Archiv der Kategorie: Glam gruebelt

STREET LIGHTS, PEOPLE

Und irgendwann war es endlich so weit abgekühlt, dass ich auch das Sakko anziehen konnte und dann ging ich durch die leeren Straßen und fühlte mich wie eine frohe Krähe und alles war perfekt. Ein schöner Tag, ein schöner Abend – das unglaublich glückliche, strahlende Mädchen, die vielen Gespräche, Begegnungen; die Nacht brauchte ich dann aber für mich. Mit dem Taxi heim und mich über jedes bunte Licht gefreut.

MY GIFT IS MY SONG

Ganz schön hell schon. Hm . Weil es auch schon 8 ist und nicht 6.20 Uhr. Der Nokia-Wecker liegt angeschaltet auf dem Kopfkissen – das Schlaf-Selbst hat entschieden. Jump-Start. 23 Minuten inklusive Make-up (exclusive Dusche, aber bestäubt mit Givenchy pour Homme).

Eigentlich war ein Abend „Gossip Girl“ geplant, dann aber wurde gekocht, aus dem Kochen entwickelte sich Sitzen und Trinken, woraus dann Trinken und Liebesduette singen wurde (Vogueing nicht zu vergessen). Mitten im Elephant Love Medley eine SMS aus München – „Du fehlst mir“. Die wunderbare ehemalige Mitbewohnerin. Wie gern hätte ich sie jetzt gerade dabei, in der Küche beim Singen mit dem neuen Roomie, sie würde ein fantastisch rohes Musikvideo vom uns drehen. Überhaupt würden die zwei sich verstehen, also wir uns zu dritt, vielleicht sollte ich anbauen.

Der Tag, der vopr dem Abend lag, war nicht so song-and-dance. Zwischenzeitlich stellte ich nicht nur mir sondern auch Beteiligten und Unbeteiligten die Frage, ob ich nicht vielleicht doch ein bisschen manisch-depressiv bin, allerdings schon fragend wissend, dass meine Gefühlslage von außen bestimmt wurde, nicht von innen. Bei Lebensumständen wie am Wochenende würde wohl jeder derangieren. Über den hämischen Beitrag bin ich nicht ganz so schnell hinweg gekommen, weil ich von jener Seite nicht mit Vitriol gerechnet hätte. Auf Miss- und/oder Unverständnis zu stoßen kommt in den besten Familien vor, genau deshalb gründet man sich ja, wie mir immer deutlicher wird, eine Familie aus Freunden. Und wenn da dann jemand plötzlich aufgrund Überforderung die Reißleine zieht – dann passiert siehe oben: man hinterfragt und überprüft sich. Prüfung bestanden, eine Freundin verloren. Aber gestern bewiesen bekommen, dass ich selbst für Leute, die meine Wohnung teilen, keine Zumutung oder Überforderung darstelle. Und die das Leben so leben wie ich – a laugh, a cry, and a tap to the foot.

And they don´t call it „Diva“, they call it a word that should not be mentioned outside a kennel.

ROLLERCOASTER oder ANOTHER ONE BITES THE DUST

So entstehen in diesem Sommer seltsame Alliancen, andere vergehen. Die Quintessenz: die kleinbürgerliche Welt, die ich vor zwei Wochen erlitt, die brauche ich nicht hier in meiner Heimat. Werturteilen Sie was Sie wollen, vielleicht ist das ein schöner Lebensweg für Sie, mein Leben ist dann doch ein anderes, für das es manchmal, von außen, Abstraktionsvermögen verlangt, es sei denn – easy – man fragt nach. „With friends like these, who needs enemies?“ I know who my friends are. So long.

P.S.: Sie können ruhig zu Ihren Beiträgen und Kommentaren stehen, Sie müssen die nicht löschen.

DE TROP

Neu, wenn einem Mitgenossen das Leben rezensieren möchten. Nötig ist es nicht. Ich hatte gerade andere Dimensionen von Drama und Freude, da schüttelt man so ein bisschen Pisse am Bein ganz gut ab.

