Archiv der Kategorie: Glam gruebelt

GLAM´S ANATOMY

„Wir garantieren Ihnen, dass Sie, wenn Sie einen Termin haben, in unserer Praxis nie länger als zwanzig Minuten warten müssen.“

Pünktlich, wie garantiert, kommt die zierliche Frau um 11.19 Uhr auf mich zu: „Herr Dick?“

7 Minuten später, ich musste nicht weit ausholen, niemanden überzeugen, verlasse ich das Behandlungszimmer mit einer Überweisung zur Psychotherapeutin und einer Empfehlung für ein pflanzliches angsthemmendes Medikament, das ich zur Überbrückung mal austesten soll.

Ich erinnere mich an frühere Ärztebesuche, walks of shame, an Wartezimmer, wo die doppelt und dreifach auf einen Termin gelegten Patienten am Fußboden saßen, selbst gegenüber den Behandlungsräumen (was die Arzthelferinnen nicht davon abhielt, ein- und auszugehen und den Blick auf eine intime Operation preiszugeben – full disclosure!), wo die Luft zum Schneiden dick war, der Geruch verbrannten Fleisches durch die Gänge zog und die Tresenschlampe nicht einmal den Blick hob, wenn sie die Versichertenkarte entgegennahm. Praxis Bülowbogen – the Dark Side.

Die arbeitstauglichkeitsprüfende Diplom-Psychologin, die mir nach einem 15-Minütigen Gespräch narzisstische Schizoidie diagnostizierte, d.h. nicht mir, sondern meiner Krankenkasse, was mich aber nicht arbeitsunfähig genug machte.

Oder, hinter mir eine Riesenschlange in der Anmeldung der Superduper-Öko-Hausarztpraxis.
„Wofür brauchst Du denn die Überweisung zum Arzt für Haut und Geschlechtskrankheiten, Glam?“

Und dort: „Ja, das ist ja schön, dass Sie hier sind, aber das ist doch eher etwas für einen Urologen oder Proktologen.“
„Und warm steht bei Ihnen an der Tür „Arzt für Haut und Geschlechtskrankheiten, Dr. Z.?“

Auch wenn es einen anderen Eindruck macht – ich gehe sehr selten zum Arzt. (Vermutlich, weil mir als Selbständigem eine Krankschreibung nichts nützt.) Aber was ich in Berliner Praxen an Patientenfeindlichkeit erlebt – und einfach so hingenommen habe, das wird mir erst jetzt klar, wo ich sehe, wie es auch gehen kann.

Eine Grundnervosität habe ich auch vorhin gespürt, aber das allgemeine Ambiente, die Weitläufigkeit des Wartezimmers, die heiteren Damen am Empfang, das war alles sehr zu meiner Beruhigung beitragend. Geht doch. Zurück in der Wohnung Heidi auf´s Band gesprochen. Next stop – pharmacy.

DISZIPLINÄRE MASSNAHME

Ich weiß noch nicht, ob dieses neue Projekt mir Spaß macht, aber letztlich geht es nicht um Spaß sondern um Kontrolle, Gesundheit und Selbstkontrolle. Drei Wochen Alkohol runter reduzieren, ein Selbstversuch. Montag Dienstag Mittwoch verboten – Donnerstag bis Sonntag erlaubt. Ein Glas Wein, besser mehrere, gehören bei mir zum Übergang von der Tages- in die Nachtwelt. Er hilft beim Umschalten und Abschalten. Wie sehr, das merkte ich gestern Abend, an meinem ersten alkoholfreien Abend seit vielen Tausend Jahren. Alkoholfreies Bier statt eines lecker afrikanischen Pinotage, das fällt nicht leicht. Nach Kochen und Essen und Quatschen mit Roomie bin ich immer noch viel zu agitiert, um mir einen Film anzuschauen. Tue es trotzdem, bald ist es halb 1 und ich bin immer noch wach, sehr beschäftigt im Kopf, mit was mich auch am Tag beschäftigt, was ich jetzt eigentlich nicht mehr möchte, irgendwann muss doch auch mal Ruhe sein. Gegen halb 2 lege ich mich hin und dämmere mehrere Stunden. Es ist so ca 5 als ich richtig einschlafe. Als ich um halb 9 aufstehe fühle ich mich gerädert. Na toll. Die nächsten Wochen werde ich nun versuchen, Disziplin und Genuss unter einen Hut zu bringen. Vielleicht bewährt sich ja die Methode, aber ich räume mir ein, nach drei Wochen wieder zum Alltag von vorgestern zurück zu kehren, wenn ich das mit dem Schlafen nicht anders hinkriege.

