Schöneberg versetzt mich jedesmal in die spätern 80er zurück. EINZELHANDEL – also tatsächliche Geschäfte, in denen beispielsweise einzig Handtaschen und höchstens noch Portemonnaies verkauft werden. Oder Elektrogeräte, als habe es nie einen Media-Markt gegeben. Salz-Mineral-Inhalatoren-in-Gestalt-eines-Elefanten-Läden. Ein Laden, da gibt´s nur Rioja. Wenn Dir auf der Straße jemand begegnet, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass er Dir zwei Stunden später auch wieder begegnet, wenn Du Dich auf den Rückweg machst. In Kreuzberg treffe ich immer jemand Neues, an jeder Ecke. Hm Schöneberg. Schöneberg fehlt eindeutig ein Accessoire. Pberg – Kinderwagen, Friedrichshain-Kreuzberg – Bierflasche.) Schöneberg. Schöneberg – Salz-Elefanten-Inhalator?
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SHE
Gelesen, zwei Mäuse erledigt*, gegessen, getrunken, das Aussiebum-Plakat wurde durch eine touristische Ansicht Liverpools ersetzt. Das Haus nicht einmal verlassen, um Milch zu holen. Flohmarkt erwogen, gegen Geld ausgeben entschieden. „Flash forward“ geschaut. Als der düstere-Visionen-in-bunten-Bildern-von-nicht-annähernder-David Lynch-Qualität-die-aber-sichtlich-angestrebt-wird-Overkill eintrat – „Notting Hill“, der geht immer. Vergessen, dass ich immer weinen muss, weil ich mich jedesmal erneut komplett in Julia verliebe. She. Ach, Julia.
*
Abends, innen – Küche in Wohnung GD.
„AAAAAAAHHHHHHH! Iiiiiiiiih, komm mal kuck mal.“
„AAAAAAAAAAAAAAAAAHHHHHH, iiiiiiiiiiiiiiiih – ist sie tot?“
„Ja.“
„Ist sie groß??“
„Nein, klein. Aber – ich glaub ich muss kotzen. Kannst Du sie entsorgen?“
„Öhhhhhhhhh.“
„Wann kommt denn T., das ist doch ein richtiger Mann.“
„Um sieben.“
„Aber ich kann nicht kochen wenn eine tote Maus neben dem Herd liegt, die möglicherweise Pestviren verbreitet.“
„Das waren Ratten.“
„Das heißt aber nicht, dass es als nächstes vielleicht Mäuse sind. Ich fass die Falle jedenfalls nicht an.“
„Gib mal den Besen. Und ne Plastiktüte.“
„Pfiffig!“
„Und jetzt – wohin damit?“
„Arghh – iiiiiihhhhhhh – aus dem Fenster?“
„Und wenn die dann auf einem Fahrradsitz landet?“
„Mir doch egal, ich hab ja kein Fahrrad.“
„In den Müll?“
„Und während wir vegetarische Canneloni essen liegt eine tote Maus im selben Raum und von ihr steigen Flöhe auf, die uns mit der Pest infizieren wollen??? Alle drei auf einen Schlag ausradiert? Ist es wirklich das, was Du willst??“
„Dann stellen wir den Müll vor die Tür.“
Sie verlassen die Küche und wir hören die Wohnungstür aufgehen.
„Wenn man eine sieht, dann sind es meist 5.“
Morgens, innen – Küche Wohnung GD
GD inspiziert Mausefalle. Aktueller Fang größer als Vorabendsmaus. Öffnet mit Besenstiel Falle. Verwendet Handfeger um Leiche in Mülleimer zu werfen. Präpariert Schweizer Präzisionsfalle mit Nutella. Positioniert sie so, dass Maus Gewicht auf Schnappmechanismus verlagern muss (denn das Aas frisst sonst einfach seelenruhig das Nutella, verschwindet wohlgenährt und berichtet von dem Menschen, den sie gezähmt hat und der sie täglich füttert.)
