Archiv der Kategorie: Glam gruebelt

CHARISMA CHAMAELEON oder LIEBE LESER, SIE SEHEN HEUTE SO GUT AUS! UND WIRKEN VIEL ENTSPANNTER ALS NEULICH!

Als sie zu mir sagt „Sie wirken viel entspannter“ habe ich sie ertappt. Sie hat den neuen Coupland gelesen. Den Spruch hat die Autistin gelernt, im Lebens-Unterricht, um angespannte Menschen zu entspannen.

„Whenever you encounter a person who appears exhausted and stressed, tell them – „You look really great. You look really relaxed. I wish I had what you have.“ It immediately relaxes them.“

Vielleicht ist es wie bei dieser blöden Selbsthilfeanweisung – einfach lächeln, das dazugehörige Gefühl kommt von selbst. Nach ein paar Jahren. Aber seit ich nicht mehr „FUCK!!!“ ausstoße, wenn mich etwas, sagen wir, betroffen macht, sondern „Fuck ME!!!“, da tut sich wieder was: zwei unsittliche Anträge aus dem richtigen Lager innerhalb einer Woche. Einer kulminierte in einer sinnlichen, wilden Nacht, der andere könnte zur Folge haben, dass ich demnächst zur Mätresse werde. (Vielleicht das beste Training für eine zukünftige Partnerschaft. (Selbstverständlich nicht mit dem Mann, der seinen Freund mit mir betrügt, da wär ich ja schön blöd.))

Aber in meinem Fall stimmt´s. Ich bin entspannter. Because it´s good to know, that I´m not only liked for my intellect, emotional intelligence or my venomous-villain-smoky-eyes. Das überraschendste Gefühl, mitten im Sex, war – oops – ich habe gar keine Body-issues, trotz Wintergewicht. Und wie blöd wäre es, die gerade jetzt zu haben! Und dann war der Gedanke auch schon wieder verflogen und es ging weiter.

Und dann erzähle ich ihr, wie es dazu kam, dass ich nämlich eigentlich gar nicht wollte, und er mich mit Charme, Witz und Charisma um den Finger gewickelt hat und ich irgendwann lachend aufgab und sagte „Dann komm halt vorbei.“, da schaut sie alarmiert auf.
„Aber Herr Dick, solche Menschen sind gefährlich – die bekommen immer, was sie wollen!“
Und dann sinniere ich kurz und sage „Solange das ich bin, den sie bekommen… Und vielleicht kann ich von so jemandem was lernen?“
Und dann lächelt sie, und ich auch, ziemlich entspannt.

SMELLS LIKE TEEN VOMIT oder BLAME IT ON THE ALCOHOL…

… ist, nach dem Kurt-losen „Comeback“, wieder eine Episode zum Lachen, Kreischen, Bumpen und Grinden. Ich weiß nicht, aber ich glaube, die Glee-Autoren leiden unter ADS. Aber es ist ein lustvolles Leiden. Für einen richtigen Staffel-umfassenden Handlungs-Bogen reicht es in der zweiten Hälfte der Staffel nicht, aber vielleicht ist es das, was an Glee Spaß macht – als Gesamtwerk betrachtet es ist mehr eine Collage als ein Gemälde. Seltsamerweise funktioniert´s trotzdem. Abgesehen von der Bullying-storyline (die in der letzten Folge in den Hintergrund treten durfte – Schonzeit für Kurt – um TV-Tagesgeschehen in Gestalt einer hinreißenden Hommage/Persiflage an die britische Serie „Skins“/die amerikanische Flop-Fassung derselben Serie zu verarbeiten), fehlt es an einem Bogen jenseits der Regionals/Sectionals-Struktur.
Das ist das wirklich wirklich seltsame an Glee – die Tatsache, dass sich die Serie immer wieder abdreht und sich selbst verlässt, was sie kann, weil ihre Figuren in Stein gemeißelt sind. In der dieswöchigen Folge wurde jedenfalls nicht nur gelacht, geweint, gesungen und getanzt, sondern darüber hinaus auch noch gesoffen und gekotzt. Teenagerkotze ist der neue Slushie. Sollen die anderen meckern, ich habe mich kötzlich amüsiert.

UNSCHULDIG

Nein, keine Angst, nur, weil ich gestern nicht bloggte, heißt das noch lange nicht, dass ich mir in Lettland noch einmal „Black Swan“ angeschaut hätte. Ich besitze auch weder eine juristische Ausblidung, noch eine Waffe.

(In diesem Zusammenhang.)

HERE CUMS THE SUN

„Wow, I didn´t know that when you come, the sun comes up.“
Schaue nach links, sehe, dass es stimmt.
„Yeah. If you got to do it every morning it gets kind of tedious, though.“

PRECIOUS

Durch die crispe Kälte, sonnenbestrahlt, streng frisiert, noch etwas benommen, am Spätzle vorbei, flirtig gegrinst, einen kalten, orange etikettierten überteuerten Prosecco gekauft, Queen of Romania-Playlist an, Baked Beans auf Toast, Axl singt „Sympathy for the Devil“, Überlegung – Kaffee oder Prosecco? Prosecco. Dann Schlaf nachholen, dann Glee und Mac and Cheese. Yum.