WELCOME TO THE LONELIEST CITY IN THE WORLD

Ja, da war drama-content gestern und vorgestern, sorry, c´est ma vie. Interessant, zu sehen, dass der Count hochgeht, wenn es jemandem schlecht geht. Die Besucherzahl am Sonntag war jedenfalls für einen Sonntag astronomisch. (In diesem Medium, das ja interaktiv ist, wäre es doch mal begrüßenswert, Trost oder Anteilnahme, vielleicht auch nur Zurkenntnissnahme auszusprechen, anstatt drauf zu schauen, was als nächstes passiert.) A blog may be virtual, aber die Person dahinter ist kein Hologramm, Leser.

But anyway. Everything´s fine. Glam is happy.

DIE SCHÖNHEIT

„I´ll do it for you
I´ll be Isolde or Marion for you
I´ll do it for you
I´ll come in a hurricane for you.“

Die Schönheit der „Red Shoes“ hat mir gestern den Boden unter den Füßen weggzogen. Sprichwörtlich. Ich musste mich setzen. Das ist eine Platte, die man eigentlich nur hören sollte, wenn man ganz ganz stark ist. Weil sie, wenn man ganz ganz am Boden ist, einen schlichtweg versenkt. Aber erst da, am Boden, wo es weh tut, da erschließt sie sich und blüht auf, füllt einen aus und wächst um einen herum, funkelt wütend, verletzt, abgrundtief. Da ist Kates Stimme so wie Marilyns Gesicht, heilig, Heimat. Die Prince-Kollaboration und das alberne Fruchtlied mal ignorierend – man ersetze den Prince-Track einfach mit dem hinreißenden ursprünglichen Demo und skippe den Obstsong – was Kate auf diesem Album thematisiert ist die gesamte Bandbreite der Komplexität von Liebe. Und das aus einer reifen, klaren, erwachsenen Sicht. Das ist nicht nur ein Album, das ist die Seele der Musik. Ja, Ihr dummen Kritiker, die Ihr sie damals verrissen habt – vielleicht habt Ihr ja mittlerweile auch einmal am Herz gelitten und ärgert Euch für Eure damalige Unwissenheit und mangelnde Reife. Vielleicht auch nicht, you sad old assholes, dann wisst Ihr nich, was Euch entgeht.

MICHAEL TO MY RIGHT

Interkulturelle Kommunikation. Nicht immer leicht. Klischees und Vorurteile – nicht immer falsch. Die Latinofalle: immer wieder.

Wir scheinen das zu brauchen. Ich mache Vorwürfe, er argumentiert sie weg. In seiner Logik ist aber auch wirklich alles logisch. Was geschah, in den Stunden zwischen „wir müssen dringend reden“ und seiner für mich tatsächlich überraschenden-und-dann-doch-wieder-nicht-Ankunft – Zeit eben. Was ist schon Zeit? Zwei Folgen „Bothers & Sisters“. Und während er erklärt und ich immer noch am vorwerfen bin, zieht er sein Shirt aus und ich klopfe mit der Hand auf den freien Platz neben mir und wir reden weiter, die Beine ineinandergegrätscht und den ganzen Abend lassen wir uns nicht los. Nicht einmal anstandshalber, als der Mitbewohner nach Hause kommt und sich mit einem Bündel ineinander vergrätschter Körper konfrontiert sieht.

Es ist mir noch niemand begegnet, mit dem ich mich körperlich wohler fühle. Und weil eh alles egal ist, weil eh nichts draus werden kann, weil ich eh schon die Drama Queen war, die ihn aufgegeben hat und jetzt liegen wir doch wieder hier, kann ich das aussprechen. Absolutely nothing to lose. Absolutely everything to lose. Telenovela! „You are the one person I am feeling totally at ease with, physically.“ Das ist ganz schön viel. Und ansonsten höre ich ihm zu und every now and then wird geküsst, Hände wandern, streichen, streicheln, sein Haar duftet. Das ist ganz schön viel und ganz viel schön.