DIE SONNE, DIE STERNE – GEHÖREN DOCH AUCH ALLEN
Nach der Therapiesitzung kommt es mir gerade ganz gelegen, dass die Autos vor mir alle maximal 35 fahren. Es regnet und es ist dunkel, da fahre selbst ich vorsichtig. Bei diesem langsamen Rumkutschieren ist Zeit und Raum für Flashbacks. Und ich höre mir noch mal ihre Fragen an und meine Antworten, groove mich wieder in diesen Therapiemodus und glaube schließlich daran, dass alles besser werden kann, auch wenn es momentan nur anderthalb Sicherheiten in meinem Leben gibt, und, machen wir uns nichts vor, eigentlich gibt es keinerlei Sicherheit, nur das Gefühl davon, der Rest ist Eventualität von Schlammlawine (siehe vorheriger Beitrag.)
Ich fühle mich sicher in meinen sozialen Kontakten. Nicht in dem Maße, dass ich der Annahme bin, dass alle meine Freundschaften ewig halten werden. Wo viel Liebe ist, da entsteht auch Hass; eine enge Verbundenheit führt auch zum Clash. Es ist eine Frage, wie man sich davon irritieren lässt und man kann eben leider bei anderen nicht beeinflussen, wie sehr sie etwas verletzt. Nur sein Bestes geben, die Waagschale wieder in die korrekte Balance zu bekommen und die Daumen drücken, dass der andere die Geduld mitbringt, abzuwarten, bis die Stimmung wieder stimmt.
Sie will ja immer, dass man in einer Beziehung ist, weil das wohl auch zur Sicherheit beitragen soll. Ob ich mir denn mit der Latinofalle eine Beziehung hätte vorstellen können, und wie es jetzt ist, wo ich weiß, dass er als Pornodarsteller arbeitet. Realistisch betrachtet bin ich für den aber nur einer von vielen. Den Job macht er sicherlich nicht, weil er so gut bezahlt ist sondern weil er zu ihm passt. Er ist nun mal ein sehr sexueller Mensch und einer oder zwei oder drei werden ihm nie genug sein. Er ist Sternbild Matrose, Aszendent Big Dick. Außerdem ist er das Chaos und Akribie gleichzeitig in Person, lässt einen warten, textet einen manchmal derart zu, dass man ihn mit einem Kuss stoppen muss. Und seine Gabe ist es, dass man sich ihm nahe fühlt und dass diese Nähe selbstverständlich ist, wenn man ihm nahe ist, wenn er weg ist, verschwendet er keinen Gedanken mehr an einen, dann erzeugt er vermutlich die nächste Nähe. Also nein, ich kann mir keine Beziehung mit ihm vorstellen, entscheiden ist hier nicht sein Beruf, sondern seine Berufung. Und das tut nicht (mehr) weh, mittlerweile kann ich tatsächlich drüber lachen. Er verdient halt mit dem Geld, was er am Besten kann, sage ich und dann schmunzeln wir beide. Und natürlich werde ich mit ihm wieder Nähe spielen, sollte es sich ergeben, mit dem added bonus, dass er von mir kein Geld bekommt, sondern – Nähe.
Noch schnell zur Ärztin, Konsiliarbogen ausfüllen lassen, 20 Minuten Wartezimmer, zack, Stempel, nach Hause. Ein bisschen lesen, eine Folge Damages. Und dann bleierne Müdigkeit, wie sie im Buche steht. Ärmel-Kanal-Durchschwimmende Müdigkeit. Ich schau auf die Uhr und lass mich nicht davon irritieren, dass es erst kurz nach 21h ist und mache das Licht aus und schlafe 11 Stunden.
PRIDE, PREKARIAT UND ZOMBIES oder GLAMS TANTE MILDRED
Es ist schon viel darüber geschrieben worden und eigentlich hätte ich es schon vor vielen vielen Jahren tun sollen, dissertierenderweise – das Sequel zu meiner Magisterarbeit wäre, ganz logisch und noch ungemein viel wissenschaftlicher, eine Abhandlung über die Bedeutung des Zombie in der westlichen Gegenwartskultur gewesen. Der Zombie ist sehr viel weniger spannend als der Vampir, insofern als dass er weniger Charaktermerkmale hat. Gar keine, eigentlich. Eine schwärende Hülle, die hungrig auf Menschen ist. Der Vampir wurde über die Jahre immer weiter entwickelt, persifliert, neu erfunden, der Zombie bleibt was er ist – erst seit ein paar Jahren wird mit ihm ein wenig experimentiert, indem man ihn in Jane Austen Romane steckt. Dabei bin ich der Anglist, der mit Jane Austen nichts anfangen kann, also verschonen sie mich mit „Pride & Prejudice and Zombies“.