Denke zurück ans Aufwachen in Fellen und Decken und den haarigen Kerl, der mich ganzkörperumarmt, Annie singt „Precious“, und, nein, keine Angst, kein Drama, keine Tränen, einfach nur eine Begegnung, die wie ein Schmetterling aufgespießt und gerahmt wird und immer wieder betrachtet werden kann, wie auch das Carmensita-Video, über das wir so lachen mussten.

Das Beste: das Alleinsein danach genau so zu genießen wie das Zusammensein zuvor. Manchmal ist es gut, ein Mann zu sein.

P.S.: Den zweiten Berlinale-Event hat er verpasst. Soviel zu vorschnellen Entscheidungen und deren Rückgängigmachung. Kann man öfter machen.

VIER NATIONALITÄTEN UND EIN WASSERSTOP

Nach einer halben Stunde habe ich auch flugs einen Parkplatz gefunden und bewege meinen übellaunigen Leib samt einer Kiste Wein nach Hause. Angekommen, möchte ich mir die Hände und den Arbeitstag waschen. Kein Wasser. Kein Wasser in der Küche, kein Wasser im Bad. Nur ein bisschen gefrorenes in der Gießkanne auf dem Balkon. Die drei freundlichen Polen, die seit zwei Tagen von meiner Küche aus das Fenster der Wohnung unter mir aus- und neu einbauen haben offenbar das Wasser abgestellt. Allerdings in der Wohnung unter mir. Sie sehen mich schreiend, fluchend, ein Wochenende ohne Wasser visualisierend, denn der Hausmeister mit dem Schüssel für die Wohnung im 4. Stock verbringt verlässlich seine Wochenenden in Polen. Ich erwische ihn gerade noch auf dem deutschen Handy kurz vor der polnischen Grenze.
„Ja. Chm. Schwerrick. Viellaicht chat Cherr Svoboda Schlissel.“

5 Minuten später Rückruf. „Cherr Svoboda auch in Pollen.“

Ich probiere den Kreditkartentrick, allerdings stillos mit meiner Karstadt-Kundenkarte. Geht nicht. Offenbar ist die Wohnungstür das erste, was saniert wurde. Sie ist völlig einbruchssicher.

Anruf Hausmeister. 5 Minuten Engelszungen und Verzweiflung mit einer feinen Dosierung kaum unterdrückten Jähzorns, völlig missachtend, dass je mehr Adjektive, desto weniger für ihn zu verstehen, aber was soll´s, vielleicht macht´s der Klang von kurz-bevorstehendem-Amoklauf.

„Viellaicht… ich chabe Idä!“

Da es wirklich anstrengend ist, polnischen Akzent zu schreiben, verkürze ich zusammenfassend. Es kann sein, dass der Schlüssel der Wohnungstür der amerikanischen Nachbarin, der, auf dem Nova steht, auch für die Wohnung des Hausmeisters passt (hm, warum fühlt sich das etwas weird an?), das möchte ich aber bitte nicht an die große Glocke hängen. Die amerikanische Nachbarin allerdings arbeitet meist um diese Uhrzeit. Als ich sie anrufe ist sie nur eine halbe Stunde entfernt und große Erleichterung tritt ein, als wir ihre Wohnung betreten, und beginnen, nach dem Schlüssel zu fahnden, auf dem Nova steht. Gut zu wissen, dass sie den Zylinder längst ausgewechselt hat, das macht man in einem erwachsenen Berliner Haushalt. Mit dem Nova-Schlüssel in der Hand mache ich mich auf dem Weg in den Seitenflügel. Er passt nicht. Roomie beginnt, wasserfassende Gefäße von Glam Gardens in die Wohnung der amerikanischen Nachbarin zu transportieren.

Mittlerweile im polnischen Handynetz – „Chm. Viellaicht, dass der Kellerschlissel von Frau N.“

Zurück im Ergdeschoss. Ich klingele bei Frau N. Frau N. ist gerade auf dem Weg zu einer Party. Ich skizziere.
„Also passt eventuell Dein Kellerschlüssel zur Wohnungstür vom Hausmeister und dort liegen die Schlüssel zum 4. Stock, wo der Wassserhahn für meine Wohnung auf mich wartet.“
Sie wirft, ich fange, ich jumpe rüber, stecke Schlüssel ins Schloss, drehe um – er schließt, bzw öffnet, ich stehe in der Hausmeisterwohnung, greife mir zwei Schlüsselbunde, schließe wieder ab und bringe Frau N. den Kellerschlüssel zurück.

Da es keinen Strom gibt, betreten wir die Wohnung mit Kerzen, Roomie, die amerikanische Nachbarin und ich. Das sieht nach Kernsanierung aus, hier liegt kaum ein Stein auf dem anderen.

