Archiv der Kategorie: Glam gruebelt

lines composed upon MODERSOHNBRÜCKE

Über den Boxhagener Flohmarkt, den man jetzt auch abschreiben kann, wenn die für nen zugegeben hübschen Aschenbecher 18,-, für ein „Meat is murder“-T-Shirt 17 Euro wollen. DVD-Stände gibt es auch keine mehr, seit Media Dingsda und der andere Elektomarkt ankaufen. Für „Duplicity“ habe ich sagenhafte 7 Cent bekommen. Das Gewühl kommt immer wieder ins Stocken und ein unangenehmer Fremder ist zu nah an mir dran und summt, das sind Momente, die ich mir für Horror-Romane notiere. Aber es ist schön und Frankie ist schön und die Sonne scheint.

Und dann mitten im Gespräch gemerkt, während ich mich terribly über etwas echauffierte, dass da ja noch andere Menschen im Café sind und auffallend viele davon gerade schweigen, als ich mit meiner Tirade herausbreche.

Dann stehen wir auf der Modersohnbrücke und ich weiß nicht, ob sie nach ihm oder ihr benannt ist oder ganz was anderes: Modersohn ist doch ein prima Familienname für einen Zombie. Und die Brücke wackelt ganz ordenlich, weil, so Frankie, die Elastizität es verlangt. Passanten haben das passieren unterbrochen und sitzen und starren auf die Gleise und den bildfüllenden Himmel um den Fernsehturm herum. Wenn sie das zu lange tun, werden auch sie Modersöhne und Töchter.

26.3.11

Ich muss mir die Leute wieder genauer anschauen, merke ich, um sie beschreiben zu können, aber nicht heute, nicht hier in diesem Supermarkt von der Größe eines Flughafens. Sie ködern einen damit, dass man hier alles bekommt, und tatsächlich finde ich u.a. die DVD „Forgetting Sarah Marshall“, die auch noch unter 6 Euro, aber das beste Veggie-Mince der Stadt haben sie nicht mehr im Sortiment. Muss ich also auch nicht mehr raus nach Treptow. Ansonsten rumpelt der Tag so vor sich hin. Der neue Paul Auster (hm.), Sarah Marshall (die erste halbe Stunde ürgs, aber dann, aber dann. Was ist das mit mir und Kristen Bell??! Ich hatte immer gedacht, ich mag Veronica Mars trotz ihr, und jetzt schau ich mir Filme mit ihr an. Und hab Spaß.) Das ungesundeste Veggie-Dinner ever: Tofu-Gyros, Backofen-Pommes, Baked Beans und Tsatziki. Zwischen 1 und 5 muss ich wieder schlafgewandelt sein – die Nacht zuvor habe ich in Roomies Zimmer das Licht angemacht und dann auf dem Flur Möbel verschoben, gestern nur das Schlaf-Outfit gewechselt. Um 5 dann wach gewandelt und mit Roomie noch zwei Getränke. Das sind die erfolgreich gestohlenen Stunden, fuck you hinterrücks, daylight saving time!

Belinda Carlisle singt, ich dusche. Steh im Bademantel auf dem Balkon. Es ist kalt, und ich will Elefanten sehen.

JONAS WINNER: DAVIDS LETZTER FILM

Die Inhaltsangabe erinnert mehr als ein wenig an einen meiner Lieblingsromane, Theodore Roszaks „Flicker“: Journalist auf der Suche nach dem verschwundenen Regisseur, dessen Filme eine seltsame Sogwirkung und Wirkmacht haben. Jekooft. Debutroman, Autor, Jonas Winner, hat Drehbuch und TV-Background, möglicherweise jemand, der so movie-crazy ist wie ich.

Au den ersten 60 Seiten stolpere ich noch über einige Formulierungen wie aus dem Thesaurus. Weil „sagte sie“ zu schlicht klingt „hebt sie an“. Vielleicht wolle der Regisseur sie „an der Nase herumführen“ – das habe ich das letzte Mal in einem Kindergarten gehört. Und auch inhaltlich kommen die Sätze mitunter etwas schräg rüber – als Modedesignerin verdiene sie gerade genug, um zu überleben. (Ich habe Modedesigner immer gebotoxt und mit Platin-Card vor Augen. Glaubhafter wäre, sie als Kostümbildnerin zu etablieren.) Allerdings lese ich selten deutsche Romane und irgendwie wird die Sprache im Verlauf entkrampfter. Oder ich merke es nicht mehr so, weil die Geschichte zu spannend wird. Ich verrate nicht zu viel, wenn ich berichte, dass der umstrittene Regisseur mit subliminalen Bildern arbeitet – Sequenzen also, die zwischenmontiert sind, aber so kurz, dass man sie bewusst nicht sieht. Nichtsdestotrotz werden sie vom Unterbewusstsein registriert und entfalten eine gefährliche Wirkung. Nachdem dies recht früh etabliert wird, suche ich auch nicht weiter nach Parallelen zu „Flicker“. Die Bücher sind unterschiedlich genug, Jonas Winner entwickelt seinen Plot in eine andere Richtung und er spielt in einer anderen Welt, im Berliner Winter, den er echt gut eingefangen hat. „Davids letzter Film“ ist ein page-turner, der in einer englischen Übersetzung vermutlich noch gewinnen wird.

