriffe weitergehen. Wenn es zu meiner Schulzeit für Lehrer noch üblich war, die Schädel von Erstklässlern auf den Tisch zu donnern oder Halbwüchsige sexuelle zu bedrängen und sich damals niemand gezwungen sah, zu handeln, und auch jetzt nur geahndet wird, was vor Jahrzehnten geschah, dann sollen die mal nicht so empört tun und stattdessen dafür sorgen, dass die aktuell Kinder-fickenden oder -prügelnden Täter nicht mehr mit einer Ohrfeige davon kommen.

Wie empathisch unsere Kultur mit den Opfern wirklich ist, merkt man ja auch daran, dass unbefangen mitgesummt wird, wenn ein Lied von Michael Jackson im Radio erklingt.

STATION TO STATION

Nach einem Theater- oder Konzertabend U-Bahn zu fahren ist manchmal eine schlechte Entscheidung, weil der Film, der dort läuft, den zuvor erlebten überschatten kann, zumindest, wenn man Berlin nicht gewohnt ist.
Am Gleisdreieck jedenfalls steigen drei junger Gitarreros zu. Vielleicht 18, gutbürgerlich, sorgsam lässig frisiert, kurze Jäckchen, die Hosen fast unterm Arsch hängend, sie spielen „Bitte nur ein Wort“ und machen das sehr gut. Möckernbrücke steigt ein halbes Dutzend weiterer Teenies zu, alle mit dem unvermeidlichen Accessoire Bierflasche in der Hand, und an ihrem Verhalten wird klar – es war nicht die erste oder zweite und es wird auch nicht die letzte in dieser Nacht bleiben. Es sind Kumpels und Groupiemädchen der Gitarreros und es wird sich lautstark begrüßt, in die Arme gefallen, wobei der eine oder andere bei Anfahrt der Ubahn schon mal ins Taumeln gerät und auf meinen Schoß zu fallen droht. Ich stütze ab und schubse empor. Ich schau zu meiner Mutter, ängstlicher Blick, sage „Das ist jetzt nicht Krawall, die sind in Feierstimmung, in dem Alter war ich genau so.“ Und dann ist sie beruhigt und die Jungs spielen ein Lied von MGMT, das auf Gitarre viel besser klingt. Am Kotti sind sie raus und die beiden schlecht gelaunten Lesben gegenüber, die wie Zeitreisende aus dem „Lipstick“ aussehen, schauen sich an, runzeln die Stirn und schütteln verständnislos den Kopf. Berlin muss man schon lieben, um seine Klischees zu ertragen.

FRÜHSTÜCK BEI MANDY (MIT MUTTI)

Dass sie den Süßstoff vergessen hat – das passiert in 50% der Fälle, in denen man ihn bestellt, daran bin ich gewöhnt. Als wir Essen bestellen wollen, weist sie daraufhin, dass es etwas dauern könne, so eine halbe Stunde etwa, ich seh das ein, es ist wirklich rappelvoll auf der Terrasse. Sie verschwindet jedoch erst einmal eine viertel Stunde. Nachdem endlich die Bestellung aufgegeben ist warten wir. Und schauen zu, wie die anderen Gäste ob der langen Wartezeit unflätig werden. Nach einer 3/4 Stunde ist auch unsere Laune etwas angefressen. Wir versuchen, Blickkontakt mit der blonden langhaarigen Schönheit herzustellen, die eigentlich mit rohen Eiern unter den Fersen bei Heidi Klum catwalktrainieren müsste, das misslingt uns. Sie schaut unter ihrem blonden Pony konsequent auf den Boden. Nach einer Stunde erwisch ich sie. „Oh – das ist wirklich schade, ich hab die Bestellung aber aufgegeben!“
Weitere zwanzig Minuten später brülle ich ihr zu „Die Rechnung bitte, wir müssen los!“ Sie zuckt etwas zusammen. Kaum 10 Minuten später kommt sie mit dem Essen und der Rechnung. Ich gebe ihr nur 50 Cent Trinkgeld, denn immerhin haben wir ja jetzt unser Frühstück. Dann widme ich mich meinem Kräuterrührei. Einwandfrei kein Etikettenschwindel beinhaltet es exakt Ei und Kräuter. Salz ist ja eh ungesund. Nein, Wahnsinn – da liegt sogar noch etwas Dekosalat und zwei Scheiben Butter! Schade, dass sie den Brotkorb vergessen hat! Na ja, so ist es Trennkost. „Sind die Rühreier auch kalt“ fragt meine Mutter. „Was denkst Du?“ frag ich zurück. Sie nickt. Ich nicke zurück. Dann stellen wir unsere Teller für den Dalmatiner und den Jack Russel auf den Boden und verlassen das Edelweiss im auch nicht wirklich schönen Görlitzer Park. Selten so wegen 50 Cent geärgert.

