Archiv der Kategorie: Glam gruebelt

GLAMS ERSTE WAR CHER

Der Abschied vom Vinyl war hart. Sich auf diese kleine Plastikkiste namens Jewel Box einstimmen – pchuch. Den Klangverlust habe ich damals gar nicht richtig wahrgenommen, erst als ich vor ein paar Jahren das Percussion-Intro zu „True Colors“ von Cyndi Lauper noch einmal auf Vinyl hörte und mir die Drums durch den Leib pochten. Fangen wir nicht an von MP3, 4 oder whatever zu reden. Jedenfalls, und deshalb kam ich drauf, hatte ich heute (sehr) früh ein seltsames Gelüst*. Ich wollte Cher** hören***. Und als ich die CD (!) aus dem CD-Regal (!) nahm, da fiel mir ein, dass Chers „Love hurts“ meine erste CD war. Und damit Sie mich nicht als völlig dement verabschieden – meine letzte Vinyl war „Idlewild“ von Everything but the Girl.

Und bei Ihnen? Gibt es eigentlich noch Stöckchen? Fühle sich beworfen wer will.

*(Schwanger?)
** Schauen/ hören Sie sich mal „If I could turn back time“ an und bezeugen Sie ein Lied, in dem der Text nicht zur Musik passt, das Video nicht zum Lied und die Sängerin nicht auf das Boot. Pack ein, Gaga. Pack Dich in Deine Fleischtasche. Und winsele.

***Sorry, Roomie.

A FATAL INVERSION

Wenn man gerade die erste Staffel „Breaking Bad“ innerhalb von zwei Tagen angeschaut hat – einen wahren Rollercoaster-knapp-7-Stunden-Film, der so voller Spannung und Überraschungen ist, dass man Nachtschichten einlegt, dann ist die BBC-Produktion von „A Fatal Inversion“ vielleicht nicht die beste Wahl als Anschluss-Unterhaltung. Der Dreiteiler aus dem Jahr 1992 erzählt die Geschichte zweier ehemals besten Freunde, die nach zehn Jahren mit einem tragischen Vorfall aus ihrer Vergangenheit konfrontiert werden – auf dem ehemaligen Gelände des ererbten Hauses eines der Männer werden die skelettierten Leichen einer Frau und eines Säuglings entdeckt.

Barbara Vine (bzw. Ruth Rendells) Roman wickelte mich seinerzeit um den Finger. Ihre kühle Betrachtung eines klassischen und doch neuen Schuld-und-Sühne-Falles, dunkelstes Grau, feinsinnig, jede Aktion nachvollziehbar, jede Figur stimmig, also geradezu Dänisch. Und dann der Vine-Effekt: eine Auflösung, mit der man nie gerechnet hätte, die einen zum Ende der Erzählung noch einmal so richtig in die Kniekehle kickt.

Vielleicht hätten 90 oder 120 Minuten gereicht. Vielleicht hätte ein besserer Regisseur stimmigere Bilder gefunden. Zugegeben – die Sexiness eines summer-of-love der anderen Art wurde atmosphärisch eingefangen, aber wieviel besser wäre das dem Regisseur von Florences ursprünglichem „Dog Days are over“-Video gelungen…

Vielleicht könnte der sich ja Vines „Brimstone Wedding“ vornehmen?

Und vielleicht könnte ja Barbara auch mal wieder ein vernünftigen Roman verfassen? Die letzten sind nicht der Rede wert. Aber da bleiben diese hinreißenden Bücher, die immer wieder lesenswert sind: die erwähnte „Brimstone Wedding“, mein favourite – „No night is too long“ und der crowd pleaser „Asta´s Book“, den man auch getrost der Mutter schenken kann – eine Art Feelgood-Thriller, wenn es so etwas gibt. Lest, Leser!

EMPATHIE MIT GLAM

Aus dem Nebenzimmer erklingen Schraub-, Hau- und Stoßgeräusche, das Blechscheppern der Aluminiumleiter, immer wieder unterbrochen von kleinen ungeduldigen Einsilb-Äußerungen.
„Ja ja ja.“
Oder auch
„Mrrrrrrhhhh.“
Das kenn ich schon von gestern, als er anfing mit seiner Reparatur und nach anderthalb Stunden des Werkelns ergebnislos zog.