(Beim Buch-Cover graust es mir gerade ein bisschen. Aber nicht im guten Sinn.)

WHERE DREAMS GO TO DIE

Der Ex, jener, also, Große Liebe. Im Traum erschienen. Sah wieder aus, wie aus wie in den Sommer hineingeboren. Im Traum fragte ich mich, warum nicht er derjenige ist, der mich als Affäre möchte, so zusätzlich, als Ergänzung zur Beziehung. Und dabei hatte ich gestern nicht mal Therapie. Es muss dieser blöde Alien-Film mit Milla Jovovich gewesen sein.

VERSPIELT

Verspürte gestern den dringlichen Impuls, den beiden mal wieder fehlenden Kollegen den Unterschied zwischen „krank“ und „arbeitsunfähig“ zu erklären. Mit nem Kater kann man durchaus zur Arbeit kommen. Man pfeift sich ne Ibu rein, trinkt ne Cola und reißt sich zusammen. Für Schnupfen gibt es Taschentücher. Für Liebeskummer hat der liebe Gott Rauchpausen erfunden, in denen man sich mit einer emphathischen Kollegin darüber austauschen kann. Dass andere ihren Job mit erledigen müssen, dass ein Dauerstresstag an den Ressourcen der übrig Gebliebenen nagt und die Nerven aufreibt, dass Arbeit liegen bleibt und auf den nächsten Tag verlagert werden muss, an dem eigentlich schon genug zu tun ist, somit noch mehr Kollegen reingezogen werden – dass sie nicht angestellt sind, um NICHT zu arbeiten, oder nur dann zu arbeiten, wenn es ihnen – ungeachtet des Dienstplans – in den Kopf passt: man macht das drei oder vier Mal mit, beim 5. Mal ist man sauer. Vor dem 6. Mal stellt man sich schon darauf ein, dass die Person nicht erscheinen wird, beim 7. Mal sind die Sympathie-Reserven verbraucht. Die Arbeitswelt ist keine Waldorf-Schule.

Das zu spät Kommen, das „Darf ich heute ne Stunde früher gehen?“, das „Muss ich heute kommen oder kommt Ihr ohne mich aus?“, das „Oh? Ich hatte heute Schicht? Ich hatte doch XY gebeten, zu sagen, dass ich heute nicht kann!“ Das „Nein, ich kann nicht einspringen, ich bin verabredet.“ Fuck. You. Vielleicht doch noch mal die Jobauswahl überdenken und sich was suchen, was besser zu einem passt? Das, was mich am Meisten ärgert ist die Asozialität. Die sich insofern rächt, als dass diejenigen, die nun für zwei oder drei arbeiten müssen, irgendwann auch nicht mehr nur den Kopf schütteln, sondern einen Hass kriegen.

Während ich also so durch den Arbeitstag jagte, kam zwischendurch immer das Gefühl hoch „Shit – ich will wissen, wie es in dem Buch weitergeht!“, kurz gefolgt von „Oops. Das ist ja noch gar nicht geschrieben.“ Gutes Gefühl. Gutes Zeichen.

DECEPTION

Der Typ, der Kate Bushs offizielle Facebook-Seite betreibt, hat mich heute beinahe umgebracht. „Kate Bush posted new songs“ hieß es da und mein Herz zerfisselte sich in tausende kleine Fleischfetzen, gespickt mit Pailletten, diamond dust, finsterstem Herzbluttropfengeglitzer und Alraunewurzelpartikeln, geboren aus dem Sperma unschuldig erhängter Matrosen. Mir wuchsen mitternachtsschwarze Schwanenflügel feinster schillerndster Feder. Meinem Hals entrang sich der Schrei einer Krähe. Zitternden Zeigefingers klickte ich auf das Schallplattensymbol.

Die neuen Songs heißen „Wuthering Heights“, „Hammer Horror“ und „Babooshka“. Vielleicht ist Kates Entschleunigung und Verlangsamung mittlerweile so überbordend, dass sie rückwärts geht?

Darüber konnte mich nicht einmal Cyndi Lauper hinwegtrösten, die ihre Euro-Tourdaten veröffentlicht hat und im Juli im Admiralspalast auftreten wird, und jetzt sitz ich hier mit Flügeln, na toll.

ONE MAN UP

Der Kollege, der im Intranet sein sofortiges Ausscheiden bekannt gibt und es gibt nur einen Abschiedskommentar, und den, so vermute ich, nur aus Höflichkeit aufgrund guter alter Kinderstube.

SPOILERS

„And then I also ordered the DVD of „XY“.“
„Ah, I tried watching that, but it was too tough. You know the story?“
„Sure.“
„When he dies in the end-„
„He WHAT?!!!!“
„But you said you knew the story!“
„But not the fucking EN-DING!!!“

FOR ONE SPOOKY MOMENT…

… there didn´t seem to be anyone around, and it felt a bit like being Player One. Das verwaist erscheinende Flughafengebäude von der Seite, die man sonst nicht gesehen hat. Diesige, eisige Luft, die Sonne war gerade ausgegangen.

27022011257