Allein in diesem Jahr habe ich (mindestens) drei Zombie-Filme gesehen, weil ich der Annahme war, das benötige ich kulturell: „Carriers“, „Legion“ (ich hatte mich so auf ENGEL gefreut, STRAFENDE ENGEL – und was krieg ich – Zombies, toll.), „The Crazies“. Nicht einer der Filme schafft es, an den wirklich guten Zombie-Roman „Cell“ von Stephen King heran zu kommen oder einen der wenigen intelligenten und spannenden Filme des Genres – „28 Days“. Trotzdem bieten sie etwas kathartisches – ein paar leidlich Vernünftige und ein paar Unvernünftige setzen sich den sinnlos hungrigen Zombies zur Wehr, vernichten möglichst viele davon, und überleben gegebenenfalls. Sehr simple Struktur, aber, ehrlich gesagt für mich gerade interessanter, als was die Cullens so treiben.
Warum? Die Zombies stellen einen Defekt der Gesellschaft dar, eine Bedrohung, die auf die wenigen Gesunden zustapft. Das Schlimmste, was Dir passieren kann ist, dass Du arbeitslos, marktuntauglich, masseninkompatibel angefressen wirst und Dich selbst in ein ausschließlich von Hunger getriebenes seelenloses Monster verwandelst. Dabei haben die es gar nicht mal so schwer. Sie lassen etwas apathisch ihrer Bestimmung freien Lauf. Halt ein Prekariat, wie es im Buche steht. Anstatt zu arbeiten oder mit Arbeitslosigkeit beschäftigt zu sein (in vielen Fällen natürlich auch arbeitssuchend), besteht ihre einzige Arbeit in der Ernährung. Und wenn satt sein glücklich macht, dann hat es der Zombie gar nicht mal so schlecht, nur dass er das nicht wertschätzen kann, weil er dazu zu blöd ist und sich in die Zombie-Gesetze fügt.
Wieso muss ich bei Zombies immer an den Arbeitsmarkt denken? und bin ich in dieser Analogie nun Zombie oder Flüchtling? Was würden die Helden sagen? Anyway, hol den Vorschlaghammer.
Wenn nächstes Jahr um diese Zeit mein Buch in den Handel kommt, das völlig ohne Zombies auskommt, dann sollte ich idealerweise den Nachfolger schon zu 2/3 fertig geschrieben haben. Um an das zu veröffentlichende Buch anzuknüpfen sollte es Genre-verwandt sein. Ich hab mir Gedanken gemacht, über Zombies, aber nicht sehr lange. Sie sind unsexy, sie haben keinen Glamour. Sie taugen nicht wirklich für einen Glam-Roman. Aber möglicherweise wird es eine Randfigur geben, die keiner mag, die jeder meidet, es handelt sich um Tante Mildred. Und ich denke, Tante Mildred besetze ich mit einem Zombie. Aber sie wird keine Beute machen. Und das ist dannmein Statement zur kulturellen Bedeutung des Zombies in meinem Kosmos.
(Und, jetzt mal ehrlich: beißt Dich ein Vampir wirst Du unsterblich und glitzerst neuerdings sogar im Sonnenlicht. Beißt Dich ein Zombie, dann faulen Dir die Ohren ab, Deine Haut suppt und Du stinkst nach Verwesung. Braucht noch jemand eine Entscheidungshilfe?)
THERE IS ANOTHER WORLD
Die G. hat mir am Sonntag, nachdem ich ihr von meinen Schlafproblemem berichtet hatte, irgendwas Pflanzliches abgefüllt. Vier Stück davon vorm Einschlafen. Und während der dritten Folge „Damages“ tatsächlich – ich werde müde. Das mit dem Einschlafen wird dann doch etwas holprig und als ich gegen 3.00 Uhr aufwache bin ich wieder nassgeschwitzt. Dann fällt mir die Mail ein, die ich vor ein paar Stunden bekommen habe und ich denke mir, was ist schon ein bisschen Schlaflosigkeit in Berlin im Vergleich zu Leukämie in Moskau, ich möchte nicht tauschen.
