Archiv der Kategorie: Glam gruebelt

SPOTTED DICK

„And then this guy from Dresden started texting me, Dimitri, cool guy with dreadlocks.“
„Dimitri from Dresden with dreadlocks? Thin? Cute? Punkish twentysomething? Very eloquent?“
„Yes?“
„Want to see his dick? I´ve got a picture of him on my ego wall – it was one of the cutest dick picks on gayromeo, aside of the one of the trick in fur hat, sunglasses, and cockring.“
„So Dimitri has been here*?“
„Yes – we made out on the porch swing and then he wanted to take a bath with me. He´d been very firm about that right from when he started texting me. He stayed the night and in the morning I went down on him and that was the first time I got a good look at his dick – without soap you know, and he had this funky disease where the dick looks kind of like a toadstool, like spotted dick, indeed. And, NO – I didn´t suck that.“
„Should I text him that he´s been here before?“
„Just don´t tell him I had his dick on my wall.“
„I´ll tell him you saw his name on my phone and we got to talk about him.“

„He says what kind of crazy person remembers a phone number from two years ago.“
„Yes. Me, the stalker. Tell him I remembered his name. And ask him if he got cured. Or ask him if he wants to take a bath with you. By the way – the toadstool thing is harmless. Not contagious. But you know how I dislike mushrooms. And here, take the picture.“

*Actuallly he said: He´s been here, TOO?“ aber die Geschichte dahinter erzähle ich ein anderes Mal.

ZWISCHEN-ZEIT

Das führt natürlich auch dazu, dass ich andere mit meinen Selbst-Erkenntnissen überstrapaziere. Unter anderem. Ein anderer Nebeneffekt – dass ich nicht nur mit eigenen Augen auf mich schaue, sondern auch verstärkt durch die Augen von Menschen, die mich noch nicht so lange kennen. Das ist mitunter etwas beunruhigend, manchmal das genaue Gegenteil, aber genau deshalb mache ich ja die Therapie. Meinen Platz in der Welt neu orten und schauen, was ich noch so machen kann. Die obstacles, die ich mir platziert habe, aus dem Weg räumen. Aufräumen, sortieren, wegwerfen, und immer mal wieder „warum?“ fragen. Das wird ne Weile in Anspruch nehmen, aber es ist ja auch keine Eile geboten.

ENGELBECKEN

Erholwochenende. „Drinking in LA“ in Endlosschleife, unterbrochen von „Porcelain“ und ein bisschen Helden. A walk with the Strike, viel gelesen, wenig geschrieben, Wein getrunken und ein angetrunkener Mitternachts-Chat mit einem Liebligsblogger. Ihm mit Besuch gedroht, wenn er nicht bald seinen Arsch nach Berlin kriegt. Bis vor kurzem tief und fest geschlafen. Hört sich vielleicht alles langweilig an, aber war genau richtig.

(Was mir gerade wieder einfällt – ich hatte es verdrängt – ich habe versucht, fern zu sehen. Nicht mit einem Fernglas vom Balkon, sondern mit diesem Ding, wo sonst meine DVDs angezeigt werden. Das ging gar nicht. 300 Sender und alles unbrauchbar. Bei Frauke Ludowig 3 Minuten hängen geblieben, aber auch mehr so aus Sympathie wegen des Nachnamens.)

AUTOPSY

„I´m not very bright, but I know right from wrong, and I´ve not been right, for I don´t know how long… (…) I´m lost and I long for oblivion.“*

Und morgen – nachher – bzw später heute: geradeaus aus der Stadt rausfahren, bis irgendwo Feld kommt und diese albernen einspurigen Landstraßenalleen. Und dann den nächsten Feldweg rechts. Ich brauch Erde, Frost und Raum. I´ve got petrol in the car. Space.

* Stehen Duffy: „Autopsy“:

LICENSE TO SLAP

Wenn Sie dem Autoren dieser Zeilen demnächst über den Weg laufen, zögern Sie nicht, ihm eine runter zu hauen.