GINGER & GLAM

Als ich beim Arzt den Behandlungsraum verlasse, sagt der Arzthelfer, der aussieht wie aus dem Butt-Kalender*, etwas und ich hab´s nicht richtig verstanden und geh nochmal rein –
„Tschuldigung, sagten Sie was?“
„Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag.“ Und klingt, als ob er´s meint und schenkt mir ein Lächeln, das mich aus der Praxis heraus und in den Tag trägt. Ich denke, der nächste Besuch in der Praxis wird weniger angstbesetzt sein.

*Schön, aber nicht auf eine platte, vordergründige Art. Ein stolzer Ginger-Man mit Drei-Tage-Bart.

ATONEMENT

170 Seiten Exposition. Dann passiert etwas. Dann wandert man mit einem britischen Soldaten durch den Krieg. Dann wird´s wieder interessant, insbesondere die Szene mit dem französischen Soldaten im Krankenhaus. Drei unterstreichungswürdige Sätze (das ist viel.) Ein Epilog, der alles wieder gut macht.

„His most sensual memories – their few minutes in the library, the kiss in Whitehall – where bleached colourless through overuse.“

„Beyond a certain age, a journey across the city becomes uncomfortably reflective.“

„I still feel myself to be the exactly same person I´ve always been. Hard to explain that to the young. We may look truly reptilian, but we´re not a seperate tribe.“

Dann zeigt Roomie mir die filmische Adaption des Epilogs und Vanessa Redgrave spielt das auf ihre Vannessa-Redgrave-Art, so dass ich denke, Nee – Dir würd ich nie vergeben. Dich könnte man gar nicht genug bestrafen. Und das alles, ohne Keira Kneightly schtrong leiden gesehen zu haben. (Und im Buch hatte man´s, wie Briony, verstanden, begriffen, diesen bösen Fehler, den man macht, weil man nicht begreift, begreifen kommt erst später, meist zu spät.)

MARYLIN-SCHREIBER SCHLICHT IGNORIEREN

In den Kommentaren des Spiegel Online-Artikels zum Marilyn-Buch wird sich heftig ausgetobt, was denn Marilyn auf dem Cover verloren habe, wo es doch soviel Armut in Deutschland gebe usw. Was eigentlich nur über die Finanzkraft und Frustration von Spiegel Online Kommentatoren aussagt. Noch bevor ich einen Artikel in der FAZ hatte, habe ich das Lesen von Kommentaren in Online-Medien (Blogs nicht mitgezählt) dezimiert, daraufhin zeitweise eingestellt. Ich will nicht wissen, was irgendein verklemmter anonymer Frusti zu irgendeinem Thema auszukotzen hat. Ich geh ja auch nicht am Alex auf irgendeine Anorakträgerin zu und sag „Wo warst Du, als Diana starb?“ Außerdem habe ich keinen Respekt vor Wesen, die Marilyn „Marylin“ schreiben und der Auffassung sind, dass Kultur und Zeitgeschehen unwichtiger sind als Politik.

Blogs sind was entschieden anderes, weil die Zeit der Anonymität längst vorbei ist. Drei Klicks und Du weißt, wer ich bin und weißt Du was? Das macht nichts. Das ist okay. Das bin ich und das mein ich genau so wie ich´s schreibe.

Und was das Buch angeht: Es ist wunderschön gestaltet. Schlicht, ohne Schnörkel, es beinhaltet Faksimiles und auch den amerikanischen Originaltext, einzig die Fotoauswahl ist ein bisschen platt, weil man mir nicht suggerieren muss, dass Marilyn viel gelesen hat, das wusste ich bereits, ich habe ihre Bücher bei Christie´s gesehen.

Ich freu mich auf´s Wochenende. Marilyns to-do-Listen sind bewegender als irgendwelche Kommentare von Wichsern, die keine Ahnung von ihrer Bedeutung haben. Wer ungerührt an überirdischer Schönheit und Tragik vorbei gehen kann ist eigentlich zu bemitleiden, aber dafür sollen sich andere Leute Zeit nehmen. Ich verbleibe mit einem herzlichen Fuck you.