HEITERKEIT-HEIKE.TWODAY.NET
Beim Blogblättern überlegt, ein Nebenblog aufzumachen, das Modeste ergänzt: HeiterkeitHeike.twoday.net. Wo jeden Tag eine neue Imbissbude vorgestellt und jede Busfahrt zum Pfingstausflug wird. Heike hätte keine Katzen, sondern ein Terrarium. Ihre Echsentiere hätten Namen aus Romanen von Konsalik und Simmel und neuerdings Stephenie Meyer. (Ein Stirnlappenbasilisk wäre Johnny Rainbow, zum Beispiel, das Gecko mit dem lieben Blick hieße Bella.) Heike ist eine, die nicht zu bremsen ist und beim Kleiderkauf eigentlich Beratung bräuchte, aber darauf ein Robbie-Williams-Lied pfeift (manchmal auch Take That). Heikes back-story: sie hat eine Verwandte, die verschollen ging. Ines. Erinnern sich vielleicht noch ein paar. Ines Schreiber. In unregelmäßigen Abständen würde Heike ihre Lieblingsbücher vorstellen – „Trixie Belden, Mädchendetektiv“ und „Pippi geht nach Takka Tukka-Land“. Manchmal schaut sich Heike Kultur an. Über Gaby Decker kann sie sich bepissen (ist tatsächlich schon mal geschehn, in den Wühlmäusen, Reihe 11, Platz 15, nur, dassie Bescheid wissen.) Cindy aus Marzahn hat sie schon 3 Mal gesehen – ganz zu Anfang im Quatsch Comedy Club, Tempodrom, Friedrichstadtpalast. Heike hat sich jetzt vorgenommen, weniger mit Ronny rumzupetten und stattdessen mehr zu lesen – zum Geburtstag hat sie alle „Twilight“-Bücher geschenkt bekommen, aber erstmal hat sie die Filme angeschaut. Morgen fährt Heike in Real und kauft sich die Edward-Cullen-Bettwäsche. Sie wird den Bus nehmen, denn da sieht sie mehr. Zwischen Real und Lidl dann zu Sepp und Suses Futterstube, die dortige Currywurscht rezensieren. Dort trifft sie ihre besten Freundinnen Samantha und Miranda und Madlen, die haben sich sicher wieder viel zu erzählen und werden gewiss bald wieder in die Roller-Disko fahren, weil es sie so an Auto-Scooter erinnert, außer die blutig aufgeschlagenen Karambolage-Lippen. Dann zwitschern die nicht etwa einen Prosecco, sondern zu dritt eine Flasche Rotkäppchen, trocken, heimlich, weil mitjebracht und nicht etwa in der Futterstube jekooft, und es gibt kein Halten mehr. Und wenn eines von den jewieften Ludern wieder mit Krebs und Übergewicht und Kindesmissbrauch kommt, dann muss sie 2 Euro in die Kaffeekasse zahlen, vor dreieinhalb Jahren hat das Geld schon mal für nen Tagesausflug an die Müritz gereicht, mit Fußpflege und allem Zick und Zack.
AND IF, PER CHANCE, TO DREAM
Wie elegant der kalifornische Shiraz gesten war, das brachte der weingüternde Produzent desselben schon durch die Namenswahl zum Ausdruck: „Petite Syrah“. Was so heißt, das tut sich bestimmt auch Britney Spears morgens auf ihre Käse-Cornflakes, wenn sie selbstvergessen mit dem Gedanken spielt, den Trailer zu lüften. Mir berscherte der kleine Sirius ein Einschlafen, kaum dass das Köpfchen auf dem Kissen zu liegen kam und einen ununterbrochenen siebenstündigen Schlaf, sogar einen, der mitten im Traum endet, wenn der Wecker klingelt. In dem Traum war ich eine Badehose kaufen, wofür ich ein paar sehr bizarre Strandgegenden mit feindselig anmutender Vegetation durchqueren musste, ich fand mich im Gespräch mit M.M. aus M., dann lernte ich zwei Hunde kennen und wurde von einem Reh verfolgt, das mich in das Tal eines kleinen Parks trieb (wo es sich in einen Baby-Elch verwandelte, dies nur am Rande), was eine Rettung war, weil, angekündigt durch atemberaubenden Lärm, ein gigantisches Raumschiff mit Aufschrift „Shell Oil“ vom Himmel fiel, mich nicht treffend.