Der Ort: Penny Supermarkt in einer Kreuzberger Seitenstraße. Die Zeit: Samstag Mittag. Mit schlechten Haaren und unrasiert schiebe ich Einkäufe durch die Räumlichkeit. Selbstmachpizza, Baby-Ananas, diese sehr guten grünen Kaffeepads, Tüte Chipsfrisch Ungarisch, Sour Cream undsoweiter. Mein Blick fällt auf einen Mann und bleibt hängen. Fast 2 Meter Gorgeousness. Nicht nur ist sein Gesicht perfekt spitz geschnitten, von slawischen Wangenknochen veredelt wie ein amerikanisches Auto in den Fifties, eingerahmt von schulterlangen dichten dunkelblonden Haaren, gekrönt von einer russischen Fellmütze, die sich hervorragend versteht mit dem Salz-Pfeffer-Mantel, dem man ansieht, dass er ein Lieblingsmantel ist, etwas beulig, lived-in. Wie er sich bewegt, es könnte nicht sympathischer wirken, der ist glücklich, denke ich und dann schaut er auf, blickt mir in die Augen und lächelt. Und ich erfriere. Der Meduseneffekt. Die Mundwinkel würde ich so nur mit den Fingerspitzen nach oben kriegen. Hinter meiner Stirn schreien sich mehrere Charakterzüge lauthals und ohrenbetäubend an. Noch nicht in Worten, mehr so aus purer Verzweiflung über mich. AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAHHHHHHHHHHHHHHHHH!!!!! Ich dreh mich raus aus meiner Salzsäule und schmeiße noch eine Dose Babyananas in den Wagen. Als er mir das zweite Mal über den Weg läuft UND WIEDER LÄCHELT und ich wieder völlig schockiert einfriere weiß ich zumindest eines – fuck me. ich muss mehr raus. Wie kann man denn das Flirten verlernen?

LANGUAGE IS A VIRUS

Dialekte sind ja am Aussterben und daher etwas Feines, etwas, das aufrecht erhalten werden sollte. Aber wenn man dann einen Anrufer hat, der Hochdeutsch nicht mehr versteht, dann ist man vermutlich verbunden mit Bad Inzest.

A SMALL EXERCISE IN SUBMISSION

Ich versuche immer noch eine Erklärung dafür zu finden, bzw. diesem sehr komplexen und üblen Gefühl Ausdruck zu verleihen, das mich packt, wenn ich nachts aufwache und nicht mehr einschlafen kann. Es kommt etwas sehr tiefsitzendes Beunruhigendes hoch, eine Mischung aus Verlust, Leere, Orientierungslosigkeit und Furcht. Ich fühle mich selten einsam, aber in diesem aus-dem-Schlaf-gerissenen Zustand bin ich plötzlich ganz allein, ganz roh, bestürzt, deprimiert, bedroht. Am Tag kann ich mich von diesem Gefühl distanzieren, vielleicht ist all die Tagesarbeit auch nur das – ein elementares emotionales Chaos zu verdecken. Funktionieren. Was im Traum geschieht, die Bilder und Gefühle, die er produziert, das verändert sich Zeit unseres Lebens nicht im Wesentlichen. Im Traum sind alle naturwissenschaftlichen Gesetze ausgeschaltet, wir sind mehr wir selbst als das gefilterte, filternde, rationalisierte, kultivierte Selbst, das wir durch den Arbeitstag schicken. An der Grenze von Schlafen und Wachen scheine ich regelmäßig eine Art Schleudertrauma zu erleben.

Was hat es mit meinem Schlaf auf sich, den ich einerseits so brauche, sofern man das kann „genieße“ und doch – ich knirsche mit den Zähnen, rede, schlafwandle, trete Menschen aus meinem Bett heraus. Und dann steh ich mitten in der Nacht irgendwo in der Wohnung, wach, und sehne mich nach nichts mehr, als sofort wieder schlafen zu können.

Sleep is the daily end of life
A small exercise in death
Which is it’s sister
But not every brother and sister
Are equally close
Giving to the enemy
A small exercise in submission
And holding onto nothing

(Peter Murphy)

GLAM@HOME

75 Cent/ 1/4 Stunde, ups, lange nicht mehr in Mitte gewesen. Regen nieselt, Weihnachteinkäufer wieseln umher, in diesem Tempo-Äquivalent zum 40-Fahrer in einer 50-er Zone. Ich stoße hier und da mit meinem rotweißen „Ich will alles“-Regenschirm zu, Teil des Merchandise-Sortiments, das meine Lieblingsdänin parat hat, wenn sie kurzfristig auf einen Geburtstag eingeladen wird (desweiteren im Angebot eine Kaffeetasse und ein Freundschaftsarmband mit Gravur „Ich bin stark“, beide geschmackvoll.) Im H&M quetschen sich die Menschen, eine Verkäuferin, kleines verkniffenes Biest mit Dauerwelle, schubst mich beiseite um eine Jacke aufzuhängen, ich probiere zwei schwarze Gewänder, die ich nicht ganz verstehe – ich bräuchte eine Anziehhilfe, warum bloß bin ich nicht mit einem Stilisten liiert, das muss sich ändern, spätestens nächstes Jahr.) Die Gewänder sind in der Tat so kompliziert, dass ich sie ohne Fremdmeinung nicht kaufen kann, selbst zum Zurückhängen auf den Bügel fehlt es mir an Handfertigkeit. Selbst Schuld, schwedischer Desiger, wenn ich sie auf dem kleinen Hocker in der Klaustro-Zelle zurücklasse. Weiter im Regen, dann hole ich mein bestelltest Buch ab, lasse mir einen Spielort zeigen, aber das Licht geht nicht, weiter durch beeindruckende Räume in bester Geschäftslage, überlege, ob ich den Kollegen an der Oper einen Besuch abstatte, aber die Linden sind zu voll, ich will mit meinem neuen Buch ins Bett, na ja, noch kurz Dussmann, aber wirklich nur mal über die Import-DVDs kucken und dann ins Bett.