Auf der Terrasse von Diekmanns Austernbar im Hauptbahnhof ist vielleicht die Kellnerin keine Kandidatin für Heidi, aber sie ist freundlich und effizient. Der Blick geht auch nicht auf das marode Pamukele-Denkmal sondern die Skyline des Regierungsviertels. Das Publikum ist konservativer und es git keine Hunde und Kinder, dafür aber drei ältere Herren mitsamt Xylophon, die Lounge-Jazz spielen, was eine wirklich bezaubernde Reisende in Jeans, gelbem ärmellosem Top und gleichfalls gelben Sommerschuhen veranlasst, sich dazu zu stellen und einzustimmen, eine kleine Sternstunde, „Fly me to the moon“, so schallt es, wir blinzeln in die Sonne, den monoblauen Himmel und schlürfen zufrieden unseren Prosecco auf Eis

GLAM, MAN

Ick hatte grade nur einen Brief an meine Werte-und-Normen-Lehrerin zu verfassen, und zwar finegetunet, ich wollte kein Komma falsch setzen – Sie wissen, wie schwer das für mich ist – Kommata. Ich fehlte, als sie das unterrichteten. Deshalb also war hier nüscht. Also, no reason to worry. I´m still here.

KEIN PLAN

Es war halt so, dass ich noch vor dem ersten Tee telefonisch eine Stunde lang die X. verarzten musste (Trennung oder nicht, wenn ja – von wem, „Glam, was denkst Du?“ Und „between a man and a man“, genau genommen between three men and a woman, hat uns schon einmal die Freundschaft gekostet, anderthalb Jahre lang), danach, beim ersten zweiten dritten Tee die Y. – per Telefonkonferenz die Playlist von Itunes auf Ipod schieben, das dauert eine Stunde, dann „und bei der zweiten Playlist verfahren wir wie bei der ersten!“ und dann doch noch einmal jeden Klick und jede Trackpadbewegung und „was siehst Du denn jetzt vor Dir – ist der Titel PlaybackWIW06 blau unterlegt?“ Alles fertig, ruft sie an „Können wir das eigentlich auch auf mein Iphone tun, und wenn ja – wie geht das?“ Aber ich gebe mich geschlagen, Zeitgründe – ein Angebot, das es zu prüfen gilt, noch vorm Office, und ich KANN NICHT MEHR. Ich bin lieb, ich bin gut, ich helfe gern, aber MICH GIBT´S AUCH NOCH. Mit Pflichten, Wünschen, Plänen. Plänen – wirklich? Wo sind MEINE Pläne hin?

Im Office unzählige alte, griesgrämige alte, alte, alte Männer, alt alt. Dann eine ebenso greise Kundin mit Sonderwünschen. Ich verbieg mich für sie, eruiere, hinterhake, hüpfe, springe, lande, nehm das Gespräch wieder an, sie weiß nicht, dass ich sie auch dann höre, wenn ich das Telefon stummgeschaltet habe – „Das merkt man, dass der das noch nicht lange macht, das dauert ja eeewig“. „Ich mach das seit 5 Jahren. Nur zur Info. Und ja, ich kann Ihnen Ihren superspeziellen abgefuckten Sonderwunsch erfüllen, alte Trockenvotze mit „V“.“

Letzter Business-Telefon-Termin 21h. 12 Stunden nach dem ersten. Der Anrufer isst, während er mit mir spricht, das ist für mich auf der gleichen Ebene wie jemand, der scheißt und telefoniert – es gibt Geräusche, die will ich nicht durch den Telefonhörer, am Liebsten überhaupt nicht hören. „Sorry, Z., ich muss leider kotzen, wenn ich jemanden am Telefon essen höre, ist so ne Marotte von mir, ruf doch an wenn Du aufgegessen hast.“ Eine Stunde später, in meiner 15. Wachstunde, ruft er an und wir beginnen mit den Punkten auf der Tagesordnung. 30 Sekunden. Dann Essgeräusche. „ISST Du?“ Keine Antwort. Ich lege auf.

Bomec war letztens ganz baff, dass ich beim Autofahren so die Sau rauslasse, fluche, motze. That´s just because I don´t suffer fools gladly. Mit Menschen, die mich respektieren, bin ich Jesus.

Ich muss mich und mein Umfeld neu sortieren.

ICH DENK AM KARFREITAG IMMER MEHR AN SYBILLE SCHMITZ

Zwischendurch macht alles immer wieder einfach gar keinen Sinn, es könnte aufhören und es und man wäre egal, Sandra Bullock tut Dir fast so Leid wie Du Dir selbst, (Oscar-Vanilla Gorilla) . Dann wieder fährst Du durch den Sonnenschein, die Straßen sind leer, denn Jesus ist tot, und aus dem Kopfhörer singt Dich Judy in Gestalt von Rufus an – forget your troubles, come on, get happy! und es zaubert Dir direkt ein Grinsen ins Gesicht, das noch eine Spur black Glitzergloss von gestern Nacht trägt, so wie es sich gehört, wenn man einen Edie Sedgwick-Pulli trägt. Nach drei Tagen Nahrungsverweigerung ist endlich der Zeitpunkt gekommen, Curry 36, einmal und mit Pommes rotweiß. Und der Gedanke an eine Pizza später am Abend, drei Tage frei ab 19 Uhr, dem Komponisten gefällt das neue Lied und er trägt es vielleicht jetzt schon in der South Glendon Avenue vor. Westwood Memorial. Das Gespräch mit der G. und die chinesische Lampe. Meine Stimme hört sich heute an wie Marlon K. im „Sommersturm“, aber das ist ja auch nicht verkehrt, sehr schwul halt. Und ich passe heute farblich so gut zu meinem Blog, schade, dass Sie´s nicht sehen können. Währenddessen googelt Bomec Madonna, weil ich einen Zettel auf dem Küchentisch hinterließ: Jesus is dead! Today!

„Geben Sie mir bitte das hässliche Feuerzeug mit dem Golden Retriever.“
„Das geht nicht.“