SMOULDERING AGEISM

„It´s funny – today at work, the recently hired guys were eingearbeitet, and some colleagues came up and were like – oh, isn´t it crazy? – they´re like 23!“
Roomie (23): „Do you ever think about the age difference, because I don´t. I don´t see you as someone that much older than me.“
„Weil ich irgendeine Erwachsenen-Entwicklung verpasst habe, aber wenn ich mich so bei Erwachsenen umschaue – wer will das? Diese Verspießerung, und wie sie fett werden, sobald sie einen Kerl haben.“
„You just seem to need more sleep than I do.“
„I might go to sleep earlier, but I also get up earlier. But the age-thing really seems to be an issue these days. A friend wrote in her blog that she feels alienated around 20somethings and I said that – and don´t take offense here – that I consider myself a fine wine aged in barrique, but that being around a white wine spritzer doesn´t mess me up. Oh wait – the Kartoffelpuffer is smouldering!“
„How do you know words like „smouldering“? What´s it in German?“
„Smouldering in german? No idea. It´s just smouldering, there´s no german way for a Kartoffelpuffer to smoulder.“

UND SONST SO

Wollte doch nicht darauf warten, dass die Kriminalpolizei mir meinen Ipod zurückbringt und habe schwer resigniert einen neuen geordert. Was mich ein bisschen vom Ausrasten abhält ist die Tatsache, dass der alte fast voll war und schon fast drei Jahre alt. Ich hoffe Turkfuck hat ihn mit einem Iphone verwechselt und sucht immer noch das Wählfeld. Im Rahmen des Platzschaffens für Musik hatte ich auch alle Schwanzbilder entfernt.

Interessant aber die Prioritäten mal wieder – seit Wochen ist das Türschloss an meinem Wagen defekt – ich muss vom Beifahrersitz einsteigen, aber was für eine petite malaisse im Vergleich zum Verzicht auf Musik.

Nach „Breaking Bad“, Staffel 2, ist es schwer, eine würdige Nachfolgeserie zu finden. Ich kann mich nicht erinnern, wann mir bei einem TV-Drama so häufig und tief die Kinnlade runtergefallen ist. Kaufen Sie sich das, dann werden Sie verstehen was ich meine. Schon der Beginn der ersten Folge der ersten Staffel ist historisch und Staffel 2 toppt das alles nochmal. Gestern mit „Point Pleasant“ weitergemacht, weil ich nicht den direkten Vergleich zu „Dexter“ wollte. Teenie-Soft-Horror mit Models ohne Schauspielausbildung, die man alle schon in irgendwelchen anderen Serien in Nebenrollen gesehen hat. Aber Melroses Jake ist dabei, und dem macht es Spaß zuzuschauen. Und dann ist da noch so ne blonde Mieze, die mir in „Harper´s Island“ schon gefallen hat.

Die „Britney“-Episode in „Glee“ letzte Woche sehr enttäuschend, so sehr ich Heather Morris auch mag. Ich kann halt Britney-Musik nicht aushalten. Mal sehen, ob sie die Kurve kriegen. Rachel geht wirklich gen Schmerzgrenze und ich will mehr Kurt. Wo ist sein Vater eigentlich in dieser Staffel? Sie laufen Gefahr zugunsten Glamour das Drama zu vernachlässigen, die wirklich süßen, bewegenden Momente. Und, apropos Ryan Murphy – is there anybody out there dem „Eat, Pray, Love“ actually gefallen hat?

Der Spiegel-Titel bringt was – das Marilyn-Buch geht zügig die Charts hoch. Heute morgen Platz 123, mittlerweile Platz 87. Go, Girl! Die Welt kann also doch nicht sooooo schlecht sein. Ziemlich schlecht vielleicht, aber nicht sooooooo.

Edit: Platz 73.
Edit: 60.
Edit: 57

GLAM GIVES A DAMN

Denn. Been there. Done that. But survived. And glad I did. Aber den Horror von 12 bis 14, (kurze Selbstmordsunterbrechung) dann weiter bis 18, den kann ich bis heute schwer vermitteln.

FUCKING GLAM oder THE TURKISH SPRING OF MISTER DICK

Das Kopfkissen hat neue schwarz Flecken, die glitzern. Das Beistelltischchen neben dem Bett ist umgefallen. Rechts neben dem Bett ein gebrauchtes Kondom, links auch.