Wo ich dann mit der Lektüre eines unlängst erschienenen gut verkauften Schauerromans im Spukhaus-Genre beginne und erfreut feststelle, dass meiner besser ist. Zum Einschlafen bringt er mich trotzdem nicht, dabei bin ich seit 6 auf den Beinen, also koch ich eine typisch deutsche drei-Komponenten-Mahlzeit und speise mit der amerikanischen Nachbarin, die mir eine entzückende Schlumberger-Piccolo-Handtasche mitbringt, die unglaublich gut zum Marilyn-Telephon und dem Komaschen Polarfuchs passt.

Als die Nachbarin wieder fort ist, ärgere ich mich, dass ich nicht eines der schwarzen Gewänder gekauft habe, kuschele mich in meine Felle und schaue Sarah Jessica Parker an. Die kann auch alles tragen. Sogar einen Vogel am Kopf.

Mitten in Sarah Jessica Parker komm Roomie nach Hause und wir trinken, er Rotwein, ich Bier, und rauchen und reden, was wieder darin endet, dass ich ihn in den Arm nehme und sage „Ich bin so froh, dass DU hier wohnst und nicht irgend jemand anderes.“ Das sind so zuckersüße Szenen manchmal, dass Außenstehende kotzen würden beim Betrachten, wegen Kitsch, aber Kitsch ist es nicht, es ist eine enorme Erleichterung, mit jemandem zu wohnen, der nicht nervt. Times is hard but Life is good.

SCHNITTSTELLEN oder WAS NOCH SO UNAUSGESPROCHEN IN DER LUFT HING

…endete es eigentlich immer da, wo ich mich in Gefahr sah. Es gelang mir in einigen Fällen da einen Stopp zu setzen. Der konnte temporär sein, in einigen Fällen auch permanent, aber was weiß ich von Permanenz, die Zeiten des Gericht Sitzens und sich mit dem Urteil abfinden sind wiederholt ad absurdum geführt worden. Die Zeit geistert. Bei aller Stagnation darf man nicht vergessen, dass die Zeit sich über Stagnation totlacht.

Die Gefahr konnte ganz direkt sein, zum Beispiel in Gestalt einer Droge, die ich gerne wollte, für den Kick, von der ich aber auch wusste, dass auf den Kick eine viel zu lange Phase der Verunsicherung folgen würde, ganz zu schweigen von den Sachen, die man macht, wenn man auf dieser Droge (oder auch den meisten anderen) unterwegs ist. Auch nicht zu unterschätzen die Wut, wenn man feststellt, dass man sich diesen Kick gerade nicht leisten kann, so oder so nicht, und dass man trotzdem so gerne in dem Stadium wäre, in dem der andere gerade ist, vielleicht nur nicht ganz so krass.

Aber auch in Gestalt einer unterlassenen Hilfeleistung und einem tatsächlichen Gericht, vor dem man sich würde äußern müssen.
„Warum haben Sie keine Hilfe geholt, als der Verstorbene/ Geschädigte/ Kläger/ das Schlaganfallopfer kollabierte?“
Weil das nicht unüblich, also normal war? Letzte Woche erst? Weil einem das selbst schon passiert ist und man am nächsten Tag doch wieder aufgewacht ist? Weil man zu besoffen war, um sich um den Kollabierten im Flur zu kümmern, außer dass man ihn ein wenig aus dem Weg zog und ne Decke drüber legte?

Wenn man den Kontakt aufrecht erhalten würde – irgendwann würden einem diese Fragen gestellt werden. In dem Moment den Kontakt abzubrechen, wo man sie sich selbst stellt, dadurch einen Freund zu verlieren, sich aber auch aus der Rolle des Co-Abhängigen heraus zu boxen, keine leichte Entscheidung, aber die richtige.

TA MED UD OG FISK

Dieses Novembergefühl ist ein bisschen so, wie wenn man einen Ohrwurm in einer Fremdsprache hat, die man nicht spricht. So was rastloses, und man muss trotzdem weiter machen, und abhauen geht auch nicht. Die einzige Lösung gegen Ohrwurm ist ja, ihn durch einen anderen ersetzen, am Besten durch einen richtig schlimmen, aber davon wird der Tag ja auch nicht schöner.