„Wasserleitung ungefärr drai Mäter in Wonnung, bei Kamin.“
„Die Leitung mit dem grünen Verschluss?“
„Ist blau.“
„In diesem Licht ist grün.“
Ich schraube. Es rauscht, ich sprinte in meine Wohnung. Wasser!

Die schlechte Laune ist völlig verflogen, der kleine Ausflug in die bewohnte und unbewohnte Nachbarschaft hat bei allen Beteiligten Heiterkeit ausgelöst. Ich freu mich angesichts des Wassers, das da aus dem Wasserhahn ins Becken prasselt, wie James Dean in „Giganten“, als er auf Öl stößt.

KONSEQUENT GLAM

Muss ich mir jetzt also schön reden, weshalb ich dem Date nicht zugesagt habe. Kein Interesse, als Fick zwischen zwei Berlinale-Events verschlissen zu werden, insbesondere bei einem Mann, der mich zu sehr interessiert, als dass mir ein Fick ausreichen würde und der morgen schon wieder abreist und die letzten Tage ausreichend Gelegenheit gehabt hätte, sich zu melden. Nein nein, ich bin noch nicht wieder in der Lage für ein weiteres emotionales conundrum, meine seelische Tanzkarte ist vollständig zugekritzelt mit Symbolen, die ich nicht deuten kann und komischen Schnörkeln und in Fremdsprachen.
„You play an instrument?“
„Yes, the conundrums.“
Allein schon, wie es dem gelingt, mich im Dialog auf einen Trip zu nehmen, Hilfe. Das kann doch nur schlimm enden, das ist ein Mann, der mit Worten manipulieren kann, aber auf so ne hinterrücks-Art, also jetzt nicht im bösen Sinn, sondern mehr im Sinne von Anzeichen-höchster-Intelligenz. Der schafft mich. Rum zu kriegen. Innerhalb 20 Minuten.

So. Jetzt muss ich mich mal umziehen. In ner Stunde ist er hier.

BESORGTEELTERNDICKBLOG

Suchanfrage: Anzeichen Verwandlung in Emo.

(Spätestens, wenn er sich die Nägel schwarz lackiert, die Haare wachsen lässt und Smoky Eyes schon zur Schule trägt. Aber wenn Sie denken, das sei jetzt schon schlimm, liebe Muttis und Pappis, dann warten Sie ab, bis er GaGa-Fan wird…)

WE BELONG

In einem Laden, in dem das Bier soviel kostet wie in den Zeiten, als wir das erste Mal ausgegangen sind, also so mit 14. Selbst angesichts der jugendlichen Gäste schaue ich zwei meiner langjährigsten Freundinnen an und finde, dass wir gut gealtert sind. Die Anfang 40er heute sehen aus wie die Anfang 30er früher. Eine junge Frau holt sich vom Tresen eine Kristall-Schüssel, sie hat sich Chips mitgebracht, das ist die wahre Anarchie, im Raucherbereich Chips zu fressen. Abgesehen von den Knuspergeräuschen gefällt mir das. Die Geräusche tauchen jedoch bald unter in dem Sprachenwirrwarr, als sich der Laden langsam füllt. Das hätten wir nicht gedacht, dass wir mal in Neukoelln ausgehen würden, kannste mal sehen, und wie sich die ehemalige Nachbarschaft gemacht hat! Zehn Jahre ist Susi jetzt schon weg, fuck me, das kann doch nicht sein. Und so sitzen hier im Raucherraum die drei, die früher immer zusammen in der Raucherecke standen. Schon zur ersten Stunde perfekt geschminkt und gestylt.
„Wenn Du mal meine Eltern triffts, verrat ihnen bloß nicht, dass ich wieder rauche.“
Ich war auch etwas überrascht, wegen der fiesen Krankheit vor ein paar Jahren. Aber irgendwie bin ich auch erleichtert, nicht weil Susi raucht, sondern weil sie wieder in Form ist und wieder die Alte ist, den Scheißkrebs gut überstanden hat. Zehn Jahre haben wir uns nicht gesehen, aber sind in null komma nichts wieder auf dem gewohnten Gesprächsniveau, bombardieren uns mit welcher Film, welche Serie, welche Band, wer geht gar nicht, wen mögen wir trotzdem, wer lässt uns kalt. Irgendwann kommen wir zu unseren Familiengeschichten und zu unserem so weit weg liegenden Leben auf dem Dorf und was es aus uns gemacht hat.
„Ich hatte keinen Plan, was ich eigentlich will, ich wusste nur, ich muss da weg.“
„Ja, irgendwie wurde man damals gar nicht gefördert, oder in seinem Interessen bestärkt.“
„Wenn ich zurück schaue – ich habe damals schon Film geliebt, und gerne geschrieben. Aber dass man da vielleicht hätte ansetzen können, ausbildungstechnisch – „

Wenn uns etwas Gutes geblieben ist aus diesem toughen Teenagerleben, dann veranschaulichen wir es gerade in diesem Moment. Die Freundschaften zwischen Outsidern. Die ist schtrong. Wir haben uns damals gegenseitig gerettet. So etwas bleibt.