„The Song of Solomon
The Song of everyone
who walks the path
of the solitary heart
The Soul cries out
Hear a Woman singing

Don´t want your bullshit
Just want your sexuality
Don´t want excuses
Write me your poetry in motion
Write it just for me
And sign it with a kiss.“

Song of Solomon, Kate Bush.

CRAZY FOR CARACAS

Mit Herrn Ereignishorizont im Schatten eines Baumes gesessen und die gestrige Telenovela noch einmal Revue passieren lassen. Der Herr Horizont kann bereits auf 2, bzw. anderthalb Venezolaner* zurück blicken und versteht alles.
„Wenn er sagt, er kommt um 5, dann stell dich auf 8 ein. Er muss vorher noch dringliche Dinge erledigen, die völlig ungeplant dazwischen kamen. Auf dem Weg zu Dir wird er dann auch noch in unvorhergesehene Ereignisse und komplexe Machenschaften verwickelt, die Du Dir kaum ausmalen kannst, aber so ist es. Du musst es akzeptieren.“
„Das stimmt. Gestern wurde ihm dann auch noch das Fahrrad geklaut. Aber wenn er da ist, dann sowas von.“
„Schon sehr seltsam diese Häufung. Venezolaner. Ein Trend?“
„Wenn die alle so geil sind wie unsere zweieinhalb, was machen wir eigentlich noch hier in Berlin?“

*Das musste ich auch erst per Wikipedia prüfen, aber so heißense wirklich. Venezolaner. Und anderthalb, weil der eine nur Halbvenezolaner war.

AND STAY AWAY. JUST FORGET IT, ALL RIGHT?!

Neben einem halbleeren Weinglas aufgewacht, nackt im Fell, Regen. Kopf schmerzt, Augen fett und leergeheult, Körper zittrig. Erinnerung an ähnliche Situationen – ja, aber da war ich ja auch noch jung und unvorbereitet. Die Erkenntnis, dass das nie aufhören wird. Nur, dass der Schmerz schneller vorübergeht, weil man einfach weniger Zeit hat für solchen Scheiß. Keine Scherben. Das mit dem Besteck muss ich mir merken, es ist immer wieder schade um´s Geschirr.

Kein Bedauern über die gefallenen Worte, die ernst gemeint waren und immer noch Bestand haben. Alle Netz-Verbindungen gelöscht, aber nicht die beiden Fotos auf dem Handy, das geht irgendwie nicht. Nicht „noch nicht“. Die werden bleiben, man sammelt ja, als Chronist.

Gestern nacht. Am anderen Ende der Welt, wo schon ein neuer Tag begonnen hat, dreht jemand zeitgleich die Musik auf und tanzt durch sein Haus. Er aus reiner Lebenslust, ich, hinter frisch gewaschenen Gardinen, aus purem Wahn. Er tanzt, ich werfe mich gegen die Wände. Er weiß es nicht, dass er an diesem ganzen Drama auch Anteil hat, aber eines Tages wird er es erfahren. Eine Textnachricht bringt mich erneut zum Heulen, aber gut.

Und jetzt ist der Tag danach und im Hof bellt der dumme Hund. „Aus“ und „Nein“ sagt der dumme dumme-Hund-Besitzer und das sind die ersten Worte, die ich heute höre. Ich bin froh über die nicht ganz so dunkle alte Versace-Sonnenbrille. Ich könnte in den Zoo gehen oder irgendeine Kirche. Irgendwo sein, wo mich niemand wahrnimmt. Das ist das Beste für heute. I got petrol in the car. I got some money with me.

UND GLEICH KOMMT ER

und bringt eine Erklärung. God, I´m so easy. (But thank you anyway.)

Zwei Stunden später – keine Erklärung, kein Mann. Die letzte SMS beschuldigte die Berliner U-Bahn, aber in 20 Minuten sei er da, mit dem Fahrrad. Das war vor einer Stunde. Hat irgendjemand mitbekommen, dass ein attraktiver Venezuelaner überfahren wurde? Arghh.

Drei Stunden später ist er da. Wer braucht noch ne Erklärung? Schnapp.