Die Küche sieht aus, wie nach einer Studenten-WG-Party, die in Streit endete, so dass niemand zum Aufräumen abkommandiert werden konnte.

Was zuvor geschah:

Im Ronsons fehlen mir die altmodischen ausgedruckten schmuddlig-fleddrigen Listen. Ich will vor meinen Augen 20.000 Lieder sehen und so meine Auswahl treffen. Nicht per Navi. Aber. „Das sind meine Gäste“ hat der Chef gesagt und so ersparte man uns den Eintritt. Das Ronson ist liebenswert, aber auch edgy. In allen drei Locations, von der Kopernikus übder die Lübbener bis zur Warschauer, sind mir schon seltsame Dinge widerfahren. Nach dem schlafarmen Vortag vertraue ich einem Impuls und gehe frühzeitig. Eigentlich nach Hause, aber im Taxi entscheide ich mich um. Wenn ich eh schon geschminkt und draußen bin… So fahre ich dann in einen Laden, wo schon wieder das Becks Gold aus ist – eine Flasche erwische ich gerade noch und später schaue ich neidisch auf die meines Nebenmannes an der Bar, den ich in ein Gespräch verwickle, weil man das hier so tut. Irgendwann ist es ein anderer, nennen wir ihn Pjotr. Er hatte vor ein paar Jahren mal was mit einem Freund von mir und ich hatte mich immer gefragt warum, er ist anstrengend (wehe es schnaubt jetzt jemand) und sooo attraktiv nun auch nicht, aber irgendwann bin ich in seinem Romeo-Profil gelandet und er hat einen wirklich bemerkenswert schönen Schwanz – lang, dick, dem Körper gegenüber überproportioniert, was man halt pornös so geil findet. Aber auch an diesem Abend ist der Typ, der an dem Schwanz dranhängt, einfach nur anstrengend, da wird nix draus, es wird langweilig, Gott sei Dank schafft jemand chemikalisch Abhilfe, Danke, mmmmh. Yes! Roomie müsste jetzt hier sein, denke ich mir, und er steht wenig später neben mir, wir unterhalten uns mit der lesbisch veranlagten Frau rechts von mir, bekommen Biere vor uns hingestellt und irgendwann, nach Abklingen der zweiten chemikalischen Nachhilfe, holt mich die schlaflose Nacht vom Vortag ein und ich verschwinde, mit einem halbvollen Bier in der Hand. So ein klitzeklein bisschen torkelnd, was soll´s es ist halb 5, mach ich mich auf den Heimweg. Zwei Hausnummern vor meiner überhole ich einen Türken, nicht wirklich attraktiv, aber auch nicht hässlich. Er schaut mir in die geschminkten Augen. „Ich will Dich“, sagt er, und ich denke, besser Sex als kein Sex, und so greif ich nach ihm, wir küssen uns auf der Straße, am Tor, dann nehm ich ihn mit in den Hinterhof. Mir fällt noch ein, dass meine Nachbarn eine Party hatten oder vielleicht noch haben, aber egal, nach einigem Geküsse hole ich seinen Schwanz raus und blase ihn. Und werde langsam aber sehr geil.
Eigentlich hatte ich mich auf das typische Kreuz-Türk-Programm eingestellt – man schaut den Schwanz des anderen zwei Sekunden streng an, dann kommt er. Der, den ich im Mund habe, hat aber noch nicht genug, also nehm ich ihn mit nach oben.
„Ich schlafe heute hier“, sagt er zu mir. Und ich sage „Nein, das wirst Du nicht.“
„Kondom?“ fragt er als nächstes und so beginnen ein paar Runden Rumficken, gar nicht schlecht, ich rechne jede Minute mit seinem Kommen, aber es bleibt aus. Während er mich fickt, positioniere ich ihn so, dass ich eigentlich prostatisch kommen müsste, komme aber nicht, dann hole ich mir einen runter, während er weiterfickt, und irgendwann, ich muss ja auch mal schlafen, komme ich und er fickt weiter und weiter und findet kein Ende, und noch einmal face to face und noch einmal doggy und dann zieh ich ihn raus und fange an, die Verwüstung des Zimmers in den Griff zu kriegen, die Sachen aufzuheben, die beim Sex irgendwie vom Nachttisch gefegt wurden, und er schaut mir zu und holt sich einen runter und kommt in drei enttäuschenden Klecksen.
Ich verabschiede ihn, zieh meine Schlafhose an und 5 Minute später ist Roomie auch zu Hause, und glücklicherweise ist er dem Ficker nicht im Treppenhaus begegnet, er war echt nicht so wahnsinnig attraktiv.