Gerade telefoniert sich der Handwerker, der um 20.20 Uhr erschien, meine Terrassentür zu reparieren, in seine 15. Gesprächsminute. Und ich denke mir – ist ja nicht nur mein zweiter Feierabend in Folge, den er gerade ruiniert.

SUFFERING FOOLS GLAMLY

Stellen Sie sich mich in etwas kleiner und gelb vor, mit einem Stück Kreide in der vierfingrigen Hand an eine Schultafel schreibend:

„Das Aufstehen und Rausgehen ist kein probates Mittel eine Diskussion zu beenden. Das Aufstehen und Rausgehen ist kein probates Mittel eine Diskussion zu beenden. Das Aufstehen und Rausgehen ist kein probates Mittel eine Diskussion zu beenden. Das Aufstehen und Rausgehen ist kein probates Mittel eine Diskussion zu beenden. Das Aufstehen und Rausgehen ist kein probates Mittel eine Diskussion zu beenden.“

Und doch. Es gibt Gespräche, die es einfach nicht wert sind, beendet zu werden, insbesondere wenn man sie mit einem Mädchen führt, das gerade eine halbe Falsche Wodka mit Chili-Honig-Flavour getrunken hat. Die wiederholten Begegnungen mit Twentysomethings sind insofern spannend, als dass ich lerne, wie festgefahren und eingesperrt im eigenen frame of mind einige von ihnen sein können. Es scheint die Endmoräne der Pubertät zu sein, in der man sich sein eigenes Selbstbild zimmert und so feste zuzurrt, dass es Bestand hat gegen die böse Welt. Vielleicht ist die Welt noch böser geworden, vielleicht ist dieser Schutz notwendig, aber nichtsdestotrotz, ich räume mir das Recht ein, eine nutzlose Diskussion mit Aufstehen und Rausgehen zu beenden – eine besonders schlichte, aber effektive Deeskalationsmaßnahme. Das Leben ist kurz. Es gibt wichtigere Gesprächspartner.

(Und wenige Stunden später sucht mich im Traum M.M. aus M. heim, bei dem ich diese Methode trainiert habe, was dazu führte, dass wir heute beide noch am Leben sind.)

STATION TO STATION or TRANSITION, TRANSMISSION

Photographer-Frankie drängelt schon seit längerem. Das Cover-Foto. Es soll das exakte Replika eines mysteriösen Clarence Sinclair-Bull-Porträts werden. Wir wissen natürlich nicht ob der Verlag es nimmt, aber sie wären verrückt, wenn nicht, denn dieses Foto ist der Ausgangs-, Dreh- und Angelpunkt des Romans. (Nachstellen wollen wir´s, damit der Verlag nicht für viel Geld die Rechte bei den Sinclair-Bull-Erben einholen muss. Und nachstellen mit mir, weil es Sinn macht.) Der Zeitpunkt des Shooting muss präzise abgestimmt auf die nächste Blondierung des Haaransatzes folgen und auf ein Wochenende fallen, weil ich glattrasiert sein muss und bis spätestens am Montag wieder einen Drei-Tage-Bart brauche. Idealerweise sollte ich auch erholt und gesund sein, damit man nachher nicht soviel photoshoppen muss wie bei Madonna.

Darüber hinaus wollen sie ein Autorenfoto. Und zwar innerhalb der nächsten zwei Monate. Da das Buch erst im Herbst 2011 erscheint, muss ich mir jetzt überlegen, wie ich in genau einem Jahr aussehen will. Ob ich da was ganz seriöses möchte oder Glam. Da die Glam-Persona gerade in Umgestaltung begriffen ist – der Bart ist fast ab, die Haare werden folgen, werde ich auch nächstes Jahr noch mit schwarzem Lidschatten durch die Nächte huschen wollen? – bin ich ratlos. Aber ich glaube, wenn ich als Lichtdouble-Enigma auf dem Cover bin, dann kann ich mit Schnautzbart und Bowie-Frisur (nicht Ziggy, eher Thin White Duke) auf den Buchdeckel. Das geht mit und ohne schwarzgemalte Augen.