PALE SHELTER
Eingeschlafen bin ich noch recht gut, was an den Spätfolgen vom Sonntag lag, beim Fernsehen fielen mir die Augen zu, was aber vielleicht auch auf den nicht vorhandenen Sog des schwedischen Spielfilms zurück zu führen war, den ich auch nur deshalb zu Ende angeschaut hatte, weil Andreas Wilson mitspielte. Den gleichen Fehler hatte ich zuvor mit Julianne Moore und Jonathan Rhys Meyers gemacht – schauen Sie sich niemals „Shelter“ an – selbst wenn Sie glauben, Sie hätte ein Gespür dafür, welche Filme Perlen sind, auch wenn sie straight-to-DVd gegangen sind. „While she was out“ scheint eine ganz seltene preziöse Ausnahme darzustellen.
Aber, verlässlich für die neuen Montage, wachte ich frierend und verschwitzt auf, was sich durch die ganze Nacht zog. Und beim Aufwachen so um 5.00 wurde ich auf einmal etwas paranoid – ist Nachtschweiß nicht häufig ein Hinweis auf eine frische Infektion? Und warum macht mein Körper sowas, wenn ich ihm doch gerade mal was Gesundes angedeihen lasse? Und dann fiel mir ein Satz ein, der kürzlich in einem Gespräch gefallen war und der nun seine ganze Entsetzlichkeit entfalten konnte, diese dumme Retard-Wirkung immer. Es war keine schöne Nacht.
Als der Wecker klingelte kam das als Schock und ich traf mit dem Zeigefinger kaum den Aus-Schalter. Zum Tee dann eine dieser pflanzlichen Tabletten, von der man aufstößt und Lavendel schmeckt, ein bisschen wie wenn man eine kleine Gästeseife schluckt. Würde es doch wenigstens Seifenblasen machen!
DRUNK DIET
Als ich aufwache und mein erster Gedanke Kirschjoghurt gilt, der zweite einem frisch dampfenden Toast mit klebrig süßem Honig, fällt mir ein, was ich gestern vergessen habe. Essen.
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Hier schließe ich mich an.
DESCENDING oder TOTE ROSEN
Die Strahlung stimmt nicht. Ich steh nicht vier Stunden in der Küche um Koksopfer zu versorgen, deren Geschmacksknospen abgetötet sind. Als letzter Gast dann, nach einem wunderschönen Dinner, möchte ich allerdings selbst Chemie, deshalb hat´s mich so genervt, ich bin so simpel. Neid-issues, u.a. Ins XY also. XYZ begrüßt mich mit einem zu tiefen Kuss, alle sind am Anschlag, ich trinke ein spendiertes Becks Gold. Der 50-jährige, mit dem XYZ manchmal knutscht, weil er immer gratis rüberreicht und manchmal ein kleines Briefchen dazu tut, entpuppt sich als ABC, ein Fan der zweiten Stunde, der mir vor ein paar Jahren den magischen Satz sagte „Ich kenne Dich von der Bühne“ und seitdem einen Platz in meinem Herzen hat. Er ist weit unter 40 und hat den knackigsten Arsch der Stadt, mittlerweile sind seine Haare auch etwas länger, was hab ich verpasst – er ist auf einmal ein Hottie, gleichzeitig Barmann, also das Gegenteil von Dating material. Und erst recht nicnt, wenn er mit XYZ knutscht, für den er 50 ist, aber Chemie auf Tasche. Er hat keine Chemie dabei, heute, fuckyou. Ich schaue der Kuppelei zu, der tiefen Trunkenheit, immer mal wieder kommt XYZ oder sonst jemand und küsst, ich halte meine Tasche die ganze Zeit sehr fest, und es ist nicht einmal nach dem, sondern während dem zweiten Getränk, dass ich raus muss. Nicht wegen Angst sondern wegen dem Ort, der wirklich teuflisch sein kann, heute ist. Es kann nichts gutes geschehen, heute, hier. Auf dem Heimweg schaue ich aus vile violet Augen niemandem in dieselben und zerscheppere eine Flasche Becks Gold und hoffe, dass ein Radfahrer ohne Licht sich die Reifen dran aufschlitzt und krass auf die Fresse fliegt. Ich merke, ich möchte mich shreddern, damit ich mehr werde. Oder einfach die Stadt verlassen, aber sie bleibt ja doch in einem, man ist sie ja, seiend, fuckit.