„Wenn Du kommst – kommst Du dann eher so tröpfelnd oder mehr so wie ein Springbrunnen?“
„Springbrunnen. So pchiuuuuu!“
„Ich auch. Es ist ein Drama mit den Kopfkissen. Aber so viel schöner, als wenn das alles nur so rauströpfelt. Was anderes. Haben wir noch Zigaretten?“

WHAT WOULD GRETA DO? oder SCHREIEN UM 5

Zu früh um wach zu sein, zu spät um auszugehen. Zu erschöpft vom Aggro-Austicker, zu essentiell die Fragen für diese Uhrzeit. Manche Menschen ticken aus, wenn sie hungrig sind und nichts zu essen bekommen. Ich, wenn man mich vor meiner Zeit weckt. Zur Übermüdung kommt jetzt noch das Adrenalin und die wehleidige Stimmung, die ich in diesen Morgenstunden grundsätzlich habe. Drei Tage in Folge früher Morgen. I´m over the edge. Jetzt kann´s ruhig auch noch hell werden.

I so fucking hate this hour of day. It makes me feel like running away, not knowing where.

What would Greta Garbo do? Habe ich mich noch nie gefragt, aber ich mache, was sie tun würde. Wenn man schon wach ist – duschen, schminken. Spazierengehen, bis der Supermarkt aufmacht. Anders als Greta bekomme ich im Supermarkt eine Panikattacke. Mittendrin versuche ich, sie zu bewerten. Okay, es ist eine 30 von 100. Zur Erschöpfung durch Schlafmangel kommt dann die Erschöpfung, die auf eine Panikattacke folgt. Darin treffe ich diese kleine Frau mit dem weißen Hund, mit der ich zu Pflegehundzeiten oft durch den Görli spaziert bin. Sie sieht auch ziemlich abgewrackt aus, wir reden ein bisschen. Ich merke, dass ich nicht heimgehen kann und will, setze mich stattdessen auf eine Bank ohne Rückenlehne aber mit Blick auf den Kanal, drei Schwäne fliegen Richtung Morgensonne, wie unförmig die aussehen, beim Fliegen. Deshalb verbringen sie wohl auch die meiste Zeit auf dem Wasser, statt in der Luft. Wenn ich jetzt den Ipod dabei hätte, mit Helden, würde ich heulen. So schniefe ich nur und möchte aber keinen Jogger um ein Taschentuch bitten. Ich sitze neben mir und betrachte eine Schauspielstunde in Drama-Glam. Schau, wie er zitternd eine Zigarette ansteckt, wie die Mundwinkel hängen, die Sorgenfalte zwischen den Brauen. Er sitzt da wie jemand, den man sonst irgendwo sitzen sieht, und man schaut und schaut peinlich berührt weg und geht schnell weiter, aber dieses Mal ist er es selbst. Er Du Ich.

Greta hätte das alles mit sich allein ausgetragen. Glam nicht. Anders als Greta hat er ein Mobiltelefon. Und weil es von Greta namentlich nicht weit ist, ruft er seine Mutter an. Berichtet von den verstärkt aufkommenden Panikattacken, der Schreierei morgens um 5, der Unruhe, dem Mangel an Schlaf Schlaf Schlaf Schlaf Schlaf und Urlaub, dem generell verschissenen urbanen Leben. Danach muss Bomec sich den selben Scheiß anhören, ein paarhundert Meter Luftlinie entfernt, dann erst wische ich mir den Rotz von der Nase, drücke das Wasser, das vor den Augen steht in sie hinein zurück, stehe auf und schleppe meine Einkäufe nach Haus. Auf der Treppe merke ich, wie sehr mich das alles geschwächt hat. Ich bin seit 5.00 Uhr auf den Beinen, aber es fühlt sich nicht an wie 5 Stunden, sondern wie 5000.

Ich sehe noch den Moment vor mir, als ich eigentlich deeskalieren möchte und wo dann ein Satz fällt, der mich drei Schritte zurück machen lässt, als ob man etwas Schweres nach mir geworfen oder mich geschlagen hätte. It ain´t fucking easy. It fucking ain´t.