Und gestern haben wir dann beschlossen, die ganze Transformation fotografisch zu dokumentieren. Von Glam über Lichtdouble-Enigma bis V.K.L. Dann kann ich mir das aussuchen, was mir am besten gefällt. Zeit genug ist ja.

GLAM TRIFFT WOLF UND GITTES NACHBARIN

„Ach – Sie wohnen in der Baerwaldstraße! Wussten Sie, dass es seit kurzem ein Lied gibt, in dem die Baerwaldstraße vorkommt?“
„Nein, ein Lied?“
„Ja. Wir sind Helden. Die Ballade von Wolfgang und Brigitte.“
„Die Helden! Die wohnen ja hier auch in der Gegend.“
„Ich dachte die wohnen im XYZ-Kiez, da sind die mir schon paar Mal über den Weg gelaufen.“
„Nee. Die Wohnen jetzt am ABC-Ufer.“
„Wahrscheinlich wegen der Kinder.“
„Ja. Bestimmt.“
„Aber ist schön die Platte. Müssen Sie sich mal besorgen.“
„Das werd ich machen.“

2ND CHANCES

Gegen die Langeweile „Black House“ eingesetzt, der Roman mit dem vielleicht schrecklichsten ersten Kapitel, evah. Aber dann irgendwann wird´s. Überlegt, was man Sinnvolles tun kann, wo man sich nicht anstrengen muss. Beckenbodentraining beispielsweise. Verworfen. Stattdessen Datensicherung des Computers – der letzte Backup, stelle ich fest, war 2007. Ooops. Das gleiche für den Blog gemacht, exportiert und ein 2000-Seiten Word-Dokument gespeichert.

Viele Gedanken zum Thema Krankheit und Ansteckung gemacht. Von kleinen Malaisen wie meiner Erkältung bis zu Epidemien. Vermutete 10% der europäischen Bevölkerung werden mit einem Gen-Defekt geboren, der zur Folge hat, dass die Andockstation für bestimmte Viren unterhalb der Zellwand verbleibt, so dass die Viren verwirrt drum herum kreisen, aber nicht ankoppeln können und sich die Träger nicht mit HI- oder beispielsweise Pestviren infizieren können. Warum man das nicht eintüten kann als Medikament?

Und am Abend noch einmal „All about Steve“ angeschaut, aus der gleichen Motivation wie „Black House“. Kann der wirklich sooo schlecht sein? Antwort: Nein. Sandra macht das schon alles sehr gut.

Und nun noch ein Styling-Tip von Profis für Profis:

– Smoky eyes mit Glitzergel-Lidschatten lenken auch von der rötesten Schnupfnase ab.
– Der Wagenradhut ist zurück. Tragen Sie ihn immer dann, wenn die Sonne am Höchsten steht. Ach was. Tragen Sie ihn immer.

FIRE IN THE PRIORY

Das ist ein bisschen, wie wenn ein bester Freund kommt und Dich charmant anlächelt und sagt
„Ich habe gerade mein Haus in Brand gesteckt.“
Und eine Reaktion erwartet wie
„Ach super – hat sicher hell gebrannt? War´s denn auch schön heiß?“

Es tut mir Leid, dass ich Dich als dummes Arschloch bezeichnet habe, aber Du hast eine so schöne Wohnung und es wäre keine Freude, die abbrennen zu sehen.

PHONE HOME

„Hi. Ich suche Glam.“
Strahle freundlich. „Das bin ich.“
„Ich wollte mein Handy abholen.“
„Hier. Ist aber platt.“
„Äh, Danke.“

Und geht.

„Der hat aber auch noch nichts von Finderlohn gehört“, befindet Herr Strike und auch das Skailight meint
„Dem hast Du doch jetzt drei Tage hinterher telefoniert. Also weeßte…“

Eine halbe Stunde später Lunch mit dem Skailight, nur wenige hundert Meter entfernt. Die freundliche Bedienung bringt uns unser Essen und die Getränke.

„Die Getränke sind auf´s Haus.“
Skailight und ich schauen erfreut/irritiert/fragend.
„Na, Ihr seid doch die Typen, die das Telefon gefunden haben, oder?“

(Yeah, well – eigentlich war´s doch mein Roomie.)